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Denkmalbehörde

Bild: pixelio / modellflieger

Denkmal des Monats August 2017

Ein kleines Fundstück im Dortmunder Süden mit Gänsehauteffekt

Nachricht vom 01.08.2017

Ein in Dortmund gefundener Wehrmachtsring, mit einer besonderen Geschichte, wurde jetzt von der Dortmunder Denkmalbehörde zum Denkmal des Monats August 2017 ausgewählt.

Fundstück von einem Acker im Dortmunder Süden

Erinnerungsring von Wehrmachtsoldaten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, aus dem Jahre 1942, der Besatzungszeit Norwegens
Bild: Denkmalbehörde / Stefan Evers

"Wo haben Sie das her?" – Die Frage stand wie ein Ausrufezeichen im Raum. "Von dem Feld, von dem ich Ihnen erzählt habe, das ist der Wehrmachtsring meines verstorbenen Vaters."

Die Spuren der letzten Kriegsjahre im Ruhrgebiet existieren bis heute. Bunker und andere Luftschutzanlagen, Munitions- und Gebäudereste finden sich immer wieder im Gelände. Oftmals zeugen sie vom dramatischen Geschehen dieser Zeit, wie z. B. die Auffindung des abgeschossenen Fliegers bei Haltern vor wenigen Jahren. Manchmal sind auch ganz persönliche Dinge darunter, so vor wenigen Wochen der Fund eines Wehrmachtringes in Dortmund. Dieses Fundstück mit einer besonderen Geschichte wurde jetzt von der Dortmunder Denkmalbehörde zum Denkmal des Monats August 2017 ausgewählt.

Starke Präsenz von Munitionsteilen

Doch der Reihe nach: Auch der Dortmunder Süden war in den vergangenen 300 Jahren häufiger Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Schanzen im Berghofer und Schwerter Wald und Reste von Flakstellungen im Raum Wellinghofen zeugen noch heute davon. Ausgestattet mit einer Suchgenehmigung der Denkmalbehörde prüft derzeit Stefan Evers mit einem Metalldetektor, ob hier im Untergrund Bodendenkmäler vorhanden sind. Immer wieder fällt ihm dabei die starke Präsenz von Munitionsteilen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf. So fand er beispielsweise konzentriert auf einer kleinen Fläche große Mengen von amerikanischen Geschosshülsen des Kalibers .50 BMG (BMG = Browning Machine Gun). Die Bodenstempel tragen einheitlich die Ziffern "T W 4", d. h. Twin Cities Ordnance Plant, Minneapolis, MN, Herstellungsjahr 1944. Östlich davon, in ca. 1,2 km Entfernung lagen auch die zugehörigen Geschosse.

Derartige schwere Munition wurde im Zweiten Weltkrieg in Geschütztürmen, Fahrzeugen oder Bordkanonen in Flugzeugen genutzt. Dementsprechend könnten die Geschosse von diesem Kaliber aus amerikanischen Flugzeugbordkanonen, z. B. einem Jagdbomber des Typs Republic P47 Thunderbolt des amerikanischen Herstellers Republic Aviation stammen.

Rekonstruktion der damaligen Geschehnisse

Aufgrund der Lage der Fundstellen, der Fundstücke selber und der Ortsituation kann Stefan Evers inzwischen den Abschussort, die Schussrichtung und schließlich das angedachte Ziel rekonstruieren.

Demnach müsste der Beschuss aus westlicher Richtung stattgefunden haben. Die Geschosshülsen fielen bei Schussabgabe zu Boden und die Projektile schlugen weiter östlich ein. Ihr Ziel war offensichtlich eine Flakstellung, von der schon sein Großvater berichtet hatte. Der hatte seinerzeit Munitionsbunker beliefert, die diese Flak-Stellungen versorgten. Stefan Evers entdeckte jetzt die zersprengten Geschosshülsen der Flakgeschütze. Die Detonation muss gewaltig gewesen sein, um diese Munition derartig zu zerreißen. Im Nachhinein konnte nun der Enkel die Erzählungen des längst verstorbenen Großvaters hautnah nachfühlen.

Erinnerung an Besatzungszeit in Norwegen

Und jetzt dieser Ring! Aber lassen wir Stefan Evers in seinem Fundbericht selbst zu Wort kommen: "Ich fand den Ring vor einigen Wochen. Es handelt sich um einen Erinnerungsring von Wehrmachtsoldaten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, aus dem Jahre 1942, der Besatzungszeit Norwegens. Oben links sind der Schriftzug "Norge" und mittig die norwegische Halbinsel zu erkennen. Ringe dieser Art gibt es in unterschiedlichem Design, in dieser Ausführung sind sie sehr selten. Und jetzt kommt es: Gestern bin ich nach meinem Suchgang noch kurz beim Landwirt vorbeigefahren. Ich erzählte ihm von den neuesten Fundstücken auf seinen Feldern, erklärte die Fundstellen und zeigte ihm dabei auch den Ring. Der Landwirt sah mich mit großen Augen an und sagte stockend (überrascht?), dass sein verstorbener Vater in Norwegen stationiert gewesen war und die Familie schon in den Nachkriegsjahren den Bereich der Fundstelle bewirtschaftet habe."

Ein kleines Fundstück von einem Acker im Dortmunder Süden mit Gänsehauteffekt.