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Hombruch

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Geschichte und Kultur

Stählerner Hoesch-Bungalow zieht um: Komplettes Wohnhaus reist auf Schwertransportern ins Museum

Nachricht vom 01.12.2022

Es war spektakulärer Umzug vom Dortmunder Süden in den Norden. Ein stählerner Bungalow aus einer Wohnsiedlung in Dortmund-Hombruch ist ins Hoesch-Museum umgezogen. Die Versetzung, auch Translozierung genannt, ist über mehrere Jahre hinweg geplant worden.

Umzug Hoesch Bungalow Translozierung

Der stählerne Bungalow wurde während der Nacht vom 29. auf den 30. November quer durch die Stadt auf Schwertransportern transportiert.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Der stählerne Bungalow wurde 1966 von Hoesch produziert. Am Donnerstag, 1. Dezember, gegen 9:15 Uhr platzierte ein Kran das zweite Gebäudeteil auf dem Fundament, nachdem Teil 1 bereits am Mittwochnachmittag sicher an seinem neuen Standort nordöstlich des Hoesch-Museums, mitten auf dem Gelände der ehemaligen Westfalenhütte im Dortmunder-Norden gelandet war.

Transport in der Nacht - Stahlhaus schwebt minutenlang in der Luft

Umzug Hoesch Bungalow Translozierung

Minutenlang schwebt der Bungalow in der Luft, um ihn auf den Schwertransporter zu platzieren.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Auf zwei Schwerlasttransportern gelangte das 141 Quadratmeter große Gebäude zum 15 Kilometer entfernten Hoesch-Museum. Der Transport fand in Nacht bei wenig Verkehr statt. Am neuen Standort soll das Stahlhaus künftig als historisches Exponat und auch als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum dienen. Nach der Translozierung muss der Bungalow noch restauriert und für die Museumsnutzung hergerichtet werden. Das Hoesch-Museum rechnet mit einer Eröffnung Ende 2023.

Das L-förmige Einfamilienhaus aus der Wirtschaftswunderzeit wurde bereits Mitte November geteilt – die beiden Gebäudeteile wiegen 16 beziehungsweise 13 Tonnen und haben eine Länge von fünf mal 15 und acht mal zwölf Metern – damit war ein Schwerlasttransport unausweichlich. Zwei Wochen später folgten Verladung und Transport: An einer Traverse wurden die beiden Gebäudeteile am Dienstag, 29. November, mit einem Kran auf Schwerlasttransporter verladen und in der Nacht mit maximal 30 Stundenkilometern zum neuen Standort gefahren.

Drei Stunden Fahrt im Schneckentempo durch die Nacht

Für die Strecke von 15 Kilometern benötigten die Sattelschlepper gut drei Stunden. Um punkt drei Uhr konnte der Werkschutz von thyssenkrupp Steel die eigens für die Anlieferung des Hoesch-Hauses im Zaun geschaffene Öffnung verschließen. Am Mittwoch, 30. November, folgte dann das "Abladen" auf das vorbereitete Fundament. Dabei schwebte das Stahlhaus minutenlang durch die Luft.

Für die Translozierung wurde das Unternehmen JaKo Baudenkmalpflege GmbH aus Rot an der Rot in Baden-Württemberg beauftragt, die Schwerlasttransporte übernahm die Firma Aug. Alborn Schwerlasttransporte Dortmund. "Dank der beiden erfahrenen Unternehmen haben Verladung und Transport reibungslos funktioniert", resümiert Isolde Parussel, Leiterin des Hoesch-Museums, "darüber hinaus war das Zusammenspiel zwischen den beteiligten Firmen, Verkehrsdienst, Polizei und thyssenkrupp-Werkschutz während der Nachtfahrt unglaublich beeindruckend."

"Für die Freunde des Hoesch-Museums ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Wir erweitern unser Museum und werden damit ein attraktiver Anlaufpunkt im späteren Grünen Ring", sagt Dr. Karl Lauschke, Vorsitzender des Trägervereins Freunde des Hoesch-Museums e.V..

Bilderstrecke: Stahl-Bungalow schwebt minutenlang in der Luft

Der Umzug des stählernen Hoesch-Bungalows wurde jahrelang geplant und die Route von Hombruch bis zum Hoesch Museum im Dortmunder Norden genaustens berechnet. Mit Schwertransportern wurde das tonnenschwere Eigenheim schließlich in der Nacht vom 29. auf den 30. November 2022 versetzt.

Umzug Hoesch Bungalow Translozierung 6 Bilder
Der Hoesch-Bungalow stand seit 1966 in einer Wohnsiedlung im Dortmunder Stadtbezirk Hombruch.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Hoesch-Bungalows hat 1966 cirka 123.000 DM gekostet

In Dortmund-Hombruch errichtete das Montanunternehmen Hoesch ab 1962 eine kleine Siedlung aus innovativen Stahlfertighäusern, in denen vor allem leitende Angestellte von Hoesch wohnten. Die einheitlich weißen Eigenheime sollten den Verkauf des von Hoesch gerade entwickelten Leichtprofils PLATAL fördern, eines mit PVC beschichteten Stahlbleches. Doch zum Verkaufsschlager wurden die Stahl-Bungalows nie; insgesamt wurden nur rund 200 produziert und gebaut. Einer dieser Bungalows, in denen man seine Bilder mit Magneten an der Wand befestigen konnte, steht noch heute auf der Insel Mallorca. Noch vor dem Boom der Fertighäuser wurde die Produktion im Jahr 1969 eingestellt.

Der Hoesch-Bungalow vereinte damals die Möglichkeiten der industriellen Moderne: Ein modulares Montagesystem, die Verwendung neuentwickelter Werkstoffe, eine neuartige Klimatisierungstechnologie und die zeitgenössische Bungalowarchitektur machen ihn heute ikonisch. Der nun versetzte Bungalow L141 mit winkelförmigem Grundriss hatte zur Zeit seiner Errichtung 1966 geschätzt mindestens 123.000 DM gekostet. Anders als andere Häuser aus der Siedlung ist er noch fast im Originalzustand erhalten – prädestiniert als Museumsstück, das er nun wird. Das Haus selbst ist ein Geschenk der Familie des damaligen Besitzers an die Freunde des Hoesch-Museums e.V.

Am neuen Standort hat der Bungalow jedoch zugleich eine Scharnierfunktion zwischen Hoesch-Museum und dem neu entstehenden Stadtteil. Die Westfalenhütte, einst die Wiege der Hoesch AG und Arbeitsplatz von bis zu 25.000 Arbeitern, ist heute das größte Entwicklungsgelände der Stadt Dortmund. Neben dem aktiven thyssenkrupp-Standort wird auf einer Fläche groß wie Monaco ein neuer Stadtteil entstehen.

Fast ein 1-Million-Projekt

Insgesamt wird die Versetzung des Bungalows und die Einrichtung als Teil des Museums knapp 900.000 Euro kosten. Dies ist nur dank vieler Fördermittel und Spenden möglich. Das Projekt wird gefördert von:

  • Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege - 250.000 Euro
  • Förderprogramm „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW - 250.000 Euro
  • Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) - 140..000 Euro
  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung - 50.000 Euro
  • Gemeinwohl-Stiftung der Sparkasse Dortmund - 45.000 Euro
  • Trägerverein "Freunde des Hoesch-Museums" - mindestens 135.000 Euro

Die Stadt Dortmund unterstützt das Projekt mit dem Ankauf des Grundstücks samt Portierhaus, in dem das Hoesch-Museum untergebracht ist und gewährleistet damit die Bindungsfrist der Drittmittel. Thyssenkrupp Steel Europe (tks) als bisheriger Eigentümer wiederum unterstützt die Grundstücksvorbereitung für die Translozierung. Der neue Standort des Stahlhauses wird den Freunden des Hoesch-Museums in Erbbaurecht zur Verfügung gestellt.

Chronik des Hoesch-Bungalows

  • 24.12.1965: Die Baugenehmigung wird erteilt
  • 1966: Bau des Bungalows L141
  • 1977: Familie Hoff zieht ein
  • um 2000: Familie Hoff kauft den Hoesch-Bungalow
  • 2012: Eigentümer Hans Hubert Hoff stirbt
  • 2017 Kontaktaufnahme der Stadt zur Erbenfamilie, Idee der Translozierung (Versetzung)
  • ab 2017: Abstimmung mit thyssenkrupp Steel über neuen Standort des Bungalows
  • Februar 2019: Eröffnung der Ausstellung „Zum Aufhängen eines Bildes reicht ein Magnet“ im Hoesch-Museum
  • ab Sommer 2019: Vorbereitung Drittmittelanträge, Konzepterstellung
  • ab Juli 2021: Start des Vergabeverfahrens für Organisation und Durchführung der Translozierung
  • März 2022: Die Firma JaKo wird beauftragt
  • April 2022: Das Haus geht über in den Besitz der Freunde des Hoesch-Museums
  • 16.11.2022: Der Bungalow wird in zwei Teile geteilt
  • 29./30.11.2022: Translozierung auf das Gelände der Westfalenhütte

Zum Thema

Der Hoesch-Bungalow hat 1966 cira 123.000 DM gekostet. Die beiden Gebäudeteile, die jetzt zum Hoesch-Museum auf der Westfalenhütte transportiert wurden haben ein Gewicht von 13 und 16 Tonnen. Die Gesamtkosten der Versetzung betragen rund 900.000 Euro. Die Eröffnung am neuen Standort ist für Ende 2023 geplant.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.