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Projektentwicklung

Vom Hafen bis nach Hombruch - Dortmunds Zukunft ist "vom Feinsten"

Nachricht vom 31.07.2020

Hafenquartier, Westfalenhütte, Phoenix West, Westfalenhallen und Wohnungsbau – in Dortmund wird derzeit in erheblichem Umfang in die Zukunft investiert. Aus diesem Grund lud OB Ullrich Sierau am Mittwoch, 29. Juli, Medienvertreter*innen zu einer Rundfahrt zu beispielgebenden Projekten ein.

Es ist kurz vor zehn Uhr, als sich die Gruppe um Ullrich Sierau auf ihren Weg durch Dortmund macht. An Bord des Elektrobusses sind neben dem Oberbürgermeister, Planungsdezernent Ludger Wilde und dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund, Thomas Westphal, zehn Journalist*innen. Das heutige Ziel: Die Gegenwart und potentielle Zukunft Dortmunds entdecken.

Passend zum Sonnenschein, der nach zuletzt eher frühlingshaften Temperaturen endlich einen Sommertag ankündigt, ist die Stimmung bestens. Neben angeregten Fachgesprächen zwischen Medien und Stadtverwaltung, die ab der Abfahrt vom Rathaus zu hören sind, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Dafür steht etwa die Antwort Ludger Wildes. Auf die Frage eines Journalisten, was sich denn in Wildes mitgebrachten Zeichenrollenköcher befinde, antwortet dieser verschmitzt: "Es ist immer gut, einen Plan zu haben", und sorgt so für Lachen im ganzen Bus.

Uwe Büscher, Vorstand Hafen Dortmund, zur Entwicklung nördliche Speicherstraße Quelle: YouTube

"Ein Quartier für alle"

Zunächst geht es Richtung Norden in den Dortmunder Hafen. Nachdem der Bus gehalten hat, versammelt sich der Tross in der früheren Produktionshalle von Knauf Interfer. Das Hafenquartier mit der Speicherstraße ist eines der Dortmunder Zukunftsareale, "hier entsteht ein Stück Hafenerweiterung vom Feinsten", bringt Ullrich Sierau die dortigen Projekte auf den Punkt.

Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, erläutert die Maßnahmen in der Speicherstraße.

Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, erläutert die Maßnahmen in der Speicherstraße.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

So wird die Weiterentwicklung der Speicherstraße den Hafen mittelfristig zu einem Digitalhafen machen. Künftig können sich dort innovative Unternehmen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung ansiedeln und perspektivisch auf dem entstehenden Digital-Campus 5.000 weitere Arbeitsplätze entstehen. "In Dortmund gibt es eine große Flächennachfrage von auf die digitale Zukunft ausgerichteten Unternehmen, es ist eine richtige Entwicklungslust", fährt Sierau fort.

Hinter dem Engagement im Hafenquartier steht eine Haltung, die von den verschiedenen dort aktiven Partner*innen mit Leben gefüllt wird: Es soll Quartier für alle sein, das vor allem auch in die Nordstadt ausstrahlt. Entsprechend schaue man bei der Ansiedlung von Unternehmen, ob diese in das Gesamtkonzept passen, wie Thomas Westphal erklärt: "Entscheidend ist nicht der Preis, sondern die Frage: Was soll dort stattfinden, nutzt es der Entwicklung des Quartiers?" Zu dieser Entwicklung trägt auch die infrastrukturelle Vernetzung mit weiteren Innovationsstandorten Dortmunds bei: Mit dem Campus Nord/Süd und dem HSP-Gelände in Dorstfeld, soll der Hafen künftig über Fuß- und Radwege und die H-Bahn verbunden werden.

Planungsdezernet Ludger Wilde zum Zukunftsprojekt Westfalenhütte Quelle: YouTube

Wohnprojekt mit grünem Ring

Am Tor W1 zum ehemaligen Gelände der Westfahlenhütte empfängt Oliver Helfrich, Sitemanager der thyssenkrupp AG die Gruppe. Mit ihm an Bord geht es auf eine großen windgezausten Erdwall. Die Protagonist*innen stehen hier auf "einem Hochpunkt", wie Oliver Helfrich erklärt, von dem aus das gesamte Gebiet überblickt werden kann. "An dieser Stelle soll künftig eine Aussichtsplattform ähnlich wie am PHOENIX See errichtet werden."

Blick vom "Hochpunkt": Neuer Raum für 800 Wohneinheiten.

Blick vom "Hochpunkt": Neuer Raum für 800 Wohneinheiten.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Um den "Hochpunkt" herum entsteht Zukunft. Auf einem Teil des Areals von rund 300 Hektar wird in den kommenden Jahren etwa "das größte Wohnprojekt entstehen, das wir momentan vorbereiten", erklärt Dezernent Wilde. Rund 800 Wohneinheiten sollen dort entstehen, mit einer Grundschule, einer Tageseinrichtung für Kinder (KET) und Geschäften. Ein neues Quartier sozusagen, über das sich auch Isolde Parussel freut. Sie ist die Leiterin des Hoesch-Museums, das, obwohl in einiger Entfernung gelegen, auch mit bloßem Auge gut zu erkennen ist. "Mit dem künftigen Quartier ist das Museum besser in die Stadt integriert. Außerdem haben wir aufgrund der neuen Schule und der KET unseren künftigen Museumsnachwuchs praktisch vor der Haustür", erklärt sie schmunzelnd. Neuer Wohnraum entsteht, ein ganzer Stadtbezirk erfährt Entlastung. Durch die Erschließung des Geländes für Logistik und Gewerbe wird die Nordstadt, insbesondere das Borsigplatz-Quartier, von Verkehr entlastet. Ein geplanter grüner Ring um die Westfalenhütte mit Sport- und Freizeitmöglichkeiten sorgt für zusätzliche Lebensqualität.

Das Tor W1 öffnet sich erneut. Der E-Bus rollt Richtung Süden, hin zu einem Sehnsuchtsort für Viele. "Es wäre toll, endlich mal wieder richtigen Fußball zu sehen", seufzt eine Passagierin. Mit "richtigem Fußball" meint sie den mit Zuschauer*innen. Das nächste Ziel ist das Messe- und Veranstaltungszentrum Westfalenhalle. Als Fan denkt frau bei diesem Ort das BVB-Stadion gleich mit. "Corona wird vorübergehen", tröstet ein Kollege.

Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftförderung, zur Entwicklung der Strobelallee Quelle: YouTube

Fit für die nächsten Jahrzehnte

Die Westfalenhallen sind nicht nur für die unmittelbare Zeit "nach Corona" gut aufgestellt, dem Standort wird für die Zukunft eine langfristig angelegte Entwicklungsperspektive gegeben.

Auf dem Weg zum Zukunftsprojekt Westfalenhalen: Ullrich Sierau (2. von links)

Auf dem Weg zum Zukunftsprojekt Westfalenhalen: Ullrich Sierau (2. von links)
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

So entstehen in den nächsten Jahren auf der Fläche nördlich der Strobelallee drei neue Messehallen mit integriertem Kongresszentrum. Durch solche Maßnahmen soll der Standort Westfalenhallen "messetypischer gestaltet werden", sagt Philipp Skaar, Leiter der Unternehmensentwicklung Westfalenhallen: "Manche Teile der Messegebäude waren ursprünglich gar nicht als solche gedacht“, erklärt Skaar. "So ist etwa die Halle vier eine ehemalige Leichtathletikhalle." Teil der städtischen Rahmenplanung ist die strategische Neuausrichtung der Gebäude. Schrittweise werde der Gebäudebestand ausgetauscht, 2021 wird mit dem ersten Bauabschnitt begonnen. "Das Ziel ist, Dortmund zum modernsten Messezentrum Deutschlands zu machen, wobei die Digitalisierung bei allen Maßnahmen mitgedacht wird", so Skaar weiter. Für Ullrich Sierau bedeutet diese Entwicklung "westfälische Infrastruktur vom Feinsten. Es ist ein Gesamtkonzept, aus dem ein höherer Nutzen entsteht", sagte Sierau, etwa im Blick auf die Fußballeuropameisterschaft, die 2024 in Deutschland stattfindet, und auf die Olympischen Spiele 2032 und der Möglichkeit, Gastgeberin zu werden.

Harald Evers, H.H. Immobilien, zum neue Wohnquartier Luisenglück in Hombruch Quelle: YouTube

Die schönste Kita steht in Hombruch

Zurück im Bus. Auf der Fahrt zur nächsten Station ist es Zeit für einen kleinen Imbiss. "Klein" ist hier wörtlich zu nehmen, denn Corona verändert auch die Essgewohnheiten. Verschämt nimmt ein Medienvertreter kurz den Mund-Nasen-Schutz zur Seite, beißt hastig in ein Brötchen und kaut mit wieder korrekt angelegter Maske weiter. Eine Andere verfährt ähnlich mit einem Schluck aus der Wasserflasche. Zeit für eine ruhige Mahlzeit hätte es auch ohne Corona nicht gegeben. Die Fahrt zur nächsten Station dauert nur wenige Minuten.

Die Kita steht, alles andere folgt. Ullrich Sierau (links) und Ludger Wilde mit Plänen vom künftigen Wohnquartier "Luisenglück".

Die Kita steht, alles andere folgt. Ullrich Sierau (links) und Ludger Wilde mit Plänen vom künftigen Wohnquartier "Luisenglück".
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Auf einer Fläche zwischen Hombruch und Barop entsteht bis Ende 2023 das neue Wohnquartier "Luisenglück". Dort, wo einst ein Fertigbetonwerk stand, stehen künftig Mehrfamilienhäuser, Wohngruppen für Senior*innen, Arztpraxen und Gewerbeflächen. Bereits fertiggestellt ist eine Kita, die FABIDO ab September in Betrieb nimmt. "Für viele Bürger*innen ist sie bereits jetzt die schönste Kita Dortmunds", erklärt Harald Evers, Geschäftsführer der H.H. Immobiliengesellschaft, die an dem Projekt beteiligt ist. Ein Grund dieser Wertschätzung: Die Kita ist auf zwei Etagen angelegt, darüber gruppieren sich 24 Wohnungen, die bereits alle vermietet sind. Letzteres sei kein Wunder, erklärt Ludger Wilde, derzeit gebe es in Dortmund praktisch keinen Leerstand: "Viele Neubauflächen sind aktuell ausgewiesen, etliche Wohneinheiten noch nicht gebaut. Die Nachfrage bleibt auch in absehbarer Zeit hoch", prognostiziert Wilde und lobt "die qualitätsvolle Architektur, die sehr gut zu Hombruch passt."

Gerben van Straaten, CEO Wallas, stellt das Zukunftsprojekt PHOENIX West Quelle: YouTube

Urbane Landwirtschaft auf PHOENIX West

Das kanadisch-niederländische Unternehmen World of Walas und dessen Gründer und CEO Gerben van Straaten, passen laut Oberbürgermeister Sierau sehr gut in den Technologiepark PHOENIX West. In den beiden Hochöfen 5 und 6 des ehemaligen Hochofenwerks und dem Schalthaus 101 sollen künftig urbane Ernährungskonzepte entwickelt und in die Tat umgesetzt werden. Für September 2020 ist ein Treffen mit rund 20 potentiellen Projektpartner*innen aus ganz Europa geplant, die sich vor Ort über urbane Landwirtschaft und die Ideen von World of Walas informieren können. "Bis Sommer nächsten Jahres sollen sich bis zu 50 innovative Unternehmen, zumeist junge Startups, im Schalthaus 101 ansiedeln", erläutert van Straaten die nahe Zukunft.

Die Zukunft fest im Blick: Gerben van Straaten

Die Zukunft fest im Blick: Gerben van Straaten
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Ein Stichwort des künftigen Arbeitens ist das "Vertical Farming". "Hierbei wird die Anbaufläche der Pflanzen sozusagen nach oben gezogen", weiß Projektarchitekt Udo Graf. Standorte hierfür können etwa Industriehallen sein. "Mit der passenden digitalen Technik wird das Wachstum optimiert, auch der Wasserverbrauch kann mit dieser Methode um bis zu 80 Prozent verringert werden", erklärt Graf weiter. Etwa 90 Obst- und Gemüsesorten und Kräuterarten können derzeit auf diese Weise kultiviert werden. Das Konzept von World of Walas setzt auch optische Akzente, bei der baulichen Entwicklung der Gebäude soll vorhandene Bausubstanz in die neue integriert werden. "Es ist uns wichtig, die alten Gebäude zu erhalten. Sie sind eine Art Dortmunder Eifelturm", sagt van Straaten.

Die innovativen Impulse des Unternehmens schlagen sich künftig auch in Arbeitsplätzen nieder. In einem Interview mit dortmund.live sprach van Straaten von 2.000 neuen Jobs, Ullrich Sierau erwartet aufgrund des innovativen Potentials des Projekts sogar 15.000 neue Stellen in den nächsten Jahren: "Das was hier in Dortmund beginnt, wird einen Schneeballeffekt auslösen und weitere Unternehmen mit guten Ideen anziehen", ist Sierau sicher.

Symbol für Offenheit und Transparenz: Wolf Hoffmann erläutert die Philosophie des TMM Forums.

Symbol für Offenheit und Transparenz: Wolf Hoffmann erläutert die Philosophie des TMM Forums.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Torsten Tullius

Modernes Bürogebäude im Bauhaus-Stil

Eine gute Idee hatte auch Michael Hoffmann, als er im Januar 2019 als Gründer der Gesellschaft TMM ein 7.400 Quadratmeter großes Grundstück auf PHOENX West kaufte. Seit April 2019 wird hier ein hochmodernes Bürogebäude errichtet, das künftig als Unternehmenszentrale dienen soll: Das TMM Forum. Verteilt auf vier Stockwerken entstehen hier Räume zum Arbeiten, die an die Working Spaces in Silicon Valley erinnern. Offene, von Tageslicht erhellte Arbeitsplätze gehen nahtlos über in Ruhezonen zum Entspannen, auf jeder Etage befinden sich kleine Küchenzeilen. In einem Gaming-Raum mit Spielkonsole und einem Fitnessbereich geht die Arbeit in Freizeit über. "Das Gebäude war von Anfang an so konzipiert, dass die darin arbeitenden Menschen sich sehr wohl fühlen und kreativ sein können", sagt Geschäftsführer Wolf Hoffmann. In seiner Schlichtheit und den klaren Formen erinnert der Stil des Gebäudes an die Bauhaus-Ästhetik – "ein Symbol für Transparenz und Offenheit", ergänzt Wolf Hoffmann.

Es ist kurz vor vier, als die Gruppe das Gebäude verlässt. Mit dem Besuch des TMM Forums endet auch die Tour zu Dortmunder Projekten und der Blick in die Zukunft einer innovativen Stadt.

Torsten Tullius

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.