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Zerstörter Hauptbahnhof 1944

Stadtgeschichte

Dortmund unterm Hakenkreuz

Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten - am 7. März 1933 wurde symbolisch die Hakenkreuzfahne am Dortmunder Rathaus aufgezogen - begann eine Zeit, die in der Stadtgeschichte Dortmunds besondere Spuren hinterlassen hat.

Hissen der Hakenkreuzfahne am Dortmunder Rathaus

Hissen der Hakenkreuzfahne am Dortmunder Rathaus, 7. März 1933

Nicht zuletzt das Mahnmal in der Bittermark zu Ehren der 1945 ermordeten 300 Widerstandskämpfer und ausländischen Zwangsarbeiter sowie die ständige Ausstellung "Widerstand und Verfolgung in Dortmund von 1933 bis 1945" im ehemaligen Gestapogefängnis "Steinwache" belegen, dass sich Dortmund auch seiner jüngeren, ungeliebten Geschichte, kritisch gestellt hat.

Die Umwandlung der Demokratie zur Diktatur, die in vielen Städten gleichförmig verlaufen ist, wurde u.a. offensichtlich in der Umbenennung von Straßen, die schon bald - wie auch viele Menschen - "nazifiziert" wurden. So wurde die Rathenau-Allee zur Adolf-Hitler-Allee, die Stresemann- zur Göringstraße, die Erzberger- zur Schlageterstraße oder der Republikplatz zum Horst-Wessel-Platz. Sämtliche demokratischen und sozialistischen Zeitungen waren verboten. Der linksliberale "Dortmunder General-Anzeiger" wurde beschlagnahmt und sein gesamtes Betriebsvermögen von der NSDAP eingezogen. Die ersten Stadtverordneten, insbesondere aus den Reihen der KPD und SPD, wurden sofort verfolgt, misshandelt oder in "Schutzhaft" genommen.

Wie auf Reichsebene, so wurden auch in Dortmund sämtliche politischen Parteien, mit Ausnahme der NSDAP, verboten. Am 20. April 1933 wurde Adolf Hitler Ehrenbürger von Dortmund (Die Ehrenbürgerschaft wurde ihm unmittelbar nach dem Krieg, in einer der ersten Ratssitzungen wieder aberkannt). Am 20. Juni erfolgte dann das Verbot der Sozialdemokratie, und am 1. Mai 1933 wurden die Gewerkschaften "gleichgeschaltet". Viele Anhänger der KPD, SPD, der Gewerkschaften, aber auch Personen aus anderen demokratischen Parteien und der Kirchen, schlossen sich illegalen Widerstandskreisen an. Dortmund blieb aufgrund seiner intensiven Widerstandsaktionen weiterhin bei der NS-Führung eine ungeliebte Stadt.

Das ehemalige Gestapogefängnis "Steinwache" Nachkriegsaufnahme

Gestapogefängnis "Steinwache", Nachkriegsaufnahme

Anhänger sozialistischer und demokratischer Parteien, "Unangepasste" und "Nichtarier" wurden aus dem Staatsdienst oder städtischen Diensten entlassen oder mit Berufsverbot belegt. Einer nie gekannten Verfolgung von "Staatsfeinden" fielen viele Widerstandskämpfer und Oppositionelle zum Opfer. Sie wurden wie beispielsweise Fritz Henßler, der spätere Oberbürgermeister von Dortmund, verhaftet, verurteilt, jahrelang in Gefängnissen und Konzentrationslagern gedemütigt und misshandelt. Hunderte von ihnen wurden von den Nationalsozialisten und mit Hilfe der gleichgeschalteten nationalsozialistischen Willkürjustiz ermordet. Allein im Gestapogefängnis "Steinwache" waren in der Zeit von 1933 bis 1945 insgesamt über 30 000 politische Gegner des NS-Systems, darunter "rassisch Verfolgte" und ausländische Zwangsarbeiter vorübergehend inhaftiert.

Die jüdische Bevölkerung wurde seit 1933 systematisch ausgegrenzt und verfolgt. Jüdische Gewerbetreibende und Unternehmer sahen sich einer Verdrängungskampagne gegenübergestellt, die bald zu einer "Arisierungs"-Kampagne wurde. Bereits vor dem Pogrom vom 9./10. November wurde in Dortmund die schöne Synagoge am Hiltropwall, die sich in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Stadttheater einerseits, zur NSDAP-Kreisleitung andererseits befand, zerstört. Die Synagoge in Hörde wurde von SA-Horden angezündet und wie viele jüdische Gebetshäuser, Geschäfte und Wohnungen geplündert und zerstört.

Judendeportation 1942-43, fotografiert von der „Steinwache” aus

Judendeportation 1942-43 fotografiert von der Steinwache aus

Von den etwa 4 500 Dortmundern und Dortmunderinnen jüdischer Herkunft dürften später 2 000 Personen in Konzentrationslagern ermordet worden sein. Am 27. Januar 1942 erfolgte die erste Deportation von über 1 000 Juden aus dem Regierungsbezirk Arnsberg von Dortmund aus nach Riga. Die letzte Deportation erfolgte noch am 13. Februar 1945 nach Theresienstadt. Aber nicht nur Bürgerinnen und Bürger jüdischer Herkunft, sondern auch Angehörige anderer "rassischer" oder sozial diskriminierter Minderheiten wie die der Sinti und Roma wurden verfolgt und von Dortmund aus in die Vernichtungslager der Nationalsozialisten deportiert.

Das in den 20er Jahren so lebendige kulturelle und wirtschaftliche Leben, nicht zuletzt positiv beeinflusst durch Künstler und Unternehmer jüdischer Herkunft, verarmte in der Zeit des Nationalsozialismus. Dortmund konnte jedoch immerhin den zweifelhaften Ruf für sich in Anspruch nehmen, dass die Ausstellung über "Entartete Kunst" bereits 1935 - also zwei Jahre vor München - in Dortmund im damaligen "Haus der Kunst" am Königswall gezeigt wurde. Auch weitere Ausstellungen wie die HJ-Ausstellung "Schaffende Jugend" (1936), "Volk und Rasse" (1938) oder "Kunst der Front" (1940) verkündeten in erster Linie die Ideologie von Blut, Boden und Rasse.

Bücherverbrennung auf dem Platz vor dem Amtshaus in Dortmund-Aplerbeck

Bücherverbrennung auf dem Platz vor dem Amtshaus in Dortmund-Aplerbeck

Dass diese Ideologie in einen Weltkrieg münden konnte oder musste, war für viele Anhänger und Gegner vorhersehbar. Trotz vieler anderslautender Legenden blieb die wirtschaftliche Situation Deutschlands bis 1936 schwierig, wenn auch im Nazi-Jargon immer wieder von der "Ankurbelung der Wirtschaft" die Rede war. Erst mit dem Rüstungsprogramm, begleitet von einer weltwirtschaftlichen Konjunkturverbesserung, profitierten der Bergbau und die Stahl- und Eisenindustrie von den nationalsozialistischen Vierjahresplänen, die die wirtschaftliche Monostruktur Dortmunds weiter verfestigten. Ab 1937 stieg die gesamte Produktion stark an, und die Arbeitslosenzahl sank rapide.

Bei dem kriegsvorbereitenden Bestreben, für die steigende Motorisierung von Wehrmacht und Wirtschaft eine ausreichende Kraftstoffversorgung zu sichern und das fehlende Erdöl zu ersetzen, kamen der Ruhrgebietsindustrie und vor allem der Kohlechemie eine wachsende Bedeutung zu.

Die Folgen des von den Nationalsozialisten entfachten Zweiten Weltkrieges und seine nach innen gerichteten verbrecherischen Maßnahmen sind weitgehend bekannt. Schon bald kehrte sich die Lage für NS-Deutschland um. Der Krieg erfasste 1943 bereits die Heimatfront. Trotz rücksichtslosester Ausbeutung ausländischer Zwangsarbeiter, insbesondere osteuropäischer Kriegsgefangener, Konzentrationslagerhäftlinge und verschleppter Arbeitskräfte – allein in Dortmundwaren 1944/45 noch 45 000 ausländische Zwangsarbeiter in den entsprechenden Betrieben und Zechen beschäftigt - brachen Rüstungswirtschaft und sonstige Produktionszweige zusammen.

Zerstörter Hauptbahnhof 1944

Zerstörter Hauptbahnhof, 1944

Im Mai 1943 wurde Dortmund, von den Alliierten neben Essen als eine der "Rüstungsschmieden" im Ruhrgebiet eingeschätzt, das Ziel zweier Großangriffe. Sechs weitere sollten bis zum 12. März 1945 folgen und den Stadtkern zu 95 Prozent in Schutt und Asche legen. Bei den Bombenangriffen kamen etwa 6 000 Zivilisten und Zwangsarbeiter ums Leben. Dortmund hatte damit sein städtebauliches Gesicht, das in der Zeit von 1890 bis 1930 entscheidend geprägt worden ist, im Hagel der Bomben völlig verloren.

Als die Amerikaner am 13. April 1945 in die Dortmunder Innenstadt vorrückten, fanden sie ein Trümmerchaos vor. Strom- und Wasserversorgung sowie andere wichtige Elemente städtischer Infrastruktur waren restlos zusammengebrochen. Für die noch etwa 300 000 Dortmunder, die die letzten Kriegstage in ihrer Heimatstadt erlebten, schien die Stadt bei Kriegsende 1945 - mehr als jemals zuvor - am Ende seiner historischen Entwicklung zu stehen. Von Seiten der britischen Militärregierung und in Teilen der fragmentarisch wieder entstehenden Stadtverwaltung spielte man sogar mit dem Gedanken, die Stadt außerhalb ihres historischen Kerns wieder neu zu errichten.

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