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Rund 50 Interessierte trafen sich zum Bürgercafé in Scharnhorst.

Projekt "nordwärts"

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Grandiose Diskussionskultur: Nordwärts-Bürgercafé in Scharnhorst

Auf Einladung der Koordinierungsstelle „Nordwärts“ trafen sich rund 50 Interessierte zum Bürgercafé am Donnerstag (2. Februar 2017) in der Aula der Dietrich-Boenhoeffer-Grundschule in Derne.

Mithilfe eines breit angelegten Beteiligungsverfahrens erarbeitet das Projekt "Nordwärts" die Stärken der nördlichen Stadtbezirke Dortmunds, deren Ressourcen und Entwicklungspotenziale intensiver genutzt werden sollen. Das Bürgercafé in Scharnhorst war das siebte und vorerst letzte seiner Art. Fast zwei Jahre sind seit der "Nordwärts"-Auftaktveranstaltung vergangen, einige Maßnahmen und Projekte sind bereits angelaufen. Nun hatten Interessierte aus Scharnhorst, Derne, Lanstrop und Husen die Gelegenheit, sich über den Sachstand und die Fortschritte im Stadtbezirk zu informieren.

Das Projektbüro versucht, Ressourcen zu mobilisieren. "Es geht darum, unkonventionelle Synergien zu schaffen, um Projekte ganz anders zu koordinieren, als man das sonst kennt", erläuterte die Projekt-Koordinatorin.

Bilderstrecke: "nordwärts"-Bürgercafé in Scharnhorst

Rund 50 Interessierte trafen sich zum Bürgercafé in Scharnhorst. 9 Bilder
Rund 50 Interessierte trafen sich zum Bürgercafé in Scharnhorst.
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Ellwein und weitere Kooperationspartner/innen stellten den Gästen eine Reihe von Projekten vor, die im Stadtbezirk Scharnhorst angelaufen sind oder sich kurz vor der Umsetzung befinden - und die Basis für die weitere Diskussion des Bürgercafés bieten sollten.

Integriertes Handlungskonzept Derne

Die bergbauliche Vergangenheit des Stadtteils Derne ist auch rund 30 Jahre nach Schließung der Zeche Gneisenau im Jahr 1985 über die Grenzen des Zechengeländes hinweg sichtbar. Neben dem Tomson-Bock, dem Doppelbock-Fördergerüst sowie dem nördlichen und südlichen Maschinenhaus prägen u.a. auch die Zechenkolonie Müsersiedlung sowie die ehemalige Hoeschsiedlung Woldenmey den Stadtteil. Ein Ziel des Integrierten Handlungskonzeptes Derne ist, die unterschiedlichen Aktivitäten von Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen und Organisatoren vor Ort zu bündeln. Ein wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur in Derne ist der 2009 gegründete Förderkreis Zechenkultur "Gneisenau" e.V., der sich zum Ziel gesetzt hat, die nördliche Maschinenhalle so umzunutzen und aufzuwerten, dass diese als Veranstaltungsort genutzt werden kann. Für den Stadtteil Derne soll so ein Erlebnis- und Begegnungsort geschaffen werden, der für alle Vereine und Derner Bürger offen ist. Ein vielfältiges Programm wird den Ort für Derner und Besucher mit Führungen und kleinen Ausstellungen attraktiver machen. Für Kinder und Jugendliche ist in Kooperation mit den Schulen ein lebendiger Lernort geplant.

Technische Hauptschule

Ein weiteres Projekt – vorgestellt von Oliver Walter, Wirtschaftsförderung – befasst sich mit dem Problem der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Darüber hinaus werden Hauptschüler/innen auf dem Arbeitsmarkt derzeit unzureichend nachgefragt. Um der Zunahme von Jugend (-arbeitslosigkeit) präventiv entgegenzuwirken, entwickelte die Wirtschaftsförderung Dortmund das Modellprojekt "Technische Hauptschule".

Oliver Walter von der Wirtschaftsförderung stellte das Modellprojekt "Technische Hauptschule" vor.

Oliver Walter von der Wirtschaftsförderung stellte das Modellprojekt "Technische Hauptschule" vor.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Dabei sei es wichtig, besonders lokale Unternehmen für eine Zielgruppe von Fachkräften aus den niedrigen und mittleren Qualifikationsebenen zu sensibilisieren, die es besonders schwer haben geeignete Ausbildungsplätze zu finden.

Geplant sind u.a. Module wie Testarbeitsplätze: Schüler/innen haben die Möglichkeit, bei einem ausgewählten Unternehmen „testweise“ eine bestimmte Anzahl an Tagen zuarbeiten und zu erproben, ob das gewählte Arbeitsfeld den eigenen Interessen entspricht. Auch eine Praktikumsbörse, bei der Schüler auf einen Pool von Praktikumsangeboten diverser Unternehmen zugreifen können, steht auf dem Programm.

Gewässererlebnisstrecke Kohlbach

Der Kohlbach in Dortmund-Husen fließt derzeit kurz vor der Einmündung in die Körne in einem unterirdisch verrohrten Verlauf entlang der Husener Eichwaldstraße. Durch eine Offenlegung dieses ca. 250 m langen Gewässerabschnitts ergeben sich Potentiale zur Schaffung einer attraktiven Gewässererlebnisstrecke, die insbesondere in den Unterricht der angrenzenden Eichwald-Grund- und Hauptschule einbezogen werden soll.

Über ein Klassenzimmer am Wasser, wie z.B. am Phoenix-Gymnasium in Dortmund-Hörde, soll den Schülern ein praxisnahes "Erforschen" der Natur im Bereich eines Fließgewässers ermöglicht werden.

Das Blaue Gold am Knoten Scharnhorst

Lippeverband (LV) und Stadtentwässerung investieren am sogenannten Knoten Scharnhorst (KS) im Zeitraum 2012-2022 insgesamt mehr als 105 Mio. Euro (LV: allein 98 Mio. Euro) in den Bau von Abwasserkanälen und in die ökologische Verbesserung von Gewässern. Der Umbau der Gewässerlandschaft wird voraussichtlich bei den Verbandsgewässern bis Ende 2019 und bei den städtischen Gewässern bis Ende 2022 abgeschlossen sein. Damit profitieren ca. ein Sechstel der gesamten Gebietskulisse „Nordwärts“ und die dort wohnende Bevölkerung von diesen umfassenden Investitionen in eine nachhaltige Siedlungswasserwirtschaft, die durch zusätzliche Wegeverbindungen und andere Attraktionen noch aufgewertet werden soll.

Thementische

Im zweiten Teil des Nachmittags stand die Arbeit an drei Thementischen auf dem Programm.

Am ersten Tisch beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Thema Zeche Gneisenau und Integriertes Handlungskonzept Derne. Gisela Nürenberg vom Amt für Stadterneuerung stellte die Ergebnisse vor, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam erarbeitet hatten. Nürenberg lobte das Engagement: „Die Diskussionskultur heute war grandios, das ist nicht überall so.“

Elmar Schulte Tigges (Mitte) vom Lernbauernhof Schulte-Tigges betreute den Thementisch Bildung.

Elmar Schulte Tigges (Mitte) vom Lernbauernhof Schulte-Tigges betreute den Thementisch Bildung.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Wichtig war den Menschen unter anderem, die kulturellen Veranstaltungen in der Zeche auszubauen und den Ort beispielsweise auch bei Stadtrundfahrten im Hop-on-Hop-Off-Bus anzufahren. Weiter wurde angeregt, die Flächen zwischen den Gerüsten zu nutzen, Wegeverbindungen zu optimieren oder die Gerüste durch Lichtinstallationen aufzuwerten.

Für den zweiten Tisch zum Thema Landschaft und Gewässer stand Dr. Uwe Rath vom Umweltamt Pate. Er resümierte die Anregungen und Ideen. Hier reichten die Wünsche von einem „Boulevard Altenderner Straße“ bis zu mehr Grün im Straßenraum. Ein großes Thema waren die Gewässer im Gebiet: So gab es die Idee eines „Wasserlehrpfades“ bzw. die Wege des Wassers erlebbar zu machen. Auch die Wegeverbindungen – etwa von der Alten Körne nach Körne oder eine Radwegeverbindung zum Freibad Derne – spielten in den Diskussionen eine große Rolle.

Für den dritten Thementisch Bildung fasste Elmar Schulte Tigges vom gleichnamigen Lernbauernhof die Ergebnisse zusammen. Hier reichten die Ideen von einem Ausbildungscafé im Quartier bis zu einer Berufsinformationsstelle in Scharnhorst. Groß war der Wunsch nach dem Ausbau digitaler Infrastruktur und die Nutzung von Ladenleerständen beispielsweise für Kunst oder ein Billardcafé für Jugendliche. Auch der Wunsch nach Öffnung des herkunftssprachlichen Unterrichts für alle Interessierten und dem Angebot von Sprachkursen für solche Sprachen, die im Quartier gesprochen werden, stand bei den Diskutierenden auf dem Programm.

Anja Kador