Alte Loren, Kabeltrommeln und Zahnräder an der Zeche Zollern

Denkmalbehörde

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Denkmal des Monats

Ein "Provisorium" wird 100: Die Holzturnhalle in Brackel ist Denkmal des Monats August 2022

Nachricht vom 03.08.2022

Die Holzturnhalle an der Hörder Straße 29 wird 100. Daher stellt die Dortmunder Denkmalbehörde das unter Schutz stehende Objekt, das im August 1922 in Betrieb genommen wurde, als Denkmal des Monats August 2022 vor.

Außenansicht der Brackeler Holzturnhalle

Außenansicht der Brackeler Holzturnhalle
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Denkmalbehörde Dortmund / Günther Werz

Gebaut wurde die Holzturnhalle ursprünglich als "Provisorium". "Provisorium" ist hier bewusst in Anführungszeichen gesetzt: Es kommt auf den Blickwinkel an, ob man die Brackeler Holzturnhalle auch nach 100 Jahren noch so bezeichnen will oder ob sie vielleicht ganz im Gegenteil für Nachhaltigkeit steht.

Eine Idee für magere Zeiten?

Im August 1922 war der Erste Weltkrieg knapp vier Jahre vorbei. Die wirtschaftliche Not war groß. Die Fa. Christoph & Unmack, Herstellerin der Brackeler Holzturnhalle, beklagte in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 1922: "Das Inlandsgeschäft war sehr still, was auf die ins Ungemessene gestiegenen Preise für Holzrohstoffe zurückzuführen ist." Andererseits empfahl die Reichsschulkonferenz 1920 der neu gegründeten Weimarer Republik eine tägliche Sportstunde zur besseren Gesundheitserziehung.

An der damaligen Hindenburgschule in Brackel fehlte noch eine angemessene Unterrichtshalle. Trotz der hohen Holzpreise war die "zerlegbare, transportable Döcker-Turnhalle" eine kostengünstigere und vor allem schneller zu realisierende Alternative zu einem Massivbau. Dortmund hatte bereits gute Erfahrungen mit einer ähnlichen, Anfang 1922 in Betrieb genommenen Halle an der alten Reinoldischule in der Innenstadt gemacht.

Brackeler Holzturnhalle

Außenansicht der Brackeler Holzturnhalle
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Denkmalbehörde Dortmund / Günther Werz

Vom Lazarett zur Gefangenen-Baracke

Am Anfang stand eine transportable, aus hölzernen Fertigteilen zu bauende Lazarett-Baracke. Rittmeister Döcker hatte sie nach den Kriegserfahrungen 1870/71 für das Sanitätswesen des preußischen Militärs entwickelt. Fabriziert wurde sie ab den 1880er Jahren von den Holzbauern Christoph und Unmack. Sie stellten bald auch einfache Holzhäuser aus Fertigbauteilen her, ab 1900 zudem komfortablere Land- und Familienhäuser.

Einige entwarfen bekannte Architekten wie Hans Scharoun, Henry van de Velde, Hans Poelzig oder Konrad Wachsmann, so das Sommerhaus für Albert Einstein in Caputh oder das erste deutsche Botschaftsgebäude in Ankara. Aufschwung erlebte die nie ganz eingestellte "Baracken-Produktion" während der nationalsozialistischen Herrschaft. Baracken von Christoph & Unmack dienten sowohl als Unterkünfte für den Reichsarbeitsdienst als auch in Konzentrations-, Gefangenen- und Arbeitslagern. Konsequenterweise konfiszierte und demontierte die sowjetische Besatzungsmacht 1945 die Betriebsanlagen.

Turnhalle im Komplett-Paket

Die Döcker-Turnhalle stellte Christoph & Unmack zum ersten Mal auf der Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 in Dresden vor. Mit den Vereinigten Turngeräte-Fabriken A. Zahn - Christoph & Unmack präsentierten sie "die erste vollständig gebrauchsfertig eingerichtete Turnhalle" mit bereits fest eingebauten Turngeräten wie Kletterstangen, Recks, Klettertauen, Ringen an Schaukeln und einer Kletter-Sprossenwand.

Innenansicht der Brackeler Holzturnhalle

Innenansicht der Brackeler Holzturnhalle
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Denkmalbehörde Dortmund / Judith Nahler

Nach Vorgaben der Deutschen Turnerschaft lieferte die Firmengemeinschaft auch transportable Geräte wie Barren, Springböcke und selbst Matratzen, Hanteln und Bälle mit. Neben Umkleide- und Sanitärräumen sowie einem Lehrer*innenzimmer gab es auch einen "Samariterraum" mit zwei Betten, eins auch als "Tragbahre" verwendbar. Diese Musterhalle stellte die aufwendigste Ausstattungsvariante dar. Besteller*innen konnten aber Größe und Einrichtung nach eigenen Wünschen anpassen lassen. Christoph & Unmack warb auch mit der Möglichkeit, die Turnhalle schnell abbauen und an einen anderen Platz versetzen zu können.

Einfachere Variante

Schon am einfachen Satteldach erkennt man die bescheidenere Variante der Brackeler Turnhalle im Gegensatz zur Musterhalle von 1911 mit ihrem repräsentativ-dominanten Walmdach. Ein steinernes Pfeilermauerwerk bildet das Fundament der aus zweischalig hergestellten Nadelholz-Wänden mit dazwischen liegender Rahmenkonstruktion aufgerichteten Halle.

Stabilität erhält sie durch vier innenliegende und damit vor äußeren Einflüssen geschützte Holzbinder. Den Boden deckt ein Vollholz-Parkett im Fischgrätmuster. Ein niedriger Anbau an der Nordseite bietet ein einfacheres Programm von Nebenräumen: Sanitär- und Umkleideräume für Schüler*innen und Lehrer*innen sowie einen Geräteraum. Welche der heute vorhandenen Sportgeräte zur Erstausstattung gehörten, lässt sich nicht mehr ohne weiteres bestimmen.

Zum Thema

Generelle Informationen zu Denkmälern in Dortmund sowie weitere "Denkmäler des Monats" sind auf der Seite der Denkmalbehörde zu finden.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.