Dortmund überrascht. Dich.
Friedensplatz, Berswordthalle und altes Stadthaus

Vielfalt, Toleranz und Demokratie

Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jesús González Rebordinos

Informationen zum Coronavirus

Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus (COVID-19) kommt es zu Einschränkungen der Öffnungszeiten und Erreichbarkeiten der Stadtverwaltung und städtischen Einrichtungen.

Weitere Informationen zur aktuellen Lage finden Sie unter:
corona.dortmund.de sowie in unserem Live-Ticker

Vielfalt

12 Jahre im Einsatz für Demokratie und Menschenrechte: Stadt Dortmund verabschiedet Hartmut Anders-Hoepgen

Nachricht vom 02.03.2020

Am Donnerstagabend, 27. Februar 2020, verabschiedete die Stadt Dortmund in Person von Oberbürgermeister Ullrich Sierau den Sonderbeauftragten für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, Hartmut Anders-Hoepgen. Anders-Hoepgen hatte dieses Amt 12 Jahre lang ehrenamtlich ausgeübt.

Bilderstrecke: Fachveranstaltung zur Förderung der Demokratie - Verabschiedung von Hartmut Anders-Hoepgen

Fachveranstaltung zur Förderung von Demokratie 15 Bilder
Oberbürgermeister Ullrich Sierau (re.) verabschiedete Hartmut Anders-Hoeppgen (li.) aus seinem Ehrenamt als Sonderbeauftragter für Vielfalt, Toleranz und Demokratie und bedankte sich bei seiner Ehefrau Janneke Anders-Hoepgen (Mitte), die ihn dabei stets unterstützte
Bild (Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Dortmund-Agentur / Roland Gorecki

Der Abend war eingebettet in eine Fachveranstaltung zur Förderung der Demokratie. Unter dem Titel "Couragiert. Demokratie. Stärken." diskutierten Vertreter*innen der Polizei, aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft die Lage der Demokratie angesichts von Rechtsextremismus und Rechtspopulismus.

Die Tische im Bürgersaal des Dortmunder Rathauses waren vollbesetzt. Rund 250 geladene Gäste und demokratieinteressierte Bürger*innen machten den Abend zu einem "Fest der Demokratie". Ganz so, wie Harmut Anders-Hoepgen es sich im Vorfeld seiner Verabschiedung gewünscht hatte.

Botschafter der Demokratie

Und nur ein "Fest" könne angemessen ausdrücken, was Anders-Hoepgen seit 2008 "in Sachen Demokratie und Menschenrechte für Dortmund geleistet" habe, sagte Ullrich Sierau in seiner Dankesrede. Das in enger Zusammenarbeit mit der "Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus". "Du bist ein Botschafter des demokratischen Verständnisses dieser Stadt. Die Analyse, Argumente und Konzepte, die Du mit den Mitstreiter*innen der Koordinierungsstelle getroffen und entwickelt hast, strahlen weit über Dortmund hinaus", fuhr Sierau fort.

Anpacken statt Zaudern

Sowohl das Amt des Sonderbeauftragten als auch die Schaffung der Koordinierungsstelle gehen zurück ins Jahr 2007. Damals gab der Rat der Verwaltung den Auftrag, einen lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie zu erstellen. Hintergrund waren die zunehmenden Aufmärsche von Rechtsradikalen und Neonazis im Stadtgebiet, die Dortmund zu einer Zielscheibe rechter Ideologie machten. Der Aktionsplan mündete, nach einer Überarbeitung 2011, im "Dortmunder Aktionsplan gegen Rechtsextremismus". Für Anders-Hoepgen ist er ein wichtiger Höhepunkt der Arbeit der letzten Jahre: "Der Plan ist ein Handlungsprogramm für alle, die sich für Demokratie und Menschenrechte, für Vielfalt und Toleranz in dieser Stadt einsetzen. Damit ist es uns gelungen, die Breite der Gesellschaft in das Engagement gegen rechts einzubeziehen." Und dieses Engagement werde immer wichtiger. Gerade angesichts der Beobachtung, dass rechtes Gedankengut zunehmend in die Mitte der Gesellschaft ausstrahle und die Demokratie aushöhle. Eine zögerliche Haltung ließ Anders-Hoepgen entsprechend nicht gelten: "Wenn die Diagnose ‚Krebs‘ lautet, dann zaudert man nicht, sondern handelt!"

Demokratische Wurzeln im Ersten Testament

Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Verteidigung der Demokratie hielt zuvor der Rabbiner der Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund, Baruch Babaev. Babaev nahm die Zuhörer*innen hinein in die demokratischen Wurzeln der jüdischen Tradition, die ihren Ursprung bereits in den Büchern des Ersten Testaments habe. Dort sei etwa despotisches Regieren durch Könige verpönt. Wie ein roter Faden ziehe sich die von Propheten formulierte Ermahnung, in Liebe und Demut zu regieren, durch zahlreiche Texte.

Vielerorts werde derzeit "die Demokratie mit Füßen getreten", sei es von Individuen oder Staaten. Das sei oft durch Angst begründet: "Diese Angst, etwa vor Migration oder der persönlichen Zukunft, hindert uns daran, aufeinander zuzugehen", erklärte Babaev. " Gerade deshalb ist es wichtig, die Werte einer Demokratie wertzuschätzen und für diese mit Courage einzutreten - so wie Sie das tun, lieber Hartmut Anders-Hoepgen", schloss der Rabbi.

Lage der Demokratie: In Deutschland

Im Rahmen der Fachtagung "Couragiert. Demokratie. Stärken." diskutierten Protagonist*innen aus Wissenschaft und Bundesverwaltung die "Lage der Demokratie" in Deutschland. So Wilhelm Heitmeyer, Professor der Soziologie an der Uni Bielefeld. Heitmeyer ist einer der renommiertesten Wissenschatler*innen auf dem Gebiet zur Erforschung des Rechtsextremismus in Deutschland, die Forschung seines Instituts waren eine wichtige Grundlage zur Entwicklung des Aktionsplans. Er verortet seit vielen Jahren antisemitische Muster bei rund 20 Prozent der Bevölkerung. Nicht zuletzt deshalb forderte Heitmeyer "alle demokratischen Parteien auf, auf diese Verschiebungen zu reagieren". Aber auch jeder Einzelne stehe hier in der Pflicht – selbst wenn das oft nicht einfach sei: "Was passiert zum Beispiel, wenn Menschen im unmittelbaren Umfeld, sei es in Familie oder Freundeskreis, die Gleichwertigkeit mit anderen abgesprochen wird? Schreitet man dann ein? Schließlich will man Verwandte oder Freunde nicht vergrätzen."

Lage der Demokratie: In Dortmund

Den Blick auf die Demokratie in Dortmund richteten Vertreter*innen des "Dortmunder Wirkungsdreiecks". Dieses steht für die Zusammenarbeit von Polizei, Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft. Polizeichef Gregor Lange etwa betonte die Bedeutung, welche die Dortmunder Polizei dem Einsatz gegen rechts beimisst. "Wir stehen den Menschen in der Stadt mit Wort und Tat zur Seite, die sich für Menschenrechte, Demokratie und Rechtstaat einsetzen." Zudem verwies er auf die Erfolge der "Sonderkommission Rechts", deren Arbeit seit ihrer Gründung 2015 zu einem spürbaren Rückgang rechter Gewalt- und Straftaten in Dortmund geführt habe. Abschließend dankte Lange dem scheidenden Sonderbeauftragten Anders-Hoepgen für dessen Rolle im Gefüge des "Wirkungsdreiecks": "Mit Ihnen als Koordinator konnte man sogar gewachsenen rechten Strukturen begegnen."

Abschied in die Aktivität

"Niemals geht man so ganz", sagte Ullrich Sierau zum Abschluss seiner Rede. Für Hartmut Anders-Hoepgen trifft diese Feststellung zu. Die Sache Demokratie und Menschenrechte wird er auch nach seiner Zeit im Kontext der Stadt weiterführen. Als aktives Mitglied und Vorsitzender des Vereins "BACKUP – COMEBACK", der sich die offensive Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus in ganz Westfalen zum Ziel gesetzt hat.

Torsten Tullius

Dieser Beitrag befasst sich mit Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Dortmund. Dieser Hinweis erfolgt vor dem Hintergrund aktueller Rechtsprechung.

Vielfalt, Toleranz und Demokratie