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Geschichte

Spuren jüdischer Geschichte sichtbar machen: Infotafeln informieren nun über jüdische Gräberfelder

Nachricht vom 24.11.2022

Bis heute gibt es auf dem Dortmunder Stadtgebiet neun jüdische Friedhöfe beziehungsweise Gräberfelder. Sie sind anschauliche Zeugnisse jüdischen Lebens in Dortmund. Nach und nach werden nun Infotafeln an die Geschichte der Gräberfelder erinnern. Den Anfang machte am Donnerstag, 24. November, die Aufstellung einer Tafel auf dem Ostfriedhof; Tafeln in Wickede, Aplerbeck und Hörde werden folgen.

jüdische Grabmäler

Die Einweihnung einer Infotafel fand auf dem Ostfriedhof viel Zustimmung. Unter anderem waren Leonid Chraga, Geschäftsführer Jüdische Gemeinde Dortmund, Klaus Winter, Historischer Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark und Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor Kulturbetriebe Dortmund, dabei.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Katrin Pinetzki

Auf dem Ostfriedhof befindet sich das wohl bekannteste und idyllischste jüdische Gräberfeld. Auf dem Hauptfriedhof am Rennweg werden auch heute noch jüdische Bestattungen vorgenommen. Sieben weitere Friedhöfe existieren in sechs Dortmunder Stadtteilen – fast alle angelegt im 19. Jahrhundert.

Projekt "Jüdische Heimat Dortmund"

Das Projekt "Jüdische Heimat Dortmund" des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Spuren, die jüdische Dortmunder*innen in der Stadt hinterlassen haben, zu untersuchen und ins Bewusstsein der Stadtgesellschaft zurückzuholen. Dazu gehören auch die Recherche der Geschichte der Dortmunder jüdischen Friedhöfe. Initiator des Projekts ist Klaus Winter vom Historischen Verein, der gemeinsam mit der Geschichtsmanufaktur die Texte für die Infotafeln recherchierte und formulierte.

Finanziert wird das Projekt durch das Heimatzeugnis des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Geschichte des jüdischen Gräberfelds auf dem Ostfriedhof

Auf dem Ostfriedhof befindet sich der jüdische Teil auf Feld 14. Der Ostfriedhof wurde 1876 eingeweiht, nachdem der Westentotenhof, der heutige Westpark, nicht mehr ausreichte. Als auch der dort gelegene jüdische Friedhof belegt war, fiel der Beschluss, verstorbene Juden ebenfalls auf dem Ostfriedhof beizusetzen.

Anders als auf dem alten Friedhof im Westen der Stadt, auf dem nur "in Reihe" beerdigt worden war, wurden auf dem jüdischen Feld des Ostfriedhofs separate Bereiche für Reihengräber für Erwachsene und Kindergräber sowie Familien- und Erbbegräbnissen angelegt.

1885 erste jüdische Beisetzung auf Ostfriedhof

Die erste jüdische Beisetzung auf dem Ostfriedhof war die der am 19. November 1885 gestorbenen Mathilde Elias geborene Kronenberg, Ehefrau des Kaufmanns Benni Elias und Mutter von vier Kindern. In den ersten 25 Jahren fanden dort durchschnittlich elf Erwachsene und acht Kinder pro Jahr ihre letzte Ruhestätte.

Der Platz für nicht-jüdische Bestattungen wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts knapp. Daher wandte sich die Stadt 1908 an die Synagogengemeinde und bat um Überlassung eines Teiles des großzügig bemessenen Feldes 14. Die Synagogengemeinde beschloss 1911, das Feld 14 in der Mitte durch einen von Norden nach Süden führenden Weg zu teilen und die dadurch entstandene östliche Hälfte abzutreten.

Wiederaufbau des jüdischen Friedhofs in der frühen Nachkriegszeit

Schon im Juni 1920 beklagte der Rabbiner Dr. Benno Jacob, dass massenhaft jüdische Grabsteine auf dem Ostfriedhof mit Hakenkreuzen beschmiert worden waren. Über Grabschändungen während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes an diesem Ort ist wenig bekannt. Große Schäden ereigneten sich aber im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges. Luftaufnahmen der Alliierten aus der Endphase des Krieges zeigen, dass auch das Feld 14 von mehreren Bomben getroffen worden war. Dabei wurden viele Grabstätten zerstört.

In der frühen Nachkriegszeit wurde der Friedhof wiederhergerichtet, jedoch wurden nicht alle erhalten gebliebene Grabsteine an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufgestellt. Heute befinden sich noch 300 jüdische Grabmale auf dem Feld 14 des Ostfriedhofs. Einige tragen Inschriften, die auf Verwandte hinweisen, die in Konzentrationslagern ermordet wurden oder in dem Land starben, in das sie während der nationalsozialistischen Herrschaft emigriert waren.

Zum Thema

Informationen über die jüdischen Grabfelder gibt es online.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.