Film: »City of God« (Brasilien 2002)
Das Dortmunder U feiert Geburtstag: Vor einhundert Jahren wurde das ehemalige Firmenhochhaus der Dortmunder Union-Brauerei nach Plänen des Architekten Emil Moog errichtet. Heute zählt der Bau zu den bedeutendsten Zeugnissen der 1920er Jahre im Dortmunder Stadtbild. Seine markante Silhouette steht für Dortmunds Aufbruch zur modernen Großstadt und für die Industriekultur des Ruhrgebiets. Als weithin sichtbare Landmarke verband es wirtschaftliche Macht mit städtischer Repräsentation. Seine heutige Nutzung als Kultureller Ort macht zugleich den Strukturwandel der Industriestadt anschaulich.
Die TU Dortmund nimmt das Jubiläum zum Anlass für die Filmreihe »Großstadtvisionen«. Vier Spielfilme aus den Jahren 1927 bis 2003 zeigen, wie das Kino die moderne Metropole wahrnimmt und imaginiert: als beschleunigten Rhythmus von Arbeit, Verkehr und Konsum, als dystopischen Raum von Kontrolle und Gewalt, als globalisierte Erfahrungswelt von Fremdheit und Einsamkeit und als sozial segregierten Lebensraum. Die Kamera bildet die Stadt dabei nicht einfach ab. Montage, Bildkomposition, Ton und Musik verdichten sich zu einer ästhetischen Konstruktion, die die Stadt selbst zum handelnden Subjekt macht.
Die Reihe fragt nach den Hoffnungen auf Freiheit, Mobilität und Vergnügen, die sich seit den 1920er Jahren mit dem großstädtischen Leben verbinden, aber auch nach den Ängsten vor Anonymität und Kontrollverlust. Wie prägen Architektur, Interaktion und Verkehr die Wahrnehmung des urbanen Raums und menschliche Beziehungen? Im Anschluss an jede Filmvorführung im Kino des Dortmunder U diskutieren Wissenschaftler der TU Dortmund, Gäste und Publikum über diese Fragen und über die visuellen und musikalischen Formen, in denen das Kino die Großstadt entwirft.
Zum Film
»City of God« (Brasilien 2002), Regie: Fernando Meirelles u. Kátia Lund
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren (FSK 16)
Gesprächsgast: Sonja Collison
Fernando Meirelles’ und Kátia Lunds »City of God« erzählt vom Heranwachsen des jungen Buscapé in der gleichnamigen Siedlung am Rand Rio de Janeiros. Von den 1960er bis in die frühen 1980er Jahre erlebt er Drogenhandel, Bandenkriege und Polizeigewalt. Durch die Fotografie hofft er, diesem Kreislauf zu entkommen. Episodische Erzählweise, Montagen und prägnanter Musikeinsatz verleihen dem Film eine mitreißende Dynamik. Die Favela erscheint dabei nicht als Gegenwelt zur Metropole, denn als Produkt räumlicher Segregation und extremer sozialer Ungleichheit. Zugleich stellt die virtuose Inszenierung ein ästhetisches und ethisches Problem: Macht sie die gesellschaftlichen Bedingungen der Gewalt sichtbar oder verwandelt sie diese konsumierbares Unterhaltungskino?
Sonja Collison arbeitet als Kulturanthropologin und Kulturproduzentin sowie in der diskriminierungskritischen Filmbildung. Sie fragt danach, wie Filme Zugehörigkeit, soziale Ungleichheit und rassistische Zuschreibungen sichtbar machen, ausblenden oder festschreiben.
Veranstaltungsort
Kino im U
Anschrift und Erreichbarkeit44137 Dortmund
Veranstalter
Technische Universität Dortmund - Fakultät Kunst- und Sportwissenschaften
Anschrift und Erreichbarkeit44227 Dortmund
Schlagwörter
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