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Tiefbauamt im Einsatz gegen Raupen des Eichen-Prozessionsspinners

Eichenprozessionsspinner

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund / Christian Schön

Häufige Fragen und Antworten zum Eichenprozessionsspinner (EPS)

Was für ein Tier ist der Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, also ein Schmetterling. Er ist kein eingewandertes Tier, sondern war immer schon in Mitteleuropa heimisch. Es gibt Hinweise darauf, dass es schon vor 200 Jahren Eichenprozessionsspinner-Plagen gegeben hat.

Wo halten sich die Tiere am liebsten auf?

Der Eichenprozessionsspinner lebt wirtsspezifisch. Das bedeutet er kommt nur an Eichen fast jeder Art vor, insbesondere an der deutschen Eiche. Gelegentlich, wenn der Befallsdruck sehr hoch ist, gibt er sich auch mit der Hainbuche zufrieden. Den Wirtssprung hat er noch nicht geschafft. Allerdings: Auch im direkten Umfeld der Eichen können Raupenpopulationen gefunden werden, zum Beispiel an Spielgeräten und auf Wiesen neben oder unter Eichen.

Warum sind die Raupen eigentlich ein Problem?

Der Falter selbst stellt keine Gefahr für den Menschen dar, jedoch die Raupen. Diese tragen ab dem dritten Larvenstadium (von 5 bis 6 Stadien) Brennhaare, die ein Nesselgift enthalten, mit Widerhaken ausgestattet sind und allergische Reaktionen bei Menschen und Tieren auslösen können. Kommen sie mit der Haut in Kontakt, setzen sie sich fest und verursachen Reizungen und Entzündungen. Durch Verwehungen können die Härchen auch in Atemwege und Augen gelangen und dort die Schleimhäute angreifen. Die Brennhärchen können auch nach 3 bis 5 Jahren noch toxische Reaktionen herrufen. Daher werden auch die verlassenen Nester möglichst abgesaugt, sofern sie entdeckt werden.

Wie können sich Spaziergänger, Kinder oder Hunde vor den Raupen schützen?

Generell mit Vorsicht unterwegs sein in Parks und Wäldern, auch wenn Sie kein Hinweisschild gesehen haben, kann der EPS schon da sein. Insbesondere in den Wäldern kann das aktive Absaugen der Nester kaum gewährleistet werden. Die Bereiche sind mit Hubwagen und Spezialausrüstung nur schwer zugänglich. Allenfalls an den Hauptwegen und in den Randbereichen könnten Raupen und Nester abgesaugt werden. Daher ist es unbedingt notwendig, die eigene Verhaltensweise umsichtig der Gefahr anzupassen.

  • Bereiche, in denen Befall festgestellt wird, sind zu meiden. Schilder, Absperrungen und Hinweise über die Medien sind ernst zu nehmen.
  • Achten Sie beim Picknick, beim Spaziergang oder auch bei der Gartenarbeit auf Fressspuren der Raupen (bis auf das stärkere Gerippe aufgefressene junge Blätter).
  • Die Raupen und insbesondere die Nester, vor allem wenn diese verlassen sind, nicht berühren oder vom Baum schlagen. Dies führt zu einer Aufwirbelung der Brennhaare.
  • Offene Hautpartien sind abzudecken und ggf. ein Augenschutz und ein Mund- und Nasenschutz zu tragen.
  • Radfahrende können Nase und Mund mit einem dünnen Tuch und die Augen mit einer breiten Sonnenbrille schützen.
  • Hunde möglichst nicht frei herum laufen lassen, sondern an der Leine führen. Der Schnüffel-Trieb kann in Einzelfällen auch bei Hunden zu Reizungen führen.
  • Insbesondere an windigen Tagen können die Brennhaare der Raupe weit durch die Luft fliegen.
  • Bänke und Spielgeräte auf dem Balkon oder im Garten möglichst regelmäßig abwaschen oder abspritzen, damit Brennhaare, die der Wind herbeigetragen hat, vor Gebrauch möglichst entfernt sind.

Wie verhalte ich mich, wenn ich plötzlich einen EPS-Befall an einem Baum entdecke (oder vermute)?

Zuerst einmal die vorsichtige Baumbestimmung: Handelt es sich tatsächlich um eine Eiche? Es gibt andere Raupen, die an anderen Baumarten unterwegs sind und ganz ähnliche Nester bauen (Beispiel Gespinstmotte). Wenn es sich dann tatsächlich um den Eichenprozessionsspinner handelt, insbesondere auf die Windrichtung achten und sich von den befallenen Stellen entfernen.

Melden Sie den Befall an der Raupenmelder-Hotline oder per Mail.

Warum kommt der EPS nach Entfernung eines Nestes manchmal wieder?

Die Schmetterlingsweibchen legen ihre Eier in Eipaketen von 30 bis 300 Eiern ab. Alle Raupen eines Eipakets schlüpfen in der Regel zum gleichen Zeitpunkt und entwickeln sich mit der gleichen Geschwindigkeit. Wie reif die Eipakete sind, kann sich aber unterscheiden, daher kann es auch viele Tage nach erfolgreicher Bekämpfung zu einem Wiederbefall an benachbarter Stelle kommen.

Warum verbreiten sich die EPS überwiegend in den nördlichen Stadtteilen?

In den nördlichen Stadtteilen ist der Bestand an Eichen deutlich höher als in den südlichen Bezirken. Viele Weibchen legen ihre Eier in der direkten Umgebung der Stelle ab, an der sie aus der Puppe geschlüpft sind. Geschätzt wird, dass das Areal sich durchschnittlich um 7,5 km pro Jahr erweitert. Daher sind Gebiete, in denen der EPS stark auftritt, auch im Folgejahr wieder gefährdet.

Wo kommen diese Tiere plötzlich in so großer Zahl her? Hat man sie früher einfach nie beachtet, weil man die Gefahr nicht kannte?

Seit rund zwanzig Jahren ist in Deutschland ein deutlicher Anstieg der Populationsdichte des Eichenprozessionsspinners zu verzeichnen. Als Grund hierfür ist vor allem der Klimawandel zu sehen, der zu milderen Wintern und erheblich wärmeren und trockeneren Sommern führt. Dieses Klima in Verbindung mit geringeren Regenmengen während der Larvenentwicklung von April bis Mai begünstigt die Entwicklung des EPS in hohem Maße. Insbesondere die milden Winter sorgen dafür, dass große Teile der Population überleben können.

Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), verbreitet sich der Eichenprozessionsspinner mittlerweile in allen deutschen Bundesländern. Am stärksten betroffen sind Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Eine nachhaltige Schädigung der Eichen durch den Befall muss im Übrigen nicht befürchtet werden.

Was ist zu tun, wenn man der Raupe oder ihren Brennhaaren zu nahe gekommen ist?

  • Kleidung schnell wechseln, Kleidung waschen
  • Ausgiebig duschen und das Kopfhaar waschen
  • Möglichst nicht kratzen, weil die Brennhaare dadurch tiefer in die Haut gelangen können
  • Eingedrungene Raupenhaare können eventuell mit Hilfe der Klebeseite von Pflasterstreifen oder mit Tesafilm entfernt werden.
  • Nicht mit den Schuhen die Raupenhaare in der Wohnung herumtragen.
  • Haustiere können die Haare zusätzlich verbreiten.

Welche Folgen kann der Kontakt mit den Brennhaaren der Raupe haben?

Hautreizungen:

  • Auf der Haut bilden sich juckende rote Punkte, kleine Papeln, die sich vergrößern und beim Kratzen anschwellen können. Häufig sind erste Spuren der Brennhaare im Nacken und den Ellenbeugen zu beobachten.
  • Die Symptome bilden sich meist auch unbehandelt von selbst wieder zurück – je nach Empfindlichkeit der betroffenen Person dauern die Hautsymptome 2 Tagen bis 2 Wochen an.
  • Eine Behandlung des Juckreizes mit Menthol-haltigen oder Polidocanol-haltigen Salben oder Cremes ist möglich. Kühlen der Haut tut gut.
  • Eine Besserung des Hautbefundes bei starken Hauterscheinungen ist durch eine äußerliche Kortisonbehandlung zu erzielen.

Überreaktion:

  • Das Raupengift (Thaumetopoein) aus den Brennhaaren führt zur Ausschüttung von Histamin und weiteren Signalstoffen, die eine Entzündung auslösen und verstärken können.
  • Eine Allergie auf die Eiweiße aus den Brennhaaren ist selten, aber möglich.
  • Auch eine Schockreaktion im Kontakt mit Eichenprozessionsspinnerraupen kommt vor und sollte dann mit einem Arzt abgeklärt werden.
  • Wer die eigene Anfälligkeit bereits kennt, sollte ein Notfall-Set mit sich führen.
  • Die Nachtruhe lässt sich durch die Einnahme von Antihistaminika zumeist wieder herstellen.

In den Atemwegen:

  • Sind die Brennhaare eingeatmet worden, können die oberen Atemwege gereizt werden. Schmerzhafter Husten wie bei einer Bronchitis entsteht.
  • Bei Asthmatikern können Asthmaanfälle ausgelöst werden.
  • Auch zu Atemnot kann es kommen. Dann sofort einen Arzt aufsuchen!

An den Augen:

  • Wenn die Brennhaare in die Augen geraten, besteht die Gefahr einer Bindehautentzündung mit Rötung, Lichtscheu und Schwellung der Augenlider.
  • Bei Befall der Hornhaut des Auges kann sich eine Hornhautentzündung entwickeln.
  • Generell sollte immer ein Augenarzt aufgesucht werden, wenn das Auge betroffen ist.