Film: »Lost in Translation« (USA/Japan 2003)
Das Dortmunder U feiert Geburtstag: Vor einhundert Jahren wurde das ehemalige Firmenhochhaus der Dortmunder Union-Brauerei nach Plänen des Architekten Emil Moog errichtet. Heute zählt der Bau zu den bedeutendsten Zeugnissen der 1920er Jahre im Dortmunder Stadtbild. Seine markante Silhouette steht für Dortmunds Aufbruch zur modernen Großstadt und für die Industriekultur des Ruhrgebiets. Als weithin sichtbare Landmarke verband es wirtschaftliche Macht mit städtischer Repräsentation. Seine heutige Nutzung als Kultureller Ort macht zugleich den Strukturwandel der Industriestadt anschaulich.
Die TU Dortmund nimmt das Jubiläum zum Anlass für die Filmreihe »Großstadtvisionen«. Vier Spielfilme aus den Jahren 1927 bis 2003 zeigen, wie das Kino die moderne Metropole wahrnimmt und imaginiert: als beschleunigten Rhythmus von Arbeit, Verkehr und Konsum, als dystopischen Raum von Kontrolle und Gewalt, als globalisierte Erfahrungswelt von Fremdheit und Einsamkeit und als sozial segregierten Lebensraum. Die Kamera bildet die Stadt dabei nicht einfach ab. Montage, Bildkomposition, Ton und Musik verdichten sich zu einer ästhetischen Konstruktion, die die Stadt selbst zum handelnden Subjekt macht.
Die Reihe fragt nach den Hoffnungen auf Freiheit, Mobilität und Vergnügen, die sich seit den 1920er Jahren mit dem großstädtischen Leben verbinden, aber auch nach den Ängsten vor Anonymität und Kontrollverlust. Wie prägen Architektur, Interaktion und Verkehr die Wahrnehmung des urbanen Raums und menschliche Beziehungen? Im Anschluss an jede Filmvorführung im Kino des Dortmunder U diskutieren Wissenschaftler der TU Dortmund, Gäste und Publikum über diese Fragen und über die visuellen und musikalischen Formen, in denen das Kino die Großstadt entwirft.
Zum Film
»Lost in Translation« (USA/Japan 2003), Regie: Sofia Coppola
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren (FSK 6)
Gesprächsgast: Anke Steinborn
Sofia Coppolas »Lost in Translation« erzählt von der flüchtigen Begegnung zweier Reisender aus den USA in Tokio: Der alternde Filmstar Bob Harris (Bill Murray) und die junge Charlotte (Scarlett Johansson) sind aus unterschiedlichen Gründen in die japanische Metropole gereist und fühlen sich dort gleichermaßen verloren. Das luxuriöse Hotel, in dem sie wohnen, ist Rückzugsort und Isolationsraum zugleich. Zwischen Neonreklamen, überfüllten Straßen und anonymen Innenräumen erscheint Tokio als überwältigender Bild- und Klangraum. Die Erfahrung kultureller Fremdheit übersetzt Coppola in ein melancholisches Spiel mit verlangsamtem Erzähltempo, beiläufigen Beobachtungen und atmosphärischer Musik. Das Tokio des Films ist weniger dokumentarisch, als eine Projektionsfläche für die Selbstsuche westlicher Reisender und dabei nicht ganz frei von kulturellen Klischees und Stereotypen.
Anke Steinborn beschäftigt sich als Kultur- und Medienwissenschaftlerin mit Fragen der Identität und Fremdheit im zeitgenössischen Film. »Lost in Translation« hat sie besonders intensiv untersucht.
Veranstaltungsort
Kino im U
Anschrift und Erreichbarkeit44137 Dortmund
Veranstalter
Technische Universität Dortmund - Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften
Anschrift und Erreichbarkeit44227 Dortmund
Schlagwörter
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