Foto der Großen Trauerhalle

Denkmalbehörde

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Thomas Mayer / thomasmayerarchive.de

Rückblick

Tag des offenen Denkmals 2022

„KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz“ lautete das Motto des in Dortmund erstmals an zwei Tagen stattgefundenen Tag des offenen Denkmals und viele begaben sich auf Spurensuche nach Geschichte und Geschichten Dortmunder Denkmäler

Oberbürgermeister Thomas Westphal brachte in seinem Grußwort zur Eröffnung des Tags des offenen Denkmals auf der Kokerei Hansa die Idee einer schönen und lebenswerten Stadt mit dem Gedanken des Denkmalschutzes zusammen. Das eine sei ohne das andere nicht denkbar. Er hob die weit zurückreichende (Hanse-Geschichte) Dortmunds hervor, von der die Stadtarchäologie immer wieder „Beweisstücke“ aus dem Erdreich zu Tage fördert. Thomas Westphal sprach zudem von der bauhistorisch interessanten Nachkriegsarchitektur, von der in Dortmund beeindruckende Bauten erhalten sind, die an dieser deutschlandweit größten Denkmalveranstaltung zum Teil besichtigt werden konnten.

"Wir waren bei zwei Führungen mit insgesamt 65 Personen komplett ausgebucht“, so Michael Holtkötter von der Denkmalbehörde Dortmund, der bereits am Samstag durch eines dieser Gebäude geführt hatte: durch das ehemalige, von dem Architekten Will Schwarz (1907–1992) entworfene Gesundheitshaus, erbaut in den Jahren zwischen 1958 und 1961. Schwarz gilt als der wichtigste Architekt Dortmunds in der Nachkriegszeit, der unter anderem auch den Fernsehturm „Florian“, das Park-Café im Westfalenpark und das Autohaus am Westfalendamm 106/108 entworfen hatte.

Neu im Programm war auch das ehemalige Kriegsgefangenenlager in Sölde, das Barbara Niekamp vom Sölder Geschichts-Stammtisch am Sonntag 60 interessierten Personen nahebrachte. Hier waren während des Zweiten Weltkriegs französische Kriegsgefangene untergebracht, die auf den benachbarten Feldern Zwangsarbeit zu leisten hatten. Der Geschichte des heute als Einfamilienhaus genutzten Gebäudes kommt man nur über Führungen „auf die Spur“, die am Sonntag laut Barbara Niekamp „sehr gut besucht“ waren.

"Die Veranstaltung war meiner Meinung nach erfolgreich, da wir im weiten Gebiet als einzige offen waren und die Menschen extra wegen uns angereist kamen“, so Lilli Schönleben von der zwischen 1904 und 1906 nach Entwürfen des Hagener Architekten Gustav Mucke gebauten Evangelischen Kirche Asseln. Auch ins Heimathaus am Widum hatte man „großen Erfolg“ mit Besucher*innen, die bis auf wenige „von außerhalb: Lünen, Herdecke, Lippstadt usw.“ kamen, so Hans-Ulrich Peuser vom Heimatverein Mengede e.V.

Dabei hatten sich einige Kirchen dieses Mal Besonderes einfallen lassen: so gab es in der Ev. Kirche St. Georg in Aplerbeck neben den Turmführungen ein Krimi-Quiz. Auch das Kinderentdeckerangebot in der Baroper Margarethenkapelle kam gut an und Pfarrerin Angela Dicke wird in „bester Erinnerung bleiben, dass zwei Kinder, mit Lupe ausgerüstet, sehr gewissenhaft die Inschrift der alten Taufkanne (1768) entziffert haben“. Diese zwei hatten sich also ganz im Sinne des Mottos auf detektivische Spurensuche begeben. Der Verein zur Förderung der Heimatpflege e.V. Hörde zog rund 300 Denkmalinteressierte in die Hörder Burg. Neben Führungen informierte ein anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Hörder Heimatmuseums von Markus Meeder produzierter Film über die Rekonstruktion des Westflügels. Das Video „Die Vorburg der Hörder Burg. Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte“ lässt sich seit dem Tag des offenen Denkmals auch im Netz anschauen. Zudem fanden die „zusätzlich angebotenen Kutschtouren zwischen Phoenix See und Phoenix West regen Anklang. Die Gäste genossen es, Hörde einmal aus anderer Perspektive und mit nur zwei Pferdestärken zu erleben."

Ungewöhnliche Formate wie die Kopfhörer-Konzerte am Pumpwerk Dortmund-Evinger Bach kamen gut an. „Lebendige, mitreißende Vermittlung durch die Guides“ wie bei den Führungen durch den Hoesch-Park begeisterten die Teilnehmer*innen, die laut Annette Kritzler eine „echte Nordstadtseele“ hatten. Dass (nicht nur) Denkmalinteressierte Anekdoten und Geschichten lieben, weiß auch Peter Kocbeck, der in der Innenstadt-Nord einen Brückenspaziergang angeboten hatte: „Ein Highlight der Tour war die Schilderung der chaotischen Zustände an den beschränkten Bahnübergängen vor dem Bau des neuen Hauptbahnhofes im Jahre 1910: 23 Gleise ü. d. heutigen Brinkhoffstraße! Die Schranken waren während 16 Stunden 11 Stunden zu! Erst für den Bau des Bahnhofes wurden die Gleise auf Dämme gelegt...“ Charlotte Herzog, studentische Mitarbeiterin des Westfälischen Schulmuseums, hatte in der vermutlich von der Polizei in den 1970er-Jahren eingerichteten "Tatortwohnung" eigens für den Tag des Tag des offen Denkmals Spuren und einen "Fall" nachgestellt, „was die Besucher und Besucherinnen sehr spannend fanden“.

Bilderstrecke: Impressionen zum Tag des offenen Denkmals 2022

OB Westphal eröffnet den Tag des offenen Denkmals vor Gästen 14 Bilder
Am Samstag wurde auf der Kokerei Hansa von Oberbürgermeister Thomas Westphal der Tag des offenen Denkmals eröffnet.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stefan Nies

Immer wieder berichten Denkmalengagierte im Rückblick von „hochinteressiertem Publikum“ (Bruno Schreurs, Förderverein Lanstroper Ei e.V.), von Besucher*innen, „die sehr erstaunt und begeistert gewesen sind“ (Thomas Schmidt, Eigentümer von Haus Fido Spröde), von „interessanten Gesprächen bzw. Kontakten“ (Matthias Dudde, Ev. Paul-Gerhardt-Kirche) und von „großem Interesse“ (Prof. Dr. Barbara Welzel, Route Mittelalter Ruhr). Dr. Lucia Reckwitz von der Denkmalbehörde Dortmund, die am regenreichen Samstag Führungen über den Südwestfriedhof angeboten hatte, war positiv überrascht, „wie viele Besucher*innen überhaupt gekommen und dann auch dabeigeblieben sind, obwohl sie mit Regenschirmen durch tiefe Pfützen waten mussten.“

Dass das Regenwetter am 1. Veranstaltungstag auch Vorteile mit sich brachte, zeigte sich an Schloss Bodelschwingh, wo Mireta Frfr. zu Knyphausen den Gästen auch Einblicke „in sonst nicht zugängliche, zeitgenössisch eingerichtete Räume im Erdgeschoss gewährte sowie in den heutigen Keller, wo neben bauhistorischen Spuren (Kreuzrippengewölbe aus dem Mittelalter; Kreuzgratgewölbe aus dem 16. Jahrhundert) auch Relikte der späteren Nutzung (riesiger Herd - vermutlich Ende des 19. oder Anfang 20. Jh., „Dienstbotenklingel“) .. zu sehen waren“, so Bruno Wittke, freier Mitarbeiter der Denkmalbehörde.

Und wie im letzten Jahr hat sich erneut gezeigt, dass Kinderangebote auch Erwachsene ansprechen: so waren die Erwachsenenführungen im Kindermuseum Adlerturm ausgebucht und der Kinderführung durch Ralf Herbrich haben laut Monika Radtke, Kirchenführerin der Ev. Stadtkirche St. Marien, „auch Erwachsene gern zugehört".

Die Menschen konnten am Tag des offenen Denkmals Neues erfahren, wie im Botanischen Garten Rombergpark, wo Mechthild Becker und andere Freunde und Förderer des Botanischen Gartens Rombergpark e.V. „über das größte Flächendenkmal der Stadt Dortmund und das 200-jährige Jubiläum der Parkgestaltung von Maximilian Friedrich Weyhe und des klassizistischen Schlosses“ informierten. Zum Thema „Tatort Wiederaufbau und Umnutzung“ ging es auf Spurensuche am Denkmalensemble des Hoesch-Museums „Das Hauptinteresse bei den Führungen lag in der Möglichkeit, Eingangsbereich und Treppenhaus der Hauptverwaltung (sonst nicht zugänglich) zu besichtigen und zu begehen“, so Isolde Parussel, Leiterin des Hoesch-Museums. Auch die Tandemführung von Dr. Jens Stöcker (Direktor des MKK) und Kristina Walker (Immobilienmanagement der Stadt Dortmund) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte „wurde mit Begeisterung gut angenommen.“ Highlights waren ein Blick hinter die Kulissen und Bilder der (Um-)Bauphasen des Gebäudes von einer Sparkasse zu einem Museum.

Die Teilnehmer*innen kamen mit den Engagierten vor Ort ins Gespräch, wie in der ab 1912 erbauten Gartenstadt, wo Dr. Karl Lauschke über Fragen diskutierte, „wie der Charakter der Siedlung erhalten oder - etwa durch die zurzeit diskutierte Denkmalsbereichssatzung - sogar verbessert werden kann.“ Besucher*innen berichteten ihrerseits von Ereignissen an und in den Denkmälern, wie in der Waschkaue der ehemaligen Zeche Dorstfeld, wo ein älterer Herr „als Bergmann auf der Zeche Dorstfeld 2/3 gearbeitet und seine Dienstmarke mitgebracht hatte. Sie trug die Jahreszahl 1949. Mit vielen weiteren Besuchern konnten Erinnerungen an die alte Zeche ausgetauscht werden“, so Wilhelm Schulte-Coerne von der Dorstfelder Bürgerhaus Genossenschaft. Und in der Werkssiedlung Oberdorstfeld, mit knapp 500 Gebäuden die größte denkmalgeschützte Siedlung von Dortmund, ermöglichte die Vorstellung eines Projekts der TU Dortmund/Institut für Sprache, Literatur und Kultur zur Erforschung der gesprochenen Sprache im Ruhrgebiet „viele interessante Gespräche“, so Elke Torspecken für den Verein für Orts- und Heimatkunde Dorstfeld e. V. und die IG Zechensiedlung Oberdorstfeld.

Nicht alle der 57 der am Tag des offenen Denkmals 2022 in Dortmund beteiligten Standorte werden einen so großen Zuspruch wie die Zeche Zollern erfahren haben, die 1.760 Besucher*innen zu Gast hatten. Dafür durfte man den historischen Spaziergang durch Großholthausen und Löttringhausen im Garten der 1912 von dem Architektenbüro D. & K. Schulze gebauten Villa Gater bei Kaffee und Gebäck beenden.

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