Einflüsse der spätgotischen Bildhauer Nicolaus Gerhaerts von Leyden und Tilmann Riemenschneider werden bei der „Dämmerung“ sichtbar. Die Skulptur ist im Sinne der Gotik auf eine Frontalansicht ausgerichtet mit einer Wand oder eine Säule im Rücken, die im Westfalenpark jedoch fehlt. Die Skulptur ist nur auf einem Sockel platziert. In der Bremer Böttcherstraße wurde auf die Frontalansicht des Objektes hingegen mehr Rücksicht genommen. Dort, im sogenannten Hoetger-Hof stehen ein weitere Exemplar der „Dämmerung“ samt „Darmstädter Torso“ und „Abend“ in drei flachen Ziegelwandnischen des „Paula-Becker-Modersohn-Haus“. Das Gebäude hatte der Dortmunder Künstler im Auftrag des Kaffeemagnaten Ludwig Roselius 1926-27 zu Ehren der früh verstorbenen Malerin errichtet. UG
Literatur Kunstwerk
Öffentliche Denkmäler und Kunstobjekte in Dortmund. Eine Bestandsaufnahme unter Leitung von Jürgen Zänker, erarbeitet von Iris Boemke u. a., Dortmund 1990, Nr. 268, S. 219; Liesbeth Jans: Verlegenheit oder höhere Ästhetik? Die Torsi von Bernhard Hoetger, in: Maria Anczykowski (Hg.): Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, Design, Architektur. Ausst.-Kat. Kunstsammlungen Böttcherstraße Bremen, Bremen 1998, S. 18-29, 358-359, hier: S. 26, Abb. 17, Tafel 250 und 251.
Literatur Künstler*in
Carl Emil Uphoff: Bernhard Hoetger, Leipzig 1919; Albert Theile: Bernhard Hoetger. Leben und Werk. Eine Übersicht, in: Wilhelm Brockpähler: Hörde. Ein Heimatbuch für die Stadt und ihre Umgebung, Hörde 1928, S. 303-310; Albert Theile (Hg.): Bernhard Hoetger. Bildhauer, Bremen 1930; Albert Theile: Bernhard Hoetger, Recklinghausen 1960; Suse Drost: Bernhard Hoetger, Bremen 1974; Dieter Golücke: Bernhard Hoetger. Bildhauer, Maler, Baukünstler, Designer, Worpswede 1984; Walter Edmund Saal: Bernhard Hoetger. Ein Architekt des norddeutschen Expressionismus, Diss. Bonn 1989; Eugen Thiemann: Hoetger, Worpswede 1990; Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, Design, Architektur, hg. v. Maria Anczykowski. Ausst.-Kat. Kunstsammlungen Böttcherstraße Bremen, Bremen 1998; Willi Garth: Bernhard Hoetger - ein unstetes Genie aus Hörde, in: Echo/Süd-Zeitung, 29. August 2001; Sent M’Ahesa tanzt in Hoerde, Ausst.-Kat. der Bezirksverwaltungsstelle Dortmund-Hörde, Dortmund 2008.
Biografie
Bernhard Hoetger (1874-1949), eigentlich Bernard Hugo Hötger, Sohn eines Schneidermeisters aus Hörde, arbeitete zunächst als Steinmetz, bevor er 1898 an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Karl Janssen Bildhauerei studierte. 1900-1905 lebte er in Paris, wo er unter anderem Auguste Rodin und Paula Modersohn-Becker kennenlernte. Seit 1908 zählte Bankier Freiherr August von der Heydt, Elberfeld, zu seinen wichtigsten Auftraggebern. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein berief ihn 1911 an die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt und ernannte ihn zum Professor.1913 siedelte Hoetger nach Fischerhude und 1914 nach Worpswede um, wo er unter anderem das Haus „Kaffee WINUWUK“ (1921/23) realisierte. 1917-1919 arbeitete er vornehmlich für den Keksfabrikanten Hermann Bahlsen, Hannover. 1919 trat er dem „Arbeitsrat für Kunst“ und der „Novembergruppe“ bei. Der Bremer Kaffeemagnat Ludwig Roselius zählte ab 1923 zu seinen Förderern. In seinem Auftrag realisierte Hoetger das „Paula-Becker-Modersohn-Haus“ (1926/27) und das „Haus Atlantis“ (1930/31) in der Bremer Böttcherstraße. 1934 forderte der Völkische Beobachter den Abriss des Hauses Atlantis. Dennoch trat Hoetger, der selbst nordisch-völkische Ideen vertrat, der NSDAP bei. 1938 wurde er allerdings schon wieder ausgeschlossen. 1933/34 wurden das Ebert-Denkmal in Dortmund sowie das Revolutionsdenkmal und die Figuren am Volkshaus in Bremen demontiert. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ 14 Kunstwerke aus dem Besitz öffentlicher Sammlungen. Dennoch konnte er unter anderem für die Luftwaffenschule Greifswald arbeiten. Nachdem sein Wohnhaus in Berlin 1943 zerstört und er nach Niederbayern evakuiert worden war, zog er 1946 in die Schweiz nach Beatenberg bei Bern, wo er drei Jahre später starb. 1968 erhielt er gemeinsam mit seiner Frau Lee ein Grab auf dem Dortmunder Ostfriedhof. UG
Quelle
Lit. Zänker: Golucke, S. 53/ Kunst und Kulturführer - 50 Jahre Westfalenpark, S. 41.
Weitere Kunst im öffentlichen Raum
Jahr:
1898
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks auf "Zeche Zollern" in Kirchlinde
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1952 (Einweihung: 16.März 1952)
Denkmal für die Opfer der Grubenunglücke vom 4.7.1940, 16.3.1944 und 22.3.1979
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1936
Denkmal für die Opfer eines Grubenunglücks von 1935
Künstler*in: Wilhelm Wulff
Jahr:
1927
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 11. Februar 1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
nach 1920
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks am 8.8.1920
Künstler*in: Benno Elkan(?)
Jahr:
1954-1960
Mahnmal Bittermark
Künstler*in: Will Schwarz, Karel Niestrath, Léon Zack
Jahr:
1931
Denkmal für die Opfer des Grubenunglücks vom 16.5.1925
Künstler*in: Friedrich Bagdons (Entwurf)
Jahr:
1993
Gedenktafel für den jüdischen Friedhof
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1956
Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges
Künstler*in: Vorname? Endlich, Herwarth Schulte u. Heinrich Bayer
Jahr:
1946/47
Denkmal für die gefallenen Sowjets
Künstler*in: F. J. Kraus
Jahr:
nach 1945
Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes
Künstler*in: Künstler unbekannt
Jahr:
1924/25
Mahnmal für die 1914/18 gefallenen Bürger aus Dortmund
Künstler*in: Friedrich Bagdons
Jahr:
1965
Haltet Frieden
Künstler*in: Curt Unger
Jahr:
1934, (Einweihung: 16.9.1934)
Kriegerdenkmal in Dorstfeld, Gefallene 1914-1918
Künstler*in: Bildhauer: Heinrich Bayer; Architekt: Josef Wentzler;