Dortmund überrascht. Dich.
Blick auf Prof. Dr. Wolfgang Sonne

Denkmalbehörde

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Werner Raabe

Vielfältiges Programm zum Tag des offenen Denkmals in Dortmund - Wieder über 11.000 Besucher*innen

Vom Wasserschloss bis zum Industriedenkmal, vom wissenschaftlichen Vortrag bis zum Rockkonzert – ein vielseitiges Programm bot sich den interessierten Besucher*innen am vergangenen Sonntag, 8.9.2019, dem Tag des offenen Denkmals, unter dem Motto "Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur". Trotz durchwachsenen Wetters nahmen wieder mehr als 11.000 Menschen teil.

Dabei wurden auch strittige Themen nicht ausgespart: Warum ist das Baukunstarchiv am Ostwall kein Baudenkmal im rechtlichen Sinne? Welche Gebäude an der Speicherstraße am Hafen sind erhaltenswert? Und wie können nicht mehr benötigte Kirchen vor dem Abriss bewahrt werden? Angeregte Diskussionen und ein Austausch zwischen Planern, Denkmalschützern und der Bevölkerung – genau dies wünschen sich die Organisator*innen des Tag des offenen Denkmals, so Dr. Henriette Brink-Kloke, Leiterin der städtischen Denkmalbehörde, und dass die Menschen sich mit ihrer gebauten Umgebung und der Stadtgeschichte neugierig und kritisch auseinandersetzen.

Entsprechend wies Oberbürgermeister Ullrich Sierau in seiner Eröffnungsrede im Baukunstarchiv vor rund 110 Gästen auf die große Herausforderung hin, die der Umgang mit der heute oft ungeliebten Nachkriegsmoderne und den Großbauten der 1960er bis 1970er Jahre für Stadtplanung und Denkmalschutz bedeute. Denn darunter sind Gebäude von hoher Qualität und wichtigem Zeugniswert für die Stadt- und Architekturgeschichte.

Passend dazu boten zwei Führungen am Wallring und durch die Innenstadt – eine vom Osten aus, eine vom Westen aus – die Gelegenheit, sich mit den architektonischen Umbrüchen in der Innenstadt zu befassen, und eine Bustour fuhr zu Siedlungen von der Gründerzeit bis zur Gegenwart.

Bilderstrecke: Impressionen zum Denkmaltag 2019

Gruppenfoto zur Eröffnung der Veranstaltung 24 Bilder
Das Plakat mit dem Motto des Denkmaltags 2019 in Dortmund 'Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur' wird präsentiert.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Anja Kador

Ein weiterer Rundgang zeigte das Unionviertel bis zum Union Gewerbehof und eine "Trinkhallentour" führte durch das Kaiserviertel. An der Sckellstraße nutzten über 100 Interessierte die Gelegenheit, die 1959-1962 für das Goethegymnasium errichtete Schule und ein privates Wohnhaus mit Schwimmbad zu besichtigen.

Etwa 100 Menschen nahmen an Führungen in der 1956 eingeweihten jüdischen Synagoge nebst Gemeindezentrum im Kaiserviertel teil. Die Religionslehrerin Rosa Rappoport und Kantor Arie Mozes erläuterten anschaulich das vielfältige jüdische Gemeindeleben, das sich um weit mehr als nur um Religionsfragen dreht. Viele weitere Führungen und eine Bustour führten in zahlreiche Kirchen in Dortmund.

Nur sehr knapp vor dem Abriss bewahrt werden konnte vor 50 Jahren die bekannte Maschinenhalle der Zeche Zollern in Bövinghausen. Heute ist sie Teil des LWL-Industriemuseums, das am Denkmaltag über 2.300 Menschen besuchten, dort fand gleichzeitig ein buntes Stadtteilfest statt. Auch weitere mit der Industriegeschichte verbundene Orte fanden am Sonntag wieder viel Zuspruch: auf der Kokerei Hansa (600 Besucher*innen) präsentierten Schüler*innen mehrerer Schulen die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit dem Industriedenkmal, und auf dem ehemaligen Kokereibetriebshof Mooskamp bewunderten und nutzten mehr als 2.000 Menschen die Bahnen und weitere Exponate des Nahverkehrsmuseums. Zur ehemaligen Zeche Dorstfeld fanden etwa 350 Interessierte und zur Zeche Gneisenau über 500.

Mit dabei war in diesem Jahr auch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der Hohensyburg. Obwohl Unbekannte am Vorabend des Denkmaltags das Schloss des Sockeleingangs verklebt hatten und die Tür erst nach vielen Versuchen um 13.00 Uhr geöffnet werden konnte, wurden dort über 400 Besucher*innen gezählt.

Der "Star" des Denkmaltags am Steigeturm in Berghofen war die 106 Jahre alte Else Cramer. 1913 geboren und seit 1933 ganz in der Nähe des alten Feuerwehrhauses in Berghofen lebend, ist sie als älteste Dortmunderin genau ein Jahr älter als das 1914 errichtete Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr.