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Umwelt

Stadt bringt neuen Landschaftsplan auf den Weg – Förderung von Natur- und Artenschutz

Nachricht vom 19.05.2020

Natur und Tiere schützen, Grünflächen nachhaltig entwickeln - das sind Ziele des neuen Landschaftsplans. Der auf 20 Jahre ausgelegte Plan für Gesamt-Dortmund soll u.a. ökologische Waldpflege und Artenvielfalt fördern sowie die Nutzung von Pestiziden einschränken. Rechtskraft hat er aber noch nicht.

Auf der Treppe im Rathaus unter den Gesichtsmasken zu sehen: linke Seite von oben nach unten: Thomas Quittek (Mitglied des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde Dortmund) Dr. Uwe Rath (Leiter des Umweltamtes der Stadt Dortmund) Dr. Hans-Dieter Otterbein (Vorsitzender des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde Dortmund), rechte Seite von oben nach unten: Ludger Wilde (Dezernent für Planen, Umwelt und Wohnen), Britta Perschbacher (Landschaftsplanung im Umweltamt), Oberbürgermeister Ullrich Sierau

Linke Seite der Treppe von oben nach unten: Thomas Quittek (Mitglied des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde Dortmund) Dr. Uwe Rath (Leiter des Umweltamtes der Stadt Dortmund) Dr. Hans-Dieter Otterbein (Vorsitzender des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde Dortmund). Rechte Seite der Treppe von oben nach unten: Ludger Wilde (Dezernent für Planen, Umwelt und Wohnen), Britta Perschbacher (Landschaftsplanung im Umweltamt), Oberbürgermeister Ullrich Sierau
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Ein langjähriger, mehrstufiger Planungsprozess soll im Herbst 2020 seinen Abschluss finden. Sofern die Höhere Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung in Arnsberg keine Einwände hat, werden die drei bis dahin gültigen Landschaftspläne Dortmund-Nord, -Mitte und -Süd nach nunmehr 30 bzw. 20 Jahren Laufzeit durch den neuen, gesamtstädtischen Plan abgelöst. Angelegt ist der neue Landschaftsplan auf eine Zeitspanne von 20 Jahren.

Plan hat noch keine Rechtskraft

Mit der Entscheidung, die Unterlagen für die Satzung des Landschaftsplanes Dortmund an die politischen Gremien weiterzuleiten, hat der Verwaltungsvorstand am 21. April 2020 den Startschuss gegeben für den Weg zum geplanten Satzungsbeschluss durch den Rat am 18. Juni 2020. Rechtskraft erlangt der Plan allerdings erst nach der Prüfung durch die Höhere Naturschutzbehörde bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Sofern dort keine Einwände vorliegen, kann der neue Landschaftsplan im Herbst 2020 in Kraft treten.

Innerhalb von 20 Jahren haben wir die Flächen von Naturschutzgebieten in Dortmund verfünffacht. Von 2 Prozent auf über 10 Prozent. Auch das ist Ausdruck unserer Nachhaltigkeitsstrategie und ein Muss für jede erfolgreiche Stadtpolitik.

Oberbürgermeister Sierau

Einbezug von Bürger*innen, Verbänden und Behörden

Seit 2013 wurde kontinuierlich an der Neuaufstellung des Landschaftsplanes gearbeitet. Dieser Fachplan fußt auf einer Vielzahl europäischer, bundes- und landesrechtlicher Gesetze und Vorgaben. Unter aktivem Einbezug und unter sehr reger Beteiligung von Bürger*innen, Verbänden, Behörden und Träger*innen öffentlicher Belange ist ein umfassendes Planwerk entstanden. Es wirkt nachhaltig und sorgt dauerhaft dafür, dass der Naturhaushalt auch als Lebensgrundlage des Menschen funktioniert und das Landschaftsbild nicht nachteilig beeinträchtigt wird. Damit trägt der Landschaftsplan Dortmund in erheblichem Maße zur Entwicklung der Artenvielfalt bei.

Planungsdezernt Ludger Wilde zum neuen Landschaftsplan Dortmund Quelle: YouTube

Der Landschaftsplan besteht aus Texten und Karten. Der Textteil Band I enthält neben Erläuterungen und textlichen Darstellungen die Festsetzungen. Dabei handelt es sich nicht nur um Gebote und Verbote, sondern auch um Pflegemaßnahmen.

Neben dem Textteil mit den Erläuterungen und Festsetzungen wurde auch ein Umweltbericht (Band II) erstellt. "Der Umweltbericht ist ein tolles Nachschlagewerk für Menschen, die sich für Natur und Umwelt in unserer Stadt interessieren", sagt Umwelt- und Planungsdezernent Ludger Wilde. Der Umweltbericht biete einen guten Überblick über die Bestandteile der Landschaft in Dortmund, wie z. B. geologische Verhältnisse, Boden, Wasser, Klima und Artenvielfalt.

Schutz seltener und sensibler Tier- und Pflanzenarten

Für die Förderung der biologischen Vielfalt und für den Schutz seltener und sensibler Tier- und Pflanzenarten sieht der Landschaftsplan verschiedene Maßnahmen vor: Die Anlage, Pflege und Wiederherstellung von Feuchtbiotopen, Streuobstwiesen, Brachen und Grünlandflächen. Die festgesetzten Maßnahmen dienen einerseits dem Erhalt und der Förderung der Tier- und Pflanzenwelt und dienen gleichzeitig dem Klimaschutz. Der Landschaftsplan unterstützt damit zudem maßgeblich das Ziel einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Britta Perschbacher, Umweltamt, über die Ziele des Landschaftsplanes Quelle: YouTube

Hunde müssen auf Wegen bleiben

Grundlegend für die Wirksamkeit des Landschaftsplanes ist nicht nur sein Maßnahmenkatalog, sondern auch die Beachtung der festgesetzten Ge- und Verbote. Hierbei sind alle Dortmunder*innen wichtig und dazu aufgerufen, ihren Beitrag zu leisten.

Es fängt schon bei der täglichen Gassi-Runde an. Für diejenigen, die beim Ausflug ins Grüne einen Hund dabei haben, wird es durch den neuen Landschaftsplan übersichtlicher. Die Hundeanleinpflicht ist nun für alle Dortmunder Naturschutzgebiete und geschützte Landschaftsbestandteile klar und einheitlich geregelt. Bisher gab es Unterschiede in den drei bisher gültigen Plänen.

Führen an der Leine

Grundsätzlich gilt nun: Mit dem Hund zusammen auf den Wegen bleiben ("Wegegebot“). Außerhalb des Waldes sind Hunde in Naturschutzgebieten und geschützten Landschaftsbestandteilen immer an der Leine zu führen. Im Wald – auch wenn dieser als Naturschutzgebiet oder geschützten Landschaftsbestandteil ausgewiesen ist – besteht die Anleinpflicht nicht, wohl aber das Wegegebot. Wünschenswert ist das Führen an der Leine im Wald aber dennoch. Denn Eichhörnchen oder Reh können manchmal plötzlich interessanter sein als das Leckerli in der Tasche von Herrchen oder Frauchen. Damit ist schon ein erster Schritt mit großer Wirkung in Richtung des Schutzes von wildlebenden Tieren, aber auch von Pflanzenarten gemacht.

Pestizidverbot auf landwirtschaftlich genutzten Flächen

Des Weiteren sind Festsetzungen zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung getroffen worden, welche den Artenreichtum vor der Haustüre schützen.

In den Naturschutzgebieten und geschützten Landschaftsbestandteilen sollen z. B. an Rändern von Gewässern und Wegen krautreiche Säume entwickelt werden. Auf Grünlandflächen gibt es Einschränkungen in Bezug auf die Düngung und ein Pestizidverbot auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das kommt vor allem der Tier- und Pflanzenwelt zugute. Durch die extensive Nutzung werden krautige Pflanzen gefördert, von denen sich verschiedene Insekten ernähren, die wiederum Nahrungsquelle der Vögel unserer Feldflur und des Waldes sind.

Grafik liefert einen Überblick zu den geschützten Teilen von Natur und Landschaft

Abbildung: Stadt Dortmund, die Grafik liefert einen Überblick zu den geschützten Teilen von Natur und Landschaft.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Abbildung Stadt Dortmund

Eine ökologisch orientierte Waldpflege soll den Altholzanteil erhöhen, die Naturverjüngung und den Struktur- und Artenreichtum der Wälder fördern. Nicht nur Specht und Fledermaus finden hier ihre Heimat, auch viele verschiedene Moose, Flechten sowie Pilze.

Neue Regeln für die Jagd

Bezüglich der Bejagung in Schutzgebieten vertraten Naturschutzvereinigungen und Jagdinteressierte im Planungsprozess unterschiedliche, teils konträre Interessen und Sichtweisen. Gesucht waren praktikable Lösungen, welche zudem die Verhältnismäßigkeit wahren.

Dr. Uwe Rath, Leiter des Umweltamtes der Stadt Dortmund: "Unser Ziel war es, die Interessen von Nutzern der Freiflächen wie Landwirtschaft und Jagd und die der 'Landschützer' zusammenzuführen. Dieser Plan wird von allen getragen und muss jetzt umgesetzt werden."

Die Diskussion der jagdlichen Regelungen zwischen den Interessenverbänden führte zu einem gemeinsam erarbeiteten Kompromiss von Jagdinteressierten und Naturschutzvereinigungen, mit dem sich sowohl die Interessenvertreter als auch die untere Jagdbehörde und die untere Naturschutzbehörde einverstanden erklärten.

Um zum Beispiel an Gewässern die Störung für die regelmäßig brütenden und rastenden, teilweise sehr seltenen Vogelarten zu minimieren, sind im neuen Landschaftsplan zeitliche Einschränkungen der Jagd an einzelnen Gewässern in Naturschutzgebieten und geschützten Landschaftsbestandteilen vorgesehen. Die Ausbildung brauchbarer Jagdhunde ist durch gesonderte Regelungen gewährleistet.

Diese Einigung ist ein wichtiger Schritt zur zukünftigen Akzeptanz der jagdlichen Regelungen und zeigt als gutes Beispiel, dass das Einbinden ehrenamtlich Wirkender in Planungsprozesse sehr konstruktiv und erfolgreich ist.

Lebensräume miteinander verbinden

Durch die Schutzgebietsausweisungen und die Umsetzung der Maßnahmen des Landschaftsplanes wird ein Flächennetzwerk geschaffen, welches verschiedene Lebensräume miteinander verbindet und einen sogenannten Biotopverbund bildet. Die Flächen erfüllen verschiedenartige Lebensraumfunktionen als Teil- oder Ganzjahreslebensraum wie Ansitz- und Nistplatz, Nahrungsraum, Deckungsmöglichkeit vor Witterung und Feinden sowie als Überwinterungsquartier.

Ziel des Biotopverbundes ist es, Flächen und Populationen von Tier- und Pflanzenarten miteinander zu vernetzen, um einer genetischen Verarmung und Isolation von Populationen entgegenzuwirken. Dafür macht sich Dortmund als Gründungsmitglied der "Kommunen für biologische Vielfalt" stark.

Der Landschaftsplan in Zahlen

Besonders geschützte Teile von Natur- und Landschaft:

  • 35 Naturschutzgebiete (2.706 ha)
  • 48 Landschaftsschutzgebiete (8.584,5 ha)
  • 139 geschützte Landschaftsbestandteile (266,9 ha)
  • 76 Naturdenkmale

Der Flächenanteil der besonders geschützten Teile von Natur und Landschaft erhöht sich von aktuell 39,6 Prozent auf künftig 41,18 Prozent des Stadtgebietes.
Der Flächenanteil der Naturschutzgebiete und geschützten Landschaftsbestandteile beträgt dabei 10,59 Prozent.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.