Hafenkran bei Nacht

Projekt "nordwärts"

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Franziska Lütz

Umwelt

Zum "nordwärts"-Projekt "SuPraStadt" in Mengede liegt erstmals ein Bericht vor

Nachricht vom 23.02.2022

Die Abkürzung "SuPraStadt" steht für "Suffizienzpraktiken in der Stadt" und hat letztlich etwas mit Nachhaltigkeit und dem Schonen von Ressourcen zu tun. Am Dienstag, 22. Februar, sichtete der Dortmunder Verwaltungsvorstand einen ersten Bericht zu dem Projekt im Stadtbezirk Mengede.

Ein Mensch sammelt eine Plastikflasche auf und wirft sie in einen Müllsack.

Was kann eine einzelne Person tun, um den Energieverbrauch weltweit zu senken?
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Das Forschungsprojekt "SuPraStadt" ("Suffizienzpraktiken in der Stadt") wird vom Bundesbildungsministerium gefördert und ist bei der Koordinierungsstelle "nordwärts" angesiedelt. Es beschäftigt sich mit Methoden zur Verbreitung von umwelt- und ressourcenschonendem Verhalten im Alltag. Untersuchungsgebiet ist das Quartier Westerfilde & Bodelschwingh im Stadtbezirk Mengede.

In enger Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Dortmund wurden hier seit Projektstart 2019 verschiedene Veranstaltungen mit den Bürger*innen, aber auch mit der Lokalpolitik durchgeführt. Mit dem Sachstandsbericht zeigt das Projekt, wo und für wen ein Mehrwert besteht, und berichtet über erste Ergebnisse und Erkenntnisse der bisherigen Arbeit. Der Verwaltungsvorstand nahm diesen Bericht nun zur Kenntnis und leitete die Vorlage an die politischen Gremien weiter.

Was sind Suffizienzpraktiken?

Der Begriff "Suffizienz" kommt aus der Nachhaltigkeitsforschung. Für das Reduzieren von umwelt- und klimaschädlichen Emissionen bei der Produktion von Energie (z. B. Strom, Gas) können unterschiedliche Strategien angewendet werden. Bei Suffizienzpraktiken geht es um soziale Innovationen und Teilhabe. Im Fokus steht die Frage: Wie kann der globale Energieverbrauch durch individuelle Verhaltensänderungen gesenkt werden?

Ein klassisches Beispiel: Wer das Auto stehen lässt und öfter mal mit dem Fahrrad fährt, spart klima- und umweltschädliche Emissionen. Aber auch das Teilen, Tauschen und Reparieren von Gegenständen sind wichtige Elemente vieler bereits heute praktizierter Ansätze von Suffizienz.

Hoher Mehrwert für Quartiersakteur*innen

Suffizienzpraktiken können sich positiv auf das nachbarschaftliche Miteinander, die finanzielle Situation, die Gesundheit und damit auch auf die empfundene Lebensqualität der Menschen auswirken. Durch die Teilnahme an den Veranstaltungen des Projektes "SuPraStadt" hatten Menschen in Westerfilde & Bodelschwingh die Chance, verschiedene Suffizienzpraktiken kennenzulernen und sich über Möglichkeiten für ressourcenschonendes Verhalten auszutauschen.

In der Veranstaltungsreihe "Klimanachbarschaften" ging es darum, Handlungsoptionen aufzuzeigen, die nicht zwingend einen Verzicht, sondern im besten Fall einen Gewinn im Leben der Beteiligten mit sich bringen können. So wurde zum Beispiel bei einer geführten Wanderung nach essbaren Pflanzen und Kräutern gesucht und nebenbei Müll aufgesammelt.

Neben der Bürgerschaft wurden außerdem Vertreter*innen der Bezirksvertretung Mengede für das Thema sensibilisiert. In drei Veranstaltungen wurde gemeinsam darüber diskutiert, welche konkreten Möglichkeiten es für die Lokalpolitik gibt, Einfluss auf die Förderung von nachhaltigen Verhaltensweisen im Quartier zu nehmen. Und auch die Stadtverwaltung profitiert vom Projekt: Es werden neue und innovative Formate der bürger*innennahen Kommunikation entwickelt und erprobt, welche auch auf andere Prozesse übertragen werden können.

Studie soll weitere Erkenntnisse liefern

Ergänzend zu den bisherigen Maßnahmen wurde am 24. Januar eine breit angelegte Quartiersstudie gestartet, in der untersucht wird, ob ein Zusammenhang zwischen dem Ausüben der Suffizienzpraktiken und der empfundenen Lebensqualität sowie der sozialen Teilhabe besteht. Die Ergebnisse der bis Ende März 2022 laufenden Studie werden ausgewertet und fließen anschließend in den Endbericht des Forschungsprojektes ein.

So geht es weiter

Die Projektlaufzeit und damit die Finanzierung durch das Bundesministerium enden am 31. Mai. Allerdings hat das Projektkonsortium einen Antrag für eine weitere, zweijährige Projektlaufzeit eingereicht, der aktuell noch geprüft wird. Vorbehaltlich der Zustimmung ist im Zuge dieser zweiten Projektlaufzeit unter anderem die Fortführung des Formates "Suffizienzpolitik = Lokalpolitik" sowie ein Transfer des Formates "Klimanachbarschaften" auf das Quartier Dorstfeld-Hallerey geplant.

Zum Hintergrund: Beim Forschungsprojekt "SuPraStadt" wird in drei Gegenden (Dortmund, Heidelberg, Kelsterbach in Hessen) erprobt, wie eine Verbreitung von Suffizienzpraktiken gefördert werden kann.

Gleichzeitig wird untersucht, ob dies zu einem Abbau sozial-ökologischer Ungleichheiten und zur Verbesserung der urbanen Teilhabe, des nachbarschaftlichen Miteinanders und der Lebensqualität in soziokulturell heterogenen Quartieren beitragen kann. Dafür werden verschiedene, zielgruppenspezifische Beteiligungs- und Kommunikationsformate erprobt, miteinander verglichen und im Hinblick auf ihre Wirksamkeit evaluiert. Dabei stehen die Themenfelder Ernährung, Konsum und Müll, Energie und Wohnen, Reisen, Artenvielfalt und nachhaltige Mobilität im Fokus.

"SuPraStadt" wird von folgenden wissenschaftlichen Institutionen und Praxispartner*innen durchgeführt:

  • ifeu (Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg gGmbH)
  • Förderverein Collegium Academicum Heidelberg e.V.
  • ISOE (Institut für sozial-ökologische Forschung GmbH)
  • Fachhochschule Dortmund (Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften)
  • Stadt Dortmund (Amt für Angelegenheiten des Oberbürgermeisters und des Rates, Koordinierungsstelle "nordwärts")
  • Stadt Heidelberg (Amt für Umweltschutz, Gewerbeaufsicht und Energie)
  • Stadt Kelsterbach (Der Bürgermeister)

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.