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Foto-Ausstellung im Hoesch-Museum zeigt Alltagsleben der Griechen in Dortmund in den 70ern

Mit der Ausstellung „Wie’s innen aussieht, geht niemand was an…“ gewährt das Hoesch-Museum einen intimen Blick auf den Alltag der Dortmunder Griechen von 1976. Fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung zeigt das Fotografen-Duo Spiler und Strenge ihre damals viel diskutierten Bilder im neuen Licht. 

Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen eine starke Gemeinschaft: Ein Jugendlicher lächelt im weit aufgeknöpften, bauchfreien Sternchenhemd und knallenger Jeans in die Kamera. Eine Reihe Kinder zeigt einen traditionellen Tanz auf dem Schulhof. Dann ein Blick ins Wohnzimmer auf eine gesellige Runde an einem Tisch, vollgestellt mit Essensplatten. Dass sich alle von den Tellern einfach ihr Essen nahmen, fanden die beiden jungen Fotografen bemerkenswert - Fingerfood war ihnen neu. Diese Einblicke sind besondere Momente der Reportagefotografie.

Fotografen stellen aus

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Drei Männer stehen Arm in Arm an einer Hauswand. Das Foto ist schwarz-weiß.
Porträts von jungen Griechen in Dortmund - ein Zeugnis der ersten Gastarbeiter-Generation.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki

Die beiden Fotografen, Jürgen Spiler und Thomas Strenge, beide Anfang 20 Jahre alt, begleiteten 1976 drei Monate lang den Alltag einiger griechischen Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern in Dortmund. Sie waren Teil der Gemeinschaft und wurden am Ende kaum noch wahrgenommen, erzählen sie. Wichtig für die Nähe und den besonderen Blick auf Familien, Alltag, aber auch auf Arbeitslosigkeit und Armut.

Foto-Reportage mit Blick in die Community war „der Zeit voraus“

Wiederentdeckt hat die Fotos die Leiterin des Hoesch-Museums , Isolde Parussel, per Zufall, als sie vor zehn Jahren für eine Ausstellung zur Münsterstraße recherchierte. „Das zeigt, was Museumsarbeit auch ist und was sie leisten kann“, so Isolde Parussel. Denn: Der Fund stellte sich als wahrer Schatz heraus, nicht nur für die Museumsarbeit, auch für die heutige Community in der Nordstadt.

Bilder der beiden Fotografen sowie 300 Fotos von Jugendlichen, die mit geliehenen Kameras selbst ihr Leben dokumentierten, zeigen die erste Gastarbeiterinnen- und Gastarbeiter-Generation. „Das ist ein beispielloses Projekt. Was die beiden vor 50 Jahren gemacht haben, war der Zeit voraus: Mit teilnehmender Fotografie in die Community gehen, sich das Vertrauen erarbeiten und den Alltag so zeigen, wie er war“, lobt Wolfgang Weick vom Vorstand des Vereins „Freunde des Hoesch-Museums“.

Ausstellung wurde in Presse und Politik kritisiert

Fast 5.000 Griechen lebten damals in Dortmund, die meisten rund um den Borsigplatz oder am Hafen. Nach dem Anwerbe-Abkommen von 1960 wanderten besonders aus Griechenland viele Familien ein und nicht nur Männer, wie sonst oft üblich. Die beiden Fotografen Jürgen Spiler und Thomas Strenge zeigten die Fotos als Auftagsarbeit bei den „Dortmunder Auslandskulturtagen“ im Jahr 1976.

Allerdings war die Ausstellung durchaus umstritten. Griechenland war 1976 Partnerland der Auslandskulturtage. Das offizielle Programm sollte die junge Republik positiv zeigen, als Land der Antike, Reiseland, EG-Beitrittskandidatin, auch ihre Theatertradition oder Folklore. Die Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Griechenland in Dortmund waren eigentlich kein Thema. Die Ausstellung - vor allem das Dortmund-Bild - wurde damals von Politik und Presse heiß diskutiert und kritisiert: Die Bilder seien zu trostlos, zu wenig positiv.

Tatsächlich aber dokumentieren die Bilder eindringlich die Lebensrealität einer ersten Migrantinnen- und Migrantengeneration und sind ein wichtiges Zeugnis dieser Zeit. 50 Jahre später zeigt die Ausstellung einen erweiterten Blick auf die damaligen Aufnahmen. Sie dokumentiert, wie sich Lebensrealitäten und gesellschaftliche Teilhabe verändert haben — und lädt Besucherinnen und Besucher ein, bekannte Gesichter oder Orte wiederzuentdecken.

Impressionen aus der Ausstellung „Wie's innen aussieht, geht niemand was an...“

Tom Strenge und Jürgen Spiler in ihrer Ausstellung im Hoesch-Museum.
Tom Strenge und Jürgen Spiler in ihrer Ausstellung im Hoesch-Museum.
Bild: Stadt Dortmund / Silke Hempel
Personen sind in einer Ausstellung im Hoesch-Museum.
„Wie's innen aussieht, geht niemand was an... Dortmunder Griechen“ – ein Blick in die Ausstellung.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Zwei Männer zeigen auf Fotografien in einer Ausstellung.
Bekannte Orte oder Gesichter wiederfinden – auch das ist in der Ausstellung möglich.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Kinder stehen auf der Straße und halten sich in den Armen.
Diese Aufnahme griechischer Kinder entstand 1976 auf einem Spielplatz an der Flurstraße.
Bild: Jürgen Spiler und Thomas Strenge
Drei Männer stehen Arm in Arm an einer Hauswand. Das Foto ist schwarz-weiß.
Porträts von jungen Griechen in Dortmund - ein Zeugnis der ersten Gastarbeiter-Generation.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Schwarz-weiß Aufnahme einer Schulklasse von hinten. Vorne ist der Lehrer zu sehen, an der Tafel stehen griechische Buchstaben. Ein Mädchen dreht sich um und blickt in die Kamera.
Schwarz-weiß Aufnahme einer Schulklasse. An der Tafel: ein Satz auf Griechisch.
Bild: Jürgen Spiler & Thomas Strenge
Tom Strenge und Jürgen Spiler in ihrer Ausstellung im Hoesch-Museum.
Tom Strenge und Jürgen Spiler in ihrer Ausstellung im Hoesch-Museum.
Bild: Stadt Dortmund / Silke Hempel
Personen sind in einer Ausstellung im Hoesch-Museum.
„Wie's innen aussieht, geht niemand was an... Dortmunder Griechen“ – ein Blick in die Ausstellung.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Zwei Männer zeigen auf Fotografien in einer Ausstellung.
Bekannte Orte oder Gesichter wiederfinden – auch das ist in der Ausstellung möglich.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Kinder stehen auf der Straße und halten sich in den Armen.
Diese Aufnahme griechischer Kinder entstand 1976 auf einem Spielplatz an der Flurstraße.
Bild: Jürgen Spiler und Thomas Strenge
Drei Männer stehen Arm in Arm an einer Hauswand. Das Foto ist schwarz-weiß.
Porträts von jungen Griechen in Dortmund - ein Zeugnis der ersten Gastarbeiter-Generation.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki
Schwarz-weiß Aufnahme einer Schulklasse von hinten. Vorne ist der Lehrer zu sehen, an der Tafel stehen griechische Buchstaben. Ein Mädchen dreht sich um und blickt in die Kamera.
Schwarz-weiß Aufnahme einer Schulklasse. An der Tafel: ein Satz auf Griechisch.
Bild: Jürgen Spiler & Thomas Strenge

Umfangreiches Rahmenprogramm

Führungen mit den Fotografen, ein Erzählcafé mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, eine Lesung von Nachkommen der Gastarbeitergeneration sowie ein Dokumentarfilm mit anschließendem Gespräch vertiefen die Themen der Ausstellung und schlagen eine Brücke in die Gegenwart.

Fotografen bieten persönliche Einblicke bei Führungen

An den Sonntagen (15. März, 12. April, 17. Mai und 14. Juni, 11 bis 12 Uhr) führen die Fotografen Spiler und Strenge persönlich durch die Ausstellung . Dabei berichten sie über Entstehung und Rezeption ihrer Arbeiten, über Begegnungen mit der griechischen Community in ihren frühen Jahren sowie über die Bedeutung der Aufnahmen im Rückblick auf fünf Jahrzehnte gesellschaftlicher Entwicklung. Die Führung kostet 3,50 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Erinnerungen gesucht: Zeitzeugen berichten im Erzählcafé

Ein Erzählcafé mit Zeitzeugen-Gespräch unter dem Titel „Griechen in Dortmund“ lädt am Sonntag, 26. April, um 14 Uhr zum Austausch. Thematisiert werden die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ersten griechischen Beschäftigten bei Hoesch, das Alltagsleben in Dortmund der 1970er- und 1980er-Jahre sowie Treffpunkte der Community zwischen Flurstraße, Taverna Kosmos, Fritz-Henßler-Haus, WEZ oder Kafé Aman.

Auch Nachkommen der Arbeitsmigrantinnen kommen zu Wort. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die eigenen Erinnerungen einbringen möchten, können sich vorab bei Museumsleiterin Isolde Parussel unter 0231 8625916 melden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Lesung: Welche Erfahrungen machten die Töchter und Söhne?

Unter dem Titel „Daughters and Sons of Gastarbeiters“ lesen am Sonntag, 31. Mai, um 14 Uhr Çiçek Bacik, Rosaria Chirico und Manuel Gogos Texte der zweiten und dritten Generation, die den Geschichten ihrer Familien eine Stimme geben und zugleich eigene Erfahrungen reflektieren. Die Lesung wird durch Fotografien aus privaten Familienalben ergänzt. Der Eintritt ist frei.

Dokumentarfilm begleitet zwei Frauen auf die Reise zurück in die Heimat

Am Sonntag, 7. Juni, um 14 Uhr zeigt das Museum den Dokumentarfilm „Sofia & Stella. Zwei Erzählungen vom Dort und Hier“. Der 55-minütige Film von Andrea Löscher und Erika Römer begleitet zwei Frauen aus Castrop-Rauxel auf eine Reise in ihre nordgriechischen Heimatdörfer, aus denen sie Anfang der 1960er-Jahre nach Deutschland kamen. Im Anschluss ist ein Gespräch mit den Beteiligten geplant. Auch diese Veranstaltung ist kostenlos.

Finissage mit Resümee und Spende

Den Abschluss des Begleitprogramms bildet die Finissage am Sonntag, 28. Juni, um 11 Uhr. Nach der Begrüßung durch Dr. Karl Lauschke, Vorsitzender der Freunde des Hoesch-Museums e. V., zieht Museumsleiterin Isolde Parussel ein Resümee der Ausstellung. Im Anschluss werden die ausgestellten Fotoabzüge gegen eine Spende zugunsten des Jugendrings Dortmund abgegeben. Der Jugendring hatte 1976 das Fotoprojekt finanziert.

Kurzinfos

Die Ausstellung „ Wie’s innen aussieht, geht niemand was an … “. Dortmunder Griechen 1976 läuft vom 1. März bis 28. Juni 2026. Der Eintritt ist frei. Das Begleitheft gibt es im Museum für 4 Euro. Fast 300 zusätzliche Fotos, die Jugendliche 1976 von ihrer Stadt machten, ergänzen die Schau. Eine Hörstation des Deutschlandfunks beleuchtet zudem die Erfahrungen griechischer „Gastarbeiterinnen“ und erweitert die fotografische Rückschau um akustische Zeitzeugnisse.

Finissage: Sonntag, 28. Juni, 11 Uhr.

Hoesch-Museum , Eberhardstr. 12, 44145 Dortmund, 0231 8625917 , info@hoesch-museum.de

Öffnungszeiten:

  • Dienstag und Mittwoch 12-17 Uhr
  • Donnerstag 9-17 Uhr
  • Sonntag 10-17 Uhr
  • An Feiertagen ist die Ausstellung geschlossen

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