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Denkmalbehörde

Grußwort von Thomas Westphal, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund

Sein und Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege

Thomas Westphal

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jonas Güttler

Erstmals darf ich Sie an dieser Stelle sehr herzlich begrüßen und Sie zur Teilnahme am diesjährigen Tag des offenen Denkmals einladen. Fast zeitgleich mit Ralf Herbrich, dem neuen Leiter der Dortmunder Denkmalbehörde, habe ich im Herbst letzten Jahres mein neues Amt in Dortmund angetreten und stelle erneut fest, wie überaus groß, abwechslungsreich und interessant die Dortmunder Denkmallandschaft ist.

"Sein & Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege" - so lautet das Motto des nunmehr 28. Tags des offenen Denkmals in Dortmund. Ein tiefgründiges Thema also, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz für den diesjährigen Denkmaltag als Motto gesetzt und unsere Denkmalbehörde aufgegriffen hat. Denn die Frage nach Sein und Schein ist bei der Betrachtung unseres baukulturellen Erbes überaus interessant: was ist Original, was Rekonstruktion, Illusion oder Zitat? Welche Gebäude täuschen in Dortmund etwas vor, verstecken ihre nüchterne Funktion hinter opulenten Fassaden? Ist der Schein überflüssiger Schnörkel oder wichtig, weil er unser Umfeld verschönert und zur Identität unserer Stadt beiträgt? Am Ende des 12. Septembers werden sich viele dazu eine Meinung gebildet haben.

Wir können uns am diesjährigen Tag des offenen Denkmals in Denkmälern bewegen, die in der Zeitspanne zwischen dem 12. Jahrhundert und den 1970er-Jahren errichtet wurden. Wobei die Wahl zwischen den 50 Veranstaltungsorten nicht leichtfallen dürfte. Neben langjährigen Akteur*innen werden am 12. September auch neue Denkmaleigentümer*innen bzw.-nutzer*innen anzutreffen sein. So wird im Bauernhof Eickhoff in Sölde anhand der Innenausstattung eine Diskrepanz zwischen bäuerlich-bodenständigem Schein und heutigem Sein nachgezeichnet. Der Gegensatz wird auch bei der Katholischen Klosterkirche St. Franziskus am Ostfriedhof deutlich. Während ihr aufwendig gestaltetes Portal und das sie umgebende Kaiserviertel Reichtum vermuten lässt, beherbergen Kirche und Kloster die Franziskaner, also einen von Franziskus von Assisi gegründeten Bettelorden. Nicht weit davon entfernt hat das ehemalige Landesoberbergamt seinen Sitz, ein repräsentativer Gebäudekomplex von 1910.

Neben Führungen durch viele ehrenamtlich Engagierte sowie durch bewährte Stadtführerinnen bieten auch Mitarbeiter*innen der Denkmalbehörde Touren an und greifen spannende Fragen auf: ob Denkmäler immer alt sein müssen, wie ein Objekt zu einem Denkmal nach dem Denkmalschutzgesetz wird oder was Jugendstil-Fassaden sind und wo diese in Dortmund zu finden sind. Eine Radtour führt durch den Dortmunder Norden, beginnend in Husen. Am ehem. Schloss Brünninghausen im Rombergpark können Kinder mit "Kelle, Pinsel und Neugier" lernen, was Archäologie ist.

Auch einige der Dortmunder Kirchen - bereits bei der Durchsicht dieser Broschüre sieht man deren Vielgestaltigkeit - setzen sich mit Sein und Schein auseinander, wie die Große Kirche Aplerbeck, die mit einer Art musikalischer Fälschung aufwartet, oder die Ev. Kreuzkirche Berghofen, deren Architekt Ludwig Behrens es gelang, die kleine Kirche größer wirken zu lassen als sie ist. Und dass die Friedenssäule in St. Nikolaus von Flüe in Neuasseln mit einem architektonischen Planungsfehler zusammenhängt, dürfte auch nicht allen bekannt sein.

Die Textbeiträge in dieser Broschüre sind so vielfältig wie die Programmpunkte: so stellen die Denkmalpflegerin Bettina Heine-Hippler und der Historiker Karl Lauschke die fast 100 Jahre alte Gartenstadt vor und bieten auch einen Rundgang durch diese an. Die Historikerin Nancy Bodden geht dem Schein des Dortmunder Industriefotografen Erich Angenendt (1894-1962) nach und der Architekt Philipp Valente beschäftigt sich mit Sein und Schein architektonischer Gestaltungselemente. Der Leiter der Denkmalbehörde Ralf Herbrich setzt sich mit dem Sein und dem Schein in der Alltagspraxis der Denkmalpflege auseinander und der Stadtarchäologie Ingmar Luther beschreibt Projekte der Dortmunder Bodendenkmalpflege und Archäologie, bei denen bei den Grabungen etwas anderes als erwartet zum Vorschein kam.

Das Veranstaltungsprogramm am Tag selbst ist eingerahmt durch die Eröffnung, die vor dem "Goldenen Wunder von Westfalen" in der Ev. Stadtkirche St. Petri stattfinden wird, und der Abschlussveranstaltung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, die den Tag mit der Gesprächsrunde "Lokal und regional betrachtet: Sein & Schein in Architektur und Denkmalpflege" themenbezogen ausklingen lässt.

Die meisten Programmpunkte finden live und vor Ort statt. Wie bereits im vorigen Jahr müssen die Veranstalter*innen flexibel sein und auf eventuelle Änderungen schnell reagieren. Daher sei Ihnen empfohlen, vor Ihrer persönlichen Planung des 12. Septembers auf die für den Tag des offenen Denkmals erstellte Website denkmaltag.dortmund.de (ab 30.8.2021) zu schauen. Hier finden Sie auch einige digitale Angebote und von der Denkmalbehörde aktuell erstellte Filme.

Der Tag des offenen Denkmals ist eine Veranstaltung, die ohne das Engagement, Mitdenken, -planen und -machen sehr vieler Menschen in Dortmund überhaupt nicht möglich wäre. Hier zeigt sich Dortmund einmal wieder als eine "Großstadt der Nachbarn".

Uns allen wünsche ich einen spannenden und erkenntnisreichen Tag des offenen Denkmals in Dortmund!

Ihr

Thomas Westphal, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund