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Umweltamt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Stellungnahme

Dortmunder Umweltamt äußert sich zu Bebauungsplan-Verfahren Hom 252 - Baugebiet Am Lennhofe

Nachricht vom 01.03.2022

Nach einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative "Rettet das Lennhof Biotop" reagiert das Dortmunder Umweltamt mit einer eigenen Stellungnahme.

Stellungnahme des Umweltamtes vom Montag, 28. Februar 2022, zu einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative "Rettet das Lennhof Biotop" (vom 19. Februar 2022):

Die Stadt ist überrascht über die Pressemitteilung der Bürgerinitiative. Es entsteht der Eindruck, dass der BI jedes Mittel recht ist, die Bebauung des Plangebietes Hom 252 – Am Lennhofe zu verhindern. So scheut sie offenbar nicht davor zurück, Fakten aus ihrem Kontext zu reißen und falsche Vergleiche anzustellen, um anscheinend ein möglichst düsteres Bild des Baugebietes zu zeichnen und damit unberechtigte Ängste zu schüren. Das Vorgehen der BI ist unseriös und unverantwortlich. Die Inhalte der Pressemitteilung sind nicht nachvollziehbar. Die Stadt Dortmund bedauert es, dass nun ein Zerrbild in der Welt ist und setzt auf die Kraft der reinen Fakten, die für sich sprechen.

Zu den Behauptungen im Einzelnen:

Vergleich mit Kontaminationsfund Harkortstraße/Luisenglück:

Im Straßenbereich wurden bei Leitungsbaumaßnahmen zwei alte Gasleitungen angetroffen. Aufgrund der noch in den Leitungen vorhandenen hochbelasteten Naphthalinverkrustungen wurden diese gas- und flüssigkeitsdicht verschlossen. Die bekannten Leitungsabschnitte mit den kontaminierten Inhalten sind in das Altlastenkataster aufgenommen worden, um sicherzustellen, dass bei zukünftigen Eingriffen in den Untergrund bereits in der Planungsphase reagiert und umgeplant werden kann. Im Plangebiet Am Lennhofe stellt sich die Untergrund- und Belastungssituation völlig anders dar (siehe Ausführungen weiter unten).

Entsorgung des Aushubmaterials:

Im Gutachten von 1993 wird die externe Verbringung von Auffüllungsmaterial als eine mögliche Option bei einer späteren baulichen Nutzung benannt. Es gab und gibt keine städtische Vorgabe die aufgeschütteten Böden mit Fremdbestandteilen auf eine Deponie zu verbringen, schon gar nicht auf eine "Giftmülldeponie". Dazu geben die Schadstoffgehalte auch keinen Anlass. Die durch die umfangreichen Bodenuntersuchungen aus den Jahren 1993 und 2017 ermittelten gering bis mäßig erhöhten Schadstoffgehalte lassen rechtlich und tatsächlich eine Verwertung in Teilen des Plangebietes zu. Voraussetzungen sind hierfür z.B. die nutzungsbezogenen Qualitätsanforderungen für die oberen Bodenschichten in den unversiegelten Freiflächenbereichen (siehe weiter unten). Auch der Abstand zum Grundwasser spielt bei der Definition der Vor-Ort-Verwertung des Aushubmaterials eine Rolle.

Berücksichtigung Gartennutzung:

Mit den horizontenspezifischen Vorgaben für die Bodenqualität (s.u.) ist sichergestellt, dass auch selbstangebautes Obst und Gemüse keine gesundheitsbeeinträchtigenden Schadstoffe aufnehmen können.

Vergleich Dorstfeld-Süd:

Der auch nur angedeutete Vergleich zwischen einem in Teil ehemals hochkontaminierten Zechen- und Kokereigrundstück und der Fläche Im Lennhofe mit gering bis mäßig belasteten Anschüttungen verbietet sich.

Foto von Bohrgut der bergbaulichen Erkundungsmaßnahme:

Die Bildunterschrift suggeriert, dass das 2019 bei der Bohrung angefallene Bodenmaterial nach Schwefel und Benzol gestunken hätte und damit kontaminiert gewesen sei. Diese Behauptung ist schlichtweg falsch.

Aus Sicht des Umweltamtes stellt sich die Boden- und Untergrundsituation wie folgt dar:

Der östliche Teil des Plangebietes ist im städtischen Kataster als Altlastenverdachtsfläche verzeichnet. Das bereits im Jahr 1986 erarbeitete und später immer wieder aktualisierte Datenarchiv weist die Kennzeichnung Schüttungsfläche auf. Die Ablagerung auch von hausmüllähnlichen Abfällen konnte damals nicht ausgeschlossen werden. Daher sind die Auffüllungen im Bereich des ehemaligen Taleinschnittes des Rüpingsbaches im Auftrag des Umweltamtes bereits im Jahr 1993 eingehender untersucht worden. Auch an vielen anderen Stellen im Dortmunder Stadtgebiet erfolgten Boden- und Untergrunduntersuchungen, um das Schadstoffpotenzial zu erkunden und mögliche Gefährdungen abschätzen zu können.

Die Bau- und Umweltgesetzgebung definiert für die Entwicklung von Baugebieten bundes- und landeseinheitliche Standards. Dazu zählen auch Boden- und Untergunduntersuchungen der überplanten Flächen. Abgestimmt auf die konkreten vorgesehenen Flächennutzungen sind im Bauleitplanverfahren aber auch in den nachfolgenden Baugenehmigungsverfahren Aussagen zur Untergrundbelastungssituation und den daraus möglicherweise abzuleitenden Maßnahmen zu treffen. Im Baugesetzbuch heißt es dazu, dass bei der Aufstellung der Bauleitpläne die allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse zu berücksichtigen sind. Vor diesem Hintergrund war es die Aufgabe des Vorhabenträgers, zusätzliche Bodenuntersuchungen im Plangebiet Hom 252 vornehmen zu lassen.

Die Baugrund- und Bodenuntersuchungen des Büros Dr. Kleinebrinker vom Februar 2017 liefern zusammen mit den Ergebnissen aus dem Jahr 1993 ein nunmehr umfassendes Bild der Untergrundverhältnisse im konkreten Plangebiet. Dies sieht wie folgt aus:

Im westlichen Teil des Plangebietes, bisher als Grabeland genutzt, stehen ab Geländeoberfläche geogene bindige und unbelastete Böden an. Im östlichen Teil, derzeit überwiegend als Pferdeweide genutzt, liegen unter schwach fremdstoffhaltigen Oberböden künstliche Auffüllungen in Mächtigkeiten zwischen 0,9 m und 4,6 m vor. Die Mächtigkeit nimmt von West nach Ost zum Rüpingsbach zu. Unter dem anthropogenen Schüttmaterial folgen geogene Sedimente, teilweise auch ehemalige Auenböden mir hohem organischem Anteil.

Bei den anthropogenen Auffüllungen handelt es sich um schluffige bis sandig-kiesige Böden mit Beimengungen von Bauschutt-/ Ziegelbruch, Aschen, Kohleresten und Schlacken. Bereichsweise waren im Bohrgut Beimengungen wie Glas, Keramik und Mineralfaserreste erkennbar. Hausmüllähnliche Abfälle wurden nicht angetroffen.

Bei den Untersuchungen aus 1993 wurden an den Bodenproben punktuell leicht erhöhte Gehalte an teerstämmigen Kohlenwasserstoffen (PAK) und an Schwermetallen festgestellt. Ein Teil der damaligen Auffälligkeiten liegt außerhalb des aktuell betrachteten Plangebietes. Gemäß den Ergebnissen der chemischen Untersuchungen aus 2017 sind die Auffüllungsböden im Bereich der Fläche durchweg als Z 2-Material (LAGA M20 Boden) zu bewerten und als mäßig belastet zu bezeichnen. Ein erhöhter PAK-Gehalt von rund 65 mg/kg in einer Mischprobe ist auf Steinkohleanteile im Anschüttungsmaterial zurückzuführen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse ein geringes bis mäßiges Schadstoffbelastungsniveau. Berücksichtigt man die geltenden Kriterien der Bodenschutzgesetzgebung für die Gefahrenbeurteilung, so besteht für die aktuellen Nutzungen keine Gefährdung. Mit Blick auf die geplante neue Flächengestaltung und die vorgesehenen Wohn- und Grünbereichsnutzungen ergibt sich die Notwendigkeit von Maßnahmen. Diese sollen gewährleisten, dass auch unter Berücksichtigung von Vorsorgegesichtspunkten, gesunde Wohnverhältnisse sichergestellt werden.

Für die geplanten Nutzungen im Plangebiet "Am Lennhofe" gelten folgende für die Flächenentwicklung von neuen Wohngebieten stadtweit gültige Umweltstandards:

  • Im Bereich von Wohngärten und Kinderspielflächen muss der obere Bodenmeter belastungsfrei sein. Die Vorsorgewerte der Bundesbodenschutzverordnung und die Zuordnungswerte Z0 sind einzuhalten. Der Bodenhorizont -1,0 m bis -2,0 m unter der zukünftigen Nutzungsebene muss die Zuordnungswerte Z 1.1 einhalten.
  • Unbefestigte Flächen im Bereich von Mehrfamilienhäusern, z.B. Zier- und Begleitgrünflächen, müssen in den ersten 50 cm belastungsfrei sein und im darunter befindlichen halben Meter die Zuordnungswerte Z 1.1 einhalten.
  • Da wegen der unterhalb der Auffüllungen vorhandenen natürlichen Auenböden biologische Zersetzungsprozesse nicht auszuschließen sind, werden im Sanierungsplan und in den späteren Baugenehmigungsverfahren unterhalb von Wohngebäuden Gasflächendränagen vorgesehen. Diese sollen vorsorglich sicherstellen, dass möglicherweise aufsteigendes biogenes Gas einen unkritischen Weg an die Umgebungsluft findet

Im August 2021 hat der Vorhabenträger dem Umweltamt einen Sanierungsplan vorgelegt. In diesem sind die Ergebnisse der beiden Untersuchungsberichte zusammengefasst und die für die Flächenaufbereitung und den Wiedereinbau von Aushubböden notwendigen Detailplanungen enthalten. Der Sanierungsplan wird von der unteren Bodenschutzbehörde beim Umweltamt zurzeit geprüft und anschließend mit Auflagen und Hinweisen für verbindlich erklärt. Die Einhaltung der Vorgaben wird durch einen Altlastensachverständigen und die Behörde überwacht.

Dieser Beitrag befasst sich mit einer Stellungnahme der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.