„Hallelujah & Schalom“: Ein Abend mit Leonard Cohen zwischen Musik, Poesie und Erinnerung
Lutz Debus und Holger Jenrich widmen sich dem Leben und Werk des jüdisch-kanadischen Künstlers – am 28. November in der Nachbarschaftswerkstatt Meilenstein in Dortmund-Marten
Seine Lieder handeln von Liebe und Verlust, von Glauben und Zweifel, von Freiheit, Tod und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Leonard Cohen war ein Künstler, der Widersprüche aushielt und gerade daraus seine besondere Kraft schöpfte. Mit dem Programm „Hallelujah & Schalom“ erinnern der Dortmunder Musiker Lutz Debus und der Publizist Holger Jenrich an einen der bedeutendsten Songpoeten des 20. Jahrhunderts.
Leonard Cohen (1934–2016) war Dichter, Schriftsteller und Musiker, ein genauer Beobachter menschlicher Sehnsüchte und Abgründe. Seine Lieder erzählen von der Zerbrechlichkeit des Lebens ebenso wie von der Hoffnung, die selbst in schwierigen Zeiten nicht ganz verloren geht. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Suzanne“, „Bird on the Wire“ und „Hallelujah“. Viele seiner Songs sind längst zu Klassikern geworden – und haben über Generationen hinweg Menschen berührt.
Ein jüdischer Künstler auf der Suche nach Spiritualität
Leonard Norman Cohen wurde 1934 in Westmount bei Montreal in Kanada in eine jüdische Familie geboren. Die jüdische Tradition prägte seine Kindheit und blieb ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens und Schaffens. Religiöse Überlieferungen, biblische Bilder und Fragen nach Schuld, Erlösung und Verantwortung finden sich immer wieder in seinen Gedichten und Liedern. Zugleich beschäftigte er sich intensiv mit anderen spirituellen Traditionen, insbesondere dem Buddhismus. Viele Jahre verbrachte er in einem Zen-Kloster in Kalifornien und wurde schließlich zum Zen-Mönch ordiniert. Seiner jüdischen Herkunft fühlte er sich dennoch weiterhin verbunden.
Diese Offenheit für unterschiedliche Perspektiven gehört zu den Besonderheiten seines Werkes. Cohen lieferte keine einfachen Antworten. Seine Texte lassen Zweifel zu, erzählen von menschlicher Unvollkommenheit und suchen nach einer Sprache für Erfahrungen, die sich eindeutigen Erklärungen entziehen. Liebe erscheint bei ihm selten als unbeschwertes Glück, sondern häufig als Sehnsucht, Verletzlichkeit und Abschied. Auch Religion ist kein abgeschlossenes System, sondern ein Raum, in dem Fragen gestellt werden dürfen.
Besonders deutlich wird diese Vielschichtigkeit in seinem berühmten Lied „Hallelujah“. Der Titel bedeutet übersetzt so viel wie „Lobet den Herrn“. Doch das Lied verbindet religiöse Anspielungen mit Geschichten von Liebe, Scheitern und menschlicher Schwäche. Gerade diese Verbindung von Spiritualität und Alltag macht es bis heute so berührend. Auch „Bird on the Wire“, ein Lied über Freiheit, Selbstzweifel und den Wunsch, den eigenen Idealen gerecht zu werden, zeigt Cohens Fähigkeit, persönliche Erfahrungen in allgemeingültige Gedanken zu verwandeln.
Dabei begann seine Karriere zunächst nicht als Musiker. Cohen machte sich in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren zuerst als Lyriker und Romanautor einen Namen. Erst mit Anfang 30 wandte er sich verstärkt der Musik zu. Seine markante, später zunehmend tiefe Stimme, seine sparsame musikalische Gestaltung und seine poetischen Texte wurden zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen. Bis zu seinem Tod im November 2016 blieb er ein Künstler, dessen Werk sich nicht auf ein einziges Genre oder eine eindeutige Botschaft reduzieren lässt.
Musik und Geschichten aus einem Künstlerleben
Mit „Hallelujah & Schalom“ nähern sich Lutz Debus und Holger Jenrich diesem außergewöhnlichen Künstler auf ganz persönliche Weise. Debus singt und begleitet sich auf der Gitarre; bei einem Stück kommt auch der Kontrabass zum Einsatz. Jenrich steuert Texte und Geschichten aus Cohens Leben bei. So entsteht eine Verbindung aus Konzert und literarischem Porträt, aus bekannten Liedern und biografischen Einblicken.
Die beiden Akteure kennen sich bereits seit 1978. Gemeinsame Erfahrungen, langjährige Freundschaft und ihre Begeisterung für Leonard Cohen bilden die Grundlage des Programms, mit dem sie seit Dezember 2023 gemeinsam auf der Bühne stehen. Dabei geht es nicht nur darum, bekannte Songs erneut hörbar zu machen. Die musikalischen Darbietungen und erzählten Geschichten eröffnen auch einen Zugang zu dem Menschen hinter den Liedern: zu einem Suchenden, der sich mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzte und dabei immer wieder neue Perspektiven fand.
Lutz Debus lebt in Dortmund. Er ist Sozialpädagoge und Musiker und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Cohens Liedern. Seine musikalische Arbeit verbindet er mit gesellschaftlichem Interesse und Engagement. Holger Jenrich ist gelernter Tageszeitungsredakteur, Buchautor und Publizist. Er lebt in Hannover und in Lüchow-Dannenberg und hat sich intensiv mit Leben und Werk des kanadischen Dichters und Sängers beschäftigt.
Gemeinsam möchten die beiden nicht nur an einen großen Künstler erinnern, sondern auch zeigen, wie gegenwärtig dessen Themen geblieben sind. Cohens Lieder erzählen von Ausgrenzung und Einsamkeit, von menschlichen Widersprüchen und der Sehnsucht nach Verständigung. Sie fragen danach, wie Menschen miteinander leben können, obwohl sie unterschiedliche Überzeugungen, Erfahrungen und Hoffnungen haben.
Erinnerungskultur als Aufgabe für die Gegenwart
Der Abend findet im Rahmen der Reihe „Erinnerungskultur“ des Fördervereins Dortmund-Marten und Germania e. V. statt. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Dortmunder Koordinierungsstelle für Vielfalt, Demokratie und Toleranz.
Für den Förderverein steht die Veranstaltung deshalb auch in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Gerade angesichts zunehmenden Antisemitismus und des Erstarkens rechtsextremer Einstellungen gewinnt die Auseinandersetzung mit Geschichte, Ausgrenzung und demokratischen Werten an Bedeutung. Erinnerungskultur bedeutet dabei mehr, als zurückzublicken. Sie fordert dazu auf, Entwicklungen in der Gegenwart wahrzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und sich für ein respektvolles Zusammenleben einzusetzen.
„Gerade in dieser Zeit des zunehmenden Antisemitismus und des Rechtsradikalismus, in der das Unsagbare wieder alltäglich wird, ist es so wichtig, die Erinnerung wachzuhalten, damit sich die Geschichte in Deutschland nicht wiederholt“, sagt Monika Rößler, Vorsitzende des Fördervereins Dortmund-Marten und Germania e. V. „Marten ist ein Stadtteil der Vielfalt, und das muss so bleiben.“
Mit „Hallelujah & Schalom“ soll ein Abend entstehen, der Musik und Nachdenken miteinander verbindet. Die Lieder und Texte Leonard Cohens bieten Anlass, über Glauben und Zweifel, über Menschlichkeit und Verantwortung sowie über die Bedeutung von Vielfalt ins Gespräch zu kommen. Damit wird die Hommage an einen jüdischen Künstler zugleich zu einer Einladung, die Werte einer offenen und demokratischen Gesellschaft zu stärken.
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Preise
Veranstaltungsort
Meilenstein - Nachbarschaftswerkstatt Marten -
Anschrift und Erreichbarkeit44379 Dortmund
Veranstalter
Förderverein Dortmund-Marten und die Germania e.V.
Anschrift und Erreichbarkeit44379 Dortmund
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