Dortmund überrascht. Dich.
Wilhelm Mohrenstecher führt.

Denkmalbehörde

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stephan Schütze

25. Tag des offenen Denkmals: Enormes Besucherinteresse – Motto "Entdecken – was uns verbindet"

Mehr als 12.000 Besucher und Besucherinnen kamen bei ausgesucht schönem Wetter am 9. September zu den zahlreichen Veranstaltungen am Tag des offenen Denkmals in Dortmund, den Oberbürgermeister Ullrich Sierau am Vormittag im gerade sanierten Fritz-Henßler-Berufskolleg eröffnete. Sowohl die überwiegend ehrenamtlichen Aktiven vor Ort als auch das Koordinationsteam der Denkmalbehörde zeigten sich rundum zufrieden.

Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres lautete das diesjährige Motto "Entdecken, was uns verbindet", und so stellten viele der Führungen, Vorträge und Ausstellungen die Verbindungen Dortmunds nach Europa und die europäischen Einflüsse in Dortmund dar. Ullrich Sierau spannte in seiner Eröffnungsrede im Fritz-Henßler-Berufskolleg den Bogen von der mittelalterlichen Hanse bis zu den heutigen Städtepartnerschaften, von denen die mit der russischen Stadt Rostow am Don diese Woche in Berlin eine internationale Auszeichnung erhält. Die Programmbroschüre zum Denkmaltag zeigt zahlreiche Denkmäler aus dieser Partnerstadt.

Mehr als 100 Teilnehmer folgten der Führung der Archäologin Christiane Althoff zu den Spuren des mittelalterlichen Dortmunds als Kreuzungspunkt mehrerer europäischer Handelswege. Die gerade an der Wallring-Baustelle freigelegten Stadtmauerreste stießen dabei auf besonders großes Interesse. Zu Rüdiger Wulffs Führung über den Ostfriedhof mit dem tollen Titel "Von schwedischen Orden, chinesischem Tee und bayrischen Biergärten" kamen über 140 Interessierte, und über 250 Personen folgten Ute Iserlohs Führung vom Hafenamt ins Stahlanarbeitungszentrum auf dem Hafengelände.

Bilderstrecke: Impressionen zum Tag des offenen Denkmals 2018

Der Tag des offenen Denkmals 2018 ist eröffnet. Die Leiterin der Denkmalbehörde, Dr. Henriette Brink-Kloke, begrüßte die Gäste. 17 Bilder
Der Tag des offenen Denkmals 2018 ist eröffnet. Die Leiterin der Denkmalbehörde, Dr. Henriette Brink-Kloke, begrüßte die Gäste.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Die Rheinische Straße im Abschnitt westlich der Dorstfelder Brücke wurde zeitweise von Aktionen im Rahmen des Denkmaltags vereinnahmt. Etwa 100 Menschen nahmen an zwei Führungen vom ehem. Union-Verwaltungsgebäude bis zum Ofenplatz und Union-Gewerbehof teil (dort erwartete sie eine Ausstellung der Neue Werk Union und ein bunter Flohmarkt), und auch die kath. St. Anna-Kirche, heute genutzt von der Polnischen Katholischen Mission, freute sich über interessierte Besucher. Ein Autocorso als Teil der "weltgrößten Klang-Kunstinstallation" der "kunstgruppe GOTTLIEB" belebte die Szenerie, dessen Klänge u. a. die Rheinische Straße beschallten. Diese Installation war Abschluss des 40-tägigen Festivals SCHALLFEST im Museum für Kunst und Kulturgeschichte.

Doch auch außerhalb der Innenstadt war viel los. "So viele Besucher hatten wir noch nie – 950!", meldete am Abend das Nahverkehrsmuseum im ehem. Kokereibetriebshof Mooskamp. Noch mehr, über 1.500, fanden den Weg zur Zeche Zollern, einem der großen Player des Tages, wo unter dem Titel "Wir im Westen" ein Fest der Vereinskultur gefeiert wurde – auch dies ganz dem Motto "Entdecken, was uns verbindet" entsprechend. 1000 Besucher kamen zu Haus Wenge in Lanstrop und folgten den vom Lenkungskreis und Geschichtskreis Scharnhorst angebotenen Führungen. 700 Besucher zählte die Kokerei Hansa in Huckarde, besonderes Highlight war hier ein Tanzworkshop unter Anleitung von Tänzern des bodylanguage dancecenter Dortmund. Entstanden ist dieses bewegte Angebot im Rahmen der langjährigen Kooperation zwischen der Kokerei Hansa und der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Huckarde. Unter dem Motto "Entdecken, was uns verbindet" tanzten etwa 60 Jungen und Mädchen gemeinsam vor den riesigen Kompressoren.

Auch die Dorstfelder Vereine freuten sich über das übergroße Interesse (insg. 750 Besucher). Besonderer Andrang herrschte hier bei einer Führung zum Bürgerhaus und der Ausstellung "Glück auf" über jugendliche Gastarbeiter in den 1960er Jahren, gezeigt in der ehem. Waschkaue der Zeche Dorstfeld. Viel Beachtung fanden die Informationen zur geplanten Bürgerhaus-Genossenschaft.

Dass der Tag des offenen Denkmals Menschen aus der Umgebung zusammenbringt, zeigte sich auch in Berghofen, wo über 480 Bürger und Bürgerinnen zum Alten Feuerwehrgerätehaus und Steigeturm kamen, wohin der Verein "Unsere Mitte Steigerturm e.V." geladen hatte. Groß war auch der Andrang am Lanstroper Ei, dem Wasserturm in Grevel, an dem sich 300 Personen für die Fortschritte bei der Sanierung interessierten. Über 200 Menschen besichtigten das Wasserschloss Haus Dellwig.

Auch in vielen Kirchen hatten sich wieder Ehrenamtliche zum Tag des offenen Denkmals einiges einfallen lassen. Mehr als 2.700 Besucher und Besucherinnen zählten die beteiligten evangelischen und katholischen Kirchen, davon alleine 460 St. Reinoldi in der Innenstadt, 400 die Kath. Stiftskirche St. Clara in Hörde und 300 St. Peter zu Syburg.

Zum Abschluss des Denkmaltags stand ein Big Beautiful Building im Mittelpunkt: die ehem. WestLB, heute Dortmunder Centrum für Medizin und Gesundheit, in der Kampstraße. Im Foyer des futuristisch wirkenden Gebäudes aus den 1970er Jahren ließ der Musiker Richard Ortmann den Sound der 1960er- und 1970er Jahre erklingen, bevor dem Gebäude eine Auszeichnung verliehen wurde: Tim Rienitz, bis vor kurzem Geschäftsführer von StadtBauKultur NRW, übergab Projektmanager Christoph Wimmeler stellvertretend für den irschen Hauseigentümer ein "BBB". "Big Beautiful Buildings" ist ein Projekt, das die Bauwerke der Wirtschaftswunderzeit im Ruhrgebiet sichtbar macht.

Über den Umgang mit solchen teils geliebten, teils gehassten Bauten der Nachkriegsmoderne diskutierten im Anschluss Tim Rieniets, Renate Kastorff-Viehmann (ehem. FH Dortmund), Yasemin Utku (TU Dortmund) und Architekt Richard Schmalöer (BDA und Schamp & Schmalöer). Deutlich wurde: nicht jedes dieser Gebäude wird unverändert erhalten werden können. Gefragt sind kreative Einzellösungen sowie die Vermittlung der Qualität und der zeithistorischen Hintergründe dieser Architektur. Ganz im Sinne des Mottos: "Entdecken, was uns verbindet".

Henriette Brink-Kloke, Leiterin der Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, freute sich zum Abschluss schon auf den nächsten Denkmaltag am 8. September 2019, der bundesweit unter dem Motto Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur stehen wird.