Friedensplatz altes Stadthaus

Umweltamt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Umwelt

Umweltamt und Klimabündnis laden zu Open-Source-Tomatenaufzucht ein

Nachricht vom 12.01.2022

Lust, gemeinsam zu gärtnern? Mehrere Fachbereiche der Stadt Dortmund und einige Initiativen wollen etwas Gutes für die Umwelt tun und brauchen Unterstützung: Eine Open-Source-Tomatenaufzucht stößt hoffentlich auf großes Interesse in der Bürgerschaft.

Zu sehen ist die Open-Source-Tomatensorte "Sunviva".

Zu sehen ist die Open-Source-Tomatensorte "Sunviva".
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Culinaris - Saatgut für Lebensmittel

Die "Open-Source-Saatgut-Stadt-Dortmund" in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken, wird das erste Vorhaben des neuen kommunalen Handlungsprogramms "Klima-Luft 2030" aus dem Handlungsfeld "Landwirtschaft und Ernährung" sein. Am Mittwoch, 19. Januar, von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr wartet ein spannendes Programm für Interessierte. Am Ende der Online-Veranstaltung kann man sich für die Gratis-Ausgabe von Open-Source-Saatgut der Tomatensorte "Sunviva" melden.

Klimawandel fordert Vielfalt im Saatgut

Organisiert wird die Veranstaltung vom Umweltamt, vom Amt für Angelegenheiten des Oberbürgermeisters und des Rates der Stadt Dortmund, von der zivilgesellschaftlichen Initiativen OpenSourceSeeds, dem Dortmunder Ernährungsrat (in Gründung) sowie von dem Klimabündnis Dortmund. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Open-Source-Tomatenaufzucht rührt daher, dass der internationale Saatgutmarkt von immer weniger Unternehmen bestimmt wird.

Da die Saatgutfirmen ihre Züchtungen immer stärker vereinheitlichen, geht die Pflanzenvielfalt stetig zurück. Diese Entwicklung verringert die Fähigkeit der Landwirtschaft, sich an regionale Unterschiede und den Klimawandel anzupassen und macht sie damit auch anfälliger für Umwelteinflüsse. Ökologische Vielfalt ist eine zentrale Grundlage dafür, dass sich Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen kann. Dafür leistet das samenfeste Open-Source-Saatgut einen entscheidenden Beitrag zur Klimafolgenanpassung. Durch die aktuelle Entwicklung auf dem Saatgutmarkt ist nicht nur die ökologische Vielfalt, sondern auch unsere Ernährung gefährdet.

Steriles Hybridsaatgut und seine Folgen für Landwirt*innen

Gemüse keimt heutzutage in der Regel von sogenanntem Hybridsaatgut. Für Hybridzüchtungen werden bestimmte Eigenschaften einer Pflanze wie Pflanzengröße, Form und Farbe der Früchte durch Kreuzung von Inzuchtlinien verstärkt. Ein gewünschter Effekt ist, dass die erste Generation überdurchschnittlich gute Ertragsergebnisse liefert.

Die Kehrseite ist, dass die Landwirt*innen das Saatgut aus eigener Ernte nicht verwenden können. Es verliert seine Einheitlichkeit. Manche Pflanzen würden z.B. sehr groß, andere sehr klein. Das bringt enorme Schwierigkeiten für die Weiterverarbeitung und den Verkauf der Ernte mit sich. Zum Teil sind Hybride sogar steril, so dass sie sich gar nicht fortpflanzen können. Zudem dürfen Landwirt*innen das selbst geerntete Saatgut mitunter aufgrund von Lizenzbestimmungen nicht verwenden.

Auf diese Weise entsteht neben der ökologischen Verringerung auch eine Abhängigkeit der Landwirt*innen von Saatgutproduzent*innen, denn das Saatgut muss jedes Jahr neu gekauft werden. Dies trifft sowohl die heimische Landwirtschaft als auch Landwirt*innen in Länden des Globalen Südens. Die Alternative zu Hybridsaatgut ist samenfestes Saatgut, das nachbaufähig, also fruchtbar, ist und in den nächsten Generationen Pflanzen mit den gleichen Eigenschaften hervorbringt.

Berücksichtigung regionaler und klimatischer Unterschiede

Die in Dortmund auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide gesäte Tomatenpflanze "Sunviva" ist samenfest. Sie ist aber nicht nur aufgrund ihrer Samenfestigkeit, sondern auch wegen ihrer rechtlichen Eigenschaften ein wesentlicher Baustein für die Klimafolgenanpassung. Denn nach ihrer Züchtung wurde die Tomatensorte unter eine Open-Source-Saatgutlizenz gestellt.

Anders als bei herkömmlichen Rechten an Saatgut erlaubt diese Art der Lizenz, die Samen frei und kostenlos zu verwenden. Auf diese Weise wird die Verwendung des Saatguts für die Allgemeinheit gesichert. Die Besonderheit ist, dass Landwirt*innen das Saatgut vermehren und für regionale Bedürfnisse weiterentwickeln dürfen. Dabei bleibt es auch in Zukunft frei von Lizenzkosten. Anders als bei Einheitssaatgut großer globaler Konzerne können daher bei Open-Source-Saatgut regionale Unterschiede und klimatische Veränderungen bei der Züchtung und beim Anbau dauerhaft berücksichtigt werden.

Solidarische Landwirtschaft in Dortmund

Als Partnerin für den Anbau der Open-Source-Tomate "Sunviva" hat sich die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) Kümper Heide in Dortmund angeboten. Die Grundidee jeder SoLaWi ist, dass sich Landwirt*innen mit Verbraucher*innen von Anfang an in einer Gemeinschaft zusammentun. So verpflichten die Mitglieder sich im Vorfeld zur Abnahme des Gemüses und finanzieren alles vor, was für den Anbau notwendig ist.

Die Ernte steht allen gleichermaßen zur Verfügung. Somit werden Risiko und Ernte geteilt. Außerdem können alle Mitglieder der Gemeinschaft auf dem Acker mitarbeiten, sich in Arbeitsgruppen und demokratisch in ein Plenum einbringen. Ernährung wird als gemeinschaftliche Aufgabe wahrgenommen.

Zum Thema

Am 19. Januar 2022, von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr treffen sich alle Interessierten online. Um Anmeldung wird per E-Mail wird gebeten. Es wird dann eine Bestätigungsmail mit Einwahl-Link verschickt.

Für einen thematischen Einstieg in die Hintergründe zu Open-Source-Saatgut eignet sich das Erklärvideo auf der Startseite von OpenSourceSeeds.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.