Zweiter Dortmunder Comic-Preis geht an Keum Suk Gendry-Kim
Der Dortmunder Comic-Preis geht 2027 an die südkoreanische Zeichnerin und Autorin Keum Suk Gendry-Kim. Die Jury würdigt ihre Graphic Novel „Gras“, die von den Erfahrungen koreanischer Überlebender sexualisierter Gewalt im Zweiten Weltkrieg erzählt.
Alle zwei Jahre zeichnet die Stadt Dortmund eine herausragende Position der Comic-Kunst aus. Nach Hannah Brinkmann, die 2025 den ersten Dortmunder Comic-Preis für „Gegen mein Gewissen“ erhielt, geht der mit 10.000 Euro dotierte Preis nun an Keum Suk Gendry-Kim.
Die Künstlerin reagiert in einem ersten Statement: „Ich hätte nie gedacht, dass ich den zweiten Dortmunder Comicpreis erhalten würde. Ich fühle mich zutiefst geehrt. Ich erinnere mich sehr gern an die Begegnungen mit den Leser*innen in Dortmund. Diese Auszeichnung ist für mich eine Ermutigung, meine Arbeit als Künstlerin fortzusetzen. Mein herzlicher Dank gilt der Jury und allen, die an diesem Preis beteiligt sind.“
Die südkoreanische Künstlerin präsentierte zwei ihrer eindrucksvollsten Werke: „Gras“ und „Mein Freund Kim Jong-un“ erst Mitte diesen Jahres bei Lesungen im Dortmunder U. Die Preisverleihung findet am 12. Februar 2027 um 18 Uhr im Dortmunder Rathaus statt. Oberbürgermeister Alexander Kalouti wird den Preis an Keum Suk Gendry-Kim persönlich überreichen.
„Gras“ erzählt von Überlebenden
Die Jury überzeugte Keum Suk Gendry-Kims Graphic Novel „Gras“ vor allem durch den behutsamen Umgang mit einem schwierigen historischen Thema. Das Buch erzählt die Geschichte der sogenannten „Trostfrauen“ – koreanischer Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs vom japanischen Militär zur Prostitution gezwungen wurden. Gendry-Kim nähert sich den traumatischen Erfahrungen der Betroffenen über Gespräche mit Überlebenden. Daraus entsteht eine dokumentarische Graphic Novel, die die Frauen nicht auf ihre Opferrolle reduziert, sondern sie als eigenständige und widerständige Persönlichkeiten zeigt.
Die Jury betont, dass „Gras“ zugleich stellvertretend für den Umgang mit Kriegsverbrechen und die Marginalisierung von Betroffenen in vielen Gesellschaften stehe. Gerade weil mehr als 80 Jahre nach den Ereignissen immer weniger Zeitzeug*innen leben, komme der Dokumentation ihrer Geschichten eine besondere Bedeutung zu.
Comic eröffnet einen eigenen Zugang
Die Jury würdigt auch Gendry-Kims künstlerische Umsetzung. Ihr Zeichenstil erinnere an traditionelle fernöstliche Tuschekunst. Mit wenigen, ausdrucksstarken Bildern entwickele sie eine eindringliche Erzählung und gibt den Erinnerungen der Überlebenden Raum. „Gras“ zeige so, wie der Comic einen eigenen Zugang zu schweren und wichtigen Themen eröffnen könne, so die Jury. Die Erzählform ermögliche es, sich mit den Traumata der Protagonistinnen auseinanderzusetzen, ohne ihr Leid zu Unterhaltungszwecken auszustellen.
Vielfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin
Keum Suk Gendry-Kim wurde in Goheung in Südkorea geboren. Mit „Gras“ erlangte sie internationale Bekanntheit. Die Graphic Novel erschien 2019 und wurde unter anderem mit dem Harvey Award, dem Krause Essay Prize und dem Cartoonist Studio Prize ausgezeichnet.
Zu ihren weiteren Werken gehören „The Waiting“, „Jiseul“, „The Naked Tree“, „Alexandra Kim – A Woman of Siberia“ sowie der autobiografische Comic „The Song of My Father“. Für die Kurzgeschichte „Sister Mija“ erhielt sie den Best Creative Manhwa Award. Ihre Werke wurden in Korea und Europa ausgestellt. Im deutschsprachigen Raum sind zuletzt „Mein Freund Kim Jong-un“ (2025) und „Gras“ (2026) erschienen. Beide Bücher werden vom avant-verlag herausgegeben. Ihr neues Werk „Die weißen Schuhe“ ist für 2027 angekündigt.
Ein Dodo für Dortmund – Der Dortmunder Comic-Preis
Der Dortmunder Comic-Preis wurde 2025 erstmals verliehen. Der von Comiczeichner Ralf König entworfene „Dodo“ erinnert als Preisfigur an die Bedeutung der Comic-Kunst für Dortmund. Mit der Auszeichnung möchte die Stadt die Comic-Kultur in Dortmund weiter sichtbar machen und die Stadt als Standort für Comic und grafisches Erzählen stärken. Die Teilnahme an der Preisverleihung ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich per E-Mail an
Neben dem ausgezeichneten Werk würdigte die Jury fünf weitere Comics mit einer anerkennenden Erwähnung: „Der verkehrte Himmel“ von Mikael Ross, „Zwei weibliche Halbakte“ von Luz, „Victory Parade“ von Leela Corman, „Schweigen“ von Birgit Weyhe und „Kaputt“ von Alison Bechdel. Die Auswahl macht die große Bandbreite und künstlerische Qualität des aktuellen Comicschaffens sichtbar. Die Jury hob damit Arbeiten hervor, die auf jeweils eigene Weise durch ihre zeichnerische Gestaltung, ihre erzählerische Kraft und ihre inhaltliche Auseinandersetzung überzeugen.
Weitere Informationen zum Comicpreis
Anhänge
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Ein Dodo ziert den ersten Dortmunder Comic-Preis - der Zeichner Ralf König, ehemaliger Wahl-Dortmunder, hat ihn entworfen. , 896 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Roland Gorecki -
Der Dortmunder Comic-Preis geht 2027 an die südkoreanische Zeichnerin und Autorin Keum Suk Gendry-Kim. , 2 MB , JPEG Quelle: Keum Suk Gendry-Kim -
Keum Suk Gendry-Kims Graphic Novel „Gras“ erzählt die Geschichte der sogenannten „Trostfrauen“ – koreanischer Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs vom japanischen Militär zur Prostitution gezwungen wurden. , 868 KB , JPEG Quelle: avant-verlag -
Die Jury würdigt ihre Graphic Novel „Gras“. , 1 MB , JPEG Quelle: avant-verlag -
Die Jury würdigt auch Gendry-Kims künstlerische Umsetzung: Ihr Zeichenstil erinnere an traditionelle fernöstliche Tuschekunst. , 857 KB , JPEG Quelle: avant-verlag -
„Gras“ zeigt , wie der Comic einen eigenen Zugang zu schweren und wichtigen Themen eröffnen kann. , 884 KB , JPEG Quelle: avnat-verlag