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Denkmalbehörde

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Denkmal des Monats März 2021

Die Dortmunder Gartenstadt – Wohnen in gartenumhegter Anlage

Nachricht vom 01.03.2021

Die Dortmunder Gartenstadt gehört zu den bedeutenden Zeugnissen der Dortmunder Architekturgeschichte. Deshalb hat das Stadtplanungs- und Bauordnungsamt der Stadt Dortmund die Prüfung von Instrumenten zum Schutz der Südlichen Gartenstadt in Auftrag gegeben. Dies ist Anlass, die stadtplanerische Besonderheit der Gartenstadt vorzustellen.

Denkmal des Monats März 2021: Die Dortmunder Gartenstadt – Wohnen in gartenumhegter Anlage

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Günter Wertz

Sozialpolitisches Novum

"Eine Gartenstadt ist eine planmäßig gestaltete Siedlung auf wohlfeilem Gelände, das dauernd im Obereigentum der Gemeinschaft erhalten wird, derart, daß jede Spekulation mit dem Grund und Boden dauernd unmöglich ist. Sie ist ein eigener Stadttypus, der eine durchgreifende Wohnungsreform ermöglicht, für Industrie und Handwerk vorteilhafte Produktionsbedingungen gewährleistet und einen großen Teil seines Geländes dauernd dem Garten- und Ackerbau sichert", so heißt es in § 1 der Statuten der 1902 gegründeten Deutschen Gartenstadtgesellschaft. Sie übernahm damit sozialreformerische Ansätze, die zuerst in England formuliert wurden. Kleinere Gartenstädte sollten die industriellen Ballungszentren mit ihren krankmachenden Wohn- und Arbeitsbedingungen entzerren und die Bodenspekulation durch Gemeinschaftseigentum verhindern.

Ausgleich durch körperliche Arbeit

Vor allem die Großindustrie hatte aber wenig Interesse an der Dezentralisierung ihrer Betriebe. Damit änderte sich auch die soziale Zusammensetzung der Zielgruppe. Zu den Gründern der Dortmunder Gartenstadt gGmbH zählten 1910 neben einigen Kaufleuten und Freiberufler*innen vor allem Angehörige des mittleren und gehobenen Beamtentums, die entgegen der ursprünglichen Ziele der Gartenstadtbewegung Eigentümer der Baugrundstücke wurden. In den geplanten großen Haus- und Vorgärten wollten sie "durch körperliche Arbeit mit Spaten und Rechen" einen Ausgleich zu ihrer Berufstätigkeit finden. Für finanziell weniger gut Gestellte plante man am Kettelerweg eine Reihenhausbebauung, die zugleich auch als Schallbarriere für die dahinter vorbeiführende Hafenbahn diente. Industrielle oder handwerkliche Produktionsstätten waren nicht vorgesehen.

Besonderes städtebauliches Konzept

Nachdem die Stadt Dortmund ein günstig gelegenes Gelände südlich des Westfalendamms zur Verfügung gestellt hatte, begann ab 1913 die Bautätigkeit. Grundlage bildete ein von Professor Heinrich Metzendorf aufgestelltes und unter Leitung von Stadtbaurat Cremer überarbeitetes städtebaulichen Konzept. Es sah eine Reihe kleinerer und größerer Plätze vor, von denen 15 m breite Verkehrs- bzw. 10 m breite Wohnstraßen abgingen. Platzartige Erweiterungen der Wohnstraßen sollten zum Verweilen einladen. Verschiedenartige Pflasterungen gaben den Straßen besonderen Charakter. Insgesamt war es Metzendorfs Ziel, "städtebaulich schöne Perspektiven zu erzeugen" und "die Häuser zu malerischen und interessanten Gruppen zusammenzufassen." Entworfen wurden die einzelnen Häuser von unterschiedlichen Architekten. Wegen der langen Bebauungszeit von 1913 bis in die 1930er Jahre reicht die stilistische Spannbreite vom Heimatstil über den Expressionismus bis zu einer gemäßigten Form des Neoklassizismus.

Denkmal des Monats März 2021: Die Dortmunder Gartenstadt – Wohnen in gartenumhegter Anlage

Luftaufnahme
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Strobel, Hans (Hg.): Dortmund. Ein Blick in eine deutsche Industriestadt. Dortmund 1922, S. 75.

Vornehmer ländlicher Charakter

Obwohl Häuser und Grundstücke in Privateigentum übergingen, gab es vielfache Regelungen, über die die Genossenschaft wachte. So mussten die Eigentümer*innen "das Anwesen selbst bewohnen". Nebengebäude wie Schuppen waren nicht gestattet, um den "vornehmen, ländlichen Charakter" zu wahren. Nur hinter der Reihenhausbebauung am Kettelerweg waren kleine Ställe "für Kaninchen, Ziege oder dergleichen" erlaubt. Darüber hinaus gab es vielfältige detaillierte Gestaltungsvorgaben von der Einfriedung (Hecken!), über die Vorgärten (keine Nadelhölzer!) bis zur Farbe von Rankgittern und Gartentoren (weiß!).

Erweiterungen

Ab 1920 erweiterte ein von Stadtbaurat Strobel initiierter Bebauungsplan einerseits die Gartenstadt in östlicher Richtung bis zur Max-Eyth-Straße. Andererseits nahm Strobel auch Areale nördlich des Westfalendamms und westlich der Hafenbahn in das Gesamtkonzept auf, die aber nicht der Gartenstadt gGmbH unterstanden. Mit ihrer ähnlichen Bebauung werden diese Gebiete heute im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls als Gartenstadt bezeichnet.

Zum Thema

Einmal im Monat greift die Denkmalbehörde die aktuelle Geschichte eines Denkmals heraus und stellt diese in der Reihe Denkmal des Monats vor. Alle Denkmäler des Monats sind auf der Webseite der Denkmalbehörde Dortmund zu finden.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.