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Innenstadt-Nord

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Hans Jürgen Landes Fotografie

Ansiedlung

Gutachten zu Möbelhäusern in Lütgendortmund und Nordstadt - Geringe Konkurrenz für City

Nachricht vom 04.07.2018

Die Möbelhaus-Ketten Segmüller und XXXLutz möchten am Sorbenweg bzw. an der Hildastraße bauen. Nun liegen Gutachten vor, die die Auswirkungen einer möglichen Ansiedlung auf den regionalen Handel sowie auf den Verkehr untersuchen.

Unter anderem Reinhold Gütebier (Segmüller), Stefan Thabe (Stadtentwicklung) und Ludger Wilde (Dezernent für Umwelt, Planen und Wohnen) erläuterten den aktuellen Stand der Analyse.

Planungsdezernent Ludger Wilde (r.) erläutere mit Vertretern der beiden Möbelhäuser die verschiedenen Gutachten
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Segmüller plant ein Möbelhaus mit einer Verkaufsfläche von ca. 45.000 Quadratmetern am Sorbenweg, zwischen dem Sondergebietsstandort Indupark und dem Autobahnkreuz Dortmund-West in Lütgendortmund. XXXLutz plant ein Möbelhaus mit ca. 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche an der Hildastraße, angrenzend an den Sondergebietsstandort Bornstraße in der nördlichen Innenstadt.

Voraussetzung: Änderung des Regionalplans und Schaffung von Planrecht

Um die Ansiedlungen zu ermöglichen, muss in beiden Fällen Planrecht geschaffen und der Regionalplan geändert werden. Mit der Darstellung der Flächen als "Allgemeiner Siedlungsbereich" wären alle Kriterien für die Erteilung eines regionalen Konsenses im Arbeitskreis des Regionalen Einzelhandelskonzeptes für die beiden Vorhaben erfüllt.

Sowohl Segmüller als auch XXXLutz haben verschiedene Einzelhandelsgutachten, d.h. Untersuchungen der zu erwartenden Auswirkungen auf den Einzelhandel in Dortmund, als auch Gutachten zu den Auswirkungen auf den Verkehr an den jeweiligen Standorten in Auftrag gegebe. Deren Ergebnisse liegen nun vor und wurden am Mittwoch, 4. Juli, erläutert. Das Einzelhandelsgutachten für die Firma Segmüller hat die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH (GMA) durchgeführt, das Verkehrsgutachten das Ingenieurbüro für Verkehrs- und Infrastrukturplanung Blanke Ambrosius. Für die Firma XXXLutz hat die BBE Handelsberatung die Auswirkungen auf den Einzelhandel, die Ingenieurgesellschaft Stolz mbH (IGS) die Auswirkungen auf den Verkehr.

Lage Vorhabenstandort Sorbenweg Segmüller

Segmüller plant ein Möbelhaus mit einer Verkaufsfläche von ca. 45.000 Quadratmetern am Sorbenweg, zwischen dem Sondergebietsstandort Indupark und dem Autobahnkreuz Dortmund-West in Lütgendortmund.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund

Keine Gefährdung für Einzelhandel in Stadtzentren

Die Ansiedlung eines oder beider Möbelhäuser in Dortmund würde die Existenz der in der Dortmunder Innenstadt, in den Stadtteilzentren und den Nachbarstädten ansässigen Geschäfte nicht gefährden, da das Angebot der zentrenrelevanten Sortimente (Haushaltswaren, Heimtextilien oder Dekoartikel, Keramik, Bilder) in beiden Möbelhäusern auf circa sechs Prozent der Verkaufsfläche begrenzt wäre. Das ergeben beide Einzelhandelsgutachten. "Die Dortmunder City wird mit insgesamt rund 3 Millionen Euro Umsatzumverteilung nur in relativ geringem Umfang betroffen sein, dabei am stärksten noch bei den Sortimenten Bettwaren und Lampen. Städtebauliche Auswirkungen ergeben sich daraus nicht, allenfalls bei gleichzeitiger Realisierung des Segmüller-Möbelhauses. Ähnliches gilt für die Innenstädte von Bochum und Castrop-Rauxel. Andere Innenstädte sind in keinem Fall kritisch betroffen", heißt es im Gutachten der BBE Handeslberatung für XXXLutz. "Wir empfehlen den Häusern eine weitere Reduzierung einiger Sortimente - wie Bilderrahmen, Leuchten und Bettwaren, um die Angebotsvielfalt in Dortmund und den Nachbarstädten zu erhalten", so Monika Kollmar von der GMA.

Da sich das Kaufkraftpotenzial in der Region kaum verändert, würde der im in den Möbelhäusern realisierte Umsatz fast ausschließlich zu Lasten vergleichbarer großer Möbelhäuser in der Region umverteilt. Dies betrifft im Wesentlichen die regional bedeutsamen Möbelstandorte in Bochum, Witten, Unna, Herne und Recklinghausen. "Umsatzrückgänge als Folge der Ansiedlung des XXXL-Möbelhauses sind zum überwiegenden Teil an Möbelhausstandorten außerhalb der Haupt- und Nebenzentren zu erwarten, die gegenwärtig in erheblichem Umfang davon profitieren, dass Dortmund außer IKEA kein großes Einrichtungshaus vorhält, so Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung.

Kaufkraft würde in Dortmund bleiben

Zurzeit fließt etwa 40 Prozent der in Dortmund vorhandenen Kaufkraft für Möbel in umliegende Städte. Mit der Ansiedlung der Möbelhäuser würde sich das Angebot in diesem Bereich bedeutend vergrößern und somit die Kaufkraft der Dortmunder am Standort erhöhen. "Viele Wettbewerber in der Region schöpfen die Kaufkraft aus Dortmund ab. Die Ansiedlung größerer Möbelhäuser würde eine Rückverlagerung zurück in das Stadtgebiet bedeuten", erklärt Lehnerdt. Martina Kollmar von der GMA rechnet mit bis zu 20 Prozent Umsatzverlusten bei umliegenden Möbelhäusern, aber erklärt: "Unserer Ansicht nach würden andere Anbieter trotz dieser Verluste wettbewerbsfähig bleiben".

Lage Vorhabenstandort Hildastraße XXXLutz

XXXLutz plant ein Möbelhaus mit ca. 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche an der Hildastraße, angrenzend an den Sondergebietsstandort Bornstraße in der nördlichen Innenstadt.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund

Maßnahmen für Verbesserung des Verkehrs im Indupark notwendig

Die Auswirkungen eines Baus der Möbelhäuser auf die Verkehrssituation schätzen die jeweiligen Gutachter unterschiedlich ein. Im Indupark, wo das Möbelhaus Segmüller gebaut werden würde, ist die Verkehrssituation schon jetzt insbesondere samstags angespannt. Das Büro Blanke Ambrosius kommt zu dem Schluss, dass an mehreren Knoten des Induparks trotz der zu erwartenden Verkehrszunahme durch die Ansiedlung von Segmüller am Sorbenweg eine Verbesserung gegenüber der heutigen Situation erreicht werden könnte.

"Maßnahmen für eine Verbesserung des Verkehrsflusses wären in jedem Fall notwendig. Ein Ausbau der Straßen kommt aufgrund der dichten Bebauung nicht in Frage. Daher müsste die Ampelschaltung angepasst werden. Eine längere Grünphase für Linksabbieger auf die A40 würde Staus entgegenwirken. Ein wesentlicher Baustein wäre die Trennung der kritischen Verkehrsströme und Schaffung separat gesteuerter Linksabbiegespuren. Dafür müsste die Umlaufzeit der Ampeln verlängert werden. Ein positiver Nebeneffekt wäre, dass insgesamt mehr Grünphase im Verhältnis zur Gelbphase geschaffen werden würden. Außerdem müssten Kreuzungen umgebaut werden", erklärt Philipp Ambrosius.

Das Gutachten bezüglich der möglichen Ansiedlung von XXXLutz an der Hildastraße fällt wie folgt aus: "Die Ergebnisse der Planfälle unter Berücksichtigung des derzeitigen Ausbauzustands zeigen, dass sowohl unter Berücksichtigung des heutigen Verkehrsaufkommens an Werktagen als auch unter Berücksichtigung der zusätzlichen Verkehre, die durch den Möbelmarkt entstehen (an Werktagen und samstags), ein leistungsfähiger Verkehrsablauf vorliegt".

Bebauungspläne regeln Entwässerung, Arten- und Bodenschutz

Großflächige Einzelhandelsbetriebe sind gemäß Landesentwicklungsplan Nordrhein-Westfalen nur in regionalplanerisch festgelegten Allgemeinen Siedlungsbereichen zulässig. Eine Darstellung der Flächen als Allgemeiner Siedlungsbereich ist für die Neuaufstellung des Regionalplans vorgesehen. Der Erarbeitungsbeschluss zur Neuaufstellung des Regionalplans soll voraussichtlich am Freitag, 6. Juli 2018, erfolgen. Nach Vorliegen des Erarbeitungsbeschlusses für den Regionalplan sollen zeitgleich Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung der Bebauungspläne für die beiden Vorhaben gestartet werden. Im Rahmen der Bebauungspläne werden die Ansiedlungen detailliert geregelt und Themen wie z.B. Entwässerung, Arten- und Bodenschutz geklärt. Die Bebauungspläne können erst nach Abschluss der Neuaufstellung des Regionalplans rechtskräftig werden.

Zum Thema

Darüber, ob die Unternehmen tatsächlich in Dortmund bauen dürfen, werden frühestens im September die Bezirksvertretungen und der Rat entscheiden. Zuvor wird der Umweltausschuss mit den Bezirksvertretungen über das Vorhaben beraten.