Alte Loren, Kabeltrommeln und Zahnräder an der Zeche Zollern

Denkmalbehörde

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten modellflieger / PIXELIO

Freizeit

Denkmalpflege gibt Tipps für attraktiven Spaziergang auf der Hohensyburg

Nachricht vom 15.12.2021

Hoch oben im Süden Dortmunds an der Grenze zu Hagen und dem Sauerland ist der Dortmunder Ortsteil Syburg. Vor allem bekannt durch das Casino hat das 1.500-Seelen-Örtchen viel mehr zu bieten. Mit dem mittlerweile 12. Heft der Denkmalpflege der Stadt Dortmund können Besucher*innen einen ausgedehnten und informativen Spaziergang unternehmen.

v.l. Ralf Herbrich, Leiter Denkmalbehörde, Stefan Thabe, Leiter Stadtplanungs-und Bauordnungsamt, Dr. Henriette Brink-Kloke, ehemalige Leiterin Untere Denkmalbehörde und Autorin des 12. Dortmunder Denkmalhefts

Ralf Herbrich, Leiter Denkmalbehörde, Stefan Thabe, Leiter Stadtplanungs-und Bauordnungsamt, Dr. Henriette Brink-Kloke, ehemalige Leiterin Untere Denkmalbehörde und Autorin des 12. Dortmunder Denkmalhefts (v.l.)
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Angela Seger

Der geschichtsträchtige Ort ist mit seinem Denkmälern ein Ausflugsziel für Groß und Klein. "Hohensyburg ist nicht irgendein Ort, hier ist auch der höchste Berg, der Klusenberg, mit eine Höhe von 254 Metern", erklärt Stefan Thabe, Leiter des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes Dortmund. Hohensyburg sei ein "Identifikations- und Integritätsziel", so Thabe weiter, denn die Denkmäler seien imagebildend. "Welcher Dortmunder, welche Dortmunderin kennt zum Beispiel nicht das Kaiser-Wilhelm-Denkmal? Und die Bekanntheit des Denkmals geht über die Grenzen Dortmunds hinaus."

Ein Ausflug nach Syburg ist ein Ausflug in die Geschichte Dortmunds

Seit nunmehr zehn Jahren schreibt Mitautorin Dr. Henriette Brink-Kloke ehrenamtlich am Denkmalheft "Bausteine und Fundstücke". "Ausflugziel und Brückenkopf, Pilger- und Kontrollstation, Sehnsuchts- und Erinnerungsort – der fast 150 Meter hoch über dem Zusammenfluss von Ruhr und Lenne aufragende Geländesporn des Sybergs im Dortmunder Süden bietet Gelegenheit, Vergangenheit und Gegenwart miteinander in Beziehung zu setzen." - das sind die ersten Worte im neuen Heft der Denkmalpflege "Bausteine und Fundstücke".

Die 12. Ausgabe kommt diesmal wie ein Reiseführer für einen der spannendsten Ausflüge daher und trägt konsequenterweise auch den Titel "Ein Sonntagsspaziergang auf der Hohensyburg" [pdf, 18,7 MB] . Ausflügler*innen und Leser*innen erfahren Spannendes und Wissenswertes zu den bekannten Wahrzeichen, aber auch zu den weniger bekannten Orten im Umfeld. Aus Sicht des Denkmalschutzes reihen sich an einem der schönsten Punkte Westfalens, der Hohensyburg, außergewöhnlich viele interessante Orte nahe aneinander. Durch die Erhaltung der unterschiedlichsten Zeitschichten, die sichtbar in Form von Bau- und Bodendenkmalen sind, ist das Bergplateau mit dem Gesamtensemble auch ein Ort von besonderer Strahlkraft, ein Ort von überregionaler Bedeutung.

Die beiden Autorinnen des "Sonntagsspaziergangs", die ehemalige Stadtarchäologin und Leiterin der Denkmalbehörde, Dr. Henriette Brink-Kloke und die freie Archäologin M.A. Elke Schneider, haben im Laufe ihrer Tätigkeit zahlreiche Ausgrabungen wissenschaftlich betreut, dokumentiert und für Publikationen aufgearbeitet. Sie skizzieren einen Sonntagsspaziergang über das Bergplateau mit seinen heute noch erlebbaren historischen Spuren. Unterstützt wurden die Autorinnen von Dr. Mathias Schöpel, der seit 2018 aktives Mitglied im Arbeitskreis Dortmund des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. ist. Er beschreibt im Heft-Kapitel "Mit Schlägel und Eisen" den an der Syburg gelegenen bergbauhistorischen Rundwanderweg.

Kapitel und Stationen des Spaziergangs

Das Plateau wird im Heft sehr lebendig vom Beginn mit Wällen und Gräben zur Zeit Karls des Großen bis hin zum "Kaiser-Wilhelm-Denkmal" beschrieben. Es zeigt auf wie die Namensgebung entstanden ist und welche Herrscher den Ort nicht nur mit freundlichen Absichten besucht haben. All dies reichhaltig dokumentiert anhand von ablesbaren Zeugnissen.

Wir erfahren in der Geschichte zur Entstehung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, wie alle Bereiche des damaligen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens zusammen agieren mussten, um es an seinem heutigen Ort zu realisieren. Das heutige Erscheinungsbild des Denkmals ist nicht nur das Ergebnis des Architektenwettbewerbs aus dem Jahre 1892, sondern auch von politischen Einflüssen und Baustilen jeweils zu seiner Zeit geprägt.

Die älteste Kirche in Dortmunds, St. Peter, wurde damals von Karl des Großen genutzt.

Die älteste Kirche in Dortmunds, St. Peter, wurde damals von Karl des Großen genutzt.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Angela Seger

Vom Kaiserdenkmal zur ältesten Kirche Dortmunds, St. Peter

"Am schönsten Punkt Westfalens (...)" erreicht man den im Jahre 1857 eingeweihten Vincketurm, welcher zu Ehren des ersten Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Ludwig Freiherrn von Vincke, errichtet wurde. Dieser thront an der höchsten Stelle des Plateaus, auf 244,63 m über dem Meeresspiegel, ergo 150 Meter über der Ruhr. Das Baudenkmal ist insgesamt 26 m hoch und hat in 24 m Höhe eine Aussichtplattform. Oben angekommen können die Besucher*innen nicht nur den Blick über das gesamte Bergplateau schweifen lassen, sondern auch die Fernsicht über das Ruhrtal hinaus genießen. Neben der Baubeschreibung zum Vincketurm, wird in diesem Kapitel auch das große Engagement des Freiherrn von Vincke insbesondere in der Entwicklung der Schule aufgezeigt. Er zeichnete auch verantwortlich für den Bau zahlreicher Verkehrswege zu Wasser und Land. Er ließ Sozial- und Pflegeeinrichtungen errichten und galt als gesetzestreuer Vertreter des preußischen Staates mit bürgernahem Charakter.

In einem weiteren Kapitel wird die Ruine der Steinburg der Herren von Syberg vom Beginn im 12. Jahrhundert bis zu seinem heutigen Erscheinungsbild beschrieben. Die heutige Ruine ist in Teilbereichen bis zu zehn Meter hoch und vermittelt ein Bild von ungestalteter Schönheit und schöne Verunstaltung. Anhand der vorhandenen Mauerreste ist die historische Bauform und Ausgestaltung mit Bergfried, Palas, Türmen und Mauer heute noch ablesbar

Der Friedhof von St. Peter wird in alten Schriften auch "Todtenhof" genannt.

Der Friedhof von St. Peter wird in alten Schriften auch "Todtenhof" genannt.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Angela Seger

Mit der Standseilbahn zur Syburg: Moderne Pilgerfahrt Anfang des 20. Jahrhunderts

Bei ihrem Sonntagsspaziergang kommen die Autorinnen auch am ehemaligen Standort des Kopfbahnhofes der ersten westfälischen Standseilbahn vorbei, diese wurde 1903 feierlich eröffnet. "Man wollte die Besucherströme hoch zum Denkmal lotsen, denn im 19. Jahrhundert war das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ein beliebtes Ausflugsziel", erklärt Dr. Brink-Kloke und ergänzt: "Neben der neuen Technik wollte der damalige Kaiser eine Art Kaiser-Kult erschaffen."

Die Strecke hinauf zur Hohensyburg war damals zweigeteilt. Der erste Abschnitt führte vom Bahnhof Westhofen zur Talstation des Sybergs im regulären Reibungsbetrieb. Der zweite Abschnitt von hier bis hinauf zur Hohensyburg erfolgte jedoch in einer Seilzugbahn, die zu jener Zeit als technisches Wunderwerk galt. Die Waggons wurden auf Schienen mittels Drahtseil bergauf gezogen und überwanden so den Höhenunterschied von 93 m auf einer Strecke von 445 m. Die Antriebsstation befand sich im Gebäude der Bergstation.

Immer wieder verzögerte sich der Bau. "Man munkelte, dass die Anwohner*innen den Bau sabotierten, weil sie sich zwischenzeitlich Pferde und Kutschen anschafften, womit man die Besucher*innen zum Denkmal transportierte und sich etwas dazu verdienen konnte." Die Fahrt mit der Bahn war zudem recht teuer und kurz: Eine Fahrt dauerte nur vier Minuten, zudem musste man einmal umsteigen. "Das machte die Bahn so unattraktiv, dass sogar ein Trampelpfad neben der Bahn entstand und die Menschen lieber zu Fuß gingen und den beschwerlichen Weg zum Denkmal auf sich genommen haben." Die anfängliche Begeisterung ließ also schnell nach: Bei der ersten Sonntagsfahrt im September 1903 wurden noch über 2.000 Tickets verkauft. "Der Todesstoß wurde wohl durch das Aufkommen von Automobilen versetzt", vermutet Frau Dr. Brink-Kloke.

Der Friedhof von St. Peter, dessen Vorgängerbau bereits 776 schriftlich erwähnt wurde, ist einer der frühesten im Dortmunder Raum.

Der Friedhof von St. Peter, dessen Vorgängerbau bereits 776 schriftlich erwähnt wurde, ist einer der frühesten im Dortmunder Raum.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Angela Seger

Kirche St. Peter ist die älteste Dortmunds

Am östlichen Rand des Bergplateaus befindet sich die urkundlich erstmals um 776 erwähnte Kirche St. Peter zu Syburg. Ihr heutiges Erscheinungsbild ist deutlich jünger und das Ergebnis unterschiedlichster Bauphasen, Erweiterungen, Umbauten und Wiederaufbauten nach Zerstörungen, bis hin zur Erweiterung der Ausstattungsstücke.

Die Kirche wird im Denkmalheft genauso ausführlich dokumentiert, wie auch der Kirchhof von St. Peter zu Syburg mit seinen bedeutenden Grabsteinen und ihren Geschichten. "Karl der Große soll erlassen haben, dass die Toten nur noch auf Grabfeldern in der Nähe von Gotteshäusern beerdigt werden soll - was hier durchgesetzt wurde", erklärt Dr. Brink-Kloke. "Der Friedhof zählt zu den frühesten im Dortmunder Raum. Hier befinden sich nachweislich einige der ältesten Grabsteine Westfalens aus der Zeit Karls des Großen, heute werden sie in der Kirche aufbewahrt". Die Kirche St. Peter zu Syburg sei mit Kirchhof ein bedeutendes Gesamtkunstwerk und ein herausragendes Zeugnis der Bau-, Geschichts- und Kunstkultur. "Die Innenstadtkirchen sind nicht so alt", erklärt die Autorin.

Heftreihe macht Denkmalschutz greifbar

Die Heftreihe "Bausteine und Fundstücke – Dortmunder Denkmalheft" macht Expertenwissen zugänglich und trägt das Anliegen von Denkmalschutz verstärkt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Gleichzeitig sollen die Veröffentlichungen ein Dankeschön sein für das beeindruckende Engagement der vielen interessierten und zahlreich ehrenamtlich historisch aktiven Bürger*innen und Denkmaleigentümer*innen.

Zum Thema

Das Heft wird kostenlos ab sofort von der Denkmalbehörde im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, vom Museum für Kunst und Kulturgeschichte und vom Stadtarchiv ausgegeben – solange der Vorrat reicht. Alle älteren Hefte stehen weiterhin zur Verfügung und können – wie auch das neue Heft – ebenfalls auf der Internetseite der Denkmalbehörde heruntergeladen werden.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.