Grävingholz

Umweltamt

Flechten als Bioindikator für die Luftbelastung

Über die Verwendung von Bioindikatoren gibt es eine weitere Möglichkeit, die Qualität der Luft zu beurteilen. Ein solcher Bioindikator sind beispielsweise Flechten. Sie reagieren sehr empfindlich auf Luftverschmutzungen. An dem Vorkommen oder Fehlen bestimmter Flechtenarten lässt sich ablesen, welche Luftgüte an einem Ort gegeben ist. Hierzu werden Flechtenkartierungen vorgenommen.

(epiphytische = aufsitzende) Flechten:
Doppellebewesen, die aus einem Pilz und einer Alge bestehen und symbiotisch zusammenleben. Es werden nach der Wuchsform Krusten-, Blatt- und Strauch- und Bartflechten unterschieden.

Flechten reagieren empfindlich auf eine Reihe von Luftschadstoffen; wirksamster Luftschadstoff ist das Schwefeldioxid, jedoch auch andere saure Schadgase sowie Schwermetalle und Photooxidantien üben schädliche Wirkungen aus. Kommen Luftschadstoffe in Kombination vor, wird die Wirkung der einzelnen Schadstoffe übertroffen. Die verschiedenen Flechtenarten sind unterschiedlich empfindlich gegenüber Luftschadstoffen.

Es existieren mehrere Methoden, um die Flechten als Indikator einzusetzen.

1. Exposition von Flechten
2. Aufnahme des Flechtenbewuchses an Bäumen unter natürlichen Bedingungen

Der Flechtenbewuchs wird auf bestimmten Baumarten (Pappel, Ahorn, Linde, Esche, Ulme) erfasst; Bäume müssen einen Mindestumfang von 60 cm aufweisen, freistehend sein und dürfen nicht bzw. nur wenig beschattet sein; mittels eines Zählrahmens wird der Deckungsgrad für jede einzelne Flechtenart geschätzt und klassifiziert, für jede Flechtenart wird zusätzlich ihre Vitalität ermittelt, Deckungsgrad und Vitalität werden um einen Empfindlichkeitswert für jede vertretene Flechtenart ergänzt und z.B. zum Luftgüteindex (LUGI) verrechnet.

In Dortmund wurde in den Jahren 1989, 1997 und 2005 die Luftgüte nach der LUGI-Methode aufgenommen. Dabei wurde deutlich, dass sich die Luftqualität seit 1989 deutlich verbessert hat. So findet man 1989 Luftgüteindices zwischen 0,7 und 1,2. Im Jahr 2005 wurden Luftgüteindices zwischen 1,1 und 1,8 ermittelt. Dies bedeutet, dass die im Jahr 1989 höchste festgestellte Luftqualität im Jahr 2005 nur noch in den am höchsten belasteten Bereichen festgestellt wird.

Die LUGI-Methode ist jedoch nicht in der Lage, als Indikator für alle Luftschadstoffe zu fungieren. Ebenfalls ist es nicht möglich, kleinräumige Belastungsschwerpunkte darzustellen. Diese Methode ist vielmehr ein geeignetes Werkzeug, um großräumige Strukturen der Luftbelastung zu erkennen.

Den Downloads kann die kartographische Darstellung der drei durchgeführten Untersuchungen entnommen werden.

Karte Luftgüte im Stadtgebiet Dortmund" 1989

Karte Luftgüte im Stadtgebiet Dortmund - ermittelt anhand des Flechtenbewuchses auf Bäumen 1989

Karte Luftgüte im Stadtgebiet Dortmund" 1997

Karte Luftgüte im Stadtgebiet Dortmund - ermittelt anhand des Flechtenbewuchses auf Bäumen 1997

Karte Luftgüte im Stadtgebiet Dortmund" 2006

Karte Luftgüte im Stadtgebiet Dortmund - ermittelt anhand des Flechtenbewuchses auf Bäumen 2006