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Umweltamt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Emissionsfreie Innenstadt

Weniger Hitzeinseln, mehr Schwamm-Effekt: Umweltamt legt "grünes" Konzept für den Wall und die Innenstadt vor

Nachricht vom 13.04.2022

Neue Citymöbel, Blumenampeln und das Gartenparadies Reinoldikirche - das sind grüne Sofortmaßnahmen zur Stärkung der City, von denen es auch noch mehr geben wird. Aber zusätzlich und parallel dazu braucht es eine Vision, wie man mit grünen Maßnahmen die City fit machen kann für den Klimawandel. Dieses Konzept gibt es jetzt.

So könnte der Platz der alten Synagoge vor dem Dortmunder Theater zukünftig aussehen.

So könnte der Platz der alten Synagoge vor dem Dortmunder Theater zukünftig aussehen.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Stadt Dortmund

Durch den Klimawandel ist die Hitze-Belastung in der Innenstadt sehr hoch. Um dem entgegenzuwirken, hat das Umweltamt Dortmund ein Konzept vorgelegt. Es zeigt, welche Maßnahmen unternommen werden können, um die klimawandelbedingte stadtklimatische Belastungssituation in der City zu verbessern. Das Konzept umfasst 240 Seiten und wurde in Abstimmung mit dem Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, dem Grünflächenamt und dem Amt für Stadterneuerung erarbeitet. Die Studie, die ein externes Büro in Auftrag der Stadt Dortmund durchgeführt hat, schlägt einen ganzen Werkzeugkasten für Maßnahmen vor und hat die hitzereduzierende Wirkung dieser für die Innenstadt modelliert und erörtert.

Die Studie gehört zur Teilmaßnahme "W2.1 – Grüner Wall/Grüne City – Durchgrünungsplanung" im Rahmen der Umsetzungsstrategie "Stadtluft ist (emissions-)frei – Einstieg in eine emissionsfreie Innenstadt". Ziel des Konzepts ist eine signifikante Reduzierung der Folgen von Starkregenereignissen und Hitzebelastung. Eine Umsetzung der Maßnahmen würde ebenso die Bindung von Luftschadstoffen in der Innenstadt fördern und gleichzeitig Erholungsräume mit qualitativ hohen Aufenthaltsangeboten schaffen, die die Attraktivität der Innenstadt deutlich erhöhen.

Grün macht den (Temperatur-)Unterschied

Zur Veranschaulichung der temperaturbedingten Effekte dieser Maßnahmen, wurden Modellrechnungen durchgeführt, die die Temperaturunterschiede in drei unterschiedlichen Szenarien ermitteln. Die Wärmebelastung und die Reduktionen werden dabei mithilfe der gefühlten Temperatur eines Menschen in der Innenstadt an einem warmen Sommertag dargestellt. Im ersten Szenario wird die aktuelle Situation modelliert. Im zweiten werden Maßnahmen auf öffentlichen Plätzen und an öffentlichen Gebäuden simuliert. Das dritte Szenario beinhaltet eine Vision mit noch mehr Maßnahmen – auch auf privaten Flächen, Dächern, Innenhöfen, und Fassaden.

Die Simulation des Ist-Zustandes zeigt eine überwiegend starke Hitzebelastung in den Nord-Süd ausgerichteten Straßenräumen, die keine Verschattung durch Bäume oder Gebäude aufweisen, sowie auf versiegelten großen Kreuzungsbereichen (z. B. Reinoldikirche) und Plätzen. Die Simulation der beiden weiteren Szenarien ergibt, dass mit Hilfe einer konsequenten Begrünung bereits mit dem zweiten Szenario die Innenstadt stellenweise um mehr als 4 Grad herunter gekühlt werden kann. Der Flächenanteil extremer Wärmebelastung kann um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Diese Szenarien zeigen potenzielle und erprobte Maßnahmen auf, die jedoch nicht auf ihre Machbarkeit vor Ort bis ins Detail geprüft wurden. Das Hauptziel dieses Konzeptes war es, die Möglichkeiten für eine Linderung der Hitzebelastung mithilfe von Begrünungsmaßnahmen aufzuzeigen und potenzielle Maßnahmen zu erarbeiten, die auf jeden anderen Ort in ähnlicher Struktur anwendbar sind.

Die Visualisierungen zeigen also beispielhaft die Vision einer klimaangepassten Zukunft. Es ist nicht zu erwarten, dass die dort dargestellten Maßnahmen eins zu eins umgesetzt werden. Doch die Visualisierungen zeigen die Richtung auf, die mithilfe der Instrumente und Maßnahmen im Werkzeugkoffer realisiert werden können.

Ein Werkzeugkoffer für die Begrünung

Aus den Simulationsrechnungen wurden Rahmenbedingungen abgeleitet, eine Umsetzungsstrategie für eine durchgrünte Innenstadt formuliert, Handlungsfelder benannt und Maßnahmensteckbriefe für unterschiedliche Straßenkategorien entwickelt. Damit liegen nun auch grafische Beispiele und Vorschläge vor, wie dies in der Praxis mit individuellen Maßnahmen in den unterschiedlichen Straßenkategorien und Plätzen umgesetzt werden kann.

Das Konzept dient auch dazu, das Ziel des Masterplans integrierte Klimaanpassung Dortmund, nämlich Klimaanpassung als Standard im kommunalen Verwaltungshandeln zu etablieren, besser umsetzen zu können. Der Nutzen von Begrünungsmaßnahmen für die Hitzebelastung ist nicht immer leicht zu vermitteln, weil es keine Grenzwerte oder Gleichungen gibt. Durch den kombinierten Ansatz der Maßnahmen und ihrer jeweiligen Temperaturmodellierung ist der Effekt besser darstellbar.

Derzeit wird auf vielen Ebenen – nicht nur seitens der Stadtverwaltung – ausgiebig und intensiv an der weiteren Entwicklung der City gearbeitet. Zur Attraktivitätssteigerung der Dortmunder Innenstadt können die nun vorliegenden Maßnahmen und Ideen gut in die weiteren Planungen mit einfließen. Außerdem werden Förderanträge geprüft und die Wichtigkeit der Begrünung und der Steigerung der Aufenthaltsqualität mit Daten belegt.

Sobald sich neue Förderkulissen eröffnen werden, steht ein ganzer Baukasten an Maßnahmen bereit, die passen könnten. Das Konzept geht nun zur Kenntnisnahme in die Gremien.

Zum Thema

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Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.