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Aktionsplan Soziale Stadt

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Forum Soziale Stadt: "Arbeit schaffen, Kinder stärken, Gemeinsam handeln“

21.02.2008

Ergebnisse der Arbeitsgruppe 1 "Arbeit schaffen"

Bei der Begrüßung durch den Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Dortmund Herrn Mager und durch den Moderator Herrn Dr. Claus von der Dortmunder Unternehmensberatung iku wird vorangestellt, dass die Arbeit nach dieser Auftaktveranstaltung in den Aktionsräumen fortgesetzt wird. Mit diesem lokalen Ansatz sollen neue Wege in der Arbeitsmarktpolitik gefunden werden.

Beitrag von Herrn Mager

Herr Mager weist in seinem Einführungsvortrag „Arbeit schaffen: Leistungen der Wirtschaftsförderung Dortmund“ darauf hin, dass die Schaffung von Arbeit für Dortmund im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten liegt. Über die richtigen Wege gibt es manchmal unterschiedliche Standpunkte. Diese Debatte gilt es aufzunehmen und für den Aktionsplan nutzbar zu machen.

Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Vollzeitäquivalenten ist mit knapp 190.000 im Jahr 2007 gegenüber rd. 197.500 im Jahr 2000 um rd. 4% zurück-gegangen. Damit kam es zu einer Reduzierung des Arbeitsvolumen im Bereich der sozial-versicherungspflichtigen Beschäftigung. Dagegen hat die Erwerbstätigkeit in Dortmund insgesamt zugenommen, was auch mit einem überdurchschnittlichen Anstieg der Anzahl geringfügig Beschäftigter zusammenhängt. Zur Zeit befindet sich die Wirtschaftsförderung Dortmund in einem Prozess der strategischen Weiterentwicklung. Wirtschaftliche Entwicklungen sind zum großen Teil Folgen der Globalisierung. Die Folgen der Globalisierung sind allerdings stets lokal zu tragen, wie es das Beispiel Nokia belegt. Dortmund steht im Wettbewerb der Regionen um Märkte und Technologien, mit dem demografischen Wandel auch zunehmend im Wettbewerb um Menschen. Trotz Globalisierung sind lokale Strategien gefragt.

Die Wirtschaftsförderung Dortmund setzt sich die strategischen Ziele, bis 2018 folgendes zu erreichen. Man wird zum führenden Technologie- und Investitionsstandort, zur anerkannten Innovations- und Wirtschaftsregion und zum führenden Handels- und Handwerksstandort. Mit dem jetzt schon vorhandenen Potenzial in Sachen Arbeitsforschung möchte man sich zu einer Stadt mit hoher Arbeitsqualität entwickeln. Schließlich sind Phoenix und das Dortmunder „U“ bundesweit bekannte Symbole für ein vitales und kreatives Dortmund. Es geht um Technologie, Mittelstand, Wissen sowie Arbeit/Leben/Vielfalt.

Die Leistungen der Dortmunder Wirtschaftsförderung Dortmund im Rahmen des Aktions-plans Soziale Stadt Dortmund beziehen sich auf die gesamte Stadt, die auch den 13 Aktionsräumen zugute kommen. Hier handelt es sich um Aktivitäten in den Bereichen

  • Branchenentwicklung für Zukunftsbranchen wie IT, Mikrostrukturtechnologie, Biotechnologie, Kultur- und Kreativwirtschaft,
  • Existenzgründung und –festigung durch die Durchführung von Gründungswettbewerben und eine Gründungsberatung im Rahmen des STARTERCENTERS NRW,
  • "Gute Arbeit"/Zukunft der Arbeit zur Förderung von Innovationen in der Arbeitswelt und Verbesserung von Arbeitsbedingungen,
  • Qualifizierung zur Fachkräfteentwicklung auf allen Qualifikationsebenen,
  • Förderung der Frauenerwerbstätigkeit/Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Unterstützung familienfreundlicher Maßnahmen in Betrieben,
  • Übergang Schule Beruf zur Gewinnung von Schülern/innen für neue Technologien und zur Heranführung von arbeitsmarkt- und ausbildungsfernen Jugendlichen zu Fachkräften,
  • Förderung der Projektentwicklung für den Kombilohn in der gewerblichen Wirtschaft.

Speziell auf Aktionsräume sind folgende Aktivitäten ausgerichtet:

  • Im Rahmen des URBAN II-Projekts ist die Wirtschaftsförderung mit einem Büro in der Nordstadt vertreten und in der Entwicklung der Lokalen Ökonomie aktiv. Diese Aktivitäten sind zu einem „Nordstadtprogramm“ gebündelt und beziehen sich u.a. auf die Entwicklung von marktgängigen Geschäftskonzepten durch den NORDSTERN-Wettbewerb, die Etablierung von Mikrofinanz-Instrumenten (NORDHAND) und auf die Förderung beruflicher Weiterbildung (NORDBILDUNG) mit dem Einsatz von Qualifizierungsberater/innen für Nordstadtbetriebe.
  • Schließlich stehen die Unternehmensbetreuer/innen des DLZW Dienstleistungszentrums Wirtschaft speziell für Betriebe in den 13 Aktionsräumen zur Verfügung. Die Berater/innen werden sich aktiv in den weiteren Prozess in diesen Räumen einbringen und auch mit den Aktionsbüros der ARGE kooperieren. In den Stadtteilen sollten so viele kleine Wirtschaftsförderungsmodelle entstehen, mit denen deren wirtschaftlichen Stärken weiterentwickelt werden sollen.

Insgesamt besteht eine enge Kooperation aller städtischen Einrichtungen, der Agentur für Arbeit und der wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Akteure. Im Bereich der Arbeitspolitik gibt es eine Menge an Schnittstellen. Die Wirtschaftsförderung Dortmund steht für Aktivitäten auf dem ersten Arbeitsmarkt, während Arbeitsmarktpolitik für Arbeitslose auf dem „Zweiten Arbeitsmarkt“ oder auf dem „Sozialen Arbeitsmarkt“ in den Händen des städtischen Dezernats für Arbeit und der ARGE. Zur Rolle der Agentur für Arbeit siehe die folgenden Ausführungen.

Beitrag von Herrn Stechele, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Dortmund

Der Arbeitsmarkt war in Dortmund im Jahr 2007 im Aufwind. Neben den positiven konjunkturellen Einflüssen zeigen hier die Reformen in der Arbeitsmarktpolitik und die Flexibilisierung von Arbeit (u.a. Teilzeitarbeit, Zeitarbeit) Wirkung. Die ARGE – als Kooperation zwischen Bundesanstalt für Arbeit und der Stadt – und die Agentur für Arbeit arbeiten gut zusammen und sind in Bezug auf die Kundenstruktur in verschiedenen Marktsegmenten tätig. ARGE und Agentur für Arbeit betreiben in Dortmund einen gemeinsamen Arbeitgeberservice.

Im Jahresdurchschnitt gab es mit 40.870 Arbeitslosen im Jahr 2007 rd. 7.000 Arbeitslose weniger als im Jahr 2006. Die Arbeitslosenquote sank von 17,1% im Jahr 2006 auf 14,4% im Jahr 2007. Der Rückgang fiel bei den ALG I-Empfängern/innen höher aus als bei den ALG II-Empfängern/innen, ansonsten haben aber durchweg alle Gruppen Anteil am Aufschwung.

Die Übergangsquoten aus der Arbeitslosigkeit in Arbeit haben sich verbessert, während der Zugang in die Arbeitslosigkeit aus der Erwerbsarbeit geringer geworden ist. Der Dortmunder Arbeitsmarkt ist wie in allen Regionen im Aufwind, im Vergleich zu den anderen Regionen ist der Aufwind allerdings geringer.

Für das Jahr 2008 sind deutlich höhere Anstrengungen in der Förderung beruflicher Weiterbildung (FBW) geplant, es soll 20% mehr Eintritte in das Programm FBW geben als im Vorjahr. Damit wird ein Beitrag zur Fachkräfteentwicklung geleistet.

Eindeutig mehr Geld wird künftig für die berufliche Qualifizierung von Beschäftigten ausgegeben. Hervorzuheben ist das bereits gestartete Programm Wegebau. Man setzt hier auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Darin liegen Chancen für die Menschen in den Betrieben und Perspektiven für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Im Jahr 2008 wird es neue Förderaktivitäten in der Qualifizierung von ALG I-Empfängern/innen geben. Es geht darum, Qualifizierungsdefizite von nicht ganz so nah am Markt stehenden Personen zu beseitigen. Geplant sind hierfür 2.500 Maßnahmeplätze. Mit diesem frühzeitig wirkenden Ansatz soll das Abrutschen in den ALG II-Bezug verhindert werden. Als ein präventiver Ansatz gegen weitere Verarmungen ist auch die Einrichtung der Aktionsbüros in den Stadtteilen anzusehen.

Weiterhin setzt man bei den Jugendlichen an, die in die Ausbildung einmünden. Es gilt schon in der Schulzeit anzusetzen. Die Defizite sollen schon in der Schule angegangen werden und nicht erst dann, wenn die Schüler/innen die Schule verlassen haben. Insofern erhalten die Aktivitäten im Übergang Schule Beruf eine größere Bedeutung. Die soft skills in den Bereichen Mathematik, Sprache und Rechtschreibung sind zu verbessern. Um den Ausbildungserfolg abzusichern, behalten die Ausbildungsbegleitenden Hilfen der Agentur für Arbeit weiterhin eine besondere Bedeutung. Diese Aktivitäten für die schwächeren Jugendlichen kommen mittelbar in besonderer Weise den Stadtteilen zugute, in denen sie vorzugsweise wohnen.

Insgesamt ist festzuhalten, dass die Aktivitäten der Agentur für Arbeit nicht direkt selbst Arbeit schaffen. Sie helfen denen, die Arbeitsplätze schaffen, indem sie das dafür benötigte Personal zur Verfügung stellen.

Beitrag von Herrn Walter, Malermeister und Inhaber des Handwerksbetriebs Uwe Walter GmbH

Herr Walter möchte mit seinem Beitrag einige Denkanstöße geben. Sie richten sich an Unternehmer, welche nach seiner Ansicht aus Kostengründen z.B. Praktikanten als Arbeitskräfte nutzen und sich die Schaffung von Arbeitsplätzen durch öffentliche Förderprogramme finanzieren lassen. Herr Walter setzt mehr auf unternehmerische Initiative und die Weiterentwicklung der unternehmerischen Ethik. Er plädiert gleichzeitig die Einführung sinnvollerer Kontrollmechanismen für die Nutzung öffentlicher Förderinstrumente.

Früher war das Handwerk das arbeitsmarktpolitische Auffangbecken der sozial Schwachen. Gebraucht wurde jeder, der anpacken konnte. Heute ist die Handwerksarbeit eine komplexe Dienstleistung. Dass Ältere im Prinzip nur über Förderprogramme in Arbeit gebracht werden können, entspricht nicht dem Wert dieser erfahrenen Arbeitkräfte. Den Auszubildenden fehlt dagegen das Erfahrungswissen. Die Bildung von Partnerschaften zwischen älteren Arbeitnehmern und Nachwuchskräften wäre hier eine ideale Lösung. Der Ältere könnte seinem Zögling einige Erfahrungen mit auf den Weg geben.

Früher konnte es sich die Mittelschicht leisten, handwerkliche Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Heute ist dies nicht mehr so gegeben. Die Frage ist, wer sich die teure Handwerksarbeit leisten kann. Der Kunde muss die handwerkliche Leistung bezahlen. Er ist aber nicht mehr bereit, für die handwerkliche Arbeit das zu zahlen, was sie wert ist. Dies ist ein grundsätzliches Dilemma der Handwerkswirtschaft.

Beitrag von Herrn Weber, Vorsitzender des DGB-Kreises östliches Ruhrgebiet

Einleitend begrüßt Herr Weber die schonungslose Analyse, wie sie im Sozialbericht und in den damit verbundenen statistischen Unterlagen dargestellt wird. Erfolgreich können Wege aus der Krise nur entwickelt werden, wenn Realitäten auch als Realitäten definiert würden.

Mit dem Bericht zur sozialen Lage, zu dem Aktionsplan und den heute im Rathaus eingeläute­ten Aktivitäten greift die Stadt Vorschläge und Forderungen des Trägerkreises Armut in Dortmund auf, die schon in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts formuliert wor­den sind.

Herr Weber geht differenzierter auf die aktuelle Arbeitsmarktstatistik ein und verweist im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten darauf, dass der Rückgang der Arbeitslosigkeit in Dortmund von neun Ruhrgebietsagenturen am geringsten ausgefallen sei. Eine grundle­gende signifikante Verbesserung im Ranking habe Dortmund bis heute nicht erreicht – in­nerhalb der 33 NRW-Arbeitsagenturen bewege sich Dortmund zwischen dem 30. und 32. Platz.

Bemerkenswert sei ebenfalls, dass der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung in Dortmund mit 40 % deutlich unter dem Landesdurchschnitt sei, dies gelte gleichermaßen für die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Trotz eines durchaus robusten ökonomi­schen Aufschwungs auf hohem Niveau und eines leichten Rückgangs der Arbeitslosigkeit ist das Beschäftigungssystem zunehmend brüchiger und instabiler. Neun von zehn neuen Stel­len gingen in die Zeitarbeit, mehr als die Hälfte der neuen Arbeitsverhältnisse in die Leihar­beit. Der Anteil der Niedriglöhner dürfte inzwischen deutlich über 25 % liegen, zunehmend sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auch auf Transferleistungen nach dem Ar­beitslosengeld II angewiesen. Die Dortmunder Situation zeichne sich hier auch da­durch aus, dass das pro Kopf-Einkommen in Dortmund z. B. um 12 % unter Landesdurch­schnitt und fast 30 % unter dem pro Kopf-Einkommen in Düsseldorf liegt.

Als nachdrückliche Anregung formuliert Herr Weber das Ziel: Arbeit und Beschäftigung mit gezielten Qualifizierungsmaßnahmen zu verbinden und diese auch aus den jeweiligen Stadtteilen heraus zu entwickeln. Das Handwerk ist zu stärken und zur verstärkten Koopera­tion anzuregen. Die öffentlichen Ausschreibungen sollten kleinteilig realisiert werden, um lokale und regionale Wirtschaftskreisläufe zu stärken, dabei ist eine Tarifbindung sicherzu­stellen und auch Ausbildungsquoten sollten berücksichtigt werden.

Der öffentliche Arbeitsmarkt ist durch sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – nicht durch Arbeitsgelegenheiten – zu stabilisieren und auszubauen. Auch gehört eine leistungsfähige Infrastruktur von niederschwelliger Bildungsberatung mit ortsnahen Bildungsangeboten zu einer erfolgreichen Interventions- und Innovationsstrategie. Diese Bemühungen seien in eine umfassende Bildungsoffensive der Stadt und Region einzubetten.

Die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung sind stärker als bisher auf das Beschäf­tigungssystem insgesamt auszurichten. Die Frage ist zu stellen: Welche Projekte, Maßnahmen bringen wie viel neue und gute Arbeitsplätze?

Abschließend betont Herr Weber die Notwendigkeit einer produktiven Zusammenarbeit, die auch eine Aufbruchstimmung erzeugt, Mut macht und Menschen mobilisiert.

Wesentliche Diskussionspunkte und –beiträge

Erörtert werden Fragen des Bedarfes nach Bildung und nach Fachkräften, welche die Wirtschaft benötigt. In den Fokus gerät die Qualität Derjenigen, die die Schule verlassen. Die Schüler/innen müssen früh über Betriebspraktika mit den Anforderungen der Wirtschaft ver-traut gemacht werden. Es gilt, das Potenzial der Technikfreaks auch unter den schulisch nicht guten Jugendlichen zu nutzen. Lt. Herrn Mager stellt sich der Dortmunder Bildungsbereich auf allen Ebenen dem Wettbewerb. Die guten Schulen haben am Ende die Nase vorn. Herr Mager weist auf das KITZ.do Kinder- und Jugendtechnologiezentrum in Dortmund hin, das Schüler/innen gerade auch aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen frühzeitig für naturwissenschaftliche und technische Themen interessieren und so dem Fachkräftemangel entgegenwirken will.

Frau Greive spricht den Bedarf der Gesundheitswirtschaft nach Ärzten und Pflegefachkräften an. Im Bereich der Pflege könnten neue Berufsbilder entwickelt werden, mit denen die Ärzte entlastet werden könnten. Diskutiert wird die Entwicklung von Fachhochschulstudiengängen, mit denen Qualifikationen vermittelt werden, die zwischen der ärztlichen und pflegerischen Tätigkeit liegen, so ähnlich, wie es im Rechtsbereich mit dem Studiengang Diplom-Jurist/in gelungen ist.

Frau Matzanke von der SPD-Ratsfraktion spricht sich für den Start einer Qualifizierungsoffensive aus. Es sei ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das vom Kindergarten bis zu Ausbildung und Weiterbildung reiche.

Die Vertreter der ISB Interessengemeinschaft sozialgewerblicher Beschäftigungsinitiativen betonen, dass angesichts der Notwendigkeiten des Arbeitsmarktes und der drohenden längerfristigen Ausgrenzung von benachteiligten Zielgruppen die Förderung eines „Zweiten Arbeitsmarktes bzw. eines "Sozialen Arbeitsmarktes" erforderlich sei. Mit dem Anspruch einer sozialen Stadt steht die Kommune hier in einer besonderen Verpflichtung. Angesprochen wird eine vermittelnde Rolle der Wirtschaftsförderung in Richtung Unternehmen.

Über arbeitsmarktpolitische Programme wie DOGELA und JobPerspektiven hinaus wird die Bedeutung der Berücksichtigung arbeitsmarktpolitischer Belange bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen angesprochen. Städtische Großprojekte wie Phoenix bieten gute Ansatzpunkte für integrierte Vorgehensweisen.

Herr Koch von der ISB spricht an, dass angesichts der demografischen Entwicklung die Zukunft der Stadt in den Aktionsräumen liegt. Hier gibt es ein Potenzial an jungen Menschen, dass für die Deckung des Fachkräftebedarfes eine entscheidende Bedeutung hat. Auch geht es darum, Einfacharbeitsplätze zu entwickeln und neue Bildungsmodelle auszuprobieren. Mit dem in Dänemark entwickelten Modell der Produktionsschule könnten auch benachteiligte Zielgruppen besser in Arbeit und Ausbildung integriert werden. Verschiedene Vertreter von ISB-Einrichtungen sprechen sich dafür aus, dass das in den Aktionsräumen vorhandene Potenzial an Trägern und sozialen Einrichtungen von den vor der Gründung stehenden Aktionsbüros der ARGE einbezogen wird.

Herr Neukirchen-Füsers von der ARGE Dortmund erklärt, dass die Einbeziehung der bereits vorhandenen Strukturen Bestandteil der Konzeption der Aktionsbüros ist. Man wolle keine Doppelstrukturen aufbauen. Mit dem neuen dezentralen Ansatz und neuen niedrigschwelligen Ansprachestrategien wolle man die Potenziale dieser Stadtteile besser nutzen. In den Aktionsräumen werden zusammen mit den Akteuren anderer Politikbereiche integrierte Konzepte z.B. in der Wohnumfeldverbesserung umgesetzt.

Mit dem Dortmunder Programm DOGELA hat die ARGE ein gutes Modell für eine „Sozialen Arbeitsmarkt“ entwickelt, das für das neue Bundesprogramms JobPerspektiven Pate gestanden hat. Die Dortmunder Aktivitäten werden voll in dieses neue Kombilohnprogramm des Bundes aufgeben, das man wie DOGELA mit bisher über 700 geschaffenen Arbeitsplätzen mit vollen Erfolg umsetzen wolle.

Resümee der Diskussion

Der Moderator Herr Dr. Claus fasst folgende Kernbotschaften der Diskussion zusammen:

  • 1. Es sind Ziele für die Entwicklung der Beschäftigung zu setzen und auf strategische Schwerpunkte zu konzentrieren.
  • 2. Wirtschaft und Politik erachten Maßnahmen zur Förderung von Bildung und Qualifizierung für besonders dringlich.
  • 3. Eine besondere, sich neu stellende Aufgabe besteht in der zielgerichteten Kooperation aller Akteure (Agentur für Arbeit, ARGE, Gewerkschaften, Kammern, Sozialdezernat, soziale Initiativen und Organisationen, Wirtschaftsförderung).
  • 4. Die Zusammenarbeit soll vor allem in den Aktionsräumen stattfinden.
  • 5. Über die räumliche Fokussierung hinaus ist die Setzung von thematischen Schwerpunkten sinnvoll. Es kommt hier darauf an, neue Wege zu beschreiten und Modelle zu entwickeln (Experimente wagen). Die Chancen eines "Zweiten" und "Sozialen Arbeitsmarktes" sind zu nutzen.

Eine besondere Aufmerksamkeit verdient der Gesundheitsbereich, weil geringfügig Beschäftigte besonders häufig anzutreffen sind und weil z.B. der Ärztemangel für Dortmund die Entwicklung besonderer Modelle zur entsprechenden Fachkräftegewinnung erforderlich macht.

Aktionsplan Soziale Stadt