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Denkmalbehörde

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Denkmal des Monats

Persische Geschichten: Ein besonderer Kamin in Schloss Bodelschwingh wird Denkmal des Monats Dezember 2022

Nachricht vom 06.12.2022

Bis auf den heutigen Tag wird Schloss Bodelschwingh von den Nachfahr*innen seiner Erbauer*innen bewohnt. Eine Besichtigung ist deshalb nur bei besonderen Anlässen möglich. Vor allem der Salon ruft bei Besucher*innen immer wieder Erstaunen hervor - nicht zuletzt wegen eines Gegenstands.

Kamin im Schloss Bodelschwingh

Der Kamin im Salon des Schloss Bodelschwingh
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dr. Mireta zu Knyphausen

Eine Vielzahl der Objekte aus verschiedenen Epochen sorgt im Salon des Schlosses für Bewunderung. Ehrlicherweise fällt da der erste Blick nicht immer auf den Kamin, der zwischen den beiden Fenstern an der äußeren Schmalseite des Raums steht. Doch viele Besucher*innen haben doch ein Auge für den Kamin, der eine kunsthistorische Kostbarkeit ist - und deshalb das Denkmal des Monats der Denkmalbehörde.

Bestrafung eines korrupten Richters in vorchristlicher Zeit

Die Schauseite des Kamins erinnert mit ihren Säulen und dem als Gebälk ausgeführten Sturz an griechische Architektur. In ovaler Rahmung zeigt ein Relief in der Mitte des Gebälks eine vielgestaltige Szene, die ein Ereignis aus der frühen persischen Geschichte erzählt: Der zwischen 529 und 522 vor Christus regierende persische König Kambyses II. hatte einen der königlichen Richter hinrichten und seine Haut abziehen lassen.

Der Anlass: Der Richter hatte sich durch Bestechung bereichert und ungerechte Urteile gesprochen. Kambyses ließ dem Toten die Haut abziehen und auf den Richterstuhl nageln. Den Nachfolger ermahnte er, "dass er sich immer erinnern möchte, auf was für einem Richtstuhl er säße", wie es der griechische Historiker Herodot rund hundert Jahre nach dem Vorfall überlieferte.

Vom persischen König zum römisch-deutschen Kaiser

Kamindetail

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dr. Mireta zu Knyphausen

Umgesetzt hat der Künstler die Geschichte, indem er den Ablauf der Geschichte nicht nacheinander, sondern in einer geschlossenen, simultanen Darstellung zeigt. Im Mittelpunkt steht Kambyses, hier nach mittelalterlicher Überlieferung der Geschichte als Kaiser abgebildet.

Mit seinem Bart, der Rüstung und der Krone erinnert er ein wenig an die Figur Karls des Großen in der Reinoldikirche, wenn auch seine Haltung unter dem weiten Königsmantel eine andere ist. Beinhaltung und gedrehter Oberkörper verraten den Stil des Manierismus, Übergangsstil zwischen Renaissance und Barock.

Rechts steckt der kniende Richter - wie zur Beichte - seinen Kopf zwischen zwei Säulen dem Kaiser entgegen. Hinter ihm nagelt bereits ein Diener seine Haut an den Richterstuhl.

Auf der linken Seite stellt der Henker einen Fuß auf den Leichnam und hält die abgezogene Haut mit dem Gesicht in die Höhe. Dahinter schafft eine perspektivisch angelegte Galerie für das Auge einen tiefen Raum in dem flachen Relief.

Künstlerisch "auf der Höhe der Zeit"

Leider ist über den Künstler nichts bekannt. Anfertigen lassen hatten den Kamin Wennemar II. und seine zweite Ehefrau Isabella Elisabeth von Wachtendonk. Das belegen ihre Wappen links und rechts des Mittelreliefs. Sie hatten 1547 geheiratet. Wennemar hatte um diese Zeit damit begonnen, das alte mittelalterliche Haus so umzubauen, wie man es heute geht: in das Renaissance-Wasserschloss.

Als er 1583 starb, stand der Kamin vermutlich bereits am heutigen Ort.

Kamin Schloss Bodelschwingh

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dr. Mireta zu Knyphausen

Die Verwendung von Elementen und Schmuckformen aus der griechischen Architektur im Kaminaufbau und in der bildlichen Darstellung sowie die überdeutliche manieristische Dramatik der Körperhaltungen und die gelungene Überführung einer zeitlichen Szenenabfolge in ein einziges geschlossenes Bild zeigen die Vertrautheit mit den künstlerischen Entwicklungen im dritten Viertel des 16. Jahrhunderts. Von Provinzialität ist nichts zu spüren.

Gerichtsherren mit landesherrlichen Privilegien

Das Wissen um die Kambyses-Geschichte beweist, dass Künstler und Auftraggeber über humanistische Bildung verfügten. Seinerzeit waren die Freiherren von Bodelschwingh Gerichtsherren, womit landesherrliche Rechte verbunden waren. Dazu gehörte das Privileg, auf ihrem Territorium Zölle und Steuern erheben zu können. Wie wichtig den Freiherren die Gerichtsbarkeit war, zeigte sich im Laufe der Geschichte immer wieder. So erwarben sie nach und nach weitere Gerichtsbarkeiten in den umliegenden Gebieten.

Als ihnen ihr Lehnsherr Graf Adolf von der Mark 1417 die Mengeder Gerichtsbarkeit streitig machte, brachten sie diesen Konflikt vor den Kaiser, der 1421 zu ihren Gunsten entschied. Anfang des 19. Jahrhunderts war nicht zuletzt der Entzug der Gerichtsbarkeit durch die napoleonischen Besatzer 1808 ein Grund für die konsperativen Treffen des Freiherrn von Boldenschwingh-Plettenberg mit anderen westfälischen Adligen gegen die Besatzungsmacht.

Vereidigung vor dem Kamin

Das Thema einer gerechten und unbestechlichen Gerichtsbarkeit war den Freiherren von Bodelschwingh also nicht fremd. Die Frage ist allerdings, warum man eine solch gewalttätige Szene ausgerechnet auf einem Kamin im Salon angebracht hat?

Dazu muss man wissen: Der Salon in seiner heutigen Form - mit Tapeten, eleganten Rokokoschränken, zierlichen Biedermeier-Stühlen und bequemen zeitgenössischen Sitzgruppen - sah zur Zeit Wennemars II. ganz anders aus . Es war vermutlich ein eher sparsam eingerichteter Saal, der auch offiziellen Anlässen diente.

Ein wichtiger Moment war die Vereidigung der Richter, die im Namen derer von Bodelschwingh zu Gericht saßen. Vorstellbar ist, dass diese Vereidigung vor dem Kamin mit seiner mahnenden Darstellung geschah. Heute wird der Salon nur gelegentlich bei Familienfesten oder Konzerten genutzt. Der Kamin wird dann zwar immer wieder bewundert, steht aber nicht mehr im Mittelpunkt.

Zum Thema

Alle Denkmäler des Monats finden Sie online.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.