Denkmalschutz
Kriegsgefangenenlager
Stalag VI D
Das Gelände der heutigen Westfalenhallen in Dortmund ist ein historischer Ort von internationaler Bedeutung. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier das Mannschaftsstammlager Stalag VI D, eines der großen Kriegsgefangenenlager im Westen des Deutschen Reiches. Heute wird dieser lange überformte Ort archäologisch und historisch neu erschlossen. Die aktuellen Untersuchungen und die geplante Entwicklung einer Mahn- und Gedenkstätte sollen seine Geschichte dauerhaft sichtbar machen.
Das Stalag VI D
Das Stalag VI D wurde im September 1939 eingerichtet und bestand bis zum Frühjahr 1945. Es war Teil des von der Wehrmacht organisierten Kriegsgefangenenwesens und eng mit dem System der Zwangsarbeit und der deutschen Kriegswirtschaft verbunden. Das Lager diente der Registrierung und Unterbringung von Kriegsgefangenen sowie ihrer Verteilung auf Arbeitskommandos.
Seine Geschichte reicht deshalb weit über das Gelände an der Westfalenhalle und im angrenzenden Volkspark hinaus. Zeitweise waren dem Stalag VI D mehr als 76.000 Kriegsgefangene gleichzeitig zugeordnet. Rund 66.700 von ihnen befanden sich in Arbeitskommandos. Im Hauptlager waren gleichzeitig maximal etwa 10.000 Menschen untergebracht.
Die Kriegsgefangenen
Zu den Gefangenen gehörten Menschen aus Frankreich, Polen, der ehemaligen Sowjetunion, Belgien, Großbritannien, Jugoslawien, den Niederlanden und der Tschechoslowakei. Später kamen italienische Militärangehörige hinzu. Ihre Haftbedingungen unterschieden sich erheblich und waren durch die rassistische und ideologische Hierarchisierung des nationalsozialistischen Regimes geprägt. Besonders sowjetische Kriegsgefangene waren systematischer Entrechtung, mangelhafter Versorgung und Gewalt ausgesetzt.
Der Arbeitseinsatz war eine zentrale Funktion des Lagersystems. Ein großer Teil der Gefangenen wurde in Arbeitskommandos außerhalb des Hauptlagers eingesetzt. Das Stalag VI D umfasste damit ein weit verzweigtes System von Unterbringungs- und Einsatzorten.
Der historische Ort
Zu Beginn wurde auch die 1925 eröffnete Westfalenhalle zur Unterbringung von Kriegsgefangenen genutzt. Später entstand im angrenzenden Volkspark ein umfangreiches Barackenlager. Der Alltag vieler Gefangener war von unzureichender Versorgung, Hunger, Krankheiten, schwerer körperlicher Arbeit und Gewalt geprägt. Hinzu kamen die Luftangriffe auf Dortmund und die damit verbundene Angst vor dem Tod durch eine detonierende Bombe.
Nach 1945 wurde das Gelände verändert, neu genutzt und teilweise überbaut. Dadurch verschwanden viele sichtbare Spuren des Lagers. Seit 2007 erinnert ein Gedenkstein am Rheinlanddamm an die Kriegsgefangenen. Die ursprüngliche Ausdehnung und Struktur des Stalag VI D blieb vor Ort jedoch lange kaum nachvollziehbar.
Archäologie und historische Forschung
Die aktuellen archäologischen Untersuchungen eröffnen einen neuen Zugang zur Geschichte des Stalag VI D. Inzwischen wurde etwa ein Sechstel des damaligen Lagerareals archäologisch dokumentiert. Gefunden wurden Bereiche ehemaliger Baracken, weitere bauliche Strukturen und Bombentrichter. Außerdem wurden Gegenstände des Lageralltags wie Schuhe, Arzneifläschchen, Knöpfe und Münzen geborgen.
Von besonderer Bedeutung ist die Verbindung der archäologischen Befunde mit historischen Quellen. Funde und Baustrukturen werden mit Plänen, Fotografien, Verwaltungsunterlagen, Kriegsgefangenenpost, medizinischen Dokumenten und Quellen aus deutschen und internationalen Archiven zusammengeführt. So lassen sich Lage und Struktur des Lagers genauer rekonstruieren. In einzelnen Fällen können auch persönliche Lebenswege nachvollzogen werden.
Mahn- und Gedenkstätte
Die historische und archäologische Erforschung ist noch nicht abgeschlossen. Die freigelegten Befunde werden dokumentiert und wissenschaftlich ausgewertet. Zugleich soll die Geschichte des Ortes dauerhaft sichtbar und vermittelbar bleiben.
Geplant ist die Entwicklung einer Mahn- und Gedenkstätte auf dem Gelände der Westfalenhallen. Ihre konkrete Konzeption und Ausgestaltung sind Teil der weiteren fachlichen und planerischen Arbeit.
Eine Geschichte mit europäischer Dimension
Die Erforschung des Stalag VI D reicht über die Westfalenhallen hinaus. Sie umfasst auch die Arbeitskommandos, die Einsatz- und Unterbringungsorte der Gefangenen sowie beteiligte Institutionen und Betriebe.
Hinter Lagerzahlen, Verwaltungsakten und archäologischen Befunden stehen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Sie gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft, wurden von ihren Familien getrennt und mussten unter den Bedingungen von Krieg, Gefangenschaft und Zwangsarbeit leben. Ihre Erfahrungen und Lebenswege sind ein wesentlicher Teil der Geschichte des Stalag VI D.
Ein Informationsangebot, das mit der Forschung wächst
Diese Website dokumentiert keinen abgeschlossenen Forschungsstand. Neue archäologische Befunde und historische Quellen können weitere Erkenntnisse über das Stalag VI D und die dort registrierten, untergebrachten und von dort aus eingesetzten Menschen hervorbringen.
Ziel ist es, die Strukturen und Funktionen des Lagers möglichst präzise zu rekonstruieren und zugleich die Erfahrungen und Schicksale der Kriegsgefangenen sichtbar zu machen. Neue Funde, Dokumente, Fotografien und rekonstruierte Lebenswege werden den Forschungsstand fortlaufend ergänzen.
Die Präsentation der Daten und Fakten versteht sich als wachsendes Informations- und Forschungsangebot. Sie dokumentiert den Stand der Aufarbeitung und begleitet die weitere Auseinandersetzung mit dem historischen Ort und die Entwicklung der geplanten Mahn- und Gedenkstätte.
Informationsveranstaltung zum Kriegsgefangenenlager Stalag VI D
Informationsveranstaltung zum Kriegsgefangenenlager Stalag VI D am 13. Oktober 2026 um 18 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses.
Eine Anmeldung ist erforderlich und bis zum 9. Oktober 2026 möglich. Die Anzahl der Plätze ist begrenzt. Eine Teilnahme ist nur mit einer bestätigten Anmeldung möglich.
Die Ausstellung „Archäologie und Geschichte eines Lagerkomplexes“ ist vom 14.10.2026 bis zum 26.10.2026 zu den Öffnungszeiten des Rathauses Dortmund für Besucher*innen zugänglich.
Nachrichten
Bevor die neuen Messehallen mit dem Kongresszentrum und dem Eingang Süd tatsächlich gebaut werden, waren die Archäologen auf dem Baustellengelände unterwegs. Sie haben mehr Spuren des früheren Kriegsgefangenenlagers an den Westfalenhallen gefunden als erwartet.
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