„Wenn die Wände flüstern“ noch bis 7. Juni 2026
Gänsehaut und Grusel-Lust: uzwei lockt mit interaktiver Ausstellung über Angst und Unheimliches ins Dortmunder U
„Wenn die Wände flüstern“ heißt die neue Ausstellung auf der uzwei. Doch es sind längst nicht nur unheimliche Stimmen und Geräusche, die die Besuchenden durch die zweite Etage des Dortmunder U begleiten. Da sind auch diese unverwandte Blicke aus Dutzenden Augen, die aus Türen und Wänden starren…
Mit „Wenn die Wände flüstern“ präsentiert die uzwei, die junge Etage im Dortmunder U, noch bis zum 7. Juni interaktive Installationen, Licht- und Fotoarbeiten zwölf junger Künstlerinnen und Künstler, die sich mit den Facetten von Angst und dem Unheimlichen auseinandersetzen. Über zehn Monate haben sie, begleitet von Mentor*innen und professionellen Kunstschaffenden, ihre Angst-Arbeiten entwickelt – von der ersten Idee bis zur Ausstellungseröffnung.
Dämonenspiegel, Tentakelwand, Werwolf-Herz oder lebendige Telefonzelle: Auch wenn die Arbeiten danach klingen, ist die Ausstellung weitaus mehr als ein spektakuläres Gruselkabinett. Zu erleben ist eine ebenso kluge wie sensible und differenzierte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Phänomenen, aber auch den eigenen Monstern.
Gefesseltes Gehirn und ein „Moard Board“
So hängt ein metergroßes, wülstiges Hirn den Besuchenden beim Eintritt in die uzwei direkt im Blick. Lana Kataa (18) hat es aus mit Watte gefüllten Strumpfhosen gebaut und teilweise in Ketten gelegt – ein gefesseltes Gehirn, durchzogen von grünen Leuchtbändern, den „Vergifteten Gedanken“, so der Titel ihrer Installation. Doch einige der Ketten sind auch schon gesprengt – „wir können auch ausbrechen, die negativen Gedanken müssen uns nicht dominieren“, erklärt Lana die Idee ihrer Arbeit.
Einige Meter weiter klingelt es wie aus dem Nichts aus einer mit Stickern beklebten und beschmierten Telefonzelle. Wer eintritt und den Hörer abnimmt, wird sofort hineingezogen in eine Geschichte über einen Jugendstreich, der sich Jahre später zu rächen droht… Eine spannende Audio-Installation von Hannah Schittkowski.
Henri Kilian Klimms „Moard Board“ appelliert an das detektivische Gespür der Besuchenden: Sie sind eingeladen, einen fiktiven Mystery-Fall zu lösen. Zwei junge Leute aus einer Kleinstadt sind verschwunden. Fotos, Zeitungs- und Buchseiten, Notizen und Karten, die wild an die Wand geheftet und mit roten Wollfäden in Beziehung zueinander gebracht wurden, können dabei helfen, das Rätsel zu lösen.
Quietschen, Knarzen, Stöhnen
Wer in Nele Kleine-Weischedes „Spiegel der Einsicht“ blickt, den erwartet zunächst mystisch wabernder Nebel. Beim Nähertreten greifen plötzlich Hände aus dem Spiegel nach dem Gegenüber – das Spiegelbild rückt dem Original zu Leibe. Eine professionell umgesetzte Medieninstallation.
Die Ausstellung fordert alle Sinne, auch das Gehör: Da quietschen und knarzen unsichtbare Türen, da wird körperlos geatmet und gestöhnt, gerasselt und geschlurft… ein unsichtbares, aber umso wirksameres Werk des Sounddesigners Bastian Gies.
Zwischen den einzelnen Horror-Stationen laden mit rosa Plüsch bezogene Sitzgelegenheiten dazu ein, zur Ruhe zu kommen, ebenso wie die „Katharsis“-Station am Ende, in der alle Besuchenden eingeladen sind, ihre Ängste zu Oregami zu verbasteln, an einen Baum zu hängen – und einfach dort zu lassen.
Wie bei allen Projekten der uzwei haben ausgebildete Künstlerinnen und Künstler die Konzepte und Ideen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen angeleitet, kongenial begleitet und zu professionellen Ergebnissen geführt. Die künstlerische Leitung der Ausstellung haben Norman Grotegut und Hans Peters, für Szenografie zeichnen sich Janina Hudde und Marie Schönenborn verantwortlich. Die Produktionsleitung lag bei Lioba Sombetzki.
Die beteiligten Künstler*innen: Christian Filippi, Edda Schneider, Hanna Knoblauch; Hannah Schittkowski; Henri Kilian Kimm; Jwanzeen Al-Sello; Lana Kattaa; Nele Kleine-Weischede; Priya Marie Schluck, Samira Szameitat, Sophia Krutenat, Sophie Debicki.
Anhänge
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Lana Kataa schuf die Installation "Vergiftete Gedanken" - ein riesiges Hirn, das die Eintretenden direkt am Eingang begrüßt. , 875 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Roland Gorecki -
Schwarze Tentakel breiten sich raumgreifend aus und produzieren bizarre Schatten - Hanna Knoblauchs Lichtinstallation "Komplexität der Angst" und die Fotoserie "Limbo" von Christian Filippi. , 1 MB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Roland Gorecki -
"Mein Werwolf" heißt Sophia Krutenats interaktive Installation: Ins Herz des Werwolfs können Besuchende auf ein Tablet ihre Ängste malen, ausdrucken, mitnehmen - oder auch verlieren oder zerknüllen. , 5 MB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Marlene Köppen -
"Die Zelle" heißt Hannah Schittkowskis Audioinstallation über die Erinnerung und die Faszination am Unheimlichen. , 704 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Roland Gorecki -
Warum sind in der Kleinstadt Trödelingen zwei junge Menschen verschwunden? Das "Moard Board" hilft dem Besucher, den Rätsel auf die Spur zu kommen. , 952 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Roland Gorecki -
Hinter jeder für diese Installation konservierten Träne steht eine Geschichte - die man sich in der Ausstellung anhören kann. , 979 KB , JPEG Quelle: Stadt Dortmund / Roland Gorecki