Infoabend im Rathaus: Was der Boden über das frühere Kriegsgefangenenlager Stalag VI D verrät
Archäologen graben derzeit noch auf dem Gelände der Westfalenhallen und bringen fortlaufend neue Details ans Licht. Eine Infoveranstaltung am Dienstag, 13. Oktober, im Dortmunder Rathaus zeigt nun exklusiv die neuesten Funde und präsentiert den Forschungsstand. Wer dabei sein möchte, muss sich allerdings beeilen: Es gibt nur noch wenige freie Plätze – bis Freitag, 9. Oktober, läuft die Anmeldefrist.
Was geschah während des Zweiten Weltkriegs auf Teilen des heutigen Westfalenhallen-Geländes? Wie lebten die Menschen im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Stalag VI D? Einblicke aus erster Hand verspricht die Infoveranstaltung am Dienstag, 13. Oktober, um 18 Uhr in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses (Friedensplatz 1). Oberbürgermeister Alexander Kalouti begrüßt die Gäste, danach startet ein spannend-informativer Abend. Ingmar Luther, Leiter der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, und Frederik Heinze, Grabungsleiter bei EggensteinExca, stellen an diesem Abend frisch ausgegrabene und schon bekannte Fundstücke vor und verknüpfen sie mit alten Dokumenten und recherchierten Fakten.
Schuhe aus Holz und eine alte Abfallgrube
Die Schaufeln der Archäologen stehen nicht still. Erst in den vergangenen Wochen haben die Fachleute eine alte Abfallgrube freigelegt. Darin lagen viele Reste von Leder und Stoffen. Zusammen mit Werkzeugen wie Schuhambossen sprechen die Funde dafür, dass die Gefangenen dort ihre Schuhe und Kleider selbst reparierten.
Das passt genau zu historischen Berichten des Roten Kreuzes aus dem Jahr 1943. Damals schrieben Kontrolleure, dass die Versorgung von Tausenden Kriegsgefangenen mit Kleidung und Schuhen schwierig war. Dem Bericht zufolge hatten rund 4.000 französische Kriegsgefangene ihre persönlichen Sachen bei einem Feuer verloren und warteten auf 3.000 Kleidersortimente aus Frankreich. Auch Schuhe waren Mangelware und vielfach in sehr schlechtem Zustand. Viele Gefangene mussten deshalb in Holzschuhen arbeiten. Bei Arbeiten in der Landwirtschaft konnten Holzschuhe noch genutzt werden, bei der Arbeit in Fabriken führten sie jedoch immer wieder zu Fußverletzungen. Die neuen Funde machen diese alte Geschichte plötzlich greifbar und sehr nahbar.
Einblick in den Alltag der Gefangenen
Bisher haben die Fachleute etwa ein Sechstel des damaligen Lagerareals untersucht und dokumentiert. Trotzdem fanden sie schon Fundamente von Baracken, Spuren von Bombentreffern und Gegenstände aus dem Alltag der Kriegsgefangenen. Der Vortrag zeigt deshalb den aktuellen Zwischenstand einer für die Archäolog*innen emotionalen Spurensuche. Eine abschließende Bewertung wird erst möglich sein, wenn die Ausgrabungen und ihre Auswertung beendet sind.
Wer noch tiefer eintauchen möchte, kann vor und nach dem Vortrag (16-18 Uhr und 20-21 Uhr) eine begleitende Ausstellung im Rathaus besuchen. Sie zeigt ausgewählte Originalfunde, historische Fotos und persönliche Briefe. Die Ausstellung läuft nach dem Infoabend noch weiter bis zum 26. Oktober.
Fachleute diskutieren die Funde und ihre Bedeutung
Im Anschluss an den Vortrag diskutieren Fachleute auf dem Podium über die Entdeckungen. Mit dabei sind unter anderem Planungsdezernent Stefan Szuggat, Dr. Sandra Peternek (Direktorin der LWL-Archäologie für Westfalen), Dr. Marcus Weidner vom LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte sowie Ingmar Luther von der Unteren Denkmalbehörde. In einem abgesetzten Themen-Talk zur weiteren Entwicklung des Standorts und zum Neubauprojekt bringen sich zudem Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe GmbH, und Linda Zimmer, Technische Leitung des Sondervermögens der Stadt Dortmund, ein.
Die Ausgrabungen und die Erkenntnisse stehen im Mittelpunkt
Der Abend konzentriert sich auf die Ergebnisse der laufenden Grabungen, ihren historischen Kontext und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Die konkrete Ausgestaltung eines künftigen Erinnerungsortes ist nicht Gegenstand der Veranstaltung. Die Überlegungen und die Diskussion über den weiteren Umgang mit den geborgenen Zeugnissen und die Perspektive einer dauerhaften Form des Erinnerns laufen jedoch parallel weiter. Das Konzept, das dazu entwickelt wird, muss der der historischen Bedeutung des Ortes und der Verantwortung gegenüber den Menschen gerecht werden, die dort gefangen gehalten wurden. Die laufenden archäologischen Untersuchungen und ihre wissenschaftliche Auswertung bilden hierfür eine wichtige Grundlage. Neue Erkenntnisse fließen fortlaufend in die Überlegungen ein.
Da der Platz im Rathaus begrenzt ist, können nur angemeldete Gäste teilnehmen. Interessierte müssen jetzt schnell sein: Noch bis zum 9. Oktober kann man sich online unter
Redaktionshinweis:
Bitte kündigen Sie die Veranstaltung an. Wir laden Sie als Medienvertreter*in ebenfalls zu dem Abend ein, bitten jedoch um vorherige Anmeldung über