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Rettungdienstwagen

Feuerwehr

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Alle Rechte vorbehalten Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Massenanfall von Verletzten - MANV

Sicherstellung der Versorgung bei zahlreichen Verletzten/Erkrankten

Der Massenanfall von Verletzten und Erkrankten (MANV) bezeichnet eine Situation, bei der eine große Zahl von Betroffenen versorgt werden muss, zum Beispiel bei Busunglücken, Großbränden mit zahlreichen Verletzten, Lebensmittelvergiftungen oder Flugzeugabstürzen.

Dabei stößt der reguläre Rettungsdienst an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit.

Um den Verletzten bzw. Erkrankten dennoch eine angemessene Versorgung zukommen lassen zu können, ist die Abkehr vom Individualprinzip der rettungsdienstlichen Versorgung notwendig. Dies führt zu einem System der

  • Prioritätenbildung,
  • Ressourcen- und Behandlungs-Bündelung,
  • Pufferung von Patienten bis zu ihrem Abtransport.

Die Patienten weisen bei solchen Schadenfällen erfahrungsgemäß unterschiedlich schwerwiegende Erkrankungen / Verletzungen auf. Man geht davon aus, dass die Verteilung der Verletzungsgrade bei 40% Schwerverletzten (vital bedroht), 20% Verletzten (vital stabil) und 40% Leichtverletzten liegt.

Entsprechend dem Grad der Erkrankung / Verletzung besteht bei den einzelnen Patienten eine unterschiedlich dringliche Behandlungs- und Transportpriorität.

Zur Lagefeststellung werden alle Patienten frühestmöglich gesichtet. Durch die Sichtung wird die Behandlungs- und Transportpriorität festgelegt.

Bildung von Einsatzabschnitten

Zur Durchführung notwendiger rettungsdienstlichen Maßnahmen ist zuerst die Bildung und Organisation eines Einsatzabschnittes (EA) Rettungsdienst (RettDi) notwendig.

Der EA RettDi kann sich in folgende Unterabschnitte gliedern:

  • Patientenablage/-n (Erstversorgung)
  • Behandlung (inkl. Träger)
  • Rettungsmittelhalteplatz
  • Betreuung (bei Bedarf)

Die Bereiche Behandlung und ggf. Betreuung werden unter dem Begriff „Behandlungsplatz“ zusammengefasst.

Ziel und Vorgehensweise

Das Ziel der spezifischen Einsatzlage MANV besteht darin, die Vielzahl der Patienten aus dem Schadensort mit einer bestmöglichen medizinischen Behandlung bzw. psychosozialen Betreuung an entsprechende Einrichtungen weiterzuleiten bzw. Unverletzte aus dem Schadengebiet zu entlassen.

Im Einsatzabschnitt Rettungsdienst werden die Patienten zunächst in der Patientenablage einer ersten Sichtung unterzogen. Ziel ist es dabei eine erste Behandlungsreihenfolge nach Verletzungsschwere herzustellen, nach der die Patienten transportiert werden sollen. Der an der Patientenablage eingesetzte Notarzt nimmt bereits dort durch eine Sichtung und Einteilung nach Sichtungskategorien vor, insbesondere um vital instabile Patienten (rot) zu identifizieren, die schnellstens versorgt und transportiert werden müssen (Schwerverletzte, vital instabile Patienten sollen innerhalb einer Stunde der Behandlung in einem Krankenhaus zugeführt werden, damit sie eine reale Überlebenschance erhalten).

Nach einem Transport zum Behandlungsplatz (BHP) findet am Eingang zum Behandlungsplatz eine erneute Sichtung statt, da sich zwischenzeitlich der Zustand des Patienten verändert haben könnte. Der dort eingesetzte Arzt muss prüfen, ob rote Patienten noch in den Behandlungsplatz oder sofort in ein Krankenhaus transportiert werden müssen.

Entsprechend der Eingangssichtung findet eine Zuweisung auf dem BHP zu der dafür geeigneten Behandlung (Kategorien) statt. Im BHP selbst wird die individuelle Behandlung der Patienten in dafür speziell ausgestatteten Bereichen durchgeführt.

Abschließend werden die Patienten am Ausgang nochmals gesichtet, in der Übersichtsdokumentation erfasst und zu den entsprechenden medizinischen Einrichtungen transportiert. Die Zuweisung zu den entsprechenden Kliniken wird vom Ausgang des Behandlungsplatzes vorgenommen.

Sollte die Gruppe der unverletzten Betroffenen sehr groß sein, ist es sinnvoll diese Personengruppe nicht dem Behandlungsplatz zuzuführen, sondern direkt in einen Betreuungsstelle zu führen. Die Entscheidung obliegt dem leitenden Notarzt (LNA) in Abstimmung mit dem Einsatzleiter.