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Lesben, Schwule & Transidente

Bild: Jesús González Rebordinos

6. DiverseCity Kongress

Vielfalt: Stimme erheben und Haltung zeigen

Nachricht vom 06.07.2017

"Vielfalt. Jetzt erst recht!" lautete das Motto, unter dem der 6. DiverseCity-Kongress am Mittwoch, 5. Juli, im Rathaus stattfand. Rund 300 Interessierte waren der Einladung gefolgt - Besucherrekord.

Susanne Hildebrandt, Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente

Freute sich über viele Denkanstöße für die Stadt und ihre Arbeit: Susanne Hildebrandt, Koordinierungsstelle für Lesben, Schwule und Transidente
Bild: Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Der Kongress befasste sich mit der Frage, welche Ausrichtung Diversity Management in Zeiten von wachsender sozialer Ungleichheit und zunehmendem Rechtspopulismus haben kann. Der Besucherrekord von 300 Interessierten, die in diesem Jahr an dem Kongress teilnahmen, zeigte die große Bedeutung, die das Thema bei den momentanen politischen Entwicklungen einnimmt.

Diversity: kein "Nice.to.have"

So beinhaltete das Programm des Kongresses auch in diesem Jahr wieder alle Kerndimensionen von Diversity: Geschlecht, Nationalität, ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter sowie sexuelle Identität.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau hob das Motto "Vielfalt – jetzt erst recht!" hervor: "Es geht darum, die Stimme zu erheben, aktiv zu werden, Haltung zu zeigen und deutlich zu machen, dass Diversity kein 'Nice.to.have' ist, sondern unabdingbare Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt und unsere Gesellschaft."

Verwaltung als Spiegel der Stadtgesellschaft

In Dortmund leben 600.000 Menschen aus 180 Nationen - darunter solche mit Behinderung und ohne, Menschen verschiedener Religionen und Weltanschauungen, Frauen und Männer, Junge und Alte, Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung oder Identität. Sierau sagte klar, dass Diversity kein Nischenthema sei: "Es ist einer der tragenden Mechanismen."

Besucherrekord beim 6. DiverseCity Kongress

Ein Motto für alle: "Vielfalt. Jetzt erst recht!" - Oberbürgermeister Ullrich Sierau hob das Motto hervor und erklärte, dass ss geht darum, die Stimme zu erheben, aktiv zu werden und Haltung zu zeigen.
Bild: Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Der Oberbürgermeister unterstrich, dass für die Stadtverwaltung Diversity schon seit Jahren ein entscheidendes Zukunftsmodell sei. "Wir treten für Chancengleichheit und Diversity ein." So wirbt auch die Ausbildungskampagne der Stadt für neue Fachkräfte mit dem Ziel, die Verwaltung zu einem Spiegel der vielfältigen Stadtgesellschaft zu machen.

Die Epoche der Akzeptanz kann beginnen

Matthias Weber, Vorstand Diversity beim Völklinger Kreis, begrüßte die Anwesenden. "Der Termin der Konferenz liegt wirklich perfekt", verwies er mit Blick auf die kürzlich im Bundestag beschlossene Öffnung der Ehe für alle. Ein wenig Wasser wolle er dennoch in den Wein gießen, sagte Weber. "Es hat wirklich lange gedauert." Und ob diese Entscheidung für die gleichgeschlechtliche Ehe nun schon wirklich Akzeptanz sei, zweifelte Weber an und zitierte eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2017. Demnach seien 83 Prozent der Befragten zwar für die Ehe für alle, 38 Prozent empfänden es jedoch als unangenehm, wenn Homo-Paare in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigten. "Offizielle Toleranz ist erreicht. Die Epoche der Akzeptanz kann beginnen", forderte Weber.

Diversity ist harte Arbeit

Hauptredner des Kongresses war Dr. Aladin El-Mafaalani, Professor für Politikwissenschaft und Politische Soziologie an der Fachhochschule Münster. Er lehrt und forscht zu den Themen Integration, Migration, Bildung und Jugend. El-Mafaalani sprach zum Thema "Warum Diversity Angst macht". Er ist der Ansicht, dass Deutschland im Umgang mit Diversity ausgesprochen 'divers' sei. "Wir integrieren Vielfalt, wenn sie uns nutzt", erklärte El-Mafaalani. Das berge die Gefahr, dass es entweder wünschenswerte Vielfalt oder angstmachende Fremdheit gebe.

"Aufgrund von Diversity gibt es Verlierer", so der Wissenschaftler. Folglich steigt das Konfliktpotenzial enorm an. "Ob Machtverhältnisse oder Privilegien – alles wird neu verhandelt. Auch das, was deutsch ist", so El-Mafaalani. Wenn Diversity also erfolgreich sein soll, brauche die Gesellschaft einen anderen Umgang mit Konflikten. "Diversity ist kein Selbstläufer, sondern harte Arbeit".

Tagung bringt viele Denkanstöße

Im zweiten Teil der Veranstaltung fand eine Podiumsdiskussion zum Thema "Pluspunkt Vielfalt" statt. Verschiedene Foren in unterschiedlichen Themengebieten, wie z.B. Kunst und Kultur, Dialog der Vielfalt oder aber dem Umgang mit Stammtisch-Parolen rundeten das Programm des Kongresses ab. Weiter beschäftigte sich der Kongress mit der Frage, wie die Integration von den Menschen, die aufgrund von Flucht und Verfolgung neu zu uns gekommen sind, gut funktionieren kann.

Dr. Claudia Keidies von der Wirtschaftsförderung Dortmund resümierte die Veranstaltung am Ende des Tages: "Der Kongress hat gezeigt, dass wir in eine echte Diskussion zum Thema Vielfalt kommen. Dabei müssen wir insbesondere die Konflikte mit Dortmunder Offenheit angehen."

Susanne Hildebrandt, die wieder federführend den Kongress organisiert hat, freute sich über den gelungenen Austausch: "Es wurden unheimlich viele Denkanstöße gegeben, wie das Thema Diversity weiter vertieft werden kann. Das gibt uns gute Impulse für die Planung des nächsten Jahres!"

Anja Kador