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Denkmalbehörde

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Denkmal des Monats Juni 2018

"Buttern und Gezähe" - Die Bergbauhistorischen Stätten Syburg

Nachricht vom 29.05.2018

Der Ausstieg aus der Steinkohleförderung in Deutschland für Ende 2018 ist beschlossene Sache. Dabei war Steinkohle nicht nur lange Zeit der Motor des Wirtschaftsstandorts Deutschland, sondern der Bergbau prägte das Ruhrgebiet auch kulturell. Zeit für die Denkmalbehörde, einmal auf die Anfänge zurückzublicken und die Bergbauhistorischen Stätten Syburg und die damit verbundenen Verdienste des Arbeitskreises Dortmund im Förderverein Bergbauhistorische Stätte Ruhrrevier e. V. als Denkmal des Monats Juni 2018 vorzustellen.

Stollen Zeche Graf Wittekind

Stollen Zeche Graf Wittekind
Bild: Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V.

Bergbauhistorische Stätten Syburg

Vielerorts sieht man noch oberirdische Elemente des industriellen Tiefbaus zur Kohleförderung wie Fördertürme und Maschinenhallen. Anders verhält es sich mit den Zeugnissen des vorindustriellen Bergbaus. Sie wurden bereits im 19. Jahrhundert, spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben. Die kleineren Zechen mit zumeist ungünstigen Abbaubedingungen waren nicht mehr rentabel. Stollen und Zugänge wurden verfüllt. Die zumeist hölzernen Aufbauten verschwanden. Eine dieser alten Anlagen sind die bergbauhistorischen Stätten am Westhang des Syberges unterhalb der Syburg. Von 1582 bis rund 1900 wurde hier Kohle abgebaut, ab 1868 in der Zeche "Graf Wittekind".

Rückkehr aus der Vergessenheit

Das Bergwerk "Graf Wittekind" war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Fachmännisch verfüllt, gab es nur noch an wenigen Stellen Öffnungen, die auf die frühere Existenz hindeuteten. Und anders als bei den industriell geführten Großzechen gab es kaum Pläne, die es dokumentierten. Nur noch wenige Einheimische konnten sich daran erinnern. Das änderte sich, als der 1986 gegründete Arbeitskreis Dortmund im Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. sich zur Aufgabe machte, "Graf Wittekind" wiederzubeleben. In 30 Jahren haben die Mitglieder ein authentisches Besucherbergwerk geschaffen. Kein Nachbau, sondern die Originalsubstanz vermittelt den Besuchern Einblicke in die frühe bergmännische Arbeitswelt. Zudem wurden mit großer Akribie die wiederhergestellten Strecken im Syberg vermessen und kartiert.

"Natürlich mache ich das ehrenamtlich"

"Für Geld würde ich nicht so schuften". Das war die spontane Antwort eines Mitglieds auf eine Besucherfrage nach seiner Motivation. Aktiv sind gut zwanzig Freiwillige. Immer samstags treffen sich rund zehn Mann, um von 9.00 bis 13.00 Uhr intensiv im Berg zu arbeiten. Dabei benutzen sie die traditionellen Geräte des frühen Bergbaus. Ein Einsatz von Maschinen wäre in den engen und niedrigen Stollen auch kaum möglich. Meistens muss man sich gebückt voran bewegen, manchmal auch auf allen Vieren kriechen. Nur an wenigen Stellen kann man stehen. Diese Erfahrung machen im übrigen auch die Besucher. Sie müssen - anders als im Bergbaumuseum - zum Schutz Overall, Helm, Grubenlampe, Handschuhe, Knieschoner und Arschleder, einen Schutz für das Gesäß, tragen.

Buttern und Gezähe

Nach der Arbeit "buttern" die Mitglieder - wie hier der Imbiss heißt. Überhaupt hat sich der Arbeitskreis nicht nur um die Wiederbelebung von "Graf Wittekind" als Besucherbergwerk verdient gemacht. Er bewahrt auch die alten bergmännischen Vokabeln, die aus der Alltagssprache des Ruhrgebiets verschwinden. Das gesammelte Arbeitsgerät wird Gezähe genannt. Hammer, Meißel und Spitzhacke nennt der Bergmann Schlägel, Eisen und Keilhaue. Und auch wenn man - wie im Bergwerk "Graf Wittekind" - den Stollen durch ein Mundloch betritt, spricht man von Einfahrt. Viele weitere Ausdrücke kann man beim Besuch des Bergwerks erfahren.

Preise und neue Planungen

Die Anstrengungen des Arbeitskreises belohnte das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz bereits 2007 mit der Silbernen Halbkugel für die vorbildliche und denkmalgerechte Erforschung und Bewahrung des Bodendenkmals bergbauhistorischer Stätten Syburg. Im April 2018 erhielt der Arbeitskreis zudem den ersten Preis beim 7. Geschichtswettbewerb des Forums Geschichtskultur an Ruhr und Emscher. Auch ohne diese "Ermunterungen" haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises die weitere Erschließung des Bergwerks "Graf Wittekind" zum Ziel gemacht. Zwei der drei bekannten Stollen sind inzwischen "aufgewältigt", das heißt gesichert. Sie sind miteinander verbunden und durchgängig begehbar. Ein dritter Stollen, "Graf Wittekind Nr. 4", ist ebenfalls aufgewältigt. Eine Verbindung zu den beiden anderen Stollen gibt es noch nicht. Die fehlenden 24 m werden die Mitglieder des Arbeitskreises in den nächsten Jahren beschäftigen.

Für Interessierte, die selbst die Arbeit der frühen Bergleute erleben möchten, bietet der Verein Schnupperschichten an. Anmeldung beim Vorsitzenden des Arbeitskreises, Heinz-Ludwig Bücking, telefonisch unter: 0231 - 71 36 96.

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