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Stadterneuerung Nordstadt

Nordstadtgesichter

Menschen aus über 130 verschiedenen Nationen leben in der Nordstadt. In der Rubrik "Nordstadtgesichter", die in der Stadtteil-Zeitung nordmund erscheint, werden einzelne Bewohner vorgestellt, die eines gemeinsam haben: Sie engagieren sich an ihrem Wohnort, und das auf ganz unterschiedliche Weise.

Dursun Alipaşaoğlu

Herr Alipaşaoğlu kam 1978 aus Rize (Türkei) in die Dortmunder Nordstadt. Mittlerweile hat er Wohneigentum erworben und lebt in seinen eigenen vier Wänden in der Nordstraße.

Er hat hier seine vier Kinder großgezogen und arbeitet seit über zehn Jahren ehrenamtlich für seine Gemeinde. Er sagt: "Wir sind ein Teil der Nordstadt, wir sind hier tief verwurzelt." Als langjähriger Vorstand der Moschee in der Kielstraße hat er sich nicht nur um die Belange der Moschee gekümmert, er verdeutlicht, dass er auch ein Sozialarbeiter für viele Bewohner der Nordstadt war und ist. "Ich habe viele Familien beraten und ihnen bei ihren täglichen Papierkrieg geholfen. Leider suchen immer weniger deutsche Nachbarn die Moschee auf", erklärt er und ergänzt "Unsere deutschen Nachbarn sollen bitte keine Angst vor uns haben, sie sollten unsere Gastfreundschaft annehmen und mit uns gemeinsam leben." Für die Zukunft wünscht er sich ein sauberes Erscheinungsbild des Stadtteils, wie es in den 90ern war und eine bessere Integration der neuen Bewohner. "Die Menschen in der Nordstadt sollten sich gegenseitig mehr respektieren und schätzen lernen, nur so wird der Stadtteil lebenswerter". Ein weltoffene, gesellschaftliche wichtige Aussage mit Vorbildcharakter.

Dursun Alipaşaoğlu
Bild: QM Nordstadt

Ima Ghafouri

Die 31-jährige, gebürtige Iranerin lebt seit 2001 in der Nordstadt und spiegelt bestens die bunte wie multikulturelle Vielfalt im Quartier wider.

"Ich bin hier damals hängen geblieben, da es die erste Ecke war, die ich kennen gelernt habe" schmunzelt sie und bereut dieses bis heute nicht. Im Gegenteil, denn als sie in die Nordstadt kam, lebten und arbeiteten hier die Kreativen und Musiker aus ihrem Umfeld. Ima sieht aber ihre "Heimat Nordstadt" auch aus einem realistischen Blickwinkel oder wie sie selber sagt "Es ist ein Hassliebe!" Sie liebt das bunte Treiben auf der Straße, die vielfältigen Möglichkeiten des Einkaufens oder den Kiosk an jeder Ecke. Leider kippt das Straßenbild im Sommer öfter mal ins Negative, so dass Müll, Junkies und Prostituierte im Fokus stehen. Doch sie ist sich absolut sicher: Die meisten coolen Menschen der Stadt wohnen in der Nordstadt. Dabei denkt sie neben der Musik (Sie ist als Reggae-Künstlerin 'TriXstar' international gebucht) auch an ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten.

Als Dortmund zur Drehscheibe für Flüchtlinge wurde, engagierte sie sich als Helferin und Dolmetscherin in Farsi ehrenamtlich. Aus dem Kreise ihrer Mitstreiter wurde der Train of Hope e.V. und Ima arbeitet mittlerweile in der Betreuung unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge. Echt Nordstadt zwischen Musik, Arbeit und Privatem.

Ima Ghafouri
Bild: Ima Ghafouri

Jürgen Elker

An der Oesterholzstraße 110 nahe der ehemaligen Westfalenhütte befindet sich ein ganz besonderer Kiosk. Von Nachbarn und Besuchern liebevoll 'Kalla Hoesch' genannt, hat der Besitzer Jürgen Elker hier einen Treffpunkt für Jung und Alt geschaffen.

Seit zehn Jahren lebt er hier im Quartier. Vor vier Jahren hat er begonnen, aus der ehemaligen Bäckerei ein kleines Café zu machen. Im Sommer findet man eine kleine Spielecke vor dem Laden für die Kinder aus der Nachbarschaft. Das Stammpublikum sitzt hier gerne zusammen beim Knobeln und Karten spielen. "Angebote für Ältere gibt es hier leider zu wenig", sagt der Hobby-Imker über das Quartier am Borsigplatz.

Er wünscht sich, dass die Oesterholzstraße wieder der "Westenhellweg der Nordstadt" wird und die vielen Leerstände belebt werden. Darüber hinaus setzt er sich für einen Wochenmarkt am Hoeschpark ein. Seine vielfachen Interessen teilt er gerne. Im Kreativen Adressbuch der Machbarschaft Borsig11 bietet er unter anderem sein Wissen rund um das Thema Imkern an.

Jürgen Elker
Bild: QM Nordstadt

Kati Eilinghoff

Kati Eilinghoff ist vielen Menschen in der Nordstadt bekannt. Die Betreiberin der retro-schicken Kulturbar Salon Fink ist so etwas wie die gute Seele des Nordmarkts.

Bereits seit 13 Jahren lebt die geborene Oer-Erkenschwickerin in der Nordstadt, und sie hat es keinen Moment lang bereut. Trotz aller Probleme, die in den letzten Jahren auf den Stadtteil eingebrochen sind, glaubt sie an die Menschen und an die Dynamik der Nordstadt. Sie absolvierte ihr Sozialpsychologie-Studium in Bochum und entschied sich im Laufe des Studiums bewusst für Dortmund: "Die Menschen in der Dortmunder Nordstadt sind mir sympathischer."

Vor fast sechs Jahren beschloss sie mit ihrer damaligen Geschäftspartnerin, das Café am Nordmarkt zu eröffnen. Mittlerweile ist der Salon Fink mit seinem vielfältigen Kultur- und Abendprogramm eine feste Institution in Dortmund. Warum sie gerade diesen Standort wählte, hat vielfache Gründe. Allem voran sieht sie es aber als ihre Mission an, den Menschen zu zeigen, dass der Nordmarkt auch andere Seiten hat.

Tobit Linke

Es riecht schon von weitem nach Kaffee und Fahrradschläuchen: Die 'Radbude' wartet nicht nur mit Fahrradteilen, -zubehör und Serviceleistungen auf. "Viele Kunden wollen auch ein bisschen reden", sagt Besitzer Tobit Linke.

Die Nachbarschaft rund um den Laden in der Kleiststr. 11 freut's. Auch bei Kindern ist er beliebt – gibt es hier die Luft für den Ball gratis. "Eine Nahversorgung mit fahrradnahen Dienstleistungen ist wichtiger Teil einer funktionierenden Fahrradinfrastruktur", sagt der leidenschaftliche Radfahrer, dem eine fahrradfreundliche Entwicklung des Stadtteils wichtig ist. In der Welt ist der gebürtige Freiburger schon viel herumgekommen, doch in der Nordstadt hat er sein Zuhause gefunden. In der Nähe der Radbude lebt er. Hier empfängt er auch seine Gäste beim Nordstadtdinner: "Eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Selbstständigen auszutauschen", so der 38-Jährige. Die bunt gemischte Klientel aus Anwohnern und Kunden aus anderen Städten und Stadtteilen sorgt für einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag.

Tobit Linke
Bild: QM Nordstadt

Marcella Montean

Die deutsche Sprache hat sie sich im Selbststudium beigebracht. Marcella Montean ist Roma und für die Gruppe der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien eine wichtige Kontaktperson. Gerne begleitet sie Bekannte bei Amtsgängen und leistet ehrenamtliche Übersetzungsarbeit.

In der ansässigen Gruppe der Roma ist sie daher sehr beliebt und wird auch wegen ihrer sehr herzlichen Art geschätzt. Die gläubige Roma ist gerne Hausfrau und Mutter. Geboren ist die heute 29-Jährige in Rumänien, mit 17 reiste sie mit ihrem Mann nach Spanien, wo sie auch zwei ihrer drei Kinder bekommen hat. Als ihr Mann seine Anstellung verlor und die Familie keine Unterstützung mehr bekam, entscheiden sie sich, nach Deutschland zu ziehen. Seit nun schon drei Jahren leben sie und ihre Familie im Schleswiger Viertel. „Ich lebe sehr gerne hier, ich verstehe mich gut mit meinen Nachbarn“, sagt sie, „vor allem der rege Kontakt mit Nora Oertel Ribeiro vom Raum vor Ort macht mir viel Freude“. Seit letztem Jahr nimmt sie dort regelmäßig am Nähcafé für Frauen teil.

Marcella Montean
Bild: QM Nordstadt

Nermin Hizli

"Wo ich kann, da möchte ich den Menschen helfen, weil vielleicht eines Tages auch ich einmal Hilfe brauche", sagt Nermin Hizli. 1976 kam sie als 6-Jährige mit ihrer Familie aus der Türkei. Die Liebe brachte die Krankenpflegerin 2009 in die Nordstadt.

Bei einem Elternabend in der Klasse ihrer Tochter lernte sie das Elterncafé der Nordmarkt Grundschule kennen und ist seitdem ein fester Bestandteil. Sie unterstützt die Mütter nicht nur bei Sprachbarrieren mit Lehrern, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte. Gemeinsam mit ihrem Mann hat Nermin Hizli sich einen Herzenswunsch erfüllt. In der Nähe des Borsigplatzes haben sie das Bistro EFTELYA eröffnet. "Bei uns gibt es an den Wochenenden und an Festtagen türkische Livemusik der Extraklasse", sagt Nermin Hizli nicht ohne Stolz. Wenn man sie fragt, was sie sich für die Nordstadt wünscht, dann wird die sonst so strahlende Frau ernst. Die Kinder in der Nordstadt liegen ihr besonders am Herzen. "Sie sind doch unsere Zukunft, ob türkisch, bulgarisch oder marokkanisch, sie alle haben ein Recht auf Bildung. Jedes Kind sollte zur Schule gehen können".

Nermin Hizli
Bild: QM Nordstadt

Franz-Josef Ingenmey

"Mein Lieblingsplatz ist bei schönem Wetter die Bank in unserem Vorgarten", sagt Franz-Josef Ingenmey ohne lange Nachzudenken über seine Lieblingsorte im Quartier Borsigplatz. Kein Wunder, denn nach mehreren Wohnstationen im Quartier Hafen hat er hier 1999 ein Gemeinschaftswohnprojekt mit Freunden umsetzen können, von dem er immer geträumt hat.

Darüber hinaus ist er gerne in der Natur unterwegs, zum Beispiel im Hoeschpark oder im Fredenbaumpark. Joggen ist dabei – neben Bergsteigen und Reisen – sein großes Hobby. Er setzt sich im Verein Freundeskreis Hoeschpark ein, den er 2005 mit gegründet hat. Veranstaltungen wie das Hoeschparkfest oder die Eröffnungsfeier des angrenzenden Freibades Stockheide sind nur zwei der Aktivitäten, die er gemeinsam mit dem Verein jährlich umsetzt. Der Diplom-Ingenieur für Raumplanung wünscht sich für das Quartier Borsigplatz den Erhalt und die Weiterentwicklung des Stockheide-Bads und mehr wertige Einkaufs- und Gastronomie-Angebote. "Dies setzt entsprechendes Engagement von Eigentümern, Investoren und der Stadt Dortmund voraus", so Franz-Josef Ingenmey.

Franz-Josef Ingenmey
Bild: QM Nordstadt

Anja Plonka

Die Szenografiestudentin Anja Plonka wohnt seit zwei Jahren in der Nordstadt. "Ich fühle mich hier wohl", sagte sie, "man hat hier ein echtes Großstadtgefühl und auch nachts ist noch was los – spät abends kann ich noch bei Yüksel auf der Mallinckrodtstraße essen gehen."

Neben ihrem Masterstudium engagiert sie sich in der Nordstadt. Gemeinsam mit Freunden gründete sie das Kollektiv Nord als Zusammenschluss von fünf Design-Studierenden. Die Anmietung des Ladenlokals in der Missundestr. 8 wird von der Fachhochschule Dortmund und den Hauseigentümern gefördert. Es wird als Atelier und Projektraum genutzt. Hier wurden mit der Nachbarschaft bereits Weihnachtsplätzchen gebacken und Skateboards gestaltet. Für den Sommer wird hier ein Straßenfest vorbereitet. Die 28-Jährige will die Probleme der Nordstadt nicht schön reden, "aber die Medien stellen vieles zu undifferenziert dar. Die Nordstadt birgt viele Potenziale und Chancen". Die Studentin wünscht sich für die Nordstadt mehr Sozialarbeit, mehr Selbstbewusstsein, mehr Ideen und mehr Respekt.

Anja Plonka
Bild: QM Nordstadt

Daniel Schwarzmann

Daniel Schwarzmann fällt mit seiner positiven und offenen Art auf, wenn man ihm begegnet. Diese Eigenschaften helfen dem 34-Jährigen in seiner Arbeit als Pastor und Wohnungslosenseelsorger, bei der er mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun hat.

Seit Mitte August ist er für seine Arbeit aus dem beschaulichen Dortmunder Süden in das Quartier Hafen gezogen, um näher bei den Menschen zu sein, die er betreut. "Ich sehe das Miteinander und die Vielfalt im Stadtteil als Chance, um gemeinsam etwas zu entwickeln", sagt Daniel Schwarzmann mit Blick in die Zukunft. Eine Aufgabe die nicht immer leicht ist, wie er weiß. Aber Daniel Schwarzmann mag das Abenteuer und den Weg dahin. In seiner Freizeit hat der BVB-Fan schon die Gelegenheit genutzt, die grünen Ecken der Nordstadt zu erkunden, zum Beispiel beim Joggen im Fredenbaumpark. Freizeit ist für ihn eine Kraftquelle, die er nutzt, um anschließend wieder Ideen für die Nordstadt zu entwickeln. Gerne würde er gemeinsame Aktivitäten in der Gemeinde mit Wohnungslosen und Nachbarn initiieren.

Daniel Schwarzmann
Bild: QM Nordstadt

Helga Steinmaier

Für viele ist sie so etwas wie ein 'Urgestein der Nordstadt': Bereits seit 1990 lebt die engagierte Diplom- Pädagogin Helga Steinmaier an der Feldherrnstraße. Die nette Hausgemeinschaft dort schätzt sie: "Nachbarschaftliche Bezüge sind mir wichtig, und dafür tue ich auch was", betont die interessierte 60-Jährige.

Im vergangenen Jahr brachte sie ein Nachbarschafts-Picknick in ihrer Straße auf den Weg, das erste Fahrrad-Häuschen in der Nordstadt geht auf ihr Konto. Ihr Engagement beschränkt sich jedoch nicht auf das eigene Wohnumfeld: Als Mitinitiatorin des Beginenhofes an der Gut- Heil-Straße organisiert sie die aktuelle Kulturarbeit mit. "Zudem bin ich Mitglied im schwullesbischen Chor 'Sang und Klang, los' im KCR", erzählt die überzeugte Fahrradfahrerin nicht ohne Begeisterung. Was sie am meisten hier stört, ist fremder Sperrmüll vor dem Haus. Und der sehnlichste Wunsch für den Stadtteil? "Dass die Uhlandstraße weg vom reinen Parkplatz zu einem Boulevard mit Allee-Charakter aufgewertet wird."

Helga Steinmaier
Bild: QM Nordstadt

Hamza Zenginli

Hamza Zenginli ist 1974 von Ereğli (Türkei) über Nürnberg nach Dortmund gekommen. 2007 eröffnete er sein 'Immobilienverwaltungssbüro' an der Münsterstraße. Als engagierter offener Mensch hat er sich einen sehr großen Bekanntenkreis in der Nordstadt aufgebaut.

Der 63-Jährige hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen. Er hofft, dass zukünftig alle Bewohner bei Problemen öfter und intensiver mit den städtischen Institutionen kommunizieren. "Leider ist das Außenbild der Nordstadt immer noch negativ behaftet. Viele Außenstehende glauben, dass man nicht unbeschadet durch die Viertel laufen kann. Daran muss sich etwas ändern, denn es ist definitiv lebenswert und sicher hier." Er wünscht sich, dass die vielen Neu-Zuwanderer nicht nur in der Nordstadt, sondern auch in anderen Stadtteilen ankommen können, dass der Kindergartenbesuch für alle Kinder mit Migrationshintergrund zum Standard wird und dass die Moscheen Korankurse auf Deutsch anbieten.

Hamza Zenginli
Bild: QM Nordstadt

Margit Burcea

Mit ihrem Mann und ihren drei Kindern ist Margit Burcea vor vier Jahren ins Brunnenstraßenviertel gezogen. "Wir sind hierher gekommen, weil hier alles besser ist und weil hier schon viele Verwandte lebten", erzählt die Mittvierzigerin.

Frau Burcea ist mittlerweile sechsfache Oma. Das älteste Enkelkind geht schon zur Schule. Alle im Haus sind miteinander verwandt. Man hilft sich gegenseitig, zum Beispiel übersetzt ihre Schwägerin Clara manchmal für sie. Die gebürtige Rumänin geht gerne mit den Kindern spazieren, kümmert sich um den Haushalt und kocht für alle. Auf einem der Spaziergänge hat sie eine Nachbarin kennen gelernt, die eine öffentliche Grünfläche pflegt. Das gefiel Margit Burcea. Sie übernahm mit ihrer Familie die ehrenamtliche Pflege zweier Grünflächen. Es ist ihr wichtig, mit den Nachbarn gut auszukommen. „Ich will hierbleiben“, sagt sie, "hier in der Nordstadt ist alles gut, besonders der Einkauf auf dem Nordmarkt".

Margit Burcea
Bild: QM Nordstadt

Alex Völkel

"Die Gegensätze hier ziehen mich einfach an", bringt Alex Völkel seine Faszination für die Nordstadt auf den Punkt.

Ruhig lässt der ehemalige Redaktionsleiter der WR Hagen den Blick von der Dachterrasse des Hauses, in dem er wohnt, über die Nordstadt schweifen und freut sich: Die junge Webseite ' nordstadtblogger.de ', seine Erfindung und „Experimentierfeld gegen das mediale Einerlei“, wird immer bekannter. Die Klicks steigen. Wer Aktuelles über die Nordstadt erfahren möchte, sei hier goldrichtig, sagt der 38jährige Politologe. „Die Nordstadt ist sehr viel mehr als schlechte Nachrichten.“ Und das Team der Internetseite wächst: Drei seiner ehemaligen Kollegen haben sich jüngst angeschlossen, ehrenamtlich und frei über den Stadtteil zu berichten. Darüber hinaus ist der gebürtige Siegener in der Völkerverständigung engagiert. Als Leiter des deutsch-israelischen Länderkreises der Auslandsgesellschaft NRW organisiert Alex Völkel regelmäßig Austausche von Jugendgruppen.

Alex Völkel
Bild: Alex Völkel

Julia Rumi

Julia Rumi ist ein Nordstadtfrischling. Seit 1 ½ Jahren wohnt sie im Quartier Borsigplatz und hat hier in der Nähe ihrer besten Freundin eine echte Heimat gefunden.

Sie war auch der wichtigste Grund hierhin zu ziehen, denn Julia möchte Menschen, die ihr wichtig sind, in ihrer Nähe haben. An der Nordstadt schätzt sie besonders die Alltagsbegegnungen. Sie empfindet die Unterschiedlichkeit der Menschen hier als Bereicherung für ihr eigenes Leben. Julia Rumi engagiert sich gerne für soziale Projekte, wie den Verein Africa Positive oder Borsig.11. Ruhe und Ausgleich zum Alltag findet sie im Hoeschpark bei Spaziergängen im Wäldchen oder bei Fahrradtouren in der Umgebung. Für die Nordstadt wünscht sie sich mehr buntes Miteinander – Kontakte im Alltag zu pflegen, Offenheit… um damit auch die Barrieren im Kopf zu überwinden.

Julia Rumi
Bild: QM Nordstadt

Cornel Alex

Cornel Alex betreibt seit nun 20 Jahren die Hafenschänke „subrosa“ in der Gneisenaustraße. Seine Gäste nutzen diesen Ort mit vielseitigem Kulturprogramm wie er selbst auch als „erweitertes Wohnzimmer“.

Das bunt gemischte Publikum fühlt sich rundum wohl und ab Sommer 2013 soll zusätzlich ein Mittagstisch eingerichtet werden. Für den Wirt stellt die Nordstadt auch in privater Hinsicht den Lebensmittelpunkt dar. „Ich fühle mich hier Zuhause“, sagt Alex und betont, dass er gerne hier lebt. Seiner Meinung nach leidet die Nordstadt unter einem schlechteren Image, als sie in Wirklichkeit ist. „Sein“ Viertel ist sehr lebhaft, das Leben findet auch auf den Straßen statt - ähnlich dem Süden Europas. Besonders schätzt er das hohe Maß an urbanem Kreativpotential, welches die Nordstadt unverwechselbar und reich macht.

Cornel Alex
Bild: QM Nordstadt

Inge Klapper

Inge Klapper ist ein Kind der Nordstadt. Den Hoeschpark kennt sie aus Kindheitstagen wie "ihre eigene Westentasche".

In den 50er Jahren hatte sie ihren ersten Kontakt zu ausländischen Nachbarn. Schon da bemerkte sie, dass es auf den Menschen und nicht auf die Nationalität ankommt. Seither engagiert sich Frau Klapper aktiv für Migranten. Ob Vorlesestunden für die Kleinen oder die Unterstützung der Frauen auf dem Weg der Integration – immer ist sie mit dem Herzen dabei. Vom Interkulturellen der Nordstadt ist sie fasziniert. "Wenn man hier einen Menschen anlächelt, egal welcher Herkunft, wird dieser nie böse mit Dir sprechen", sagt sie. Den Stadtteil beschreibt sie als bunt, freundschaftlich und hilfsbereit: "Nordstadt bedeutet für mich Leben pur!"

Inge Klapper
Bild: QM Nordstadt

Kathy Horvat

Seit vier Jahren lebt Kathy Horvat in der Nordstadt. Sie bereut es nicht, hierher gezogen zu sein und fühlt sich hier wohl und sicher.

"Meine Kinder entwickeln hier schon mehr Selbstbewusstsein als in anderen Stadtteilen", sagt sie. "Aber die Nordstadt ist nicht so schlimm, wie man es immer darstellt". Die dreifache Mutter ist seit August letzten Jahres im Sportverein FS98 mit Sitz in der Heroldstraße aktiv. Hier betreut sie ehrenamtlich Kinder im Alter zwischen 4 und 14 Jahren. Sie will gerne mehr Eltern auf die vielen verschiedenen und sehr preiswerten Möglichkeiten aufmerksam machen, die Sportvereine bieten. "Dafür brauchen wir noch mehr ehrenamtliches Engagement" wünscht sich Frau Horvat

Kathy Horvat
Bild: QM Nordstadt

Mirlinda Sadiku

Mirlinda Sadiku wohnt jetzt bereits seit 16 Jahren in der Nordstadt, 12 Jahre davon im Quartier Borsigplatz. Als großer BVB-Fan liegt ihr der Borsigplatz natürlich besonders am Herzen.

Die 22jährige Jurastudentin freut es besonders, dass ihre Großfamilie in der Nordstadt wohnt und sie so alle regelmäßig sehen kann. Auch ein Großteil ihrer Freunde wohnt hier. Sie kann es sich nicht vorstellen, von hier wegzuziehen. Sie engagiert sich gerne für ihren Borsigplatz und ist stolz auf ihren Vater, der das eigene Haus selbst renoviert hat und ihr zusammen mit ihrer Mutter zeigt, dass man als Vermieter eine besondere Verantwortung für das Haus und das direkte Wohnumfeld hat. Ihrer Meinung nach leidet das Quartier besonders unter dem schlechten Image. Sie wünscht sich für die Zukunft, dass der Drogenhandel in der Nordstadt abnimmt. "Es kann nur aufwärts gehen, weil sich hier so viele Leute engagieren", sagt sie.

Portrait
Bild: QM Nordstadt

Satilmiş Cetin

Satilmiş Cetin hat in der Schleswiger Straße drei Kinder großgezogen. Seit 1995 betreibt er den Kiosk im Herzen des Schleswiger Viertels, zwei Jahre später kaufte er die acht Wohnungen um seinen Kiosk herum dazu.

In seinem voll vermieteten Haus ist es immer ruhig, was auch darin liegt, dass Cetin ständig vor Ort und für seine Mieter Ansprechpartner in allen Lebenslagen ist. "Ich bin ein sehr aktiver Mensch, gehe gerne auf Menschen zu egal welcher Religion sie angehören oder woher sie kommen, ich liebe die kulturelle Vielfalt." Er macht sich Gedanken um seine Nachbarn, die auch seine Kunden sind. "Trinkt einer zu viel, gebe ich ihm kein Bier mehr. Ich kenne ja fast jeden im Viertel." Cetin fühlt sich heimisch und liebt das ruhelose Treiben vor seinem Kiosk. Für die Zukunft wünscht er sich wieder deutsche Nachbarn zu sehen, um gemeinsam das Viertel lebendig zu halten.

Portrait
Bild: QM Nordstadt

Yusuf Aksut

Yusuf Aksut freut sich auf den Sommer. Dann sitzt er am liebsten vor seinem türkischen Imbiss in der Schützenstraße 30 im Schatten der Bäume, den er seit 1996 betreibt.

Selbstgebackenes Brot und der eigenhändig zubereitete Dönerspieß haben den 'Trabzon Grill' zu einem gastronomischen Geheimtipp im Hafenquartier gemacht. 1975 kam Yusuf Aksut aus Trabzon am Schwarzen Meer nach Deutschland. Seit er hier wohnt, fasziniert ihn besonders, wie viele Menschen unterschiedlicher Herkunft hier friedlich miteinander leben. Überhaupt sei die Schützenstraße trotz ihrer dichten Bebauung ungewöhnlich ruhig. Zu kritisieren habe er nur, dass die Schützenstraße früher sauberer gewesen sei. Da es aber genügend Einkaufsmöglichkeiten, Cafés sowie mehrere Moscheen gibt, "bin ich meistens irgendwo anders im Viertel, wenn ich nicht in meinem Laden bin."Ansonsten verbringt er seine Zeit gerne im 'Trabzon Kulturverein' am Borsigplatz.

Yusuf Aksut
Bild: QM Nordstadt

Lurdes de Jesus Morais

Lurdes de Jesus Morais macht vor wie ihr Name ausgesprochen wird und schüttelt dann lachend den Kopf. "Einfach Lulli sagen, das machen die Kinder auch immer".

Seit sie auf dem Nordmarkt Spielplatzpatin ist, nutzen immer mehr Kinder samt ihren Eltern den Platz. Viele haben die gebürtige Portugiesin in ihr Herz geschlossen, die Ansprechpartnerin bei großen und kleinen Nöten ist und vor Ort für Sauberkeit, Sicherheit und viel Spaß sorgt.

Die Spielplatzpatin lebte schon im Sauerland und in Düsseldorf und seit gut zehn Jahren in der Nordstadt. "Aber so richtig bin ich hier erst angekommen, als ich angefangen habe mich zu engagieren", sagt sie. "Ich bin nicht mehr Anonym hier, für mich ist die Nordstadt wie ein Dorf wo ich überall Freunde treffe. Ich wünsche mir, dass wir alle, egal wer wir sind, einfach nur Nordstädter sein können und uns gegenseitig respektieren. Das klappt hier auf dem Nordmarkt immer besser."

Lurdes de Jesus Morais
Bild: QM Nordstadt

Agim Jusufi

Die Nordstadt liegt Agim Jusufi am Herzen. Hier fühlt er sich heimisch, trifft Bekannte und Freunde, und möchte mithelfen, die Nordstadt lebenswerter zu gestalten.

Ein heruntergekommenes Haus im Brunnenstraßenviertel hat er gekauft und eigenhändig saniert. Das Erscheinungsbild ist ihm wichtig. „Ich mag das Multi-Kulti und die vielen Möglichkeiten hier, aber es gibt auch viele Probleme.“ Im Rahmen der Bürgerinitiative Brunnenstraßenviertel setzt er sich deshalb gemeinsam mit Freunden und Nachbarn für die Belange der Anwohner ein. „Wir möchten das Bild des Quartiers verändern.“ Auch seinem Hobby Fußball geht er in der Nordstadt nach. Als Jugendleiter des Fußballvereins KF Sharri ist er für die fünf Juniorenteams des Vereins verantwortlich. „Ich möchte nicht, dass die Kinder nur auf der Straße herumhängen“. Es macht ihn stolz zu sehen, wie die Arbeit des Vereins Früchte trägt sagt er, und wünscht sich noch viel mehr Sport- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche in der Nordstadt.

Agim Jusufi
Bild: QM Nordstadt

René Niederdräing

Vor einem Jahr ist René Niederdräing mit dem Kulturhauptstadtprojekt '2-3 Straßen' an den Borsigplatz gezogen. In der Zeit hat er das Quartier lieben gelernt.

Besonders gut gefällt ihm, dass es so multikulturell und lebendig ist und man überall Menschen trifft, die man kennt. Sein Lieblingsort ist der Hoeschpark. Im grünen Herzen des Quartiers kann man sich gut vom Alltag erholen oder aber auch sportlich aktiv werden. Zum Beispiel im Freibad Stockheide oder bei einem Balanceakt auf der Slackline. Der 28jährige Fachinformatiker betreibt eine Fahrradwerkstatt im Innenhof der Oesterholzstraße 48. Freitags von 16 - 19 Uhr hilft er Kindern und Erwachsenen aus der Nachbarschaft ihre Fahrräder zu reparieren. Das Angebot ist kostenlos. Spenden sind daher willkommen. Für eine Stärkung des Radverkehrs setzt er sich auch in der Velokitchen ein. Sein Wunsch für die Nordstadt ist, dass die Menschen in der Nordstadt häufiger Fahrrad fahren

René Niederdraeing
Bild: QM Nordstadt

Jasmin Opalka

"Wenn ich einmal Kinder habe bleibe ich auch hier", sagt Jasmin Opalka und lacht. "Ich liebe die Nordstadt."

Die junge Frau zog letzten Oktober gezielt in das Viertel. Ein Freund hatte ihr die Nordstadt gezeigt und sie fühlte sich wie im Urlaub. "Die Sonne schien, es war lebendig, nicht so schnarchig wie in meinem alten Stadtteil".

Den Umzug hat sie nie bereut. "Ich kenne hier alle Nachbarn und habe gute Kontakte". Kein Wunder Frau Opalka engagiert sich in der Bürgerinitiative Brunnenstraßenviertel, richtete kürzlich eine Nachbarschaftsparty aus und ist Redaktionsmitglied von nordstadt life einer lokalen Zeitschrift für Jugendliche von Jugendlichen.

"Ich möchte, dass die Nordstadt so bunt bleibt wie sie ist, andere Viertel können sich hier gerne etwas Farbe abholen."

Jasmin Opalka
Bild: QM Nordstadt

Almut Rybarsch

Die Künstlerin Almut Rybarsch hat sich 2004 ihren Traum der Zusammenlegung von Wohn- und Arbeitsraum im Quartier Borsigplatz erfüllt. Wie sie selbst sagt, hat sie sich über das Kreuzviertel, die Rheinische Strasse und die Oststadt an den Borsigplatz "vorgearbeitet".

Neben vielen Freunden und Bekannten im Viertel, schätzt sie das unkonventionelle, nachbarschaftliche Miteinander.

Aktiv ist sie viel in der und für die Nordstadt. Neben mehreren Ausstellungen, wie den offenen Nordstadtateliers, hatte sie schon oft die Möglichkeit über Kurs- und Projektarbeit an hiesigen Kitas, Kindern Grundkenntnisse und Spaß an kreativem Schaffen zu vermitteln. Als Vorstandsmitglied der Kulturmeile Nordstadt e.V. engagiert sie sich für eine verstärkte Außenwahrnehmung des gesamten Stadtteils, als Ort mit großem Kunst-, Kultur- und Kreativpotential.

Sie schätzt an der Nordstadt die gegenseitige Akzeptanz und Toleranz unabhängig von Alter oder Herkunft sowie die Mischung aus alten Häusern und modernen "Bausünden". Für die Nordstadt wünscht sie sich, dass die unsäglichen Nazi-Aufmärsche und das Gerangel darum endlich aufhören!

Almut Rybarsch
Bild: QM Nordstadt

Zeynep Seker

Zeynep Seker lebt seit 1985 in der Nordstadt. Die damals 15-jährige folgte ihrem Vater nach Dortmund, ging hier zur Schule und lebt auch heute noch gerne hier.

„Freundinnen und Nachbarn sind hier wie eine große Familie“ sagt sie und lächelt. Sie schätzt das freundliche Miteinander der vielen verschiedenen Kulturen, „auch wenn es manchmal Probleme gibt“. Als Mitwirkende des Theaterprojekts Crashtest Nordstadt hat sie es in der Rolle einer „Checkerin“ genossen, neue Leute kennenzulernen und Vorurteile über die Nordstadt bei auswärtigen Besuchern abzubauen. Für die Zukunft wünscht sie sich ein stärkeres Engagement der Politik in der gesamten Nordstadt. Derzeit müsse man laut werden, um auf die Probleme der Bewohner aufmerksam zu machen. Dennoch kann sie sich nicht vorstellen die Nordstadt zu verlassen: „Nordstädter sind alle lieb, nett und herzlich. Wir alle wollen ja hier leben.“

Zeynep Seker
Bild: QM Nordstadt

Thomas van Hal

Thomas van Hal ist fasziniert vom Feuer. Kaum verwunderlich also, dass sich der 32jährige Sozial-Pädagoge als freiberuflicher Feuer-Pädagoge in diesem Feld engagiert.

Obschon Mitglied der Künstlergruppe Evil Flames gründete der gebürtige Herdecker den Verein Feuerpädagogik e.V. Dieser bringt sich beispielsweise in der Hauptschule In der Landwehr mit einem Zirkusprojekt mit Feuer ein. Im Quartier Hafen wohnend hält sich Thomas van Hal am liebsten im Café Aida an der Schützenstraße auf, die er übrigens "richtig liebt, man hat das Gefühl, in einem echten Kiez zu sein", sagt er. Die "versteckten Welten", die vielen kleinen Hinterhöfe, findet er besonders spannend. Für das Quartier wünscht er sich eine Kreativentwicklung des Hafens, für sich selbst einen eigenen Garten, "um den Horizont zu erweitern".
www.feuerpaedagoge.de

Thomas van Hal
Bild: Thomas van Hal