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Feuerwehr

Bild: Alle Rechte vorbehalten Dortmund-Agentur / Stefanie Kleemann

Rettungstruppkonzept

Wenn Einsatzkräfte gerettet werden müssen

Eine der Kernaufgabe der Feuerwehr ist das Retten von Personen aus Gefahrenlagen. Sei es in der technischen Rettung, aus allgemeinen Gefahren, oder aus Brandgefahren. Hierzu begeben sich die Rettungskräfte regelmäßig selbst in Gefahr, um ihre Aufgabe ausführen zu können.

Durch moderne Schutzkleidung ist es möglich, ein Großteil der Gefahren zu beherrschen und sich kalkuliert darauf einzulassen. Dabei darf aber auch nicht außer Acht gelassen werden, dass diese persönliche Schutzkleidung auch das letzte Glied zum Schutz vor Gefahren darstellt. Kritische Situationen entstehen sofort dort, wo Rettungskräfte während ihres Einsatzes zu Betroffenen werden und selbst gerettet werden müssen. Diese Notsituation kann durch Ausfall oder Defekte an der Schutzausrüstung entstehen, durch Kreislaufschwächen oder körperliche Überlastung oder durch eine bedrohliche Entwicklung des Schadensereignisses (z.B. Verletzungen durch herabstürzende Teile).

Jetzt kann die Situation für die Einsatzkräfte, welche sich zuvor gezielt in eine Ausnahme- und Gefahrensituation begeben hat einen lebensbedrohlichen Zustand darstellen.

Funktionieren jetzt die eingeplanten Schutzmechanismen nicht mehr (z.B. Ausfall Pressluftatmer) oder ist zusätzliche Hilfe erforderlich (z.B. Herzinfarkt, Verletzungen,...) so besteht für den Trupp selten eine Chance, sich selbst in dieser Situation zu helfen oder aus dieser Situation zu befreien.

In jedem Fall ist zu erwarten, dass eine Eigenrettung nicht mehr möglich ist. Somit muss eine Rettung von betroffenen Einsatzkräften, mit weiterem Gerät, zusätzlichen Kräften und gezielter Taktik durchgeführt werden. Hinzukommt, dass eine medizinische Versorgung oder Stabilisierung der Vitalfunktionen erst außerhalb des eigentlichen Gefahrenbereiches erfolgen kann.

Hier sind jetzt gezielte Vorgehensweisen mit hohem Rettungstempo gefragt, um die Rettung der Einsatzkräfte schnellstmöglich zu gewährleisten.

Jedes zusätzliche Gerät behindert und bremst aber das Vorgehen eines Rettungstrupps. Auch steht nicht immer sofort ein Trupp zum Rettungseinsatz bereit. Das Heranziehen von Personal zur Bildung eines Rettungstrupps und die Zeit zum Ausrüsten beansprucht wertvolle Minuten.

Die Entscheidung dem im Löschangriff vorgehenden Trupp von vornherein eine Minimalausrüstung (Rettungsschlaufe, längerer Bindestrick, etc.) zur Selbstrettung mitzugeben ist nur eine Teillösung des Problems.

Auch gilt es zu bedenken, dass das Gewicht eines voll ausgerüsteten Feuerwehrmanns (SB) zu groß ist, um ihn "mal eben über die Schulter zu nehmen" oder ihn über mögliche Treppen zu ziehen.

Als Ergebnis einer ausgedehnten Versuchsreihe, in der die verschiedensten Rettungsmöglichkeiten getestet wurden, haben Einsatzkräfte der Feuerwache 3 (Neuasseln) Forderungen aufgestellt und eine Rettungsmulde konzipiert, welche die grundlegende Voraussetzung zur Erfüllung aller Anforderungen an eine schnelle Rettung bietet.

Forderungen als Ergebnis der Versuchsreihe:

  • Die Vorbereitung eines Rettungseinsatzes durch Zusammenstellung von Personal und Material muss kurzfristig und schnell erfolgen können
  • benötigtes Rettungsgerät muss schnell zugänglich sein (am besten auf jedem Fahrzeug)
  • Die Rettung muss schnell durchführbar sein, d.h. zügiger Transport des Rettungsgerätes zur betroffenen Person und zügiges Aufnehmen und schneller Transport der betroffenen Person.
  • Schonender, weitere Verletzungen vermeidender Transport der betroffenen Person.
  • Versorgung des betroffenen Trupps mit zusätzlicher Atemluft.
  • Grundsätzlich Langzeitgeräte für den Rettungstrupp (sofern dieses und geeignete Atemschutzgeräteträger zur Verfügung stehen)

Beschreibung der Dortmunder Rettungsmulde

Die Rettungsmulde besteht aus dem Muldenaufsatz einer handelsüblichen Baustellenschubkarre. Es sind zusätzliche Öffnungen als Tragegriffe eingearbeitet. Vorne und hinten ist eine Bebänderung zum Ziehen der Mulde angebracht, sowie seitlich zum Fixieren der zu transportierenden Person.

Die entworfene Rettungsmulde ist leicht, bietet umfassenden Schutz des Rückenbereichs einer Person und kann auch mit einer Person sehr leichtgängig über den Boden gezogen werden. Es besteht ebenfalls ein umfassender Schutz gegen Kanten und Ecken, um die die zu rettende Person nicht "herumgebogen" werden muss. Die Rettungsmulde gewährt ebenfalls eine seitliche Stabilisierung.

Auf dem Weg zum Rettungseinsatz kann der Rettungstrupp in der Rettungsmulde Reserve-Atemschutzgeräte (PA, Langzeitgeräte, Regenerationsgeräte) und evtl. weiteres Gerät mitführen ohne dass hierdurch die Bewegungsgeschwindigkeit verringert wird.

Es ist ein Schutz der Atemluftflasche gegeben, ohne dass diese abgelegt werden muss, oder die Person in der Rettungsmulde behindert. Eine neue Atemluftflasche kann ohne Probleme angeschlossen und mitgeführt werden.

Ein Transport einer Person ist auch über Treppen (aufwärts und abwärts) mit relativ geringem Aufwand möglich.

Ebenso kann die Rettungsmulde aufgrund vorhandener Eingriffsöffnungen problemlos getragen werden.

Der Rettungseinsatz

Ein Ausfall von Einsatzkräften wird aufgrund des bestehenden Kontrollsystems mit aller Wahrscheinlichkeit durch den Atemschutzcontroller festgestellt. Sei es, dass dieser bei einer Routineabfrage keine Rückmeldung erhält oder durch einen direkten Notruf über den Notfall informiert wird.

Eine sehr grobe, allgemeine Vorgabe zur Abwicklung dieser Situation wurde mit einer Handlungsanweisung erstellt. Hierin wird unter anderem das Notzeichen "May Day" festgelegt. Es gilt für den 2-Meter und 4-Meter Funk oder für die mündliche Übermittlung.

In der Handlungsanweisung heißt es:

"Das Notzeichen wird von in Not geratenen Einsatzkräften gegeben. Der 2m Funk ist sofort auf das absolut notwendige Maß zu reduzieren. Der bereitstehende Rettungstrupp macht sich sofort einsatzbereit. Der Einsatzleiter ist unverzüglich zu informieren und veranlasst sofort alle notwendigen Rettungsmaßnahmen." Diese Anweisung kann aber nur, angesichts der Anforderungen und vielen notwendig zu beachtenden Details, eine Rahmenvorgabe zur Bewältigung einer solchen Notfallsituation darstellen.

Der Rettungseinsatz für einen in Not geratenen Trupp ist als eigenes, in sich geschlossenes Ereignis zu betrachten. Bei der Bedeutung dieser Ausnahmesituation musste dies auch zwangsläufig so geschehen: Eine Menschenrettung darf nicht als eine von vielen Tätigkeiten in einem Gesamteinsatzgeschehen abgehandelt werden.

Dabei erkannte man folgenden Ablauf:

  • Entstehen der Notfallsituation
  • Verhalten des in Not geratenen Trupps
  • Rettungseinsatz
  • Einleiten und Organisieren des Rettungseinsatzes
  • Rettungstrupp
  • Ausstattung
  • Einsatzgrundsätze

Entstehen von Notfallsituationen

Ausbildungsdefizite bestehen, die bestehenden Schutzeinrichtungen (PA, Schutzkleidung) ausfallen oder die Schutzwirkung nicht mehr ausreicht (z.B. starke dauernde Flammeneinwirkung, herabstürzende Trümmerteile,...). Kreislaufprobleme, Schwächezustände oder ein möglicher Herzinfarkt führen genauso in eine Notsituation, wie der Verlust der Orientierung oder ein versperrter Rückzugsweg.

Für den in Not geratenen Trupp stellt dies eine sehr seltene Extremsituation dar. Ein sinnvolles, überlegtes Verhalten ist hierbei aufgrund von Nervosität, Streß und Angst eher die Ausnahme. Deshalb müssen sich Einsatzkräfte formelhaft die gebotenen Grundsätze einer solchen Situation einprägen und ebenso formelhaft danach handeln.

Grundsätze

  • Ruhe bewahren
  • Grundsätzlich nie in verrauchter oder toxischer Atmosphäre die Atemschutzmaske abnehmen
  • Notsignal absetzen
  • Gerätecheck
  • Eigene Maßnahmen vor Ort zur Sicherung Stabilisierung oder Verbesserung der Situation und Verminderung oder weiterer Schutz vor Gefahr

Ruhe bewahren!

Dieser Satz klingt wie ein unmöglicher Befehl. Wie soll man Ruhe bewahren, wenn man aufgrund einer Notsituation unruhig ist? Aber genau so befehlsartig muss man sich eben immer wieder sagen: "Ruhe bewahren!". Natürlich funktioniert eine solche persönliche innere Steuerung durch eigene Anweisungen bei jedem Menschen unterschiedlich. Aber ein Vorgehensweise, um in solchen Stresssituationen wieder Ruhig zu werden ist tatsächlich trainierbar. Dies muss kontinuierlich im Vorfeld geübt werden.

Im zweiten Schritt muss man versuchen die Situation rein analytisch zu erfassen. Dies kann in einem inneren Gespräch mit sich selbst oder innerhalb des Trupps geschehen. Hierbei ist es wichtig alle sachlich zu erfassenden Dinge und Gegebenheiten "aufzulisten": Ort, Situation, Gefahren, Verletzungen, Luftvorrat; Einsatzzeit, erfolgter Notruf, Rückzugsmöglichkeiten, etc.. Bei jedem einzelnen Punkt muss man sich die Frage stellen: "Erfasse ich dies sachlich neutral oder bewerte ich über oder unter?". Hierbei liegt einer der größten Fehler bereits darin, einen Stresszustand oder Angst, etc. strikt von sich zu weisen. Auch das persönlich Gefühl sollte in dieser Situation sachlich beschrieben werden - "ich bin jetzt nervös, ich habe Angst,...". Bei der weiteren Beurteilung muss der vorhandene Informationsstand auf das notwendige Minimum reduziert werden, d.h. alle unbedeutenden Punkte werden aus der weiteren Überlegung gestrichen. Nur so ist eine Chance gegeben gedanklich den Überblick zu behalten und sich nicht aufgrund einer Informationsflut selbst zu lahmen.

Grundsätzlich bleibt der Trupp zusammen. Nur so kann auch das Gefühl von Hilfe und (begrenzter) Sicherheit aufkommen. Selbst wenn eine Person "los eilt" um Hilfe zu holen, wird sich bei der anderen Person eher das Gefühl einstellen, "jetzt bist du allein, wenn jetzt noch was passiert". Auch ermöglicht ein gemeinsames Besprechen der Situation eher eine Lösungsfindung als alleine.

Die gesamte Vorgehensweise, insbesondere aber die Stressbewältigung und die analytische Beurteilung und Schlussfolgerung bedarf eines intensiven Trainings. Hierbei hilft aber auch schon ein gedankliches Training: Das Durchspielen einer solchen Situation mit gelernten Verhaltensmustern. Setzt man sich bei einem solchen Gedankenspiel einen Erinnerungspunkt, z. B. durch Pressen von Daumen und Zeigerfinger kann dies wie eine Verankerung von Handlungsabläufen wirken. In einer Realsituation kann dann dieser "Daumendruck" unbewusst wieder zum gewohnten Handlungsablauf zurückführen und neue Sicherheit bieten. Man spricht hierbei von einem psychischen Anker. Dies ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich möglich und kann auch durch andere Erinnerungspunkte erfolgen. Besser ist es natürlich einen solchen Anker bei tatsächlichen Übungsabläufen zu installieren. Dazu ist aber eine Vielzahl von Übungsdurchläufen erforderlich, was gedanklich eben einfacher zu bewerkstelligen ist.

Nie die Maske abnehmen!

Grundsätzlich darf nie in verrauchter oder toxischer Atmosphäre die Atemschutzmaske abgenommen werden. Diese Aufforderung klingt etwas banal. Wer nimmt denn schon seine Atemschutzmaske ab, wenn alles verqualmt ist?

Aber unter dem Eindruck von Luftknappheit oder bereits ansprechendem Signal des Atemschutzgerätes wird jede Feuerwehreinsatzkraft irgendwann die Maske abnehmen. Medizinisch betrachtet ist allerdings nüchtern festzustellen, dass bei einem Atemluftmangel unter der Maske, eine Hilfe immer noch besser erfolgen kann als bei Atemluftmangel in toxischer Atmosphäre. Hier schädigt nicht nur die Sauerstoffminderversorgung sondern zusätzlich noch die Atemgifte.

Der Trupp sollte in jedem Fall versuchen in Bereiche mit atembarer Atmosphäre zu gelangen.

Es wurden Versuche zur Pendelatmung durchgeführt. D.h. innerhalb eines Trupps erfolgt ein Atemluftaustausch durch Umkuppeln der Mitteldruckleitung oder Wechseln des Lungenautomaten. Als Ergebnis musste leider festgestellt werden, dass sich dies bei den derzeitig verwendeten Geräten generell nicht als Methode eignet.

Notsignal absetzen!

Die Handlungsanweisung legt den Begriff "May Day" als Notsignal fest. Gerät ein Trupp in eine Notsituation ist sofort mehrmals dieser Notruf abzusetzen. Danach sind unbedingt weitere Informationen für den dann anlaufenden Rettungseinsatz zu übermitteln. Dies sind im einzelnen:

  • Welche Gefahren liegen konkret vor? Rückweg abgeschnitten, Explosion, Einsturz, etc.
  • Sind Verletzungen vorhanden, wenn ja welche? Wo ist der genaue Ort?
  • Wie ist die allgemeine Situation? Verqualmung, Luftvorrat, Fenster in der Nähe, etc.

Die zweithöchste Priorität

Der Bereitstellung eines Rettungstrupps ist nach der Menschenrettung höchste Priorität einzuräumen. Das erfordert natürlich möglicherweise ein leichtes umdenken bei Einsätzen. Vor der Vornahme eines weiteren Rohres muss klar überlegt werden, ob das Einsatzpersonal dafür überhaupt noch ausreicht, wenn sich ein Rettungstrupp ausrüstet. Auch ist in der zeitlichen Abfolge der Rettungstrupp eher auszurüsten, als dass ein zweites Rohr vorgenommen wird. Bei Bedarf muss weiteres Personal nachgefordert werden.

Anzahl der Einsatzkräfte

Der Rettungstrupp besteht grundsätzlich aus mindestens zwei Feuerwehrangehörigen, bei Bedarf auch mehr Personen. Das Ergebnis aller Versuche war die Erkenntnis, dass für einen schnellen und sicheren Rettungseinsatz die Besetzung des Rettungstrupps mit drei Einsatzkräfte anzustreben ist.

Gerätecheck!

Der in Not geratene Trupp führt einen Gerätecheck, d.h. eine Kontrolle des Atemschutzgerätes auf volle Funktionsfähigkeit durch. Auch hier sollte formelhaft vorgegangen werden, damit tatsächlich jeder einzelne Punkt bedacht wird:

  • Sitzt meine Maske einwandfrei?
  • Ist mein Lungenautomat richtig angeschlossen?
  • Wie hoch ist mein Gerätedruck? Wie lange reicht er vermutlich?
  • Ist mein Luftleitungssystem und der Flaschenanschluß in Ordnung?
  • Habe ich mein Flaschenventil vollständig geöffnet?

Eigene Maßnahmen vor Ort!

Diese eigenen Maßnahmen sollen zur Sicherung, Stabilisierung oder Verbesserung der Situation dienen und zur Verminderung oder zum weiteren Schutz vor den bestehenden Gefahren. Hierunter sind alle Maßnahmen zu verstehen, welche der Trupp in seinem direkten Umfeld ohne allzu großen Aufwand durchführen kann:

  • Öffnen von Fenstern 2. Rettungsweg (Achtung Luftzufuhr Flash-over Gefahr beachten)
  • Verlagerung in weniger verqualmte oder weniger heiße Bereiche Fangleine als Führungsleine, Mastwurf um Strahlrohr
  • Überlegung eines möglichen, kürzeren Rettungsweges
  • Falls kein kürzere Weg möglich ist, sollte sich der Trupp an der Schlauch- bzw. Führungsleine zurück bewegen; dabei wird die Leitung/Leine nicht mit zurückgenommen

Einleiten und Organisieren des Rettungseinsatzes

Bei der Vorbereitung zur Durchführung eines Rettungseinsatzes sind einige Punkte verbindlich festgelegt worden. Diese resultieren aus den gewonnen Erfahrungen und Erkenntnissen aller Überlegungen und durchgeführten praktischen Übungen. Dabei stellt die folgende Auflistung eine Richtlinie für Führungskräfte dar.

Grundsätze

  • Der Einsatz des Rettungstrupps erfolgt nach FwDV 7
  • Der Bereitstellung eines Rettungstrupps ist nach der Menschenrettung höchste Priorität einzuräumen.
  • Der Rettungstrupp besteht grundsätzlich mindestens aus 2 Feuerwehrangehörigen; bei Bedarf auch mehr
  • Die Leitung des Rettungseinsatzes unterliegt der für den betroffenen Trupp zuständigen Führungskraft; dies ist in der Regel der ZF, vertretungsweise GF
  • Erfolgt ein Rettungseinsatz, so sind weitere Rettungstrupps von verschiedenen Stellen zur Suche und Rettung einzusetzen
  • Erfolgt der Rettungseinsatz in höher gelegene Stockwerke, so sind vorsorglich Drehleitern, bzw. tragbare Leitern als zweiter Rettungsweg in Stellung zu bringen.
  • Der Funkverkehr ist soweit möglich auf die Kommunikation für den Rettungseinsatz zu beschränken.

Der Einsatz nach FwDV 7

Die Feuerwehrdienstvorschrift 7 (FwDV 7 - Atemschutz) legt fest, dass an Einsatzstellen für eingesetzte Atemschutztrupps mindestens ein Rettungstrupp bereitsteht. Bei besonderen Einsatzsituation sogar für jeden eingesetzten Atemschutztrupp ein eigener Rettungstrupp. Nur in wenigen Fällen lässt die FwDV 7 eine Ausnahme zu. Z.B. bei allen kleinen und übersichtlichen Einsatzstellen: PKW-Brand, Laubenbrand bei Sichtkontakt und kurzem Weg ins Gebäude, Gerümpelbrand, Außenangriff unter PA, u.a.. Somit muss der Zugführer recht schnell einen Trupp als Rettungstrupp einteilen. Dies ist nicht zwingend sofort mit dem Eintreffen erforderlich. In den meisten Fällen wird in der ersten Entwicklungsphase des Einsatzes jeder Trupp seine originären Aufgaben wahrnehmen können:

  • Wasserversorgung zur Pumpe
  • Wasserversorgung zum Verteiler
  • Aufbau der Angriffsschlauchleitung evtl.
  • Instellungbringen einer tragbaren Leiter

Dieser zeitliche Spielraum ergibt sich durch die Erkundungsphase, während der ein gezieltes Vorgehen ja noch nicht festgelegt sein kann. Ebenso benötigt der ATr Zeit, sich selbst vorzubereiten:

  • Aufbau der Angriffsschlauchleitung
  • Anschließen des Strahlrohres
  • Öffnen von Türen
  • Festlegung des Weges

Die zweithöchste Priorität

Der Bereitstellung eines Rettungstrupps ist nach der Menschenrettung höchste Priorität einzuräumen. Das erfordert natürlich möglicherweise ein leichtes umdenken bei Einsätzen. Vor der Vornahme eines weiteren Rohres muss klar überlegt werden, ob das Einsatzpersonal dafür überhaupt noch ausreicht, wenn sich ein Rettungstrupp ausrüstet. Auch ist in der zeitlichen Abfolge der Rettungstrupp eher auszurüsten, als dass ein zweites Rohr vorgenommen wird. Bei Bedarf muss weiteres Personal nachgefordert werden.

Anzahl der Einsatzkräfte

Der Rettungstrupp besteht grundsätzlich aus mindestens zwei Feuerwehrangehörigen, bei Bedarf auch mehr Personen. Das Ergebnis aller Versuche war die Erkenntnis, dass für einen schnellen und sicheren Rettungseinsatz die Besetzung des Rettungstrupps mit drei Einsatzkräfte anzustreben ist.

Leitung des Rettungseinsatzes

Die Leitung des Rettungseinsatzes unterliegt der für den betroffenen Trupp zuständigen Führungskraft; dies ist meist der ZF. Denkbar ist auch, dass dies vertretungsweise ein GF ist. Eine andere Regelung würde einen schnellen Rettungseinsatz nicht ermöglichen. Der Einheitsführer ist über die Einsatzaufträge und Bereiche seiner Trupps am besten informiert. Eine Weiterleitung an höhere Führungsebenen würde wesentlich zu lange dauern, um von hier aus den Rettungseinsatz zu koordinieren. Auch haben übergeordnete Führungsebenen weiterreichende und zusätzliche Aufgabenbereiche abzuwickeln. Dies schließt nicht aus, dass hier eine Personalanforderung für weitere Rettungstrupps "abgearbeitet" wird.

Der Zugführer (ZF) benötigt zur Koordinierung der Rettungseinsatzes notwendige Informationen: Welcher Trupp?, Wo?, Verletzungen?, Gefahren?, Situation?. Diese Information sollen grundlegend von dem in Not geratenen Trupp mit dem Notsignal übermittelt werden. Liegen diese Informationen nicht vor, muss der ZF sich diese unbedingt erfragen. Ansonsten ist eine geordnete Rettung nicht gewährleistet (z.B. Brandgefahr - eigenes Rohr mitnehmen) Deshalb ist der zuständige Führer über die Situation sofort und ständig zu informieren.

Erfolgt ein Rettungseinsatz, so sind weitere Rettungstrupps von verschiedenen Stellen zur Suche und Rettung einzusetzen. Hierzu ist in der Regel der Einsatz weiteren Personals erforderlich.

Erfolgt der Rettungseinsatz in höher gelegene Stockwerke, so sind vorsorglich Drehleitern, bzw. tragbare Leitern als zweiter Rettungsweg in Stellung zu bringen.

Der Funkverkehr ist soweit möglich, auf die Kommunikation für den Rettungseinsatz zu beschränken.

Vorbereitende Maßnahmen und Ausstattung des Rettungstrupps

Der Rettungstrupp stellt sich ausgerüstet mit Langzeitatemschutzgeräten an einem zentralen Punkt bereit. Dieser kann vom Zugführer festgelegt sein, oder wenn nicht, ist dieser Bereitstellungspunkt immer am Verteiler. Jeder Trupp rüstet sich mit einem Funkgerät aus.

Hier wird auch die Rettungsmulde bereit gestellt. Die Rettungsmulde wird vorbereitet, indem zwei weitere PAs oder Regenerationsgeräte (soweit vorhanden) und dazu passende Masken, ein Rettungstuch, eine Rettungsschlinge, ein Handscheinwerfer, eine kurze Brechstange und evtl. weitere Fangleinen hinein gepackt werden. Je nach Lage ist der Einsatz der Wärmebildkamera in Erwägung zu ziehen.

Am Verteiler werden ebenfalls Armaturen und Schläuche zur Vorbereitung einer zusätzlichen Strahlrohrvornahme bereitgelegt. Ist der Bereitstellungspunkt des Rettungstrupps deutlich vom Verteiler entfernt, so wird die Strahlrohrvornahme neben der Rettungsmulde vorbereitet und die Schlauchverbindung zum Verteiler fertig gestellt. Kommt der Rettungstrupp zum Einsatz, so nimmt er den Schlauch ohne "Wasser am Rohr" mit. Dadurch lässt sich der Schlauch wesentlich einfacher Mitführen und ein schnelleres Vorgehen ist gewährleistet. Hierbei liegt die Annahme zugrunde, dass der in Not geratene Trupp bereits bis zu einem bestimmten Punkt vorgedrungen ist, und dadurch eine direkte Brandgefahr vorrangig nicht anzunehmen ist. Da allerdings die Entwicklung des Brandgeschehens dynamisch ist und die Brandgefahr im Bereich des in Not geratenen Trupps nicht einzuschätzen ist, wird in jedem Fall eine Schlauchleitung mitgeführt.

Liegt eine konkrete Brandgefahr vor, ist mit "Wasser am Rohr" vorzugehen. In wenigen Ausnahmefällen ist es auch denkbar ohne Schlauchleitung vorzugehen (z.B. Technische Hilfeleistung bei einem Einsturz).

Ausrüstung des Rettungstrupps

  • Atemschutzgeräte (PA oder Langzeitatemschutzgeräte (Masken aufgesetzt, Gerät nicht angeschlossen, ein Gerät bereitlegen für evtl. 3. Person)
  • 1 Hand Funkgerät pro Trupp
  • Rettungsmulde
    • Kurze Brechstange
    • 1 Rettungstuch
    • 1 Rettungsschlinge
    • 1 Handscheinwerfer
    • Wärmebildkamera je nach Lage
    • Atemschutzgeräte

Erfolgt ein Rettungseinsatz und ist eine Person zur schnellen Rettung in die Mulde gelegt worden, so ist es natürlich nicht erforderlich in diesem Augenblick auch alle Beladungsgegenstände wieder mit heraus zu nehmen. Dies kann zu einem späteren Zeitpunkt geschehen.

Einsatz des Rettungstrupps

Kommt es zu einem Rettungseinsatz, macht sich der Rettungstrupp einsatzklar und dringt zum betroffenen Trupp vor. Als Orientierung dient die Schlauchleitung oder falls verwendet eine Führungsleine. Somit ist ein rasches Vorgehen möglich. Die Mulde mit den Reserve PAs wird kräftesparend an den Schlaufen mitgezogen.

Das Absuchen von Räumen und Gebäuden muss methodisch und geordnet erfolgen. Um dies umfassend zu bearbeiten ist sicherlich eine eigene Unterrichtseinheit erforderlich.

Der Rettungstrupp sucht ja allerdings nicht ziellos und ohne Orientierung. Sein "Wegweiser" ist entweder eine Schlauchleitung oder eine Leinensicherung des in Not geratenen Trupps. Möglicherweise liegen auch zusätzlich noch genaue, über Funk übermittelte Ortsangaben, des betroffenen Trupps vor.

Ist am Ende einer Schlauchleitung oder Leinensicherung der Trupp nicht aufzufinden und über Funk kein Kontakt herzustellen, so muss im näheren Umfeld beginnend die Örtlichkeit abgesucht werden. Der suchende Trupp befestigt seine Leinensicherung (sofern kein eigenes Strahlrohr mitgeführt wurde) an der bereits liegenden Schlauchleitung oder Leinensicherung. Beim Absuchen halten die einzelnen Einsatzkräfte Verbindung durch gegenseitiges Festhalten oder Aneinanderbinden. Dies kann mit den Anschlagseilen des Feuerwehrsicherheitsgurtes geschehen oder mittels einer Fangleine. Durch diese Methode können schnell größere Flächen "überstrichen" werden.

Trifft der Rettungstrupp ein, wird (nach kurzer Lagefeststellung) zuerst der Luftvorrat überprüft und bei Bedarf die Reserve-Atemschutzgeräte an der Mitteldruckleitung angekuppelt. In Extremfällen kann es erforderlich sein die Atemschutzmaske zu wechseln. Dies ist immer dann der Fall, wenn die betroffene Person aufgrund z.B. eines Herzinfarktes o.a. in die Maske erbrochen hat.

Ist die zu rettende Person durch z. B. herabgestürzte Teile eingeklemmt, wird sie zuerst befreit. Dann wird die Person zügig in die Rettungsmulde gehoben und kann im Falle einer erforderlichen sehr schnellen Rettung nun sofort aus dem Gefahrenbereich gezogen werden. Lässt die Situation es zu, oder ist es sogar notwendig, werden die Sicherungsgurte über Brust- und Bauchbereich geschlossen.

Das angeschlossene Reserve Atemschutzgerät wird in den Schoß der betroffenen Person gelegt. Jetzt ist eine (im Rahmen dieser Extremsituation) möglichst schonende und kurze Rettung der Person durch schnelles Heraus schleifen möglich.

In Einzelfällen kann es erforderlich sein die Mulde abschnittsweise zu tragen. Dies wird durch die eingearbeiteten Handgriffe aber deutlich erleichtert. Auch über Treppen und um Ecken herum kann die Mulde zügig gezogen werden.

Ziel ist zum einen, die betroffene Person möglichst sofort aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu bringen und zum anderen einer schnellen medizinischen Betreuung zuzuführen. Hier ist im Einzelfall abzuwägen, ob vor Ort Maßnahmen sinnvoll sind (z.B. Herz-Lungen-Wiederbelebung). Die einzige Maßnahme vor Ort, welche immer sinnvoll erscheint, ist das Anschließen eines Reservegerätes bei Atemluftmangel. Ansonsten ist ein schneller Transport in Bereiche ohne Gefährdung die erste Maßnahme.

Grundsätze

  • Der Rettungstrupp orientiert sich nach Möglichkeit an vorhandenen Schlauchleitungen, Führungsleinen, etc.
  • Die Suche erfolgt nach den bisher bekannten Methoden
  • Die Rettung des in Not geratenen Trupps hat über den kürzesten, bzw. schnellsten und sichersten Weg zu erfolgen (auch z. B. durch ein Fenster,...).