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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Hans Jürgen Landes Fotografie

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Museum

"The Other Side": Dortmunder U zeigt Grenzräume in der zeitgenössischen irischen Kunst

Nachricht vom 18.12.2019

Das Dortmunder U zeigt auf Ebene 6 ab Freitag, 20. Dezember 2019, bis Dienstag, 17. März 2020, die Gruppenausstellung "The Other Side - Grenzräume in der zeitgenössischen irischen Kunst". Das Dortmunder U will mit dieser hoch aktuellen Ausstellung im Herzen von Europa dafür werben, den Blick auf die andere Seite der Grenzen zu wagen und den Diskurs darüber anregen, dass Grenzen trennen statt verbinden.

Truppe mit Masken maschiert

Trouble In Paradise #1, 21x20 cm, 1987
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): © Sean Hillen

Vor 30 Jahren fiel in Deutschland die Mauer – eine Grenze, die nicht nur zwei Staaten trennte, sondern höchst unterschiedliche gesellschaftliche Systeme mitten in Europa. Sie trennte die Welt in Ost und West. Weltweit war 1989 die Hoffnung groß, dass nun endlich Frieden sei. Auch die Grenze zwischen Irland und Nordirland hat wieder internationale Aufmerksamkeit erhalten. Der blutige Nordirlandkonflkt gilt als beendet und die Grenzkonflikte zwischen der Republik Irland und dem britischen Norden beigelegt - doch nationale Egoismen sorgen in Großbritannien und anderswo dafür, dass Grenzfragen wieder auf die Tagesordnung der Weltpolitik stehen. Abgrenzung und Ausgrenzung werden wieder gepredigt und finden zunehmend Anhänger.

Die andere Seite der Grenzen

Die Gruppenausstellung "The Other Side – Grenzräume in der zeitgenössischen irischen Kunst" zeigt in den aktuellen Positionen sechs zeitgenössischer irischer Künstlerinnen und Künstler die persönlichen, geopolitischen und kulturellen Auswirkungen von Grenzen und gesellschaftlicher Teilung auf. Das Dortmunder U will mit dieser hoch aktuellen Ausstellung im Herzen von Europa dafür werben, den Blick auf die "Other Side" der Grenzen zu wagen und den Diskurs darüber anregen, dass Grenzen trennen statt verbinden, eher Problem als Problemlöser sind. Kuratiert wird die Schau von Anne Mager.

Unsichtbare Grenzen - reale Konflikte

Wer die Grenze zwischen Irland und Nordirland erstmals überquert, ist häufig überrascht von dem, was nicht zu sehen ist: Weder Grenzposten, Kontrollen noch große Warnschilder irritieren hier den Verkehr. Was in der Zeit der sogenannten "Troubles", dem mehr als dreißig Jahre andauernden blutigen Nordirlandkonflikt, militärisch streng überwacht war, zeigt sich heute, wie viele andere europäische Innengrenzen, als kaum noch physisch bedeutsam.

Doch wie jede Grenze braucht auch die inner-irische keine Mauern, um weitreichende Folgen zu haben. Mehr als zwanzig Jahre nach dem Karfreitagsabkommen, das den Bürgerkrieg beendete, rückt der Konflikt in den Brexit-Debatten wieder in den Fokus und Irland und die europäische Union stehen Herausforderungen gegenüber, die eine neue EU-Außengrenze mit sich bringt.

Foto und Film, Skulpturen, Collagen

Enda Bowe, Willie Doherty, Seán Hillen, Jesse Jones, Dragana Jurišić und Kathy Prendergast untersuchen in Videoinstallationen, Skulpturen, Fotografien und Collagen die physischen, sozialen und imaginären Dimensionen von Grenzen und gehen Fragen nach territorialer Definitionsgewalt, Konflikt und Identität nach.

In "Love‘s Fire Song" portraitiert der Fotograf Enda Bowe Jugendliche auf beiden Seiten der sogenannten Friedensmauern in Belfast. Seine Aufnahmen gehen über stereotype Darstellungen politischer und religiöser Motive hinaus und geben einen intimen Einblick in die Jugendkultur Nordirlands.

Der bereits zweifach für den Turner Price nominierte Willie Doherty erkundet in seinen Fotografien und Videoinstallationen, wie sich traumatische Vergangenheiten in Landschaften und Orten verankern. Ausgangspunkt seiner beunruhigenden Bildwelten ist dabei häufig seine Heimatstadt Derry, Ort des "Bloody Sunday"-Massakers im Januar 1972.

Eine Frau und ein Mann sitzen nebeneinander auf zwei Stühlen

Zweikanal-Videoprojektion "The Other North" © Produktionsstill: Jin Hee Kim
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesse Jones

Die Videokünstlerin Jesse Jones, die Irland 2017 bei der Biennale von Venedig repräsentierte, verknüpft in "The Other North" den militärischen Konflikt und die individuellen Erfahrungen und Traumata von Nordiren und Südkoreanern miteinander.

Seán Hillen collagiert seit über 25 Jahren eigene Fotoaufnahmen der "Troubles" und irische Postkartenmotive und bildet dabei utopische und verwirrend humorvolle Landschaften.

Kathy Prendergasts kartografische Interventionen hinterfragen die Bedeutungshoheit sowie vermeintliche Objektivität von Karten und Globen und zeigen auf, dass Ländergrenzen immer menschliche Konstrukte sind.

Die in Dublin lebende serbisch-kroatische Fotografin Dragana Jurišić hingegen begibt sich in "YU: The Lost Country" auf eine fotografische Spurensuche in ihrer Heimat in ein nicht mehr existierendes Land und erinnert daran, wie zerbrechlich der europäische Frieden sein kann.

Die Ausstellung "The Other Side" beleuchtet die Vergangenheit und Gegenwart einer geteilten Insel, bietet neue Einblicke in zeitgenössische irische Positionen und gibt künstlerische Impulse für unser Verständnis.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.