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Feuerwehr

Entwicklung des Brandschutzes in Dortmund - 2001 bis heute

2001

100 Jahre Berufsfeuerwehr Dortmund. Mit einem großen Festakt und mehreren über das Jahr verteilten Veranstaltungen wird das Jubiläum gefeiert.

Auch die Chronik der Berufsfeuerwehr „Feuerwehr – Dortmund 1901 bis 2001“ erscheint. Mit viel Liebe zum Detail ist die Chronik unter der Regie von Brandamtmann Ernst W. Plantikow entstanden und ermöglicht so einen Rückblick auf 100 Jahre Berufsfeuerwehr.

Am 31. Januar beschließt der Rat der Stadt den Brandschutzbedarfsplan für die kommenden zehn Jahre. Neben organisatorischen Veränderungen sind personelle und technische Entwicklungen sowie deren Kosten für die kommenden zehn Jahre beschrieben.

2002

Nachdem in 2001 für den Brandschutz neue Standards festgelegt wurden, verabschiedet der Rat Ende 2002 den neuen Rettungsdienstbedarfsplan. Fünf neue Rettungswagen, zwei Notarzteinsatzfahrzeuge und ein allradbetriebener Krankenwagen werden angeschafft. Damit werden auch zwei neue Standorte in Dienst gestellt und aus ehemals 13 werden 15 Rettungswachen.

2003

Als einer der Schwerpunkte des Brandschutzbedarfsplanes aus 2001, wird die Reorganisation des Löschzugkonzeptes der Berufsfeuerwehr umgesetzt. Hierzu wurden für alle Wachen Einsatzleitwagen (ELW) angeschafft, die vom C-Dienst (Zugführer) und einem Führungsassistenten besetzt werden. Mit der Umsetzung des C-Dienst-Konzeptes werden auch die Führungsebenen B-Dienst (ehemals Einsatzführungsdienst) und A-Dienst (ehemals Direktionsdienst) eingeführt.

Mit 1101 erreicht die Freiwillige Feuerwehr die höchste Anzahl an Einsätzen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. 707 Kameradinnen und Kameraden leisten in 19 Löschzügen Dienst für die Stadt.

Durch eine lange Trockenperiode im Sommer kommt es zu einer Vielzahl von Flächenbränden. Ein Großbrand in einem Verwaltungsgebäude der Firma Siemens verursacht im März einen Schaden in Höhe von 8 Millionen Euro. Der aufsehenerregendste Einsatz des Jahres erfolgt jedoch am 20. Juli, nachdem das Seil eines Bungee-Springers am Florianturm reißt. Der junge Mann stürzt ungebremst in die Tiefe. Zahlreiche Zuschauer werden nach dem tödlichen Unfall von Feuerwehr, Rettungsdienst und Notfallseelsorgern betreut.

2004

Am 1. Oktober nimmt die neue Feuerwache 8 in Eichlinghofen den Dienstbetrieb auf. Die Wache ist als Umweltwache der Dortmunder Feuerwehr konzipiert. Hier werden neben einem Grundschutz mit zehn Funktionen auch die Spezialeinheit - ABC und der Umweltdienst (U-Dienst) der Feuerwehr stationiert.

Erste Planungen für einen Neubau der Feuerwachen 4 (Hörde) und 1 (Stadtmitte) sowie eines Ausbildungszentrums werden auf den Weg gebracht.

Gemeinsam mit der Universität Paderborn beteiligt sich die Feuerwehr Dortmund zunehmend an Forschungsprojekten. Diese Beteiligung erfolgt unter dem Dach des Institutes für Feuerwehr und Rettungstechnologie (IFR), das vom Amtsleier der Feuerwehr, Dipl.-Ing. Klaus Schäfer und dem Vorsitzenden des Stadtverbandes der Freiwilligen Feuerwehr, Prof. Dr.-Ing. Rainer Koch geleitet wird.

In 2004 brennt es gleich in drei der Dortmunder "Symbolbauten". Im Juni führt der Brand eines Souvenirgeschäftes im Hauptbahnhof zu einer vollständigen Verrauchen der Einkaufspassage unter den Gleisen. Nur einen Tag später brennt der Malersaal des Stadttheaters und mehr als 70 Menschen werden in Sicherheit gebracht. Im Oktober sind es mit Abfall gefüllte Dehnungsfugen im Westfalenstadion, die am Ende eines Spiels der Borussia entzündet werden. Bei allen drei Bränden gelingt es durch schnelles Eingreifen Personenschäden zu verhindern und die Sachschäden gering zu halten.

2005

Ein Jahr vor der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland laufen auch bei der Dortmunder Feuerwehr die Vorbereitungen auf Hochtouren. Das Westfalenstadion wird Austragungsort mehrerer Spiele sein, zudem sind in der Stadt Großveranstaltungen zum gemeinschaftlichen Fußballsehen auf Großleinwänden - dem Public Viewing - geplant.

Der Bedeutung der Brandschutzerziehung von Kindern im Vorschul- und Grundschulalter wird zunehmend Rechnung getragen. Ein neues Konzept, bei dem Brandschutzerzieher den Kindern die Gefahr des Feuers, das richtige Verhalten im Brandfall und das Absetzten des Notrufes vermitteln wird eingeführt. Kindergärten und Grundschulen erhalten Arbeitsmaterialien von der Feuerwehr und ein Brandschutzerzieher, der die Kinder zunächst in der Einrichtung unterrichtet, führt anschließend auch die Wachbesichtigung durch.

2006

Im Januar geht erstmals ein Teleskopmast (TM) bei der Dortmunder Feuerwehr in Dienst. Mit dem neuen Fahrzeug sollen die Drehleitern für ihren originären Einsatzzweck - die Sicherstellung des zweiten Rettungsweges - freigehalten werden. Mit einer Arbeitshöhe von 54 Metern und einer seitlichen Ausladung von 26 Metern hat der TM völlig neue Einsatzmöglichkeiten. Dies kann er nach seiner Indienststellung gleich mehrfach beweisen. Neben mehreren kleineren Einsätzen in Dortmund wird der TM in 2006 zur überörtlichen Hilfe beim Großbrand eines Braunkohlekraftwerkes im Rheinland und beim Brand eines ehemaligen Kraftwerks in Münster eingesetzt.

Auch der seit 2003 geplante Einsatzleitwagen 3 (ELW 3) nimmt den Dienstbetrieb auf. War die Einsatzleitung bis dahin in drei einzelnen Containern untergebracht, arbeitet der mobile Führungsstab nun in einem Sattelauflieger. Der Auflieger des Herstellers Binz ist in die Bereiche - Besprechungsraum, Eingangsbereich sowie dem Funk- und Technikraum unterteilt. Der Teil des Aufliegers, in dem sich der Besprechungsraum befindet, wird durch ein hydraulisches Ausschubteil auf eine Gesamtfläche von 5,5m x 4.5 m vergrößert. Hier befinden sich die Arbeitsplätze des Einsatzstabes sowie der Fachberater.

Nach zweijähriger Vorbereitung der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr ist das Jahr der Fußball Weltmeisterschaft endlich gekommen. An den sechs Spieltagen im Dortmunder Stadion, beim Public-Viewing auf dem Friedensplatz und an den Westfalenhallen stehen durchschnittlich 1.900 Einsatzkräfte der Feuerwehren und Hilfsorganisationen mit ihren Fahrzeugen für den Fall der Fälle in Bereitschaft.

An jedem Spieltag werden durch die Feuerwehr Dortmund der Führungsstab der Feuerwehreinsatzleitung, die Technische Einsatzleitung Stadion sowie die Technische Einsatzleitung Innenstadt besetzt. Die WM verläuft außerordentlich friedlich, bei meist strahlendem Sonnenschein ist zwar eine Bombenstimmung in der Stadt; zu den von Nachrichtendiensten befürchteten Anschlägen kommt es nicht.

2007

Das Jahr 2007 wird der Feuerwehr vor allem durch das Sturmtief Kyrill in Erinnerung bleiben. Seit Ende des Krieges sehen sich die Gefahrenabwehrbehörden vor ihrer größten Aufgabe, um die Schäden zu beseitigen, die vom heftigsten Orkantief seit Beginn der Wetteraufzeichnungen verursacht werden.

Vom 18. bis zum 21. Januar hält Kyrill die Dortmunder Feuerwehr mit mehr als 2.000 Einsätzen auf Trab. Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h verursachen Schäden in Millionenhöhe. Nur durch ein Höchstmaß an organisatorischem Aufwand und durch das unermüdliche Engagement der Einsatzkräfte im hauptamtlichen und ehrenamtlichen Bereich ist es möglich, die Auswirkungen des Sturmes auf ein Mindestmaß zu begrenzen.

Aber dennoch; umgestürzte Bäume auf Straßen und Schienen lassen den Verkehr in weiten Teilen des Stadtgebietes kollabieren. Auch Stromausfälle durch umgestürzte Bäume und gebrochene Äste auf Stromleitungen rufen die Feuerwehr auf den Plan. Gelöste und herab fallende Dachziegel beschädigen zahlreiche Fahrzeuge und Fensterscheiben.

Immer häufiger sind Kranken- und Notfalltransporte von massiv übergewichtigen (adipösen) Patienten nötig. Um einen sicheren und zudem menschenwürdigen Transport zu gewährleisten, stellt die Feuerwehr im Juli auf der Feuer- und Rettungswache 4 einen Adipösentransportwagen (ATW) in Dienst.

Es handelt sich um einen Krankentransportwagen mit erweiterter Geräteausstattung (EKG, Defibrillator, Beatmungsgerät, Notfallkoffer, Bergetuch und Vakuummatratze mit Übermaßen). Die Krankentrage ist bis zu einem Gewicht von 450 kg belastbar. Schon im ersten Betriebsjahr werden 71 Transporte mit dem neuen Fahrzeug durchgeführt.

2008

Die Silvesternächte gehören erfahrungsgemäß zu den arbeitsreichsten für die Feuerwehr. Der Jahreswechsel 2007/2008 birgt eine zusätzliche Herausforderung.

Extrem dichter Nebel, der sich pünktlich um Mitternacht über das gesamte Stadtgebiet legt, macht jede Einsatzfahrt zu einem Himmelfahrtskommando. Nur mit Schrittgeschwindigkeit und unter größter Vorsicht können Einsatzstellen erreicht werden. Immer wieder blockieren liegengebliebene Fahrzeuge die Fahrbahnen.

Die Loveparade in Dortmund! Unter dem Motto „Highway to Love“ startet am 19. Juli die Loveparade 2008 auf der B 1 in Dortmund. Die Parade mit 40 Floats zieht auf einer zwei Kilometer langen Strecke ihre Runden. Die Wendepunkte befinden sich auf Höhe der Wittekindstraße im Westen und Am Knappenberg jenseits der B 54 im Osten. Dank der enormen Breite der B1 auf diesem Stück haben Floats und Besucher Platz zum Fahren und Feiern.

Unter Leitung der Feuerwehr wird mit Helfern aus dem gesamten Bundesgebiet die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr erbracht. Seriöse Schätzungen gehen von etwa 800.000 Besuchern aus, die in Dortmund ein friedliches Fest der Liebe feiern.

Am 26. Juli öffnete der Himmel seine Schleusen und lässt innerhalb weniger Stunden Wassermassen über Dortmund fallen, wie sie sonst über Monate verteilt herunter kommen würden. Mit bis zu 200 Liter pro Quadratmeter in nur drei Stunden ist es der stärkste Regen der letzten 100 Jahre, der auf Dortmund niedergeht. Die Leitstelle der Feuerwehr Dortmund erreichen bis Mitternacht über 4.500 Notrufe.

Die Feuerwehr muss 868 wetterbedingte Einsätze bewältigen, neben der Berufsfeuerwehr sind 300 Kameraden/-innen der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz. 120 Helfer/-innen des Technischen Hilfswerkes unterstützen mit schwerem Gerät. Aufgrund der schweren Überflutungen können einzelne Bewohner nur mit Booten erreicht werden. Wie durch ein Wunder gibt es jedoch keinerlei Personenschäden.

In der Sitzung am 15. Mai beschließt der Rat der Stadt Dortmund den Neubau der Feuerwache 1 (Mitte) und des Lage- und Führungszentrums (LFZ). Damit nimmt die Stadt rund 29 Millionen Euro in die Hand, um das einstige Aushängeschild des Dortmunder Brandschutzes zu ersetzen.

Auch der Neubau der Feuerwache 4 in Hörde sowie eines an der Feuerwache 2 angrenzenden Ausbildungszentrums wird gefällt. Noch in 2008 wird mit den Bauarbeiten begonnen; ebenso mit dem Bau von drei neuen Rettungswachen.

Gleich fünf Fahrzeuge eines völlig neuen Fahrzeugtyps werden im Juli 2008 an Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr übergeben. Die Löschfahrzeuge-Logistik (LF-L) sind Fahrzeuge, die neben einer feuerwehrtechnischen Beladung über einen Wassertank, eine fest eingebaute Pumpe und zusätzlich über die Möglichkeit der Aufnahme von umfangreicher Zusatzbeladungen für Sonderaufgaben verfügen. Kennzeichnend ist die Ladebordwand im Heck des LF-L.

Direktor der Feuerwehr Dirk Aschenbrenner

Direktor der Feuerwehr Dirk Aschenbrenner
Bild: Feuerwehr Dortmund

2009

Um der in den letzten Jahren stetig zunehmenden Beteiligung des Institutes für Feuerwehr- und Rettungstechnologie (IFR) an verschiedensten Forschungsprojekten Rechnung zu tragen, wird das IFR ab dem 1. Januar als eigenständiges Stadtamt geführt. Aufgabenfelder des Institutes für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Stadt Dortmund sind die Generierung, Koordination, Begleitung, Beratung und Durchführung von Vorhaben der Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Feuerwehr- und Rettungstechnologien.

Die Leitung des Instituts übernimmt Ltd. Branddirektor Dipl.-Ing. Klaus Schäfer. Schäfer verlässt damit die Dortmunder Feuerwehr, bleibt durch die enge Zusammenarbeit zwischen IFR und Feuerwehr dem Brandschutz jedoch verbunden.

Am 18. Mai ernennt Stadtkämmerin und Brandschutzdezernentin Dr. Christiane Uthemann Dipl.-Ing. Dirk Aschenbrenner zum neuen Leiter der Dortmunder Feuerwehr. Aschenbrenner war seit April 2003 einer der beiden Vertreter von Feuerwehrchef Klaus Schäfer. Ltd. Branddirektor Dirk Aschenbrenner ist damit der neunte Feuerwehrchef seit der Gründung der Dortmunder Berufsfeuerwehr im Jahre 1901.

Ende April warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer weltweiten Verbreitung (Pandemie). Anfang Juni werden die Warnung auf die höchste Alarmstufe hochgestuft. Unter Leitung des Gesundheitsamtes bereitet sich die Stadt auf die drohende Pandemie vor. Die Feuerwehr beschafft große Mengen an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Die enorme Aufmerksamkeit und der Umfang der getroffenen Maßnahmen liegt darin begründet, dass ein anderer H1N1-Subtyp die Influenza-Pandemie 1919/20 („Spanische Grippe“) mit 50 Millionen Todesopfern verursacht hatte. Letztlich bleibt die befürchtete Erkrankung von großen Teilen der Bevölkerung aus. Der aktuelle Virus ist längst nicht so krankheitsauslösend wie zunächst angenommen wurde.

Gleich zwei Großbrände beschäftigen die Feuerwehr im September. Am 12. brennt das Autohaus Ebbinghaus an der Arminiusstraße in Dorstfeld und am 21. eine Produktions- und Lagerhalle der Firma Knauf im Hafen. Obwohl bei beiden Bränden ein Millionenschaden entsteht, gelingt es der Feuerwehr den Brand so einzudämmen, dass der Betrieb schon nach wenigen Tagen fortgesetzt werden kann. Dies ist gerade in der derzeit wirtschaftlich schwierigen Situation von großer Bedeutung.