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Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Bürgercafé.

Projekt "nordwärts"

Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Nordwärts-Bürgercafé in Innenstadt-West

Eine Orangerie in der Feldherrenhalle

Auf Einladung der Koordinierungsstelle "Nordwärts" trafen sich rund 60 Interessierte zum Bürgercafé am Dienstag (14. November) im Haus der Vielfalt beim Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V. (VMDO).

Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Bürgercafé.

Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Bürgercafé.
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Mit Hilfe eines breit angelegten Beteiligungsverfahrens erarbeitet das Projekt „Nordwärts“ die Stärken der nördlichen Stadtbezirke Dortmunds, deren Ressourcen und Entwicklungspotenziale intensiver genutzt werden sollen. Die "Bürgercafés" sind 2016 ein zentraler Baustein der „Nordwärts“-Beteiligungsverfahren. Sie lösen die „Nordforen“ von 2015 ab. Gut anderthalb Jahre sind seit der Nordwärts-Auftaktveranstaltung vergangen, erste Maßnahmen und Projekte bereits angelaufen. Nun hatten rund 60 Teilnehmende die Gelegenheit, sich über den Sachstand und die Fortschritte im Stadtbezirk Innenstadt-West inkl. Dorstfeld zu informieren.

Gastgeber Ümit Kosan vom Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V. (VMDO) begrüßte die Gäste im Haus der Vielfalt.

Gastgeber Ümit Kosan vom Verbund sozial-kultureller Migrantenvereine DO e.V. (VMDO) begrüßte die Gäste im Haus der Vielfalt.
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Gastgeber Ümit Kosan begrüßte die Gäste: "Wir glauben fest daran, dass Migranten über ganz viele Kompetenzen verfügen, diese aber nicht immer so sichtbar machen können. Das passt gut zum Nordwärts-Projekt. Deshalb war für uns ganz klar, dass wir uns hier einbringen werden."

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze bedankte sich für den großen Zuspruch zum abendlichen Bürgercafé: "Ich freue mich über so viel Know-How aus verschiedenen Bereichen, um Nordwärts weiter zu entwickeln. Es ist nicht selbstverständlich, sich Zeit zu nehmen, um über politische Projekte zu reden, die noch weit in der Zukunft liegen."

Ressourcen mobilisieren

Harriet Ellwein von der Koordinierungsstelle Nordwärts erläuterte noch einmal das Ziel. „Das Nordwärts-Projekt rückt die nördlichen Stadtteile mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Ziel ist die Harmonisierung der Lebensbedingungen in der gesamten Stadt mithilfe von innovativen Projekten.“ Das Problem sei, so Ellwein, dass der Norden Dortmunds oft überhaupt nicht bekannt sei. „Wenn wir immer wieder von Schätzen reden, die es zu heben gilt, dann müssen wir diese auch zeigen“, betonte Ellwein. Vor allem versuche das Projektbüro Ressourcen zu mobilisieren. „Es geht darum, unkonventionelle Synergien zu schaffen, um Projekte ganz anders zu koordinieren, als man das sonst kennt“, erläuterte die Projekt-Koordinatorin.

Ellwein und weitere Kooperationspartner stellten den Gästen eine Reihe von Projekten vor, die im Stadtbezirk Innenstadt-West bereits angelaufen sind oder sich kurz vor der Umsetzung befinden - und die Basis für die weitere Diskussion des Bürgercafés bieten sollten.

Begegnungszentrum Dorstfeld

Die Einrichtung eines Bürgerzentrums in Dorstfeld ist der große Wunsch vieler Menschen, die dort ihren Lebensmittelpunkt haben. Für das Stadtteilleben ist das große bürgerschaftliche Engagement vieler Akteure besonders wichtig. Die Menschen bringen sich ein, gestalten mit und übernehmen Verantwortung. Die Räumlichkeiten für Stadtteilaktivitäten in Dorstfeld reichen nicht aus. Dadurch werden die hohe ehrenamtliche Einsatzbereitschaft und das aktive Vereinsleben gebremst.

Wilhelm Schulte-Coerne von der Interessengemeinschaft Dorstfelder Vereine (IDV) stellte den Gästen das Projekt „Begegnungszentrum Dorstfeld“ vor.

Wilhelm Schulte-Coerne von der Interessengemeinschaft Dorstfelder Vereine (IDV) stellte den Gästen das Projekt „Begegnungszentrum Dorstfeld“ vor.
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Wilhelm Schulte-Coerne von der Interessengemeinschaft Dorstfelder Vereine (IDV) stellte den Gästen das Projekt vor: „Wir nennen es ‚Bürgerhaus‘, weil sich alle Dorstfelder hier wohlfühlen sollen. Es ist schön zu sehen, dass die Traumphase mittlerweile vorbei ist und wir uns jetzt in der Realisierungsphase befinden.“

Als Standort kommen zwei leerstehende, aneinander liegende Gebäudeteile (ehem. Kauen) der um 1900 errichteten und 1963 geschlossenen Zechenanlage Dorstfeld 2/3 in Frage. Die zentral in Dorstfeld (Wittener Straße / Ecke Oberbank) gelegenen, unter Denkmalschutz stehenden Kauengebäude sollen künftig für Veranstaltungen der Dorstfelder Vereine und Akteure sowie für einen städtischen Kinder- und Jugendtreff, der den Hans-Werner-Meyer-Treff im Hannibal ersetzen wird, genutzt werden - Das Begegnungszentrum soll durch die Dorstfelder Vereine betrieben werden. Geplant ist die Gründung einer Genossenschaft, der die städtische Immobilie vermietet werden soll.

Zechensiedlungen: Innovation- und Smart City 2.0

Ein weiteres Projekt – vorgestellt von Peter Fuchs, Interessengemeinschaft Zechensiedlung Oberdorstfeld (IG) – hat zum Ziel, unterschiedliche Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung im Oberdorf zu realisieren, die auf weitere Siedlungen dieser Art in der Nordwärts-Gebietskulisse übertragbar sind.

Aufmerksamer Teilnehmer

Aufmerksamer Teilnehmer
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Die Ideen dazu reichen unter anderem vom Aufstellen von Informationstafeln und historischen Straßenlaternen mit smarter Technik über historische Führungen für Schulklassen, Interessierte und Touristen bis zur Einrichtung eines Infobüros mit Sprechstunden. „Wir wollen versuchen, „so Fuchs, „das unsere Siedlung eine Vorzeigesiedlung wird.“

Zudem soll die Zechensiedlung als innovatives „Praxislabor“ zur Entwicklung und Umsetzung vorbildlicher smarter technologischer Maßnahmen, in einen vernetzten Ansatz „Innovation City 2.O“, integriert werden.

Neues Wohnen und Arbeiten zwischen Hafen und Unionviertel

Planungsdezernent Ludger Wilde erläuterte Planungen, welche Entwicklungsmöglichkeiten das seit Jahren leerstehende Gelände der Firma Thyssen-Krupp und Hoesch-Spundwand (HSP) bietet. Mit dem Ziel, einen funktionsfähigen Stadtteil zu entwickeln, der – unter Einbeziehung der renaturierten Emscher – durch Wohn- und Gewerbebebauung ergänzt wird, wird der nächste Schritt eine Machbarkeitsstudie für ein tragfähiges Konzept sein.

Garten- und Landschaftsroute: Emscher-„Nordwärts“:

Aus den bisherigen Projektvorschlägen und den Ideen der Beteiligungsverfahren geht hervor, dass die Akteure in allen „Nordwärts“-Stadtbezirken großes Interesse an Lückenschlüssen und Aufwertungen von Rad- und Fußwegeverbindungen haben – wie beispielsweise einem Grünzug entlang der Emscher (Inn-West), Mountainbike-Strecken in den Wäldern Evings, der Verlängerung des „Bananenradwegs“ zum Borsigplatz (Inn-Nord) oder einer Wegeverbindung von Haus Wenge zum Lanstroper See (Scharnhorst). Auch der Ausbau von Wegen aus der Innenstadt in die Nachbargemeinden steht auf dem Wunschzettel der Bürgerinnen und Bürger.

Stefan Thabe, (Planungs- und Bauordnungsamt) erklärte, dass die gewünschten Maßnahmen in den einzelnen Stadtbezirken als Puzzlesteine für eine „Nordwärts“-Gesamtstrategie in Form eines bezirksübergreifenden Landschaftspfads zu betrachten seien. Eingebunden werden alle diese Überlegungen in die IGA – Die internationale Gartenausstellung 2027 mit dem Motto „Wie wollen wir morgen leben?“. „Die IGA, so Thabe“, ist für uns eine Riesenchance, an öffentliches Geld zu kommen.“

Orangerie in der Feldherrenhalle

Im zweiten Teil des Abends stand die Arbeit an drei Thementischen auf dem Programm. Am ersten Tisch beschäftigten sich die Teilnehmenden mit „Emscher-Nordwärts“. Thabe fasste die Beiträge zusammen: So wünschten sich die Beteiligten, Verbindungen beispielsweise durch einen Grünzug vom HSP-Gelände in Richtung Innenstadt zu schaffen sowie eine Aufweitung des Emschertals.

Neben den „Nordwärts“-Projekten wurden einzelne Ideen für das Gebiet Rheinische Straße - West / HSP-Gelände präsentiert, die Studierende der TU Dortmund, Fakultät Architektur und Bauwesen, im Sommersemester 2016 erarbeitet hatten.

Neben den „Nordwärts“-Projekten wurden einzelne Ideen für das Gebiet Rheinische Straße - West / HSP-Gelände präsentiert, die Studierende der TU Dortmund, Fakultät Architektur und Bauwesen, im Sommersemester 2016 erarbeitet hatten.
Bild: Dortmund-Agentur / Gaye Suse Kromer

Eine weitere Idee war die Schaffung von Internationalen Gärten, die von Migranten gestaltet werden und sich wie eine Perlenkette im Emschertal aneinander reihen. Auch das Bedürfnis, nicht jede freie Fläche sofort durchzuplanen, äußerten die Gäste. Thabe dazu: „Es soll einen Platz zur freien Gestaltung geben, nicht alles soll fertig gebaut werden. Natürlich setzten sich die Gäste auch mit den markanten Orten, wie der Feldherrenhalle auf dem HSP-Gelände, auseinander. Daraus eine Marke zu machen, war den Menschen wichtig, zum Beispiel mit einer Orangerie im Innern oder einem Gewächshaus für Anwohnerinnen und Anwohner. Die Idee eines Biergartens als Zwischennutzung am Platanenhain der Rheinischen Straße fand ebenfalls Anklang.

Dorstfelder wollen Raum für Arbeit gegen rechts

Für den zweiten Tisch resümierte Christof Birkendorf, Anwohner der Zechensiedlung, die Ideen zum Thema Dorstfeld 2025. Ein ganz zentraler Aspekt für die Dorstfelder ist es, im geplanten Bürgerzentrum Raum für politische Arbeit zu haben. „Dass man sich gegen Rechts positionieren kann und sich die Initiativen und der Runde Tisch hier treffen können, ist den Menschen ein ganz wichtiges Anliegen“, stellte Birkendorf klar.

Für das geplante „Bürgerhaus“ reichten die Ideen von einem Bürgercafé mit Außengastronomie über einen Kinosaal bis hin zum Partykeller. Der kurioseste Einfall war wohl, aus dem Zentrum eine Landmarke zu machen, indem man nachträglich einen weit sichtbaren Förderturm dort errichtet: „Vielleicht, „so Birkendorf mit einem Schmunzeln, „gibt es ja noch irgendwo einen, der nicht gebraucht wird.“

Für die Zechensiedlung in Oberdorstfeld war der Wunsch nach einem vernünftigen Verkehrs- und Parkkonzept besonders eindringlich. „Es wäre schön, wenn wir für ein Fest einmal die Wittener Straße sperren könnten, um eine lange Tafel aufzubauen. Dann merkt jeder, wie wunderbar ruhig es hier eigentlich ist“, unterstrich Birkendorf.

Raum öffnen, um mitgestalten zu können

Für den dritten Thementisch fasste Svenja Noltemeyer vom Verein Die Urbanisten die Ideen zusammen, die die Beteiligten zur ehemaligen HSP-Fläche entwickelt hatten. So gab es die dringende Bitte an die Stadt, die Wünsche – wie beispielsweise die Einbindung in den Planungsprozess von ansässigen Firmen sowie von Anwohnern – an den Investor weiter zu geben. „Um das Gelände besser kennenzulernen, wünschen wir uns als ersten Schritt, den Raum begehbar zu machen, um ein Bild davon zu bekommen, „betonte Noltemeyer, denn „wir Urbanisten möchten die Stadt mitgestalten und den Prozess beeinflussen“.

Anja Kador