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Wenn Männer unterdrückt und geschlagen werden: Stadt startet neues Hilfsangebot

Neues Angebot für Männer, die häusliche Gewalt erleben: Die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Dortmund richtet eine Gruppe ein, in der sich männliche Opfer von partnerschaftlicher Gewalt austauschen können und Beratung erhalten. Am 17. März haben die Mitarbeiter*innen des Jugendamts das neue Programm vorgestellt.

Mit dabei waren andere starke Partner, die im Dortmunder Opferschutz aktiv sind: der Weiße Ring, das Gleichstellungsbüro, die evangelische Beratungsstelle für Lebensfragen und der kriminalpolizeiliche Opferschutz – für alle eine gute Gelegenheit zum Netzwerken und um sich über die eigenen Erfahrungen auszutauschen.

Bild: Stadt Dortmund / Markus Kaminski
Große Diskussionsrunde zum Thema „Wenn Männer in Beziehungen Gewalt erfahren“.
Große Diskussionsrunde zum Thema „Wenn Männer in Beziehungen Gewalt erfahren“.
Bild: Stadt Dortmund / Markus Kaminski

Denn über den Mann, der in Beziehungen häusliche Gewalt erfährt, weiß selbst die Wissenschaft noch nicht allzu viel: Statistisch kann er in jedem Lebensalter zum Opfer werden. Und man findet ihn in jeder gesellschaftlichen Schicht. Hauptsächlich erfahren die Männer psychische Gewalt, weniger körperliche Gewalt und sehr selten sexualisierte Gewalt. Nur zwei Prozent all dieser Männer zeigen ihre Partner*innen überhaupt bei der Polizei an.

Hohe Dunkelziffer

Die tatsächliche Zahl der Delikte dürfte also erheblich höher liegen. In diesem Dunkelfeld bewegen sich all jene Männer, die Angst haben, ausgelacht zu werden, die fürchten, dass ihre Leiden nicht ernst genommen werden. „Oft liegt das auch an der Sozialisation der Männer. Sie müssen tapfer sein und Leid ertragen, weil sie dieses Rollenbild schon als Kind gelernt haben“, sagt Psychologe Norbert Köring.

Köring und sein Kollege Maurits Fulde haben Erfahrung mit Männern, die ihre Opferrolle erst gar nicht erkennen können. Köring: „Die Männer kommen oft mit anderen Problemen zu uns in die Psychologische Beratungsstelle.“

Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki / Markus Kaminski
Norbert Köring ist Psychologe, Maurits Fulde ist Pädagoge.
Sie leiten die Gruppe: Norbert Köring und Maurits Fulde vom Psychologischen Beratungsdienst.
Bild: Stadt Dortmund / Roland Gorecki / Markus Kaminski

Köring schildert das am Beispiel eines Mannes, der eigentlich Rat wegen seines Kindes gesucht hat. Nach und nach stellte sich heraus: Der Mann wird von seiner Frau geschlagen. Mit der Faust ins Gesicht. Er zieht sich immer mehr zurück, will ihr alles recht machen – das kann aber gar nicht gelingen. Vor ihren Wutausbrüchen schließt er sich im Badezimmer ein. „Er erträgt ihre Demütigungen. Aber sein Selbstwertgefühl und seine Lebenszufriedenheit sind längst bei null. Und er quält sich mit einer Frage: ,Liegt das alles an mir?‘“, sagt Köring.

Opfer machen sich selbst Vorwürfe

Auch das ist typisch für Männer, die Gewalt in ihren Beziehungen erfahren haben. Ihr Leben ist von Zweifeln und Selbstvorwürfen geprägt. Um das zu ordnen, da sind sich die Gesprächspartner in der Runde einig, ist ein niedrigschwelliges Angebot wie die geplante Männergruppe genau richtig: „Wir wollen hier einen geschützten Raum anbieten. Die Männer sollen erkennen: ,Ich bin nicht allein‘“, sagt Maurits Fulde. Trotzdem spielt die Anonymität für die Gruppe eine wesentliche Rolle, Vertrauen ist das oberste Gebot.

Zum Thema

Die Gruppe startet am 2. April, um 17 Uhr, in den Räumen der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Dortmund (4. Etage, Märkische Straße 109, 44141 Dortmund). Sie ist für jeden ersten Mittwoch im Monat geplant. Die Teilnahme ist kostenlos. Fulde (Pädagoge) und Köring (Psychologe) leiten die Gruppe.

Eine Anmeldung zur Teilnahme ist nicht notwendig, wäre aber hilfreich. Rückfragen zur Informationsveranstaltung und zum Gruppenangebot gehen an: Maurits Fulde, E-Mail: mfulde@stadtdo.de , Tel.: 0231 50-25078 oder Norbert Köring, E-Mail: nkoering@stadtdo.de , Tel.: 0231 50-11991 .

Schlagwörter

Kinder, Jugendliche & Familie

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