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Hafen

Innenstadt-Nord

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Der Dortmunder Hafen

Hafenamt bei Nacht

Das Hafenamt steht heute unter Denkmalschutz.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jürgen Wassmuth

1856 wurde ein Kanalkomitee gegründet, das sich für eine Schifffahrtsverbindung vom Rhein zu Weser und Elbe mit Hafen in Dortmund einsetzte.

Jedoch dauerte es über 40 Jahre bis zur Fertigstellung des Dortmunder Ems-Kanals und der Eröffnung des Hafens, den Kaiser Wilhelm II. am 11.08.1899 offiziell einweihte.

Heute werden im größten Kanalhafen Europas außer Stahlprodukten auch Baustoffe, Mineralöle, Getreide und andere Massengüter in einer Größenordnung von 5,4 Millionen Tonnen umgeschlagen.

Zur Präsentation der Geschichte und Entwicklung des Hafens ist im Alten Hafenamt eine Ausstellung der Dortmunder Hafen AG zur Schifffahrt zu sehen und im Internet ist seit 2003 eine entsprechende Website eingestellt.

Zur Geschichte des Hafens

Projekt und Bau

Ein Hafen entsteht.

Die erste Initiative zum Bau des Dortmunder Hafens geht auf die Denkschrift eines "Kanalkomitees" im April 1856 zurück. Die im Westen an Rhein und Ruhr ansässige Schwerindustrie kann die natürlichen Wasserwege für den Transport ihrer Massengüter Eisenerz und Kohle gut nutzen. Im östlichen Ruhrgebiet hingegen leidet die Montanindustrie unter einem deutlichen Standortnachteil, weil sie ihre Rohstoffe und Produkte über die teurere Eisenbahn heranschaffen und abtransportieren muss. Doch es dauert rd. 40 Jahre, bis die preußische Regierung von der Notwendigkeit des Kanal- und Hafenbaus überzeugt wird. Am 27. Mai 1886 beschließt das preußische Abgeordnetenhaus den Bau des Dortmund-Ems-Kanals mit dem Dortmunder Hafen als Endpunkt eines ca. 226 km langen Schifffahrtsweges mit 15 Schleusen und einem Hebewerk zwischen Emden an der Nordsee und Dortmund.

Am 9. Oktober 1895 führt Oberbürgermeister Heinrich Schmieding den ersten Spatenstich zum Bau des Dortmunder Hafens in der Nähe der heutigen Hafenbrücke aus. Grund und Boden gehören der Stadt; schon lange zuvor hat man Bauern und Hausbesitzern ca. 135 ha. Flächen im Nordwesten Dortmunds abgekauft. Aus Kostengründen werden im Zuge des Ausbaus viele italienische und niederländische Kanalarbeiter eingesetzt. Bis Ende 1896 bewegen sie 470.000 m³ Erde und stellen ca. 416 m Kaimauer fertig. Bereits am 9. März 1899 kann das erste Schiff in den Hafen einlaufen, nachdem das Schiffshebewerk in Henrichenburg – probeweise – in Betrieb genommen worden ist.

Fertig gestellt sind nun fünf Hafenbecken: Kanalhafen, Stadthafen, Südhafen, Kohlenhafen und Petroleumhafen. Hinzu kommen ein Hafenamt mit Brücke, mehrere Speicherhäuser und Kran-Anlagen; gekostet hat das insgesamt ca. 5 Mio. Reichsmark.

Dortmund-Ems-Kanal am Dortmunder Hafen

Einweihung

Kaiserlicher Besuch

Nach einigen erfolglosen Anbahnungsversuchen sagt das hohenzollernsche Herrscherhaus telegrafisch zu, dem Akt einer zeremoniellen Einweihung des Hafens durch seine Präsenz den als notwendig erachteten Rahmen zu geben. Am 11. August 1899 weiht Kaiser Wilhelm II. den Dortmunder Hafen ein. Mit dem kaiserlichen Dampfboot "Strewe" von Henrichenburg her kommend geht er um 9.30 Uhr unterhalb des Hafenamtes an Land. Er wird dort von Oberbürgermeister Heinrich Schmieding begrüßt; die Honoratioren der Stadt erwarten in einer langen Begrüßungsreihe den Händedruck ihres Kaisers.

Wilhelm II. verschmäht den vorgesehenen Besuch des Hafenamtes, obwohl dort für ihn eigens ein "Kaiserzimmer" eingerichtet ist. Er hält eine Rede unter einem aufgestellten Baldachin, besucht das nahe Eisen- und Stahlwerk "Union" und fährt im offenen Wagen in die festlich geschmückte Stadt ein. Nach der Eintragung ins goldene Buch im Dortmunder Rathaus und einer festlichen Tafel im Fredenbaum-Saal verlässt er um 12.45 Uhr die Stadt. Sieben städtische Festkommissionen haben viele Monate diese 3 ¼ stündige Kaiser-Visite vorbereitet, welche im Stadtsäckel mit rd. 160.000 Reichsmark zu Buche schlägt.

Kaiser Wilhelm II in Dortmund, 1899

Die Entwicklung bis zum Ende des II. Weltkriegs

Weiterentwicklungen und Zerstörungen

Der Umschlag steigt, der Dortmunder Hafen muss erweitert werden. 1905-1907 entsteht der Schmiedinghafen und am 31. März 1911 sind der Marx- und der Mathieshafen fertig gestellt. 1912 erwirbt die Stadt von der preußischen Eisenbahnverwaltung 23 ha Fläche und den Hardenberghafen in der Nähe von Lindenhorst. Es folgt der Bau des benachbarten Industriehafens 1913-1914. Am 25. August 1925 wird die Erweiterung des Hardenberghafens um 400 m nach Südosten fertig gestellt. Nun haben die 10 Hafenbecken mit rd. 11 km Kailänge ihre heutige Ausdehnung von ca. 34,5 ha Wasserfläche erreicht. Das Projekt, den Petroleumhafen mit dem Schmiedinghafen zu verbinden und so im Zentrum des Hafengebiets eine Industrie-Insel mit Freihafenzone zu schaffen, wird allerdings nicht umgesetzt.

1907 kann eine 12 Kilometer lange Kleinbahn in Betrieb genommen werden. Sie verbindet die Hörder Eisen- und Stahlbetriebe sowie Hoesch mit dem Hafen. Aus ihr entwickelt sich nach dem Zusammenschluss mit der Hoesch-Werksbahn die Dortmunder Eisenbahn GmbH, heute mit 146 km Gleisnetz eine der größten privaten Eisenbahnen Deutschlands. 1910 überschreitet der Umschlag die Grenze von einer Million Tonnen. In den 30iger Jahren steigt der Güter-Umschlag enorm an. Am 10. Juni 1938 wird der städtische Eigenbetrieb Hafen in die Aktiengesellschaft „Dortmunder Hafen AG“ umgewandelt. 1942 kann der Hafen 36 elektrisch betriebene Kräne und Verladebrücken sowie fünf große Getreidespeicher vorweisen. Die Getreide-Speicher fassen 30.000 t Korn, die Lagerhäuser verfügen über 47.000 m² Stellfläche.

Bombenangriffe der Westalliierten treffen den Hafen ab 1943 schwer. Die Drehbrücke am Königsstuhl birst durch Bombentreffer, die Lager- und Speicherhäuser sind schwer beschädigt. Die Hafenbrücke wird im März 1945 von deutschen Soldaten auf dem Rückzug gesprengt. Kaum beschädigt sind hingegen die Silos und Krananlagen. Als die Untiefen durch versenkte Schiffe beseitigt sind, kann der Schiffsgüterverkehr am 20. März 1946 wieder aufgenommen werden.

Beitrag von Hubert Nagusch

Bild

Wiederaufbau und -ausbau nach 1945

Entwicklungen bis 1989

Am 2. April 1959 wird der Dortmund-Ems-Kanal für Schiffe der 1.000-Tonnen-Klasse mit 2,5 m Tiefgang freigegeben. Die Bauarbeiten zur Aufweitung des Kanalprofils von 60 m² auf 104 m² waren bereits 1933 begonnen worden. 1935 räumte die Reichsregierung dem Ausbau des Mittelland-Kanals Vorrang ein, so dass erst seit 1938 wieder am Dortmund-Ems-Kanal gearbeitet wurde. 1939/1940 stellte die Kanalverwaltung die Arbeiten unter dem Primat der Kriegswirtschaft ein. Erst 1951 hat man die Aufweitungsarbeiten wieder aufgenommen.

Am 1. September 1961 beginnt der Abriss der "Union-Vorstadt", einer Wohnenklave mitten im Hafengelände. 1871 ist sie als Werkssiedlung des nahen Eisen- und Stahlwerkes "Union" gebaut worden und wird bis 1920 völlig von den umliegenden Industriekomplexen eingeschlossen. Im II. Weltkrieg wird das Wohnquartier Opfer schwerer Luftangriffe auf die Industrie im Hafen. 1960 fällt die Entscheidung, die "Union-Vorstadt" abzureißen, ihre Bewohner/innen umzusiedeln und die freiwerdenden Flächen den Gewerbegebieten des Hafens zuzuweisen.

Am 31. August 1962 feiert man die Einweihung des neuen Schiffshebewerks in Henrichenburg. Es ermöglicht Schiffen der sog. "Europaklasse", mit 1.350 to. Gewicht und 85 m Länge den Dortmund-Ems-Kanal bis zum Dortmunder Hafen zu befahren. Das neue Hebewerk überwindet einen Höhenunterschied von 13,50 m in 17 Minuten. Das alte Schiffshebewerk aus dem Jahre 1899 - es trug lediglich Schiffe bis zu einem Gewicht von 600 t - wird stillgelegt. Da ab etwa 1982 immer mehr neue Großgüter-Motorschiffe eingeführt werden, hat man am 11. August 1989 neben dem neuen Hebewerk noch eine neue Groß-Schleuse in Betrieb genommen. Seit dem 11. Januar 1990 kann die neue Stadthafenbrücke befahren werden. Sie überquert den Stadthafen und erschließt von Süden über den Sunderweg das Hafengebiet.

Der Container-Terminal Ein wichtiges Datum für die Zukunft des Hafens ist der 16. Mai 1989 mit der Eröffnung der Container Terminal Dortmund GmbH (CTD) am Dortmunder Kanalhafen. Die CTD besteht am Amfang aus einer leistungsfähigen Container-Verladebrücke. Mit ihr können Schiffe, Bahnwaggons und Lastkraftwagen schnell be- und entladen werden. Hinzu kommt ein Lagerplatz für bis zu 1.500 Container, fünffach können die Stahlbehälter übereinander gestapelt werden. Am 12. August 1994 wird die erste Ausbaustufe mit einer weiteren Container-Verladebrücke in Betrieb genommen. Mit der zweiten Ausbaustufe im Januar 1998 kommt eine 28m x 30m große Packhalle hinzu. Auf 43.000 m² Stellfläche stehen an einer Kailänge von ca. 350 m 1.500 m Eisenbahngleise zur Verfügung. Container mit einem Gewicht von 459.000 t werden hier 2004 umgeschlagen.

Beitrag von Hubert Nagusch

"Union-Vorstadt", Hafenamt, Schmiedinghafen um 1928

Der Hafen im Spiegel der Wirtschaftsentwicklung

Arbeitgeber und Umschlagsplatz

Wo schlägt das wirtschaftliche Herz Dortmunds? Ein Teil "pocht" sicherlich im Dortmunder Hafen: Er bietet ca. 5.000 Arbeitsplätze – meist sogenannte "Blaumannarbeitsplätze" in den rund 160 Unternehmen des Hafengebiets. Nur ca. 35 sind dabei "hafenaffin", dass heißt zwingend auf den Wasserweg angewiesen.

Eine ganze Reihe der Firmen zählt zum produzierenden Gewerbe. Andere schlagen Güter um, lagern sie, konfektionieren und verladen sie neu. Logistik ist Schwerpunkt im "Wasserbauch der Stadt". Neben Containern werden im Hafen zumeist Massengüter gelöscht: Baustoffe, Mineralöle, Kohle, Koks, Zellstoff und Schrott. Auch stählerne Halbfertigprodukte der Oberflächenveredlung und der eisenverarbeitenden Industrie werden hier in den neun Schnellumschlaghallen verladen.

Rund 3.000 beladene Schiffe im Ein- und Ausgang bewältigen das Güteraufkommen. Das können Großgüter-Motorschiffe bis zu 2.000 t Tragfähigkeit oder Schubverbände mit bis 185 m Länge, 11,40 m Breite, 2,80 m Tiefgang und rd. 4.500 t Tragfähigkeit sein.

Eine wirtschaftliche Erfolgsstory also - aber wie alle großen Geschichten gibt´s auch im Hafen Rückschläge: So hat sich eine Hoffnung der Hafenbauer bis heute nicht erfüllt. Die Zahl der zu Berg (nach Dortmund) fahrenden beladenen Schiffe ist jährlich immer höher als die Zahl der zu Tal (von Dortmund) fahrenden Binnenschiffe.

Das im CTD umgeschlagene Containeraufkommen ist zwar enorm, aber ein großer Teil wird von einem LKW auf den nächsten umgeladen. Die neuen Generationen großer Containerschiffe sind vielfach so hoch beladen, dass sie nicht mehr unter den zu niedrigen Brücken des Dortmund-Ems-Kanals nach Dortmund durchkommen können. Und dann ist da noch Rückzug der Stahlindustrie aus Dortmund. Zwischen 1998 und 1999 bricht der Gesamtumschlag um ca. 2,2 Mio. t ein; vornehmlich verursacht durch den Wegfall des Erzumschlags für die nun stillgelegten Thyssen-Krupp-Hochöfen. Vermehrte Anlandungen von Importkohle für den Kraftswerksverbrauch können den Rückgang des Massengüterumschlages abfangen, aber noch nicht ausgleichen.

Neue Impulse werden durch Geschäftsfelder wie die e-Logistik im Hafen erwartet; maßgeblich gefördert durch die "e-port GmbH" im ehemaligen Reedereigebäude der Rhenus-WTAG an der Mallinkrodtstraße. Der gesamte Warenfluss als Wertschöpfungskette wird betrachtet, Innovationen sind in der IT-Technik, der Robotik oder auf neuen Verteilwegen möglich. Der industriellen Nutzung des Hafenbereichs kommt nach dem Willen der Hafen AG auch zukünftig der Primat zu. Aber auch Projekte zum Thema Freizeit und Entertainment werden künftig stärker in die Betrachtung kommen.

Weitere Informationen

Umschlag des Dortmunder Hafens in Tausend Tonnen [pdf, 9 kB]

Beitrag von Hubert Nagusch

Altes Hafenamt mit Brücke