Weniger Zuzüge, mehr Stabilität: Menschen aus Bulgarien und Rumänien finden zunehmend Zugang zu Arbeit, Bildung, Gesundheit und Wohnraum
Zwölf Jahre Gesamtstrategie Neuzuwanderung: Dortmund erzielt immer mehr Integrationserfolge
Seit 2014 verfolgt Dortmund konsequent die Gesamtstrategie Neuzuwanderung. Gemeinsam mit Wohlfahrtsverbänden, freien Trägern, Bund, Land, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Wissenschaft und vielen weiteren Partnerinnen und Partnern hat die Stadt tragfähige Strukturen aufgebaut. Heute zeigen sich die Erfolge in vielen Bereichen.
Die Verwaltung hat für das Jahr 2025 den Bericht zur Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien vorgelegt. Dieser zeigt: Die starke Wanderungsbewegung der vergangenen Jahre geht deutlich zurück. Gleichzeitig finden immer mehr Menschen gute Zugänge zu Bildung, Arbeit und Wohnraum. Die Stadt kann damit ihren Schwerpunkt noch stärker auf nachhaltige Integration und gesellschaftliche Teilhabe legen.
Die Sozialdezernentin Frauke Füsers sieht die Entwicklung positiv: „Die Zahlen zeigen deutlich, dass unsere Gesamtstrategie Neuzuwanderung wirkt. Dortmund hat frühzeitig gehandelt, investiert seit 2014 konsequent in tragfähige Strukturen und hat gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern innerhalb und außerhalb der Verwaltung ein enormes Portfolio an Angeboten und Maßnahmen aufgebaut. Diese Vielfalt der Akteure und ihrer Kompetenzen wirkt: wir unterstützen Familien, die in Dortmund ankommen und bleiben wollen, auf ihrem oft schwierigen Weg. Wir schaffen Integrationen in Arbeit, wie bieten ihnen faire Perspektiven. Gleichzeitig bekämpfen wir kriminelle Strukturen und Ausbeutung. Dieser Ansatz zahlt sich aus – für die Menschen, die zu uns kommen, und für unsere gesamte Stadtgesellschaft.“
Weitere Informationen: Interessierte finden über den QR-Code ein erläuterndes Video:
Weniger Zu- und Fortzüge, mehr stabile Bezüge zu Dortmund
Ende 2025 lebten 11.685 bulgarische und rumänische Staatsangehörige in Dortmund. Das sind 560 Menschen weniger als im Vorjahr. Damit ging ihre Zahl um 4,6 Prozent zurück. Unter den deutschen Großstädten verzeichnet Dortmund damit den stärksten Rückgang.
Auch die Zahl der jährlichen Zuzüge ist deutlich gesunken. 2022 zogen noch 2.836 Menschen aus Bulgarien und Rumänien nach Dortmund. 2025 waren es 1.720.
Das Wanderungsvolumen aus Zu- und Fortzügen lag 2014 noch bei rund 14.000 Bewegungen. Zwischen 2022 und 2025 sank es von mehr als 5.000 auf rund 4.000.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Familien zunehmend länger in Dortmund bleiben, hier stabile Bezüge aufbauen und passende Anlaufstellen finden. Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten für die weitere Arbeit vor Ort.
Mehr Menschen finden Arbeit
Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigen sich positive Entwicklungen. Die Beschäftigungsquoten der bulgarischen und rumänischen Staatsangehörigen sind erneut leicht gestiegen. Inzwischen arbeiten mehr als 3.700 Menschen aus beiden Herkunftsländern. Der überwiegende Teil hat eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.
Besonders erfolgreich läuft das Modellvorhaben zur besseren Integration von Menschen, die aus der EU nach Dortmund zugewandert sind. Die Agentur für Arbeit setzt das Vorhaben gemeinsam mit dem Jobcenter, dem Sozialdezernat und dem Trägerverbund „Willkommen Europa“ um.
Mehr als 33 Prozent der Teilnehmenden fanden unmittelbar Arbeit. Von diesen Menschen gingen 93 Prozent eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ein. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden verfügte lediglich über eine geringe schulische Qualifikation. Das macht das Ergebnis besonders bemerkenswert und zeigt, welches Potenzial in den Menschen steckt. Füsers: „Es zeigt aber auch, dass wir Instrumente brauchen, um dieses Potenzial zu erkennen, durch passgenaue Qualifizierung nutzbar zu machen und Entwicklungsperspektiven zu schaffen, um damit auch dem Arbeitskräftemangel zu begegnen. Das schaffen wir hier vor Ort aber nicht allein. Neben unserer guten Kooperation mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und den Trägern, brauchen wir deshalb dringend die Unterstützung des Bundesarbeitsministeriums und der Bundesagentur für Arbeit, um den erfolgreichen Ansatz weiterzuführen.“
Über verschiedene kommunale und bundesgeförderte Arbeitsmarktprojekte fanden 2025 insgesamt rund 360 Menschen eine Beschäftigung.
Auch die Selbstständigkeit eröffnet immer mehr wirtschaftliche Perspektiven. In Dortmund führen bulgarische oder rumänische Staatsangehörige inzwischen mehr als 2.100 Unternehmen.
Frühkindliche Bildung erreicht mehr Kinder
Auch bei der Bildung zeigen sich deutliche Fortschritte. Immer mehr Kinder besuchen Angebote der frühkindlichen Bildung.
In den FABIDO-Kindertageseinrichtungen betreuen Fachkräfte inzwischen mehr als 220 Kinder aus Bulgarien und Rumänien. Damit stieg ihre Zahl innerhalb von zwei Jahren um rund 43 Prozent.
Die SOE-Kinderstuben unterstützen Kinder erfolgreich beim Übergang in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Bildungsmediatorinnen und -mediatoren aus der Roma-Community arbeiten eng mit Lehrkräften zusammen und stärken die Bildungsteilhabe von Kindern und Jugendlichen aus Roma-Familien.
Zusätzlich helfen Sprachförderung und bedarfsgerechte Angebote neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern dabei, früh gute Bildungschancen zu erhalten.
Beratung hilft beim Ankommen
Die Beratungs- und Integrationsangebote der Stadt erreichen weiterhin viele Menschen. MigraDo bietet als kommunale One-Stop-Agency Informationen, persönliche Beratung und digitale Angebote. So erhalten neu zugewanderte Menschen Unterstützung bei ihren ersten Schritten in Dortmund. 2025 führten die Mitarbeitenden mehr als 9.600 Beratungen durch. Mehr als 1.700 davon entfielen auf EU-Staatsangehörige.
„Willkommen Europa“ knüpft an dieses Angebot an. Die Mitarbeitenden unterstützen Menschen auch bei komplexen Lebenslagen und helfen dabei, passende Lösungen zu finden. Im Infopoint am Nordmarkt und in den dezentralen Backoffice-Strukturen kamen insgesamt rund 8.000 Beratungen zusammen.
Weitere Angebote ergänzen diese Arbeit. Dazu gehören der aus EhAP-Plus-Mitteln geförderte Ansatz „H.A.L.T.“, das Kommunale Integrationsmanagement und die herkunftssprachliche Familienbegleitung.
„Lokal Willkommen“ zielt auf die Teilhabe geflüchteter Menschen in den Stadtbezirken und unterstützt sie beim Ankommen im neuen Wohnquartier. EU-Staatsangehörige werden bei Bedarf an die speziell auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Angebote vermittelt.
Die Angebote arbeiten dezentral und erreichen Familien frühzeitig. Sie helfen dabei, Zugänge zu Sprache, Bildung, Arbeit, Gesundheit und den sozialen Sicherungssystemen zu finden.
Besserer Zugang zur Gesundheitsversorgung
Auch im Gesundheitsbereich greifen die aufgebauten Strukturen zunehmend. Die Clearingstelle Gesundheit verzeichnete 2025 fast 1.700 Beratungskontakte. In mehr als 1.000 Fällen konnten die Mitarbeitenden Menschen in eine Krankenversicherung vermitteln. Dadurch erhielten mehr als 1.500 Kinder eine Krankenversicherung.
Zusätzliche Sprechstunden für Schwangere, Familien und Kinder sowie der Gesundheitskiosk erleichtern den Zugang zur gesundheitlichen Regelversorgung. Die Angebote helfen damit langfristig, gesundheitliche Chancen zu verbessern.
Mehr Chancen auf dem Wohnungsmarkt
Immer mehr Familien verlassen Quartiere, die bisher besonders stark von Zuwanderung geprägt waren, und finden Wohnraum in anderen Stadtteilen.
Die Wohnraumzugangsstrategie sowie die kommunale Ankauf- und Inwertsetzungsstrategie unterstützen diesen Weg. Über die Viertelwerk gGmbH kauft die Stadt Wohnhäuser, saniert sie gemeinsam mit Menschen in Beschäftigungsmaßnahmen und vermietet sie anschließend an Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt besondere Zugangshürden haben. Seit 2016 hat die Viertelwerk gGmbH bereits 100 ehemals problematische Immobilien saniert und nachhaltig aufgewertet.
Bei Problemen oder Konflikten im Mietverhältnis vermittelt die Viertelwerk gGmbH. Sie unterstützt Familien außerdem bei der Wohnungssuche. 2025 konnten 65 Familien eine Wohnung finden oder ihr Mietverhältnis stabilisieren. Damit verbessert sich nicht nur die Situation einzelner Familien. Auch die Entwicklung ganzer Quartiere profitiert davon.
Begegnung und Teilhabe stärken das Miteinander
Dortmund bietet darüber hinaus viele Möglichkeiten für Begegnung, Bildung, Kultur und Selbstorganisation. Sie schaffen gute Anlaufstellen im Quartier und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Dazu gehören Angebote wie die „Nordstadtliga“, „Sport vor Ort“, „Casa Copiilor“ und der „Nordtreff – Arakasamen“ für Kinder und Jugendliche. Auch das überregional bekannte Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“ trägt dazu bei, Begegnungen zu ermöglichen und kulturelle Teilhabe zu stärken.
Der „Aktionsplan Soziale Stadt Dortmund“ bietet mit seinen Beratungs- und Begegnungsangeboten „Mittendrin in …“ in Westerfilde, Lindenhorst, Kemminghausen, Hörde und dem Meylantviertel weitere Möglichkeiten. Die Angebote orientieren sich jeweils an den Besonderheiten und Bedarfen vor Ort. Ein weiterer Standort entsteht direkt am Nordmarkt.
Stadt geht gegen Ausbeutung und Menschenhandel vor
Auch beim Schutz vor Menschenhandel und Ausbeutung hat Dortmund Fortschritte erzielt. Die Stadt hat die Zusammenarbeit mit Polizei und Zoll weiter ausgebaut und zugleich die Partnerschaften mit den Herkunftsländern vertieft.
So verbindet Dortmund Integrationsarbeit mit einem abgestimmten Vorgehen gegen kriminelle Strukturen, die Menschen ausbeuten oder in Abhängigkeit bringen.
Stadt wirbt weitere 6,6 Mio. Euro Fördermittel ein
Füsers weist zugleich auf die Rahmenbedingungen hin, unter denen die Stadt diese Arbeit leistet: „Wir stehen oft vor dem Problem, dass uns für eine bedarfsgerechtere Ausrichtung unserer Angebote schlicht das Geld und damit das Personal fehlen.“ Das betrifft nicht nur die Stadtverwaltung, sondern auch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter.
Seit der letzten Berichterstattung konnte die Stadt weitere 6,6 Mio. Euro an Fördermitteln von Bund, Land und Europäischer Union für Personal- und Sachkosten einwerben. Die seit 2012 eingeworbene Gesamtfördersumme beläuft sich inzwischen auf über 46 Mio. Euro.
Diese Mittel ermöglichen es der Stadt, Angebote genauer auf den Bedarf auszurichten und neue Projekte zu entwickeln. Zugleich zeigen sie, dass die Arbeit in Dortmund auch auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene anerkannt wird.
Füsers sieht darin dennoch keine dauerhafte Lösung: „Förderprogramme ermöglichen uns temporäre Projekte. Auf Strecke hilft uns das aber nicht. Für nachhaltige Veränderungen müssen die Regelstrukturen angepasst werden.“
Fazit: Gesamtstrategie wirkt
Die Entwicklung der vergangenen zwölf Jahre zeigt damit: Dortmund hat seine Strukturen kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt. Gleichzeitig verändern sich die Aufgaben. Weniger Zuzüge schaffen mehr Raum für langfristige Integration, Teilhabe und die Stabilisierung von Quartieren.
Die Stadt setzt dabei weiterhin auf Zusammenarbeit. Verwaltung, Träger, Arbeitsmarktpartner, Bildungseinrichtungen, Ehrenamtliche und viele weitere Akteure tragen gemeinsam dazu bei, dass Menschen in Dortmund ankommen, Chancen finden und dauerhaft Teil der Stadtgesellschaft werden.
Den Bericht finden Interessierte unter: