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Denkmalbehörde

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Denkmal des Monats Oktober 2019

Blauer Himmel am Gottesacker: die große Trauerhalle des Hauptfriedhofs

Nachricht vom 25.09.2019

Spannung bis zum Schluss! Wie würde die blaue Farbe wirken? Nach aufwendiger Restaurierung kann die große Trauerhalle des Hauptfriedhofs ab Oktober wieder ihre Funktion erfüllen. Einige alte Glasscherben spielten dabei eine wichtige Rolle. Doch nicht nur sie allein waren Anlass für die Denkmalbehörde Dortmund, das Gebäude als Denkmal des Monats Oktober 2019 vorzustellen.

Große Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof

Die Vielzahl der Informationen gab den Fachleuten die Legitimation, eine Neuinterpretation der Gestaltung vorzunehmen, die nahe am Original ist
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Thomas Mayer, Architektur-Fotograf

Die imposante Trauerhalle bildet das Kernstück der Gebäudegruppe des Hauptfriedhofs. Vom ehemaligen Haupteingang an der Bundesstraße 1 mit seinen massiven rechteckigen Pfeilern unter einem schweren, flachen Bogen aus Natursteinen führt eine schnurgerade Allee darauf zu. Noch heute ist der Dortmunder Hauptfriedhof die größte Grünanlage der Stadt und einer der größten Friedhöfe Deutschlands. Bekannte Persönlichkeiten, u. a. der Architekt Will Schwarz, Oberbürgermeister Dietrich Keuning, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Willi Daume und die Archivarin Luise von Winterfeld sind hier bestattet.

Krieg und Inflation als Hemmschuhe

Geschaffen haben die Gebäudegruppe die Dortmunder Architekten Heinrich Strunck & Josef Wentzler zusammen mit Stadtbaurat Hans Strobel. Bereits 1912 hatte der Magistrat der Stadt Dortmund beschlossen, einen neuen Hauptfriedhof im Osten der Stadt anzulegen. Die Industrialisierung hatte seit der Mitte des 19. Jahrhunderts für einen starken Bevölkerungszuwachs gesorgt. Es wurde nicht nur mehr Wohnraum für die Lebenden benötigt. Auch die im Stadtgebiet liegenden Friedhöfe (West-, Südwest-, Osten- und Nordfriedhof) waren inzwischen zu klein. Unterbrochen wurden die Planungen 1914 durch den Ersten Weltkrieg. Und auch die nach einem Wettbewerb 1919 ausgeschriebenen Arbeiten gerieten durch die Inflation noch einmal ins Stocken. Schließlich konnte die große Trauerhalle 1924 vollendet werden.

Triste Stimmung

Wer das Gebäude in den letzten Jahren betrat, den beeindruckte weniger die Architektur, als vielmehr der triste Anblick im Innern. Der Anstrich in gebrochenem Grau-Weiß war durch Kerzenruß und Schmutz verunreinigt und wirkte dadurch noch fahler. Eine Reinigung der 20 Meter hohen Wände war aufwendig und lange nicht vorgenommen worden. Selbst der letzte Anstrich von 1990 hatte sich schon auf die unteren zwei Drittel der Wände beschränkt. Auch die in den 1960er Jahren unter die Decke gehängten Akustikplatten sowie eine Glasfasertapete im oberen Bereich der Wände trugen nicht zur Verschönerung bei. Gelbfarbige Fenstergläser tauchten zudem alles in ein senfgelbes Licht.

Zahlreiche Farbschichten aus 70 Jahren

Wasserflecken an den Wänden gaben schließlich den Ausschlag für eine Sanierung der Trauerhalle. Von historischen Fotos wusste man, wie die Trauerhalle innen ursprünglich ausgesehen hatte. Zu erkennen war, dass außer dem noch heute vorhandenen Glasmosaik an der Stirnwand eine Reihe von Gemälden an den Seiten auf das Thema Werden - Bestehen - Vergehen Bezug nahmen. Ein Deckengemälde des Malers Clemens Kaufmann zeigte einen großen Stern in einer Wolkenformation. Allerdings handelte es sich bei den Aufnahmen aus den 1920er Jahren um Schwarz-Weiß-Fotos, die keine Aussagen zur ursprünglichen Farbigkeit zuließen. Eine Untersuchung der Diplom-Restauratorin Heike Wehner zeigte, dass es seit 1924 zum Teil fünf Neuanstriche gegeben hatte. Bei einigen dieser "Erneuerungen" war man aber so gründlich vorgegangen, dass nicht mehr genügend Farbreste vom Erstanstrich zu finden waren.

„Oh, wie schön!“

Die historischen Fotos in Kombination mit den Farbuntersuchungen reichten somit nicht aus, um eine völlig authentische Wiederherstellung der ursprünglichen Innenraumgestaltung zu erzielen. Die Vielzahl der Informationen gab den Fachleuten aber die Legitimation, eine Neuinterpretation der Gestaltung vorzunehmen, die nahe am Original ist. Einige, in Fensternischen gefundene, türkisblaue Glasscherben gaben den Hinweis auf die Farbigkeit der ursprünglichen Verglasung, wobei das bläuliche Licht sowohl an das nicht mehr existierende alte Deckengemälde erinnert, als auch die aus verschiedenen Blautönen bestehende Himmelslandschaft der Düsseldorfer Künstlerin Anja Quaschinski in ihrer Wirkung unterstützt.

Besucher der Trauerhalle bleiben oft am Eingang überrascht stehen: „Oh, wie schön“ – diesen Ausruf hören die Verantwortlichen des Friedhofs immer wieder und dieser neue Blick „in den blauen Himmel“ kann für Trauergäste nun etwas Tröstendes haben, ganz im Gegensatz zu dem alten Zustand.

Zum Thema

Alle Denkmäler des Monats finden sich auf der Webseite der Denkmalbehörde Dortmund.