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Kirche der Baptisten in Brechten

Eving

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Karin Hessmann

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Familie

Stadt Dortmund kauft Grundstück mit Kirchturm in Lindenhorst – Tageseinrichtung für Kinder geplant

Nachricht vom 08.07.2020

In seiner letzten Ratssitzung vor der Sommerpause (18. Juni 2020) hat der Rat der Stadt Dortmund den Ankauf einer Fläche in Lindenhorst beschlossen, auf der ein denkmalgeschützer Turm steht. Die Fläche gehört bislang noch der Evangelischen Kirche. Dort soll eine 4-gruppige Tageseinrichtung für Kinder entstehen.

Die aktuelle Bedarfsplanung des Jugendamtes sieht vor dem Hintergrund steigender Kinderzahlen im Bereich Lindenhorst im Stadtbezirk Eving einen entsprechenden Bedarf dafür. Grundstück und die Gebäude wurden in Rahmen einer Machbarkeitsstudie umfassend untersucht.

Bauteile teilweise denkmalgeschützt

Für die Realisierung der Maßnahme wird in der Studie der Abriss des heutigen Gemeindehauses empfohlen, eine wirtschaftliche Umbaulösung dieses Gebäudes in der jetzigen Form lässt sich unter anderem aufgrund eines fehlenden zweiten Geschosses und den Vorgaben des Raumprogramms für Tageseinrichtungen für Kinder (TEK) nicht darstellen.

Sinnvoll sind an dieser Stelle die Errichtung eines Erweiterungsneubaus und der Erhalt der denkmalgeschützten Bauteile von Turm, Kirche und Pfarrhaus. Der neue Eingangsbereich soll eine Verbindung zwischen dem TEK-Neubau und dem Kirchenschiff erhalten. Das Kirchenschiff ist nach Einschätzung der Machbarkeitsstudie für die vorgesehene Nutzung als Mehrzweckraum gut geeignet. Die Größe der Räume bietet Möglichkeiten für neue Konzepte und eventuell weitere Nutzungen.

Kirchturm bleibt erhalen

Der denkmalgeschützte Kirchturm ist für das Funktionsprogramm der TEK zwar nicht erforderlich, besitzt jedoch als ältester Turm Dortmunds eine herausragende denkmalpflegerische Bedeutung und ist daher zu erhalten. Der Sanierungsumfang des Turmes wird zu einem späteren Zeitpunkt noch gesondert vom Rat beschlossen.

Der Kaufvertrag wird in Kürze unterzeichnet und die weiterführende Planung zur Realisierung der Tageseinrichtung für Kinder erfolgt im Jahr 2021.

Hintergrund

Die evangelische Kirche Lindenhorst wurde als kleine Saalkirche im Jahr 1911 an den noch erhaltenen mittelalterlichen Turm angebaut. Dieser viergeschossige Turm wurde bereits um 1150 erbaut und ist somit der älteste Turm in Dortmund. Der Zustand des Turmes ist nach einer Sanierung im Jahre 1968 in einem höchst desolaten Zustand. Nach heutigem Kenntnisstand wurde die Sanierung damals nicht fachgerecht durchgeführt. Neben dem Kirchturm mit Kirchsaal besteht der gesamte Kirchenstandort weiterhin aus einem denkmalgeschützten Pfarrhaus und einem nicht-denkmalgeschützten Gemeindehaus als Erweiterungsanbau an das Pfarrhaus.

Die kleiner gewordene Kirchengemeinde hat sich mit einer drei Kilometer entfernten Kirche auf einen anderen Standort konzentriert. Infolgedessen wurde die Kirche im Jahr 2013 entwidmet.

Der romanische, denkmalgeschützte Turm der Lindenhorster Kirche stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und gehört damit zur ersten Bauphase steinerner Türme an Gemeindekirchen in Europa. Oftmals als Wehrtürme gedeutet sind sie bis heute häufig weithin sichtbare Wahrzeichen von Dörfern und Urkunden für das frühe Christentum. Der Turm gehörte zur Burgkapelle der Grafen von Dortmund.

So wie die mittelalterlichen Innenstadtkirchen Dortmunds und die Stadtmauer die einzigen erhaltenen baulichen Zeugen der freien Reichsstadt Dortmund sind, handelt es sich bei dem Turm der ehemaligen Lindenhorster Kirche um das letzte erhaltene Zeugnis der Grafen von Dortmund.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.