Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt acht Jahrhunderte Konsumgeschichte
KONSUM-Ausstellung im MKK: 500 Objekte erzählen, wie Dinge unser Leben verändern
Vom Tonkrug bis zum Kugelfernseher, vom Kabinettschrank bis zum Gameboy: Die Ausstellung „KONSUM. Alltagsdinge zwischen Nutzen, Sehnsucht und Überfluss“ im MKK zeigt anhand von rund 500 Objekten aus acht Jahrhunderten, wie Konsum Alltag, Identität und Gesellschaft prägt.
Warum besitzen wir so viele Dinge? Wie wurden Gebrauchsgegenstände zu Statussymbolen und Ausdruck persönlicher Identität? Und welche Folgen hat unser Konsum für Mensch und Umwelt? Diesen Fragen widmet sich das Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) Dortmund mit der Sonderausstellung „KONSUM. Alltagsdinge zwischen Nutzen, Sehnsucht und Überfluss“.
Rund 500 Exponate aus acht Jahrhunderten führen durch die Geschichte des Konsums – von der mittelalterlichen Truhe über Porzellan, Möbel und Haushaltsgeräte bis hin zu Designklassikern, Kugelfernsehern, Gameboys oder Kunststoffen des 20. Jahrhunderts. Nahezu alle Objekte stammen aus der Sammlung des MKK und eröffnen neue Perspektiven auf vertraute Alltagsgegenstände.
Präsentiert werden sie zum Teil auf Regalen wie im Warenhaus. Kuratorin Nassrin Sadeghi hat mit ihrem Team intensiv darüber diskutiert, ob und wie man Konsum moralisch bewertet. „Angesichts der Überfülle an Dingen liegt die Forderung nahe, dass wir einfach auf Konsum verzichten müssten. Aber wenn wir ehrlich sind, können wir auf viele Dinge gar nicht mehr gut verzichten. Gleichzeitig ist es demokratisch, dass heute mehr Menschen Zugang zu Konsumartikeln haben. Den will man ja niemandem wegnehmen. Dennoch bleibt Überkonsum problematisch.“
Der Schrank als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen
Ein roter Faden begleitet die Ausstellung durch alle Epochen: der Schrank. Seine Form, Funktion und sein Inhalt spiegeln wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen wider. Vom schlichten Aufbewahrungsmöbel über repräsentative Prunkschränke bis zu modularen Wohnmöbeln der Nachkriegszeit erzählt er vom Wandel von Besitz, Wohlstand und Lebensstilen.
Die Bandbreite der Exponate reicht vom mittelalterlichen Tonkrug über kunstvoll verzierte Schränke, Porzellan und historische Küchengeräte bis zu Designklassikern der Nachkriegszeit. Zu den markanten Ausstellungsstücken gehören unter anderem ein Bakelit-Telefon, ein Kugelfernseher, ein Gameboy sowie Möbel, die den Wandel von Handwerk, industrieller Fertigung und Wohnkultur sichtbar machen.
Gleichzeitig zeigen zahlreiche weitere Objekte, wie technische Innovationen und industrielle Produktion den Alltag verändert haben. Ein schwarzes Bakelit-Telefon, ein futuristischer Kugelfernseher, ein stylischer Aschenbecher der 1970er-Jahre oder ein zeitloses Zippo stehen beispielhaft für Epochen, in denen neue Produkte den Alltag neu definierten. Interaktive Stationen laden Besucher*innen dazu ein, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen und über zukünftige Formen des Konsums nachzudenken. Welche Dinge brauchen wir wirklich? Worauf könnten wir verzichten? Und wie könnte nachhaltiger Konsum künftig aussehen?
Zwischen Bedarf, Begehren und Überfluss
Die Ausstellung macht deutlich, wie sich Konsum vom notwendigen Verbrauch zum prägenden Bestandteil moderner Gesellschaften entwickelte. Sie zeigt den Einfluss von Handel, Industrialisierung, Elektrifizierung und Massenproduktion ebenso wie die Rolle kolonialer Ausbeutung und globaler Warenströme.
Dabei geht sie grundlegenden Fragen nach: Wie gelangten Kaffee, Tee oder Kakao nach Europa? Warum wurden Möbel, Haushaltsgeräte oder Fernseher zu Symbolen gesellschaftlicher Teilhabe? Wann wird Luxus zum Alltagsgegenstand – und warum entstehen ständig neue Bedürfnisse? Die Ausstellung verbindet historische Objekte mit digitalen Angeboten und interaktiven Formaten. Dazu gehören eine App zum Entdecken der Einkaufsgeschichte in Dortmund und die Website (
Die App: Dortmunds Einkaufsgeschichte erleben
Die begleitende App eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte des Konsums. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund entwickelt. Mit der App lassen sich Rundgänge zum Thema Einkaufsgeschichte in Dortmund individuell gestalten. Wie hat sich das Einkaufen in Dortmund im Laufe der Zeit verändert? Welche Märkte, Läden und Einkaufsstraßen prägten die Stadt früher – und wie sieht es heute aus? Die wissenschaftliche Volontärin Sophie Ullrich hat sie in Zusammenarbeit mit Studierenden der FH Dortmund entwickelt: „Mit der App werden das Einkaufsverhalten und die Geschichte des Einkaufens erlebbar, indem man Rätsel und Spiele lösen kann, die an verschiedenen Stationen in der Innenstadt zu finden sind. Zum Beispiel muss man den heiligen Reinoldus einkleiden. So kann man spielerisch etwas über die Geschichte erfahren.“
Vielfältiges Begleitprogramm für unterschiedliche Zielgruppen
Ein umfangreiches Bildungs- und Vermittlungsprogramm greift die Themen der Ausstellung aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Führungen, Workshops und dialogorientierte Formate richten sich an Erwachsene, Schulklassen, Jugendliche sowie Familien. Das Programm beschäftigt sich unter anderem mit Konsum und Identität, Textilien, Nachhaltigkeit, Mode, Alkoholkultur oder den Lebenswegen von Alltagsgegenständen. Angebote wie „Born to buy“, „Konsum macht glücklich!?“, „Trash to Treasure“, „Gold und Scherben“ laden dazu ein, historische Entwicklungen mit aktuellen Fragen zu verbinden. Für Jugendliche und Erwachsene stehen zudem partizipative Formate wie „Make It Yours!“ oder „Einkaufsspuren – eine Führung zum Mitmachen“ auf dem Programm. Regelmäßige Kurator*innenführungen bieten Einblicke in die Konzeption der Ausstellung und die Arbeit mit der Museumssammlung.
In Kürze
KONSUM. Alltagsdinge zwischen Nutzen, Sehnsucht und Überfluss
5. Juli 2026 bis 31. Juli 2028
Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Hansastraße 3, 44137 Dortmund
Kuratorin: Dr. Nassrin Sadeghi / Wissenschaftliche Volontärin und App-Entwicklung: Sophie Ullrich
Begleitprogramm: Beispiele für Führungen und Workshops
Alkohol und Abstinenz - Führung im Stadtraum
Treffpunkt am „Chip“ vor dem neuen Museumseingang/Platz von Amiens. Termine: Do., 13.08.2026, 18-19:30 Uhr, So., 11.10., 14-15:30 Uhr, So., 13.12., 10-11:30 Uhr
Alles Spitze? Druck-Workshop und Ausstellungsgang
Rundgang durch die Ausstellung mit Blick auf Textilien in der Konsumgeschichte und Workshop, der sich mit der Wiederverwendung von Vorhängen, Gardinen und Spitzenstoffen beschäftigt. Termin 30.09.2026, 18-21 Uhr
Born to buy - Führung für Jugendliche
Öffentliche Führungen finden jeden zweiten Donnerstag im Monat von 18 bis 19 Uhr statt. Ohne Anmeldung. Termine: 09.07., 13.08., 10.09., 08.10., 12.11., 10.12.2026
Einkaufsspuren - Führung durch die Dortmunder Einkaufsgeschichte.
Treffpunkt im Eingangsbereich des Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Ab 14 Jahren, Teilnahme Jugendlicher nur mit Begleitperson. Eintritt frei, ohne Anmeldung. Termine: 15.07.2026, 17 Uhr
Gold und Scherben - Kintsugi-Workshop
Workshop, der sich mit der Methode des Kintsugi beschäftigt und bei dem zerbrochene Keramik mit Gold wieder zusammen geklebt wird. Termin: 03.12.2026, 18-21 Uhr
Von wertgeschätzt zu weggeworfen . Eine Textilgeschichte
Mit dem Konsumgut Textil geht es durch die Konsumgeschichte. Pro Person 5 €, ermäßigter Personenkreis kostenlos, von 14 bis 15 Uhr statt. Termine: 19.07., 16.08., 20.09., 18.10., 22.11., 20.12.2026.
Was die Stadt am Laufen hält - Führung im Stadtraum
Wie Strom, Wasser, Gas, Verkehr und Entsorgung den Alltag verändern. Die Karten müssen vorab im MKK gekauft werden. Termine: So., 19.7.2026: 14 – 15:30 Uhr, Do., 10.9. 18-19:30 Uhr, Sa., 21.11., 14 - 15:30 Uhr
Das gesamte Programm:
Anhänge
-
Die neue Ausstellung „KONSUM. Alltagsdinge zwischen Nutzen, Sehnsucht und Überfluss“ zeigt auch Designklassiker im Museum für Kunst und Kulturgeschichte. , 2 MB , JPEG Kugelfernseher "Nivico 3240 GM Videosphere" , JVC, 1970-1971Quelle: MKK / Jürgen Spiler -
Jetzt wieder aktuell: Das 70er Mode-Highlight, die Plateau-Sandalen. , 3 MB , JPEG Plateau-Sandalen 1970er Jahre © MKK, Jürgen SpilerQuelle: MKK / Jürgen Spiler -
Haartrockner - Alltagsding oder Design? Eine Frage der Ausstellung "Konsum". , 3 MB , JPEG Haartrockner "AEG Radiopur" Peter Behrens (Entwurf), Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, AEG (Produktion) Berlin, 1920-25 © MKK, Jürgen SpilerQuelle: MKK / Jürgen Spiler -
Verspielte Kannen oder schlichte Krüge - wie wurden Dinge vom Gebrauchsgegenstand zum Ausdruck von Identität? , 3 MB , JPEG Quelle: Jürgen Spieler -
Alltagsgegenstände wie der Tischventilator sind in der Schau zu sehen. , 2 MB , JPEG Quelle: Jürgen Spiler -
Wie im Warenhaus sind viele der 500 Alltagsdinge auf Regalen ausgestellt. , 301 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Sabrina Richmann -
Achthundert Jahre Konsumgeschichte werden anhand von Stücken aus der eigenen Sammlung des MKK erzählt. , 322 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Sanbrina Richmann -
In den 60er und 70er Jahren stieg die Kaufkraft von Jugendlichen an - und damit auch die Bedeutung von Mode, Musik und Einrichtung. , 298 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Sabrina Richmann -
Kuratorin der Ausstellung Dr. Nassrin Sadeghi (rechts)und die wissenschaftliche Volontärin Sophie Ullrich (links). , 424 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Sabrina Richmann -
Die Geschichte des Konsums: Was brauchen wir wirklich? , 308 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Sabrina Richmann