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Denkmal des Monats August 2018

Ein Fenster ist ein Fenster ist ein Fenster - Die Krügerpassage am Westenhellweg

Nachricht vom 02.08.2018

Ein Fenster ist halt ein Fenster - so denken viele, wenn es um den Ersatz alter Fenster geht. Jedes Fenster hat insbesondere zwei Zwecke zu erfüllen: die dahinter liegenden Räume mit natürlichem Licht zu versehen und vor Kälte oder Hitze zu schützen. So waren besonders beim Einbau der Thermopanefenster in den 1970er Jahren die neuen technischen Eigenschaften und der Preis wichtiger als die Form. Reihenweise erhielten damals Gebäude große einflächige Fensterscheiben. So war es auch am Krüger-Haus, die als Denkmal des Monats August 2018 vorgestellt werden soll.

Krügerpassage am Westenhellweg

Erbaut wurde das Krüger-Haus 1912 mit einem breiten Durchgang zwischen Westenhellweg und Kampstraße
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dominik Heit

Weltstadtflair für Dortmund

Erbaut wurde das Krüger-Haus 1912 mit einem breiten Durchgang zwischen Westenhellweg und Kampstraße. Links und rechts befanden sich Ladeneinbauten, in der Mitte eine Rotunde, die ursprünglich von einer gläsernen Kuppel überdeckt war. Mit dieser Passage sollte weltstädtisches Flair in die damals boomende Industriestadt Dortmund einziehen. Sowohl die Fassade als auch der Innenbereich des in Formen der späten Renaissance errichteten Gebäudes sind reich mit figürlichen und ornamentalen Reliefs geschmückt, die der Dortmunder Künstler Curt Doehler geschaffen hat. Dabei ließ sich der Bauherr Gustav Krüger über dem 1. Obergeschoss neben dem mittleren Erker verewigen. Er richtete in der westlichen Seite des Hauses die gleichnamige Buchhandlung ein, die fast 100 Jahre Bestand hatte.

Erbaut vom "Star-Architekten"

Der Portraitkopf auf der anderen Seite des Erkers zeigt den Architekten Hugo Steinbach, der vor allem für den Entwurf zeichnete und zusammen mit Paul Lutter ein bekanntes Dortmunder Architekturbüro betrieb. Es prägte seinerzeit das Erscheinungsbild der Stadt durch eine große Anzahl repräsentativer Objekte. Heute noch erhalten sind neben dem Krüger-Haus beispielsweise die Adler-Apotheke am Alten Markt, der Löwenhof am Königswall, der bislang von der VHS genutzt wurde oder das "Haus der Schifffart" an der Mallinckrodtstraße in der Nähe des Hafens. Besonders gefragt waren die Architekten bei der Firma Hoesch. Dort erwarben sie sich zwischen 1912 und 1922 in gewisser Weise die Stellung von Hausarchitekten. Sowohl das große Bürogebäude und das Pförtnerhaus an der Westfalenhütte als auch das Hoesch-Gästehaus gehen auf ihre Planungen zurück. Für diese Objekte, wie auch für eine Reihe von Gebäuden für das Filialwerk in Kassel, entwarfen sie auch die Innenausstattung.

Krieg und "Modernisierung"

Wie fast alle Gebäude der Dortmunder Innenstadt entkam auch das Krüger-Haus nicht den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Besonders in Mitleidenschaft gezogen war der nördliche Teil an der Kampstraße. Er wurde zwischen 1953 und 1958 in Formen der 1950er Jahren wieder aufgebaut und dabei um 7 Meter verkürzt, um die Kampstraße verbreitern zu können. Weniger Schäden erlitt die Fassade zum Westenhellweg. Deshalb konnte man sie - bis auf die Dachzone - im Wesentlichen erhalten. Ab Ende der 1970er Jahre waren hier allerdings mehrfach Sanierungsarbeiten nötig, zuletzt 2010. Seit sich 1995 ein größeres Stück einer Figur löste und auf den Westenhellweg stürzte, steht die Fassade unter ständiger Beobachtung.

Architektenvorgaben

In den 1970er Jahren zielte der Einbau der neuen Fenster weniger auf den Erhalt des Gebäudes als auf die Verbesserung energetischer Eigenschaften. So verzichtete man auf die von Steinbach und Lutter detailgetreu vorgegebene Gliederung der Fenster. Lediglich in der Passage blieben einige im Original erhalten. Der neue Eigentümer des Krüger-Hauses beantragte nun, den ursprünglichen Zustand wieder herstellen zu dürfen. Orientierung boten nicht nur die alten Architekturzeichnungen und Fotoaufnahmen, sondern auch die bauzeitlichen Fenster im Inneren der Passage, denen Farbproben entnommen wurden.

Durch die ursprüngliche weiße Farbe und die reiche Gliederung geben jetzt die neuen Holzfenster dem Krüger-Haus seine alte ästhetische Erscheinung zurück - dies nicht nur zur Freude der Denkmalpfleger. Auch Passanten und Beschäftigte in den gegenüberliegenden Gebäuden, die die Fassade oft vor Augen haben, sind überzeugt. Als Mitarbeiter der Denkmalbehörde bei der Kaufmännischen Krankenkasse fragten, ob man aus ihrem Büro im 4. Obergeschoss die Fassade der Krüger-Hauses fotografieren dürfe, gab es dazu nicht nur problemlos die Erlaubnis. "Das ist so schön geworden. Man sollte an viel mehr Gebäuden die "Fenster-Löcher" schließen und wieder zum Zustand mit alter Teilung zurückkehren. Davon lebt doch die Fassade", begeisterte man sich über die gelungene Sanierung.

Zum Thema

Alle Denkmäler des Monats finden Sie in dem unten aufgeführten Link.