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Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

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"Jetzt erst recht! Stop Antisemitismus!"

Jüdisches Leben in Dortmund: Foto-Projekt zeigt virtuelle Demonstration gegen Antisemitismus

Nachricht vom 01.11.2021

Die Stadt Dortmund beteiligt sich mit mehreren Veranstaltungen am Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Ab 1. November wird z.B. die Ausstellung "Jetzt erst recht! Stop Antisemitismus!" in der Berswordt-Halle zu sehen sein. 13 Jüdinnen und Juden aus Dortmund positionieren sich in Bild und Text gegen Antisemitismus.

Die Personen auf dem Foto sind (von links nach rechts): Shlomit Lehavi (Künstlerische Leitung, ABIVA-Berlin), Sharon Adler ( Projektinitiatorin und Projektleitung, Gründerin von AVIVA-Berlin), Julian Becker, Andrea Ullrich, Klaus Seelig (Ausstellungsarchitekt), OB Thomas Westphal, Michael Plackert, Manfred Kossack

Shlomit Lehavi (Künstlerische Leitung, AVIVA-Berlin), Sharon Adler (Projektinitiatorin und Projektleitung, Gründerin von AVIVA-Berlin), Julian Becker, Andrea Ullrich, Klaus Seelig (Ausstellungsarchitekt), OB Thomas Westphal, Michael Plackert und Manfred Kossack (v.l.n.r.) in der Berswordt-Halle.
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Anja Kador

Für jüdische Menschen in Deutschland ist Antisemitismus auch im Jubiläumsjahr eine Alltagserfahrung. In sozialen Medien, Sportvereinen, Schulen und Betrieben und im öffentlichen Raum werden judenfeindliche Hassbotschaften immer aggressiver und häufiger artikuliert. Statistiken belegen eine Zunahme antisemitischer Straftaten.

Um Antisemitismus abseits anonymer Fallzahlen abzubilden und zu bekämpfen, führt die Stadt Dortmund in Kooperation mit dem Online-Magazin und Informationsportal AVIVA-Berlin seit Anfang 2021 das Interview- und Fotoprojekt "Jetzt erst recht! Stop Antisemitismus!" durch.

Dortmunder Jüdinnen und Juden berichten

13 Jüdinnen und Juden aus Dortmund bringen in dem Projekt ihre individuellen Erfahrungen und Perspektiven in ausführlichen Interviews und prägnanten Statements gegen Antisemitismus ein. "Dafür einstehen, dass wir in der Öffentlichkeit nicht mehr unsere Davidstern-Ketten oder Kippot verstecken müssen", so Elisa Lubarov, Studentin an der TU Dortmund. "Zivilcourage und Mut – statt Aktionismus und Betroffenheit" fordert Leonid Chraga, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Dortmund. Und Alexander Sperling, Geschäftsführer des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe, erklärt: "Jude sein ist prima! (Allein der Hass auf Juden ist abscheulich)."

Antisemitische Angriffe wie der Anschlag auf die Synagoge in Halle sind für Chraga wenig überraschend. Diese seien "punktuelle Ausbrüche einer fortlaufenden Krankheit namens Antisemitismus in unserer Gesellschaft". Anstelle von kurzfristigen Aktionen oder Betroffenheit nach antisemitischen Vorfällen setzt sich Leonid Chraga für eine antisemitismuskritische Bildungsarbeit als nachhaltige präventive Lösung ein.

Sharon Adler und Shlomit Lehavi, die Initiatorinnen des Projekts

Sharon Adler und Shlomit Lehavi, die Initiatorinnen des Projekts
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Karolin Kwiatowski

Neben Leonid Chraga haben sich zwölf weitere jüdische Menschen aus Dortmund an dem Projekt beteiligt. Ihre persönlichen Antisemitismuserfahrungen wurden in Kurzinterviews von der Initiatorin und Projektleiterin Sharon Adler (AVIVA-Berlin) erfragt: Welche Forderungen richten Jüdinnen und Juden an Zivilgesellschaft und Politik? In welchen Bereichen vermissen sie zivilgesellschaftliches Engagement, Solidarität oder Empathie? Was ist ihre Strategie, um Antisemitismus zu bekämpfen? Und nicht zuletzt: Wie würde ihr Statement gegen Antisemitismus lauten, womit würden sie den Aufruf "Jetzt erst recht! Stop Antisemitismus!" auf dem Demonstrationsplakat ergänzen?

Interviews und Fotos auch online zu sehen

Die Interviews und Fotos der Teilnehmenden sind online auf dortmund.de und bei AVIVA-Berlin veröffentlicht. Die Plakate der Teilnehmenden mit ihren individuellen Statements gegen Antisemitismus bilden eine Demonstration im virtuellen Raum, die nun im Rahmen einer Ausstellung in den analogen Raum überführt wird. Ausgestellt werden großformatige Fotos der Teilnehmenden mit den Demo-Schildern sowie Textauszüge aus den Interviews.

Zum Thema

Die Ausstellung ist vom 1. November bis zum 4. Dezember in der Berswordt-Halle zu sehen. Besonders für Schulklassen steht die Ausstellung auch als Lernort zur Verfügung. Die Stadt Dortmund bietet in Kooperation mit der Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus (ADIRA) geführte Ausstellungsbesuche mit begleitenden Workshops an. Rückfragen und Anmeldung sind möglich per Mail an die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie.

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.