Dortmund überrascht. Dich.
Altes Stadthaus und Berswordthalle

Amt für Stadterneuerung

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): GPM Foto

Informationen zum Coronavirus

Informationen zu den aktuell geltenden Regelungen finden Sie hier:

Historischer Fund

Bauarbeiten bringen fast 100 Meter der alten Dortmunder Stadtmauer am Ostwall zum Vorschein

Nachricht vom 30.07.2021

Dass die Dortmunder Bürgerschaft auf echter Geschichte läuft, wird bei Bauarbeiten in der Innenstadt sichtbar: Archäolog*innen entdeckten bei Arbeiten für eine Fernwärme-Trasse ein großes Stück der alten Stadtmauer - ein Zufallsfund, der bewahrt wird.

In der Dortmunder Innenstadt gibt es am Ostwall einen neuen großen historischen Fund: 100 Meter der alten Stadtmauer sind bei Bauarbeiten entdeckt worden - an einer Stelle, wo sie nicht unbedingt vermutet wurden. Quelle: YouTube

DEW21 verlegt auf dem Dortmunder Stadtgebiet Fernwärmeleitungen - bei einer der jüngsten dieser Maßnahmen sind die Sachverständigen auf Historisches gestoßen: auf ein fast 100 Meter langes, überwiegend gut erhaltenes Stück Stadtmauer im Boden am Ostwall. Rund 60 Meter sind davon freigelegt und daher momentan auch zu sehen.

Dabei hatten Pläne und Zeichnungen der Stadt nicht unbedingt vermuten lassen, dass sich das Stück dort (im Bereich der Viktoriastraße) befindet: Den Erwartungen nach sollte die Mauer etwas weiter östlich unter einem Grünstreifen liegen. Aber nein: Der Mauerteil liegt exakt in der Linie der geplanten Fernwärme-Trasse, wie Fachleute der Firma Archäologen Linnemann, Quenders und Partner feststellten.

Denkmalschutz vs. Baumaßnahme

Beim Besuch der Baustelle verkündete Baudezernent Arnulf Rybicki am Freitag, 30. Juli, dass eine Lösung im Konflikt zwischen Denkmalschutzpflege und Infrastrukturbaustelle gefunden sei. "DEW21 wird die Fernwärme-Trasse etwas verschwenken."

Am Ende müsse im Straßenquerschnitt alles seinen Platz finden - einschließlich der historischen Stadtmauer: "Es handelt sich um ein Erddenkmal, deshalb ist der Boden auch der geeignetste Ort für die Mauer, um weitere Jahrhunderte zu überdauern."

Bastian Stegemann von DEW21 ergänzt: "Bodendenkmäler bedeuten für uns, dass wir unsere 'Masterpläne' immer etwas umdenken müssen." Dazu sei man aber bereit - schon in vergangenen Fällen habe die Zusammenarbeit gut funktioniert.

Extrakosten kommen auf DEW21 zu

Für DEW21 bedeutet die Trassen-Umleitung nun einen deutlichen Mehraufwand und eine zeitliche Verzögerung, was sie aber aus Respekt vor der Geschichte Dortmunds in Kauf nimmt.

Ich habe Luftsprünge gemacht, als ich gehört habe, dass DEW21 bereit ist, die Trasse zu verlegen.

Ingmar Luther, Stadtarchäologe

Für die Bodendenkmalpflege ist der Erhalt des verhältnismäßig großen Mauer-Teilstücks ein Erfolg. Der Leiter der Stadtarchäologie Dortmund, Ingmar Luther, befürwortet, dass die Mauer nicht ins Museum gestellt wird. Zwar sei es verständlich, wenn Menschen das Bauwerk sehen wollten, aber es sei besser, die Mauer nach der nun abgeschlossenen archäologischen Dokumentation wieder dem Erdreich zu übergeben. "Die Witterungsverhältnisse waren im 12. Jahrhundert nicht so, wie sie heute sind." Mit dem Bergen ginge also auch die Zerstörung einher.

Für künftige Bauarbeiten ist das Mauerstück durch seine Kartierung und die Aufnahme in das Bodenkataster geschützt.

Bastian Stegemann, Arnulf Rybicki und Ingmar Luther stehen auf einem Stück der alten Stadtmauer.

Stehen auf alter Stadtmauer: Bastian Stegemann (DEW21), Baudezernent Arnulf Rybicki und Stadtarchäologe Ingmar Luther.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

2018 war es Archäolog*innen bereits gelungen bei einer Tiefbaumaßnahme auf dem Ostwall zwischen Ostentor und Adlerturm die Vormauer des mittelalterlichen Befestigungswerkes nachzuweisen. Zusammen mit den Ergebnissen von der nun freigelegten Hauptmauer lassen sich erstmals größere Strukturen der Befestigungsanlage in einen Zusammenhang bringen und die Ergebnisse für die weitere Trassenplanung nutzen.

Zerstörung vs. Erhaltung

Hätte man die Fernwärmetrasse so wie ursprünglich geplant fortgesetzt, wären wohl weitere 35 Meter der Hauptmauer freigelegt und insgesamt nahezu 100 Meter des eingetragenen Bodendenkmals zerstört worden. In enger Abstimmung wurde mit allen Beteiligten (DEW21, Stadtentwässerung, Grünflächenamt, Tiefbauamt und Denkmalbehörde) kam es nun zu einer Lösung, die den Erhalt der Stadtmauer gewährleistet und die Arbeiten am neuen Fernwärmenetz nicht hindert.

Konkret hat sich die Stadtentwässerung Dortmund bereit erklärt, bei der DEW21-Baumaßnahmen auf den normalerweise strengen Abstand von 3 Metern zu beiden Seiten des Abwasserkanals zu verzichten - beziehungsweise einen Abstand von 1,50 bis 1,75 Meter zu akzeptieren, damit die Stadtbauer erhalten wird.

Für die Umleitung der Fernwärmetrasse muss nun nur ein kleiner Teil der Mauer (etwa 5 Meter) weichen. Dafür konnte eine Stelle ausgewählt werden, an der die Stadtmauer in der Vergangenheit durch ältere Bauarbeiten bereits beschädigt worden war.

Stadtmauer-Stein für den eigenen Garten?

Die entnommenen Steine der alten Stadtmauer sollen nicht zerstört werden. Vielmehr arbeitet die Stadt Dortmund als Eigentümerin derzeit an der Idee, sie einzeln an interessierte Dortmunder*innen abzugeben.

Je nach Größe könnten sie in mehreren Kategorien zu Beträgen von z.B. 30 bis 80 Euro für einen guten Zweck im Bereich Denkmalschutz versteigert werden. Die Untere Denkmalbehörde im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt würde die weitere Organisation in ihre Hände nehmen. Im Stadtgebiet gibt es diverse Vereine oder Initiativen, die sich mit ganz verschiedenen Denkmälern beschäftigen und die sich über eine Zuwendung für ihre konkreten Projekte freuen würden.

Welche Projekte am Ende unterstützt werden und ob es vielleicht auch mehrere Initiativen sein könnten, muss bei der weiteren Planung erst noch geklärt werden. Dabei wird sich auch zeigen, auf welche Weise eine solche Versteigerung am besten organisiert werden könnte. Bis dahin ist den Steinen ein Lagerplatz auf einem Betriebshof der DEW21 sicher.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.

Amt für Stadterneuerung